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"Texas Hold'em - POKER MIT SYSTEM, Band II - Fortgeschrittene und Experten"

Nachdem der erste Band von „Texas Hold’em – Poker mit System“ (die Rezension dazu finden Sie hier) bei Weitem nicht das gehalten hat, was bisherige Aussagen in diversen Foren und Rezensionen auf verschiedenen Seiten versprochen hatten, fiel es mir etwas schwerer, den zweiten Band objektiv zu lesen. Beim Stöbern durch das Inhaltsverzeichnis stieg die Lustj edoch wieder, denn Themen wie der Umstieg auf Shorthanded, fortgeschrittener Continutation-Bet, Potcontrol und das SAGE-System ließen Gutes erhoffen. Da "Band II - Fortgeschrittene und Experten"  mit insgesamt 251 Seiten 73 Seiten mehr als der erste Band hatte, ließ dies auch vermuten, dass die Themen dieses Mal nicht so oberflächlich behandelt würden.

Der erste Schock erwartet den Leser jedoch gleich zu Beginn. In Kapitel 10 (wie Dan Harrington in seiner Reihe „Harrington on Hold’em“ führt auch Eike Adler sein zweites Werk mit dem Kapitel nach dem ersten Band – Kapitel 1 bis 9 – weiter) beschreibt der Autor zuerst ein paar Grundlagen, die er in Band I erklärt hatte, kommt dann aber zum Unterschied zwischen Online- und Livepoker. Als grundlegende „Dinge“ für das Live-(Cashgame-)Spiel empfiehlt er:

1.) „Bluffen Sie so gut wie niemals in einem Live-Spiel!“ und

2.) „Spielen Sie Standart-ABC-Poker, tight-aggressive!“

Die nächsten Aussagen kann ich einfach nicht mit eigenen Worten wiedergeben, deswegen schreibe ich hier wortwörtliche Auszüge (alle Rechtschreibfehler in Zitaten wurden 1:1 aus dem Buch übernommen):

„Fast alle Gegner in Casinos haben nicht die Geduld, auf gute Hände zu warten und nicht das Selbstvertrauen, ihre guten Karten oder Draws aggressiv zu spielen. Mit anderen Worten: Sie werden sich bei Cash-Games in Casinos zu 90% an einem Tisch mit jeder Menge passiver Callingstations wiederfinden.“

„Die meisten Spieler in Casinos haben in Ihrem Leben noch nie ein Pokerbuch gelesen, geschweige denn sich ansatzweise mit den etwas weiterführenden Theorien des Spiels auseinandergesetzt (Und das ist keine Arroganz der Online-Kultur, sondern eine von vielen Spielern weltweit beobachtete Tatsache!).“

„Wenn z.B. auf einem Board drei Kreuz und ein Paar liegen, wissen die meisten Spieler in einem Casino nicht, dass ihr Flush durch das Paar an Value verliert oder dass Ihr Paar Asse auf der Hand vielleicht doch nicht mehr so gut ist. Deshalb ist es auch sinnlos, einen Flush oder ein Full House mit einem Bluff zu repräsentieren, weil in der Regel niemand da ist, der das überhaupt sieht.“

„Wie bereits anfangs erwähnt: Sie sollten immer versuchen, sich eine Stufe über Ihren Gegner zu platzieren, dann werden Sie die maximale Edge am Tisch bekommen. Und in Casinos ist diese Stufe meistens die niedrigste.“

Jedem erfahrenem Pokerspieler, der einmal in einem Casino gespielt hat, sträuben sich beim Lesen dieser Absätze die Nackenhaare. Sicherlich treffen die Aussagen des Autors auf einzelne Spieler in diversen Casinos zu, allerdings kann man ja auch nicht behaupten, dass alle Skandinavier äußerst tight und aggressiv spielen. Diese Aussage würde dann wohl auch nur eine Minderheit betreffen.

Lieber Eike, wenn du diese Rezension lesen solltest, teile uns doch mal bitte die Casinos mit, in denen du deine Beobachtungen gemacht hast. Danke!

