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The Daily Grind - Leid und Freud eines professionellen MTT-Grinders

/Mär/2012

The Down Under Grind - Im Rückblick #4

Von: Pimola @ 23:07 (CET) / 685 / Kommentar ( 0 )

Moin Leute!

Nun folgt der bereits im letzten Eintrag actionreiche nächste Blogeintrag. Damals wählte ich "Why do I always have to be in such a mess?!" als Titel und finde ihn auch jetzt noch ziemlich gelungen.
Wie bereits beschrieben, hatte ich nun meine erste Konstante im Leben als backpacker gefunden, welche jedoch nicht allzu lange anhalten sollte. Aber leßt selbst!


Hey folks und kia ora,

bin endlich wieder back on track. Wir haben überraschender Weise jetzt schon wieder Strom, Wasser und Internet. Thank the Lord! :lol:
Ihr glaubt nich was mir passiert ist, falls ihr es noch nicht durch die Nachrichten, oder meine Eltern, erfahren habt! Es war einfach viel zu krass! ZOMG! 8-O

Aber ich fang besser ganz von vorne an. Also nachdem ich mit meinen Eltern so ca. 1,5h geskyped hatte hab ich dann so um 1 Uhr Nachts auch die Lichter ausgemacht und geschlafen.
Irgendwann des Nachts dann folgendes Ereignis:

Alles ist ruhig ich liege in meinem Bett und schlafe tief und fest. Irgendwie ist es zu ruhig, irgend etwas stimmt hier doch nicht. Da ertöhnt plötzlich ein dumpfes Grollen das immer IMMER
lauter wird und langsam erzittert der Boden und das ganze Haus scheint sich zu bewegen.
Ich wache erschrocken auf und springe panisch auf! "Was geht hier vor sich?", frage ich mich. Alles bebt! Ich denke nur, "Ich muss hier raus, wo is der Ausgang verdammt!? Ah da ist die Tür. Raus, schnell raus! Scheiße draußen ist es kalt und ich hab nur ne Jogginghose an. Wo ist mein Pullover?"
Er liegt in der Ecke. Ich schnappe ihn mir und bewege mich im Dunkeln Richtung Tür. Ich reiße die Tür auf und aus Richtung Küche kommen mir schon die Geräusche von zerschellendem Geschirr entgegen.
Immer wieder wird das Haus von Stößen erschüttert, immer begleitet von diesem dumpfen Grollen. Ich bekomme Panik. "Was passiert hier? Stürzt das Haus ein? Werde ich sterben? Bricht hier ein Vulkan aus? Halt Moment...Ich hab doch geschlafen, oder?! Ich träume noch...ja, dass muss es sein. Ein Traum! Ich muss einfach nur aufwachen. Aufwachen Béla!!! Was passiert hier mit mir? Bin ich krank?" Ein weiteres Beben lässt meine Beine erzittern und reißt mich wieder in die Wirklichkeit zurück.
"Nein DAS kann kein Traum sein, es fühlt sich alles viel zu real an! Aber das alles kann doch nich wirklich passieren! Scheiß drauf! Einfach raus!" Ich stehe nun unten an der Treppe zum Schlafzimmer von Wendy und Don. "Alles okay?!", schreie ich nach oben. Die Erde bebt und das Haus wackelt, erneut. Alles ächzt und knarzt! Ich wundere mich warum nich schon längst Staub von der Decke rieselt.
Ich fange an zu hyperventilieren. Totale Panik macht sich in mir breit! Immer wieder diese Ratlosigkeit und bohrenden Zweifel ob ich den Verstand verloren hab. Tausend Gedanken rasen durch meinen, vom Schlaf noch ganz betäubten, Geist. Das Klirren und Scheppern aus der Küche und der Lounge hilft nicht wirklich.
Endlich!!! Jemand spricht mit mir: "Béla gehts dir gut?", fragt Wendy hinter mir. Ich schrecke wieder aus meiner Welt der tausend Fragen und Gedanken hoch und merke, dass ich mittlerweile an der Haustür stehe und diese schon geöffnet hatte. Draußen ist alles ruhig. "Bin ich etwa geschlafwandelt? Puhh doch nur ein Traum, die Welt geht doch nicht unter.", denke ich mir und sage zu Wendy mit erstickter Stimme, "Habt ihr das auch gespührt? Was geschieht hier mit mir?" Ich kann ihr Gesicht im Dunkeln nur erahnen und weiß nicht wie sie auf diese Frage reagiert. Langsam werden die Zweifel an meinem Verstand immer größer. Ich bekomme wieder Panik.
Sie dreht sich um und sagt im gehen, "Das is nen Erdbeben! Schnell hier unter die Tür, falls die Decke einstürzt." "WAAAAAAAAAAAAAAS?! Nen Erdbeben? So heftig?", jetzt endlich werde ich wach. Eine weitere Welle lässt das ganze Haus wackeln. Ich bin wirklich hier und das alles passiert wirklich! "Scheiße wo bin ich hier gelandet?!", frage ich mich nur.
Don erscheint jetzt auch mit einer Taschenlampe und gesellt sich zu uns unter den Türrahmen. Mit ruhiger Stimme sagt er nur, "Gehts dir gut? Sowas haben wir hier öfters, aber das war das stärkste Beben was wir erlebt haben und auch das erste in diesem Haus." Ich blicke gen Himmel und sende ein kurzes Stoßgebet Richtung dem komischen Typen der sich dort angeblich aufhält. "Wieso immer ich? WIESO?!" Jetzt erst fällt mir auf wie sehr ich zittere. Im Schein der Lampe hebe ich meine Hand, komplett ruhig...aber halt, was geht denn mit meinen Beinen. Die zittern wie Espenlaub, unglaublich!

