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Grinding up the Micros

/Apr/2013

Die Sinnfrage

Von: LaHonda V @ 00:34 (CEST) / 253 / Kommentar ( 7 )

Servus Freunde,

ich schreibe jetzt einfach mal auf, was mir durch den Kopf geht. Ich muss es einfach loswerden.

Bei mir lief es eigentlich gut, ich hatte mein Spiel verbessert etc., aber warum ging das? Durch den Einsatz von Zeit. Viel Zeit. Theorie 'büffeln', Selbstanalyse, Umsetzung und wieder von vorne.
Ich studiere BWL, mit das Erste, was man lernt, ist: Das wichtigste sind Zeit und Geld.
Bei jeder Aktivität sollte geguckt werden, wie viel man davon investiert. Und man kann Zeit selber nie rausbekommen. Nur Geld und nicht greifbare Dinge, wie Erfahrung und Spaß.

Wenn man sich jetzt mal ganz objektiv Poker anguckt, ist das für die Meisten ein unglaubliches Minusgeschäft. Klar, es ist auch ein Hobby - ich gucke es gerne im TV, auf Youtube, besuche die Trainings, es ist wohl kein Sport (die Diskussion hatte ich schon im Freundeskreis, selbst pokerstrategy.de kam zu der Entscheidung), aber mehr als nur ein Hobby. Fast schon ein Lifestyle, schließlich gibt man so viel auf. Und was habe ich jetzt? Von einem Startkapital von 65$ bin ich jetzt auf ca 250$ hoch. Wenn ich den Stundenlohn ausrechne geht es aber in Regionen, die sonst nur Menschen in Pakistan kennen :-?
Und jaaaa, man argumentiert dann wieder es geht nicht nur um den Lohn. Weil es eben eine Freizeitaktivität ist, es macht Bock....DOCH es macht doch nur richtig Bock, wenn man gewinnt. Deswegen ist Poker kein Sport. Denn dieser soll für alle sozialen Schichten gleich zu betreiben sein, sie vereinen und unterhalten. Doch hier ist das einzige Ziel das Geld der anderen.
Nun kann ich das Ganze vielleicht wie ein Unternehmen aufziehen, aber ich hab auch noch ein Studium, einen Studentenjob, Familie, Freunde, Sport und und und.
Und wie viele Nerven dieser Sport kostet :-x Ich habe in der Vorahnung eines Tilt Poker für eine Woche ruhen lassen. Und gestern und heute setze ich mich an die Zoom Tische. Geht halt schneller, mehr Hände abspulen und hoffentlich auch Profit. Gestern endete die Session, weil ein Villain meinte gegen mein flopped set am Turn mit Gutshot allin zu gehen. Und natürlich zu treffen.
Eben mit AA, Board T94, 3 callers, einer donkt, ich raise, 3ter geht drüber...eigentlich klarer Fold. Aber ich war ja nicht mehr im Grindmodus, ich hatte meinen Kopf ja freibekommen. Und wie flixx vom Fantasypoker berichtete, callte ich und c/r shove am Turn 4, vielleicht hat er ja T9 und ich habe ihn gerade überholt. Aber nein er hat 99. Warum spielt dieser Donkey auf dem trockenem Board die Virtual Nuts so aggro? Die Typen sind fast noch schlimmer als passive Fische. Und ich merke wie sie mich aufregen. Ich will sofort diese Idioten im Chat beleidigen. SOFORT :twisted: Ach Zoom? Er ist schon weg...Sch*iße!

Man muss es sich doch vor Augen halten, selbst gute Spieler haben nur ein paar BB pro 100Hände. Der Pokerboom hat dafür gesorgt, dass sich alle mit der Materie beschäftigen. Dh man trifft auf toughe Spieler oder super Fische, die rumlucken. Und das macht einen verrückt. Weil manche spielen alles aggro, der nächste hat eigentlich eine gute Strategie und spielt sein Set genauso, damit der Gegner, in dem Fall ich, denkt, er ist einfach nur ein aggro Fisch. Doch wo führt das hin?
Wie kann etwas eine Freizeitaktivität sein, bei der es nur um Profit geht, aber dieser super schwer zu erlangen ist? Beim Tennis kann ich zufrieden sein, wenn ich alles gegebn habe und es nicht gereicht hat. Aber da stehen andere Dinge im Vordergrund. Hier muss ich gewinnen, damit es Spaß macht.
Und wer gewinnt immer? Pokerstars. Logisch, es gewinnen beim Sportwetten auch immer die Anbieter. Es hindert mich auch nicht direkt daran ein erfolgreicher Spieler zu sein, nur ich habe die Intensität an Arbeit für das erfolgreiche Pokern reduzieren müssen, um meinen Alltag zu schaffen. Nur darunter leidet mein Erfolg. Und damit meine Laune. Es wirkt sich auf alles aus....gleichzeitig ist es wie eine Sucht am nächsten Tag den Verlust reinzuholen, den Gewinn zu toppen oder weißgottwas.

