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Der allgemeine Poker-Wahn(sinn)

/Sep/2011

...und da kommt der River

Von: Hasonator @ 19:17 (CEST) / 156 / Kommentar ( 4 )
Einen schönen guten Tag!

Mein erster Blog ist schon eine Weile her und es hat sich, außer ein paar (angeblichen) "mimimi"-Beiträgen im Forum, nicht soooo viel getan.

Heute mal was zum Thema Glück auf dem River.

Vorab: ich spreche ausschließlich vom Post-Flop-Spiel!

Big-Stack callt All-In vom Small-Stack

Ich hatte einen entspannten Tag, den ich im Plus beenden konnte und daher stört mich das Ausscheiden aus dem letzten Turnier herzlich wenig.

Doch es geht mal wieder um das "Wie".

Ich habe in diesem Turnier viel gewütet und Pre-Flop auch sehr aggressiv gespielt. In der frühen Bubble-Phase hatte ich nur noch in etwa die Hälfte des Durchschnitt-Stacks. Dann bekomme ich 62o im BB und mein Gegenüber callt. Alle folden zu mir. Der Flop bringt:

5h 4s 3h

Eine schöne Straße für mich mit nem Flush-Draw, der mir natürlich nicht gefällt. Ich checke also zu meinem Gegenüber und er setzt etwas mehr als den halben Pot. Ich mache also einen Check-Rais auf das Doppelte seiner Bet. Ich sage noch dazu, dass mein Gegenüber das 2,5fache meines Stacks hatte.  Nun denn, der Turn zeigt uns:

5c

und ich pushe nach kurzer Denkpause All-In und mache somit in etwa eine Pot-Bet. Vor allem, um den Flush-Draw los zu werden, da ich schon ahne, worauf er hinaus will. Ohne mit der Wimper zu zucken callt mich dieser Affe - entschuldigt meine Ausdrucksweise, aber das ist er nunmal! - und zeigt mir A8s in Herz. Auf dem River bekommt er natürlich seinen Flush und ich darf gehen. 

Solche Dinger passieren jeden Tag und ich habe gelernt, mich darüber nicht mehr aufzuregen. 
Beim Analysieren meines Spiels kann ich nur feststellen, dass sein Call keinen Sinn gemacht hat. Weder aus der Sicht von Pot-Odds, noch aus Sicht der Equity. Welcher Dussel riskiert in der frühen Bubble-Phase knapp die Hälfte seines Stacks für nen Flush-Draw??? Und vor allem nicht, aus Sicht meines Spiels: ich mache einen Check/Rais auf dem Flop und pushe auf dem Turn. Hätte er mich wirklich beobachtet, hätte er zwar gewußt, dass ich sehr aggressiv gespielt habe, aber bis dahin Post-Flop nie geblufft habe, wenn ich eine starke Hand hatte.

Wahnsinn wie solche Spieler damit durchkommen. Aber egal, "It's Poker". Mal verliert man, mal gewinnen die Anderen :wink:

Bleibt nur die Erkenntnis für mich, dass er nicht weit kommt, wenn er so weiterspielt. Aber er wird das sicher ganz anders sehen und seinen Call völlig richtig finden. So wie jede River-Luckbox eben seinen Move völlig richtig findet. 

Glück auf dem River gehört zum Poker dazu und was wären wir ohne solche Luckboxes. Denn sie machen in garantiert 90% all solcher Fälle die gleiche Entscheidung und verlieren. Aber verstehen, warum der Call nicht richtig war, werden sie trotzdem nicht. Oftmals scheint es so, als wäre es das Glück der Big-Stacks. Denn dann sind oftmals keine Pot-Odds mehr im Spiel, sondern nur noch der Gedanke, "den kann ich covern und schau mal was kommt. Mit Glück kicke ich ihn raus und bin dem großen Geld etwas näher!". Denn bei Pot-Odds von 1 - 2 braucht er schon eine "Mörder-Hand", um das zu callen. Eine marginale Hand scheidet aus jeder mathematischen und logischen Sicht völlig aus, und die hatte der Kollege in meinem Beispiel nunmal. Aber wahrscheinlich dachte er sich: "Wenn ich ihn schon nicht "tot-spielen" kann, dann calle ich halt seinen All-In. Wie sieht denn das sonst aus, wenn ich den Pot hier jetzt gegen ein Small-Stack auf dem Turn verliere, nur weil er All-In pusht. Dann respektiert mich am Tisch ja Keiner mehr." Sowas kommt vor Allem vor, wenn ein Tisch-Chip-Leader mit einer schlechten marginalen Hand versucht zu bluffen und für nen schlechten Straight-Draw callt. Ist mir etwas früher in dem Turnier passiert, als der Chip-Leader neben mir einen Open-Rais macht und ich ihn mit KK 3-bette, er meinen All-In-Push auf dem Flop mit K8s für ne Staße callt und verliert.