Kurz darauf gehen wir nach draußen, da wir nicht wissen wie heftig es noch wird und wie lange die (stärkeren) Nachbeben noch andauern. Draußen ist es verdammt kalt (ca. 5°C) aber uns bleibt ja nix anderes übrig. Don erzählt mir nen bisschen was über die Beben hier und wie das funktioniert. In Neuseeland lernt man in der Schule schon, wie man sich bei einem Beben zu verhalten hat.
Anscheinend sind Don und Wendy sofort unters Bett gesprungen, während ich da unten noch die Zweifel an meinem Verstand zu beseitigen versuchte, während das ganze Haus bebte. Thanks for the help!

Wie sich nun herausgestellt hat war es nen Beben der Stärke 7.2-7.4 und wir waren 30km von Zentrum des Bebens entfernt. Da wir erstens keinen Strom haben und andereseits mit dem Fernseher wohl nicht mehr viel anzufangen ist, werden wir wohl erst die Tage erfahren wie schlimm es im Zentrum war. Angeblich gab es aber nur einen Schwerverletzen. Momentan sitze ich in der Küche und schreibe schonmal den Artikel damit ich, sobald wir wieder Strom haben, sofort im Blog berichten kann. Auf Grund des Stromausfalls haben wir auch kein Wasser mehr, da die Pumpe natürlich elektrisch ist.
Immerhin funktionierte der Gasherd noch, also konnte ich sogar lecker frühstücken. Nach dem Beben hab ich nochmal versucht 2h zu schlafen. Sonen angsterfüllten Schlaf hatte ich noch nie. Alle 5-10min gibt es schwächere Nachbeben und bei jedem stärkeren bin ich reflexartig aufgesprungen um mir danach erst Gedanken zu machen, ob es überhaupt lang genug andauert, damit es Sinn macht, sich untern Türrahmen zu flüchten. Das nenne ich mal Schlafstörungen! :-|

Als ich aufgestanden war, total fertig von der ganzen action, war die Küche leider schon aufgeräumt. Kann euch deshalb nur nen paar "weniger verwüstete" Zimmer zeigen. Die Küche war mit Abstand das schlimmste: Weinflaschen und -gläser, nen gläserner Zuckerbehälter tausend andere Gläser und gläserne Gefäße, Töpfe, lagen alle lag zerstört und verformt kreuz und quer in der Kücher herum. Die Schubladen standen zum Großteil alle offen und der Inhalt war total verwüstet. One word: Fucking unbelievable!!! (Ja ich weiß, dass sind zwei! I'm just saying!)

