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/Dez/2008

WPT Finale Hohensyburg - Mein Tag 2

Von: amigos @ 17:01 (CET) / 4499 / Kommentar ( 67 )

Hallo alle zusammen,

nach einem perfekt gelaufenen Tag 1 finde ich mich gut ausgeruht, hochmotiviert und gut gelaunt im Casino Hohensyburg wieder. Der Sonntag soll natürlich so weitergehen, wie der Samstag aufgehört hat. Ich muss euch aber vorwarnen. Es gibt kaum Hände zu berichten, da ich kaum Hände gespielt habe. Ich habe zwar vor dem Flop sehr viel gespielt, aber fast nie einen Flop gesehen, und wenn, dann musste ich aufgeben. Aber eins nach dem anderen...

Ich komme zwar ein paar Minuten zu spät, habe aber noch nicht viel verpasst. Außer meiner Großen Blind. Macht aber nichts, immerhin bin ich Chipleader, mit fast 120.000. Bei Blinds 600-1200, Ante 100 fühle ich mich so noch pudelwohl. Ich habe an meinem Tisch einen gesunden Chiplead. Und es gibt nur einen shorten Stack, mit aber immer noch ca. 25.000, direkt links neben mir.

Die Kleine Blind muss ich auch aufgeben. Dann kommt mein Button. Alle folden zu mir. Jetzt wird natürlich von mir (als angeblich loosem, aggressivem Spieler und Chipleader) erwartet, dass ich raise. Ich klaue eher ungern vom Button, in so einer Situation. Viel zu offensichtlich. Aber wenn ich eine mittelmässige Hand finde, dann erhöhe ich selbstverständlich.
Ich finde und mache 3000.

Der Shorty neben mir bezahlt. Ungewöhnlich, da er jede spielbare Hand hier gut gegen mich pushen kann. Deutet auf ein Paar hin, 5-8er, denke ich. Vielleicht so etwas wie KQo.

Die BB lässt uns alleine und wir sehen den Flop: . Geht.

Mein Gegner spielt 7.000 an und hat noch 15.000 dahinter. Ich überlege kurz, bin mir aber sicher, dass meine Hand gut ist gegen sein mittleres Paar und stelle ihn all-in. Er überlegt, hat aber offensichtlich keine Lust, mit 15.000 Chips weiterzuspielen, hofft, dass ich AK habe und callt. Ich drehe Top Paar um, er 77 und steht auf.

Auf dem 7er River setzt er sich wieder.

Ein ärgerlicher Bad Beat. Zum Einen kostet er knapp 30.000 an Chips, immerhin ein Viertel meines Stacks. Aber noch wichtiger: mein Image fängt schlecht an. Alle haben zwar gesehen, dass ich mit der besten Hand reingestellt habe, aber alle haben auch gesehen, dass ich verlieren kann.

Zum Vergleich: hätte ich die Hand gewonnen, dann wäre Jan Heitmann als Chipleader gerade mal 2 Minuten am Tisch gesessen und hätte nicht nur direkt Chips gesammelt, sondern in der ersten Konfrontation auch direkt seinen Gegner vom Tisch genommen. 

Power-Image pur!

Leider hat es nicht sein sollen.

Nur um den Albtraumstart noch zu unterstreichen, werden die nächsten beiden Hände, die ich erhöhe, gereraised und ich muss aufgeben. Kostet ein paar Chips und massiv Image.

Die nächsten Stunden geht es immer auf und ab. Ich gewinne keinen Pot, aber suche mir meine Spots sorgfältig aus, attackiere schwache Blinds, die nicht oft genug verteidigen und spiele aggressives Small Ball Poker. Phasenweise raise ich 6 Hände pro Runde. Manchmal habe ich etwas, meistens nichts. Oft gewinne ich die (schon signifikanten) Blinds, manchmal muss ich aufgeben. Selten sehe ich einen Flop.

So fluktuiert mein Stack zwischen 80.000 und 110.000 hin und her, meistens so um die 100.000. Immer noch weit über Average, aber ich schaffe einfach den Sprung nach vorne nicht. Derweil busten einige Spieler und wir nähern uns der Bubble.

In der Bubble-Phase gebe ich eher mehr Gas als weniger. Sehr viele Blinds (und Antes) werden von mir geklaut, mit Steals, und einigen guten Re-Steals.

Dann kommt folgende Hand: ich habe inzwischen 140.000 Chips gesammelt und erhöhe mal wieder in Late Position. Blind level weiß ich leider nicht mehr. Kommt davon, wenn man nie Flops sieht und die Potgröße dementsprechend irrelevant ist. Doch, jetzt fällt es mir wieder ein: es war das 1500-3000 Level. Ich erhöhe auf 8000.

Der Holländer am Tisch bezahlt in der SB. Der hatte sich schon ein paar Mal erfolgreich gegen mich gewehrt und meine LP-raises gereraised. Jetzt bezahlt er nur. Ich habe diesmal sogar eine Art Hand, nämlich . Na gut, schauen wir uns zu zweit einen Flop an. Im Pot 21.500.

Der Flop kommt . Der Holländer spielt 10.000 an, einen Chip.

Seine Handrange zu diesem Zeitpunkt: kleine und mittlere Asse, mittlere oder kleine Paare (bis 99), KQ, KJ, JTs, QJs, evtl. suited connectors. Stärkere Hände (große Asse, Paare ab TT) hätte er bestimmt gereraised, auch um die BB rauszudrücken. Ich glaube nicht, dass er hier ein Full anspielen würde, also schließe ich 33 und 44 aus.