Die nächsten Themen dagegen werden relativ ausführlich behandelt und gut erklärt. Manchmal bleiben allerdings auch hier einige Fragen unbeantwortet bzw. sind gewisse Schlüsse, die der Autor zieht, nicht erklärt bzw. nachvollziehbar. Hier muss der Leser einfach Herrn Adler glauben, dass es so ist, wie es ist, weil es so ist.

Richtig interessant wird wieder der Absatz über die Erklärung der Spielweise von/gegen Maniacs. Um die gleich folgenden Rechnungen besser verstehen zu können, sollte hier kurz die Erklärung des Autors, was für ein Spieler ein Maniac überhaupt ist, erwähnt werden.

„Der Manic (super-loose-aggressive)

Der Super-LAG oder auch Maniac spielt und erhöht quasi jede Hand. Die Position ist ihm dabei ähnlich Egal wie seine beiden Pocket-Karten. Dennoch hat auch dieser Spieler seine Schwächen nach dem Flop… Mit einem Maniac am Tisch gerät meistens recht schnell alles außer Kontrolle, weil viele Spieler nicht wissen, wie sie darauf reagieren sollen… Da viele Spieler Schwierigkeiten mit diesem Stil haben bzw. es auch durchaus sinnvoll sein kann, selber ab und zu mal wie ein Maniac zu spielen, werde ich in den folgenden Kapiteln genauer auf diesen Spielstil eingehen.“

In den darauffolgenden Absätzen (das sind wohl die gemeinten Kapitel) erklärt der Autor anhand einer Beispielhand das Spiel gegen einen Maniac.

Zusammengefasst stellt sich die Situation in etwa so dar:

Spieler: , Stack: 100 BB, Position: Button, sechs Spieler am Tisch

Preflop-Action: Maniac in MP 3 (also Cutt-off) raist auf drei BB, Spieler reraist auf zehn BB. Maniac callt.

Pot = 21,5BB

Flop:

Flopaction: Maniac bettet elf BB (ca. ½ Pot), Spieler raist auf 32 BB, der Maniac pusht mit 79 BB all-in.

Pot: 143,5 BB, 58 BB zu callen, Potodds: 1:2,47

So weit, so gut! Nun erklärt der Autor, dass man den Maniac einschätzen können muss.

„Wenn er ein starker Spieler ist, dann wird er sich bei dem All-in Gedanken über Ihre Hand gemacht haben. Er muss Sie in diesem Fall zu fast 80% auf ein Ass mit hoher Beikarte setzen. Wenn er dann trotzdem All-in geht, dann schlägt er diese Hand höchstwahrscheinlich. Ein Amok-raisender Anfänger pusht einfach alle Draws, ohne sich Gedanken über die Hände seines Gegners zu machen.

Tendenz: Je professioneller er zu sein scheint, desto wahrscheinlicher ist hier das Monster!

Grundsätzlich eine korrekte Einschätzung, allerdings in diesem Fall deplaciert, denn es geht doch um das Spiel gegen einen typischen Maniac, also einem Spieler der blufft und bettet was das Zeug hält.

Danach geht er noch kurz darauf ein, dass auch Umstände wie häufige Calls die Spielweise eines Maniacs verändern können.

„Deshalb ist die Vergangenheit des Tisches und speziell Ihre Vergangenheit am Tisch hierfür von großer Bedeutung. Ist der Tisch Momentan noch stark eingeschüchtert von den Pushes des Maniac oder hat sich in den letzten Händen schon der eine oder andere Spieler gegen ihn aufgelehnt und seine ständigen Erhöhungen erneut erhöht? Viele Maniacs sind in der Lage, sich schnell ihren Gegner anzupassen. Wenn die Luft nach Revolte riecht, wird der Maniac hier bestimmt kein Paar Damen, oder 35 pushen, weil er erwarten muss, dass er von einem As gecallt wird.