Die Erde erzittert immernoch alle 5-10min durch Nachbeben, die, laut Don, auch noch bis zu 48 Stunden nach dem Beben anhalten sollen. Na Prost Mahlzeit, da bekommt "Good night." ne ganz andere Gewichtung. :-P

Anyways, hier nen paar Fotos von dem Morgen danach:

modern-toaster-2
Da ja nix mehr ging mussten wir halt so toasten und Wasser kochen. :-D

Bilder sagen manchmal mehr als Worte:

devastated-house-1

devastated-house-2

devastated-house-3

devastated-house-4

german-quality
Kleiner Lichtblick. Germany never loses! Hart wie Kruppstahl. Auf dem Krug stand übrigens irgendwie sowas wie: "Grüße vom Oktoberfest!"

Hier die einzigen Bilder die ich aus dem Auto gemacht hab, die nicht vollständig verwackelt sind.

devastated-bridge
Ziemlich sick wie die ganzen Straßen aufgeplatzt waren. Überall lagen Sandhaufen rum, wo Sand aus 10km Tiefe an die Erdoberfläche gedrückt worden war.
Einfach nur nen komisches Gefühl sich sowas anzugucken. Einerseits beeindruckend, andererseits wird einem klar wie fragil das eigene Leben doch ist und das man gegen die Naturgewalten einfach keine Chance hat.

flooded-meadow
Ziemlich viele Flüsse waren auch über die Ufer getreten. In der Stadt gabs teilweise auch Überschwemmungen, da einige Wasserleitungen geplatzt waren. Es gibt wohl auch Bilder von total zerstörten Häusern und auch ein Haus das in zwei Hälften gespalten wurde. Einfach nur krank!

Gedanken von heute morgen:

"Keine Ahnung wie das heute dann alles noch so abläuft und wann endlich der Strom wieder da ist. Ich würde gerne mal ordentlich aufn Pot und außerdem auch mal Zähne putzen und mich waschen. Hab aber auch keinen Bock mit nem Eimer nachzuspülen. Nicht, dass die Wurst nicht mehr untergeht. :-? Arghh, too much information! Sorry guys! :-D "

Da wir nach dem lunch eh nichts mit uns anzufangen wussten haben wir dann zu dritt die Reste von nem vor 12 Monaten gefällten Baumriesen zu Scheiten verarbeitet und ich musste sie dann stapeln. Nach 2 Stunden hatten wir dann aber auch genug. Es war trotzdem nen total schöner klarer Tag und da ich habe sogar die ganze Zeit mit freiem Oberkörper bei 15°C + strahlender Sonne echt angenehm arbeiten können. Jetzt spüre ich aber schon das ich dringend Schlaf brauche.

So Leute es ist also wieder alles im Lot und ich hoffe, dass ich diese Nacht wieder nen bissel ruhiger schlafen kann. Während ich den Eintrag hier verfasse, wird das Haus immer wieder von schwächeren und auch mal etwas heftigeren Stößen zum wackeln gebracht.
Es zerrt echt an den Nerven. Man fühlt sich einfach nicht sicher...


Stay true an keep on trucking!

 

Das war also mein erstes Erdbeben und von mir aus auch mein Letztes. Wie sich später herausstellen würde, sollte Christchurch ein paar Monate später nochmals von einem, sogar noch heftigeren, Erdbeben heimgesucht werden, wobei viele Leute ihr Leben verlieren würden. Sometimes life just sucks! :( Ich bin zumindest froh, dass ich diese ganze Erdbebenphase relativ unbeschadet überstanden habe und Neuseeland heil verlassen konnte.
Danke fürs Lesen und bis zum nächsten Mal,

Euer Pimola

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