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From Zero to Hero!?

Mein Weg zum Pokerolymp - oder wie ich scheiterte...
Von: Syn0815
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Im Original-Beitrag hatte ich angekündigt, dass ich ein Follow-Up erstelle, sobald ich $50 erreicht oder 10.000 Hände gespielt habe. Letzteres ist nun eingetreten, ersteres nicht. Aber der Reihe nach 

Vor fast genau einem Monat hatte ich das Gefühl, auf einem guten Weg zu sein nach rund 2.000 gespielten Händen und einer Winrate von 20 bb pro 100 Hände. Dann kamen die nächsten 8.000 Hände - und eine Menge spannender Situationen. Bis zum 14. Juli ging es kontinuierlich bergauf. Die Winrate fiel zwar auf 15 bb/100, aber ich kam nach insgesamt 4.500 Händen bei $34 an. Zu schön, um wahr zu sein, denn dann kamen die ersten unvermeidlichen Rückschläge: Set gegen Set, Top Two Pair mit Königen auf der Hand gegen ein Set, zu aggressive Bluffs mit AQ, und dann möglicherweise durch fehlende Aggressivität entstandener River-Suckouts mit AA:

Ergebnis: $7 Verlust.

Die nächsten zwei Tage wollte ich es wiedergutmachen, schaffte aber in Summe nur +$0,30 mit 600 Händen - nicht einmal 2 bb/100. Aber hey, immerhin Gewinn. Bis zum nächsten Tag, als ich richtig krank wurde und direkt $6 Verlust gemacht habe. Da es für mich sozusagen abgeschriebenes Übungsgeld ist und ich rein aus Spaß am Kräftemessen spiele, tut es mir zum Glück nicht wirklich weh. Aber das Ziel, die $50 zu erreichen, war wieder in weite Ferne gerückt, als ich mich mit teilweise 39°C Fieber Multi-Table an bis zu vier Tischen gleichzeitig ablenken wollte. Das Ablenken funktionierte auch gut, das Spiel aber nicht wirklich. Eigentlich wollte ich jetzt eigentlich Beispiele für verrückt gespielte und verlorene Hände posten, aber ehrlich gesagt würde ich die heute, wo ich wieder halbwegs bei Verstand bin, auch nicht zwingend anders spielen. Hier ein paar verlorene Hände meinerseits:

Bei einer von mir angenommenen (ziemlich tighten?) 3-Bet-Range des BigBlind-Spielers von TT+,AJs+,KJs+,AQo+,KQo liege ich mit nur 48% Equity tatsächlich hinten. War mir aber nicht bewusst, da ich dachte, dass zwei Asse doch zu einer deutlich niedrigeren Wahrscheinlichkeit führen würden, dass der Gegner ein Ass hat. OK, diese Hand würde ich also mit etwas Glück und klarem Verstand doch etwas anders spielen (da hat sich die heute erfolgte nachträgliche Analyse mit EquiLab doch schon bezahlt gemacht ).

Oder diese Hand:

Flop bringt Top Pair Good Kicker, da calle ich Flop und Turn eigentlich immer. Auf dem River feuert er nochmal, und da hätte ich zumindest überlegen müssen, ob ein Call noch profitabel sein kann. Tat ich im Halb-Delirium natürlich nicht, weshalb ich das hiermit nachhole:

Der Gegner ist laut Stats kein Draufgänger, eher tight aggressive. Zwei Straßen irgendwo zwischen 75%-80% Pot-Größe sind nicht unbedingt klein gefeuert und auf dem River setzt er nochmal eine 70%-Pot-Bet drauf. Ich brauche mindestens 30% Equity, um das profitabel callen zu können. Entweder blufft er massiv (unwahrscheinlich), oder er fühlt sich vorn. Womit könnte er das tun und wie schneide ich dagegen ab?

Mit folgender Range vermute ich, dass er so bis zum River spielen würde: AA, 55, 33, AT+, A5s, A3s, wobei ich mich mit AT+ schon weit aus dem Fenster lehne. Ergebnis: 26% Pot-Equity - zu wenig für einen profitablen Call. Wenn ich allerdings annehme, dass er in 10% der Triple-Barrel-Fälle nur blufft und in Wirklichkeit nichts hat, würde meine Equity (laut soeben selbstgebastelter Formel ohne jegliche Gewähr auf Richtigkeit) auf 33% steigen und ein Call zumindest theoretisch langfristig profitabel sein. - Ob ich aus diese Erkenntnis im nächsten Live-Spiel unter Zeitdruck für mich einen Nutzen ziehen kann dürfte aber fraglich bleiben 

Die schockierende Erkenntnis jedenfalls: Ich war wieder da, wo ich quasi angefangen hatte: Bei $20, kurzzeitig sogar ein paar Cent darunter. Auweia, was für ein Rückschlag. 

Aber dann kamen sie, die Fische, und zwar gleich zwei Stück: Ein überaus freundlicher, wenngleich betrunkener Weißrusse mit 450 bb am Tisch, der mir freundlicherweise die Verluste wieder ausgleichen wollte, sowie ein Landsmann haben mir innerhalb eines einzigen Tages mit nur 653 Händen $9,32 gespendet. Da ließen sich die ganzen Theorie-Lektionen bzgl. Anpassung an verschiedene Spielertypen wunderbar anwenden - und dazu auch noch sehr erfolgreich! $13 Gewinn - $4 Verlust = 9 Feel-Good-Dollar 

Erkenntnis der letzten 30 Tage: Genauso wie es aufwärts geht, kann es auch wieder abwärts gehen. Betrunkene spielwütige Mitspieler plus eine adäquat ausgestattete Bankroll sind wohl der sicherste Weg, Geld beim Pokern zu machen. So ziemlich alle anderen Möglichkeiten (Blinds klauen, Sets durchboxen) dürften sich auf Dauer immer solange ausgleichen, bis man Schwächen beim Gegner findet und diese auszunutzen beginnt. Wenn man darauf keine Lust hat oder das Talent dafür fehlt, fährt man mit reinem ABC-Poker aber gar nicht schlecht - so lange man das Bluffen sein lässt (Ausnahmen bestätigen die Regel) 

Auf die nächsten 10.000 Hände (oder vielleicht irgendwann einmal die $50 Bankroll)!

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