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Buchrezension: Sklansky - No Limit Hold'em. Theorie und Praxis

Was macht man, wenn man mit der gängigen Pokerliteratur durch ist und nun etwas Anspruchsvolleres sucht, um sein Pokerspiel weiterzuentwickeln? Man nimmt ein Buch von David Sklansky! Der Titel „No-Limit Hold’em Theorie und Praxis“ verspricht viel und der Sohn eines Mathematikprofessors ist dafür bekannt, sehr detailreiche und tiefgehende Literatur zu veröffentlichen. Das Mitwirken des bekannten Pokerpros und Buchautors Ed Miller verspricht noch mehr interessanten Content. Und wenn man den Inhalt dieses Buches nun mit einem Satz beschreiben sollte, könnte man sagen: „Sehr gute Konzepte für Texas NL Hold’em, allerdings nichts für Anfänger!“ 

Das Buch ist unterteilt in genau zwei Kapitel. Kapitel eins trägt den Titel „Grundlagen“ und nimmt mit 220 Seiten den größten Teil des Buchs ein. Wer nun aber glaubt, hier geht es um Starthandanforderungen, Positionsspiel oder die Erklärung eines Contibet, irrt gewaltig. In dem Kapitel schreiben die Autoren mehr über Themen, die eigentlich zum Basiswissen eines jeden ambitionierten Pokerspielers gehören sollten, jedoch in den wenigsten Büchern der Pokerwelt ausführlich erörtert werden. So wird sich hier ausgiebig mit der Manipulation der Potgröße, den Einsatzhöhen bei Bluffs und Information-Bets sowie dem Anpassen des eigenen Spiels an die vorhandenen Stackgrößen am Tisch befasst. Weiter werden zum Beispiel Blocking-Bets, Bluff-Calls oder aber auch die Anpassung an verschiedene Spieler und Partien (eher loose, weak-tight etc.) erklärt. Die interessantesten Themen, neben dem bereits in Sklansky-Buch „The Theory of Poker“ erklärten zentralen Pokerlehrsatz sind hier ganz klar die Gedanken zur absoluten und relativen Position.

Während die absolute Position von Beginn an feststeht (man sitzt zum Beispiel schlicht auf dem Button), hängt die eigene relative Position davon ab, welcher Gegenspieler der Aggressor ist und wo man im Vergleich zu ihm sitzt. Sollte jetzt zum Beispiel ein Spieler in mittlerer Position limpen, der Cut-off vor einem raisen, man selbst, der Small Blind und der Limper callen, dann befindet man sich in der denkbar schlechtesten relativen Position. Im Normalfall wird die Hand auf dem Flop wie folgt weitergehen: Der Small Blind und der Limper werden unabhängig von der Stärke Ihrer Hand zum Spieler im Cut-off checken. Dieser wird in der Regel wieder erhöhen und nun ist man gezwungen, als Erster wirkliche Informationen über seine Hand preiszugeben (mal abgesehen von den Informationen, die der Cut-off mit seiner Bet preisgibt). Der Preflop-Raiser kann an dieser Stelle mit einer Reihe von Händen einen Bet bringen, aber man selbst muss wirklich Stellung beziehen. Die nachfolgenden Spieler wiederum, die eine schlechtere absolute Position innehaben, besitzen nun einen relativen Positionsvorteil einem selbst gegenüber. Für den Fall, dass der SB und der Limper folden, hat man natürlich nicht nur die beste absolute, sondern auch die beste relative Position. Bei einem Checkraise eines der beiden Spieler steht man aber vor einer sehr schweren Entscheidung, wenn man nicht die absoluten Nuts hält. Immerhin reagiert einer der Gegner auf einen Bet und einen Call mit einem Raise! Man kann also klar erkennen, dass die absolute Position natürlich sehr wichtig ist, allerdings ist die relative Position fast noch wichtiger. Je näher man also rechts am Preflop-Aggressor sitzt, desto besser ist die relative Position. Allein die ausführlichen Erklärungen zu diesem Thema rechtfertigen den Kauf dieses Buches.