Bei Turnieren besteht viel einfacher die Chance aus wenig Einsatz viel Gewinn zu machen. Doch Turniere dauern sehr lange, haben viel Varianz und auch hier braucht man Übung und Skill.
Deswegen bin ich kurz davor aufzuhören. Es ist keine Resignation, die Regeln sind einfacher: je mehr du investiert, desto mehr kriegst du raus. Doch ist die Ratio noch gut? Ich glaube, es gibt besser Sachen. Dh nicht das ich in den € Bereicht wechseln will, weil dort mehr Fische sind. Nein, das ganze Gewässer solte gewechselt werden. Auch keine andere Art von Poker. Ich weiß noch nicht was. Businessideen, mehr Lernen, ein neuer Sport....der Sommer kommt hoffentlich bald und will ich bei 30° verbittert meine Hände abgrinden? Es ist eben nicht mein verdammter Job, für mich ist das auch keine Wunschvorstellung. Manche Leute können sich nichts schöneres vorstellen, aber man sitzt nur vom PC, das Rumreisen ist nur den ganz großen Pros gegönnt.
Ob ich wirklich aufhöre? Das ganze Geld auszucashen erscheint nicht wie ein allzu großer Gewinn, aber nur einmal in der Woche spielen, macht für mich keinen Sinn. Dann kommt es zu meiner anfänglichen These, dass der Spieler, der am Meisten reinsteckt, auch am Meisten rausbekommt. Klar ist Talent, also ein mathematisches Verständnis oder auch ein ruhiger Geist, wichtig, aber wenn man alles, wie eine Maschine runterspielt, wir man gewinnen. Aber mir steigt es zu Kopf...es gibt Basiskonzepte, danach wird es 1,2,3 Levelthinking und geht immer weiter. Und wenn man nach einem anstrengendem Tag nicht sein A-Game spielt, redet man sich zu Calls. Und dann wird man noch wütender, es geht immer weiter. Ich sehe mich vom Können weiter oben in den Levels, das mag auch Selbstüberschätzung sein, doch ich erkenne dauernd Fehler im Spiel der andern. Klar ist es dann MEIN Fehler, diese nicht auszunutzen, aber besonders beim anonymen Zoom Poker erkenne ich ja nicht, ob mein Gegner einen Gutshot oder ein Set am Turn wie ein Berserker spielt.

Das gaaanz viel hiervon einfach Frustration oder Symptome vom schlechtem, eigenem Spiel sind, kann gut sein. Dennoch bin ich überzeugt, dass meine These, dass sich das Ganze nicht mehr 'lohnt', richtig ist. Durch mein Alter habe ich die frühen Phasen des Internetpoker nicht mehr mitbekommen, aber da waren noch viele Fische im Meer. Zu der Zeit hat ABC Poker einen wie einen King aussehen lassen. Für mich wird es jetzt immer mehr zu einem beschwerlichen Drahtseilakt. Auch wenn Flixx vormacht, dass es noch geht: er hat halt auch mehr Skills und Erfahrung.

Mein Ziel: Ich werde jetzt für mindestens 2 Wochen kein Poker spielen. Einfach mal schauen, wie sehr ich es vermisse (ein realer Pokertisch mit Filz und Chips hat auf mich einen besonderen Reiz, aber auch die vertrauten Internettische faszinieren mich) und besonders wichtig: Wie viel ich im Gegenzug schaffe. Ich werde tunlichst vermeiden meine Zeit anderweitig am PC zu 'vergeuden', es klingt romantisch aber ein Buch lesen, ein Bild malen, aufräumen, lernen...einfach mal wieder den Alltag entschleunigen in dieser hektischen Zeit ist sehr wichtig. Glaube ich. Weiß ich. Hoffe ich.

Also, für 2 Wochen ziehe ich es durch, Resultate folgen hier :wink:
Euch trotzdem viel Glück und Erfolg an den Tischen.

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