Wenn wir seine Bluff-Wahrscheinlichkeit bei diesem Push einmal mit 20% ansiedeln, ergibt sich folgende Gewinnwahrscheinlichkeit für einen Call:

  • Schlechteres Ass (z.B. AT), ich gewinne zu 82%
  • Straight  Draw (z.B. 35), ich gewinne zu 81%
  • Pocketpaar (z.B. QQ), ich gewinne zu 91%
  • Set 77, ich gewinne zu 2%
  • Set AA, ich gewinne zu 0%
  • Zwei Paar (z.B. A2), ich gewinne zu 27%

Gewinnwahrscheinlichkeit = 0,2*(0,82+0,81+0,91)/3 +0,8*(0,02+0,00+0,27)/3 = 0,2467

Ich gewinne also zu 25% diese Hand gegen seine möglichen Hände, wenn ich davon ausgehe, dass er zu 20% blufft. Das ist ziemlich wenig, oder?

Wann gewinne ich denn in mehr als 50% der Fälle?

Dafür stelle ich die Formel um und bekomme ein Ergebnis, dass ich meinen Gegner auf eine 54%ige Bluff-Wahrscheinlichkeit setzen muss, um bei dieser Hand mit meinem AK noch vorne zu liegen.“

Ganz schön harter Tobak! Zuerst beschreibt er den Maniac also als Spieler, der einfach zu viele Hände preflop spielt und dennoch Schwächen beim Postflop-Spiel hat. Wahrscheinlich meinte der Autor hier statt „dennoch“ „zusätzlich“. Anderenfalls würde es ja bedeuten, dass diese Spielweise sehr gut ist, er aber dennoch Probleme beim Postflop-Spiel hat.

Danach behauptet der Autor, dass er je nach Professionalität des Maniacs zu 80 % geschlagen ist und zu 20 % gegen einen Bluff spielt. Den Bluff stellt er dann als eine Hand wie , oder dar, während er die Hände, gegen die er hinten liegt, als Set Siebenen, Set Asse oder Two Pair identifiziert.

Etwas verwirrend ist die Tatsache, dass es sich in der Beispielhand erst um den Spieler handelt, dann um den Tisch und am Ende gewinne „ich“ in 25 % der Fälle. Wer spielt diese Hand denn nun? Wir, er, ich oder es?

Mal davon abgesehen, dass es insgesamt 30 verschiedene Starthandkombinationen gibt (abhängig vom Board), mit denen der Maniac entweder ein Set Asse, Siebenen, Zweien oder Two Pair wie , , bildet, und 102 Hände, mit denen er entweder ein Paar , ,, oder einen Straightdraw mit , und hält, macht sich der Autor die Berechnung der Gewinnwahrscheinlichkeit zu einfach. Des Weiteren stellt sich die Frage, warum er weiter ausrechnet, wann er in 50 % der Fälle gewinnt. Bei Potodds von 1:2,47 benötigt man für einen Call nur eine 29%ige Gewinnwahrscheinlichkeit, damit dieser profitabel wird.

Alles in allem wieder einmal alles etwas konfus und schwammig erklärt. Leider!

Den einzig wirklichen Lichtblick bekommt der Leser in Kapitel 15, Lektion 55: „Das SAGE-System“, geboten. Hier erklärt der Autor das von Lee Jones entwickelte Konzept des Sit-’n’-Go-Endgame-Systems. Dieses spezielle Konzept des Heads-up-Spiels bei einem Sit ’n’ Go oder aber auch bei einem MTT ist äußerst interessant und auch wirklich gut erklärt. Alle notwendigen Tabellen und Begriffe sind gut strukturiert dargestellt und leicht zu verstehen/zu übernehmen.

Als Fazit lässt sich aber schließen, dass der zweite Band von „Texas Hold’em – Poker mit System“ (erschienen in zsr-Verlag, 251 Seiten, €17,00) in den meisten Teilen übergangslos und unpräzise wirkt und genau wie Band eins nicht wirklich zu empfehlen ist. Für Fortgeschrittene und Experten gibt es wesentlich bessere Bücher, wobei in „Poker mit System, Band II - Fortgeschrittene und Experten“ kaum Experten-Content vorhanden ist.

 
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