Die Einführung der Sklansky-Chubukov-Tabellen ist ein weiterer genialer Schachzug. Die Tabellen zeigen auf, welcher Spielzug in Abhängigkeit des Stacks besser ist, wenn man im Small Blind eröffnet und der Big Blind perfekt spielt. Folden, oder All-in-Raisen. Die genaue Definition lautet: „Falls Sie Ihre Hand im Small Blind von $1 zeigen und sich Ihr einziger Gegner im Big Blind von $2 befindet, wie groß muss dann Ihr Stack (in Dollar und ohne den $1 für den Small Blind) sein, damit es besser ist zu folden statt all-in zu gehen, unter der Voraussetzung, dass Ihr Gegner perfekt callt oder foldet?“

All-in oft besser als Fold

Anhand von einfachen und leicht nachvollziehbaren Rechnungen erklären die Autoren diese Theorie und erzeugen damit viele verblüffende Ergebnisse. Kaum jemand würde glauben, dass es profitabel ist, mit einer Hand wie offen seine restlichen $48 in die Mitte zu schieben, aber dass mit und einem Stack von mehr als $11 ein Fold besser als ein All-in wäre? Diese Theorie soll wohlgemerkt nicht den besten Spielzug definieren, sondern aufzeigen, dass in Situationen, die besonders häufig in Turnieren vorkommen, ein All-in besser als ein Fold ist. Wer nun aber denkt, dass er hier eine Formel auswendig lernen muss, irrt sich. Als Extrabonbon gibt es am Ende eine Tabelle für jede Hand mit der dazugehörigen S-C-Zahl. Diese dann auf die entsprechende Situation umzuformen, ist damit nur noch ein Kinderspiel. So lassen sich viele Fehler, besonders in mittleren Turnierphasen mit mittelstarken Händen, leicht vermeiden. Selbstverständlich wird auch erklärt, wie die S-C-Zahl anzuwenden ist, wenn man nicht im SB, sondern im Big Blind oder auf dem Button sitzt.

Die restlichen 55 Seiten sind dann speziellen Konzepten und Angriffsstrategien gewidmet. Hier findet der Leser insgesamt 60 hilfreiche Strategien/Konzepte, die ihm dabei helfen, bestimmte Situationen zu schaffen bzw. diese für seine Zwecke perfekt ausnutzen zu können. Diese Konzepte sind zwar „etwas knackiger“ geschrieben und nicht so ausführlich begründet, allerdings sind die Gründe für diese Konzepte meistens offensichtlicher und einfacher nachzuvollziehen als bei den meisten „Grundlagen“. In diesen Konzepten werden oftmals auch die Unterschiede der einzelnen Moves zwischen Limit und No-Limit noch einmal hervorgehoben, um besser zu verdeutlichen, warum diese Spielzüge im No-Limit so bedeutsam sind/eher vernachlässigt werden können. So zeigt Konzept Nr. 52 zum Beispiel, warum der Checkraise, um einen Spieler aus dem Pot zu drängen, wichtiger im Limit ist und im No-Limit seltener angewendet werden sollte. Aber auch Konzepte wie Nr. 27: „Semibluffen Sie vor dem Flop mit den besten Händen, die Sie sonst folden. Wenn Sie sich jedoch in einem ungeraisten Pot in den Blinds befinden, sollten Sie in der Regel mit einer Ihrer schlechtesten Hände semibluffen“, sind sehr gut erklärt und bringen nahezu jeden Spieler dazu, sein eigenes Spiel zu verbessern.

Als Fazit lässt sich hier schließen: Wenn man sich bereits mit der Materie Poker beschäftigt hat und auch schon einige Erfahrungen vorweisen kann, ist dieses Buch ein absolutes Muss und wirklich sehr zu empfehlen. David Sklansky, der zusammen mit Mason Malmuth bereits 1984 den Two-Plus-Two-Publishing-Buchverlag gegründet und mittlerweile mehr als zehn Pokerbücher geschrieben und veröffentlicht hat, schafft es zusammen mit Ed Miller, auch in diesem Werk entscheidende Konzepte und Theorien zu erörtern, die das Spiel eines jeden Pokerspielers extrem verbessern werden. Lediglich reinen Anfängern sollte von diesem Buch jedoch abgeraten werden. Als „Einsteigerlektüre“ ist es wirklich nicht geeignet, da viele Theorien ein gewisses Grundwissen und Erfahrungen voraussetzen. „No-Limit Hold’em Theorie und Praxis“ ist die deutsche Übersetzung vom englischen „No-Limit Hold’em Theory and Practice“ und ist wieder einmal von Premium Poker Publishing hervorragend übersetzt worden. Für die 313 Seiten muss man zwar wieder einmal €29,90 auf den Tisch legen, jedoch sollte sich diese Investition schnell amortisieren. Wer keine Probleme mit der englischen Sprache hat, kann sich auch die englische Ausgabe (erschienen im Two-Plus-Two-Verlag, 310 Seiten) besorgen, die mit knapp €20,00 immerhin €10,00 günstiger ist. Es spricht ansonsten jedoch nichts dagegen, dieses Meisterwerk auf Deutsch zu lesen. Viel Spaß und Erfolg dabei!

 

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