Aber was in den Köpfen dieser Spieler vor sich geht, kann man eh nur erahnen. Jeder Appell, ab und an mal die Füße still zu halten und auch mal einzusehen, dass man bis hier hin nichts gewonnen hat, verpufft sofort und wird mit "mimimi" abgestempelt. Das liegt wohl daran, dass der All-In-Push immer mehr als Bluff angesehen wird. Denn wie oft habe ich nun auch schon einen Pot erblufft, indem ich nicht all mein Stack reingesetzt habe, sondern noch knapp 3 - 4 BB übrig gelassen habe. Ironie pur!

Jedem, dem es ähnlich geht und der ähnliche Erfahrungen schon gemacht hat - wovon ich ausgehe - der sollte ruhig bleiben und sich sagen:

"Morgen ist auch noch ein Tag und da gibt es wieder ein Turnier, bei dem ich besser abschneiden werde."

Small-Stack callt All-In-Bet des Big-Stacks

Anders kann es sich verhalten, wenn der Small-Stack schon auf dem Flop so in die Hand involviert ist, dass er aus purem "ich-kann-nur-gewinnen"-Gedanken eine Bet des Big-Stacks callt, die für ihn einen All-In bedeutet. 

Hierzu auch ein Beispiel meinerseits:

Die Bubble ist geplatzt und wir sind im Geld. In der frühen Geld-Phase bekomme ich KTo in Middle-Position. Da ich mein Stack etwas vergrößern will und eher Blinds klauen will, raise ich damit auf 3BB. Der BB macht ne 3-bet, die ich nicht ernstnehme, da gerademal 3BB mehr, und ich calle. Der Flop bringt J94 in den verschiedensten Farben. Ich setze etwas über den halben Pot um meinen Gutshot anzuspielen. Der BB raist so, dass ich All-In wäre, würde ich callen. Ein völlig überhöhter Rais und ich habe innerlich gelacht, da ich so etwas immer sehr amüsant finde, wenn Big-Stacks ihr Stack ausspielen wollen :wink:

Nun denn, ich calle und er zeigt mir TT. Auf dem River bekomme ich die ersehnte Dame und mache meine Straße. Mein Gegenüber wetterte sofort los, wie ich denn das callen könne. Meine Antwort:
"In diesem Fall hätte das wohl Jeder mit dem gleichen Stack gemacht. Denn ich konnte nur gewinnen. Ob ich nun jetzt oder in fünf bis zehn Minuten rausfliege, weil ich keine vernünftigen Karten mehr bekomme, hätte keinen Unterschied gemacht."

Und außerdem wußte er doch gar nicht, was ich habe. Ich hätte auch KJ oder AJ haben können, dann hätte er auch verloren und hätte seine Pocket-Tens so oder so völig überspielt.

Aus mathematischer Sicht, war der Call schlecht, das gebe ich zu. Aber ich sehe ihn hier gerechtfertigter als ein bloßer "ich-kann-ihn-covern"-Call eines Big-Stacks in der Bubble. Denn wenn man schon im Geld ist, dann machen 3 oder 4 Dollar mehr als zu diesem Zeitpunkt nichts mehr aus. Das große Geld gibts eh erst am Final Table und den habe ich danach auch erreicht. :mrgreen:  Ach ja, mein Gegner war danach auf Tilt und ist ca 10 Minuten später rausgeflogen. Völlig überflüssig!


Würden einige Big-Stacks in diesen Phasen diese Gedankengänge berücksichtigen, sich auch mal in die Lage des Small-Stacks versetzen und nicht nur auf die eigenen Karten schauen, dann würde es wohl auch nicht so viel böses Blut an den Tischen geben.
Aber das wird mit einer ähnlichen Wahrscheinlichkeit passieren, wie es eine Welt ohne Krieg geben wird!

Cheers
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