Ich entscheide mich, zu floaten, also zu callen um entweder zu treffen oder den Pot später zu stehlen.

Der Turn kommt ganz gut, mit einer Overcard: .

Er spielt 17.000 an und hat noch ca. 90.000 dahinter. Eigentlich gut für mich. Ich möchte jetzt ein hohes Pocket darstellen und spiele ein Minraise auf 34.000. 

Der Holländer überlegt, studiert mich, fragt noch einmal, wie viel das ist und...

Pusht.

Mist.

Ich rechne noch mal kurz, ob ich noch bezahlen kann, schaue noch mal, ob meine Hand vielleicht noch gut ist (gegen einen Kombi-Draw muss ich jetzt callen), entscheide mich aber zur Aufgabe. Immerhin bleiben mir noch knapp 80.000 übrig.
Der Holländer zeigt A4. Owned.
Hätte ich mal besser wirklich ein Paar gehabt.

Jetzt nähern wir uns der Bubble und ich kann noch mal ein paar Chips sammeln, bis ich auf 106.000 bin, die Bubble platzt und ich an einen anderen Tisch versetzt werde.

Gut. Und schlecht. Gut, weil ich da vielleicht ein besseres Image aufbauen kann. Gut, weil es mich zwingt, mich auf den neuen Tisch einzustellen. Hält wach. Immerhin spielen wir schon seit Stunden!
Schlecht, weil ich mich auf einen neuen Tisch einstellen muss. Am alten wusste ich natürlich genau, wer seine Blinds verteidigt und von wem man stehlen kann. Und ich war mir über mein Image klar. War zwar nicht das beste, aber ich wusste, welches es war.

Am neuen Tisch komme ich auf Platz 5. Mag ich eigentlich nicht so, ich habe lieber alle Gegner im Blick, ohne den Kopf drehen zu müssen.

Ich komme an den Tisch und die Dealerin verlangt höflich meinen Ante (500). Ich sage „Gerne.“ und werfe ein Stück rein. Darüber macht sich Jörg, hinter seinem großen Chipstapel, lustig: „Schon die erste Lüge!“ 

Er sitzt in der BB von 5.000 und hinter einem beachtlichen Chipstapel. Sollte momentan einer der Chipleader im Turnier sein. Ich bin UTG+1, finde und erhöhe auf 15.000. Alle folden zu Jörg, der macht 40.000. Ich pushe. Er foldet, obwohl er brutal gute Odds bekommt. Ist mir auch recht. Hat wohl ein kleines Paar gehabt.

Auf meiner BB erhöht Jörg vom Button und ich pushe , weil ich mir sicher bin, dass er nicht super stark ist und hier alles andere foldet, da ich immerhin ca. die Hälfte seines Stacks bedrohe.

In meiner Kleinen Blind erhöht er wieder, ich pushe wieder, diesmal mit AK. Er foldet. Ich zeige. Jetzt ist zumindest mal klar: meine Blinds sind heilig. 

Und ich habe wieder 180.000 Chips. Wir spielen eine Zeit zu siebt und ich gebe Gas. Die Blinds der tighten Spieler werden gnadenlos attackiert. Der ein oder andere Re-Steal gelingt auch, ich arbeite mich (mit einigen Schwankungen) auf 230.000 hoch, Average sollte bei 150.000 liegen.

Ich habe immer noch keinen Pot gewonnen. Zumindest nicht nach dem Flop. Im Level 3000-6000 erhöhe ich die dritte Hand hintereinander, diesmal sogar mit einem veritablen Monster (), werde aber vom tightesten Spieler gepusht. Jetzt bin ich hier nie vorne. Den Spieler kenne ich schon vom anderen Tisch, er saß neben mir und hat mir einige Hände gezeigt. Ich habe gnadenlos seine BB attackiert, weil ich dann immer auf dem Button bzw. Cutoff saß, er hat immer aufgegeben, auch mit mittelguten Händen, die eigentlich ein Push gewesen wären.

Diesmal hat er ein Monster. Ich weiß es. Seine Range ist hier 88 aufwärts, AQs, AK. Ich muss 45.000 nachbezahlen und bekomme exakt 2:1. Meine Hand hat 34% Equity, wenn 88 in der Range mit drin ist, und 32%, wenn er nur ab 99 aufwärts pusht.

Ich entscheide mich zu einem kleinen Gamble. Wenn ich hier den Pot gewinne, dann katapultiere ich mich über die 300.000 Marke und kann die extra Chips hervorragend einsetzen um Power-Poker zu spielen. Wenn ich den Pot verliere, habe ich immer noch über Average.

Er hat . Ich habe noch keinen einzigen Bad Beat verteilt. Diesmal auch nicht.Danach wird der Tisch aufgefüllt. Ich muss aufgrund der Stack Sizes und meiner Karten tight spielen. Das mache ich, bis ich 170.000 habe und die Blinds bei 5.000-10.000 sind. Jörg ist in vielen Pots involviert und hart herbe Schwankungen. Jetzt erhöht er die 6. der letzten 10 Hände mit den Worten: „Auch auf die Gefahr hin, dass mir keiner glaubt...“ Ich finde und pushe für meine letzten 170.000. Der BB, der gegen Jörg einen Riesen-All-in mit gegen gewonnen hat, geht als Chipleader noch einmal drüber all-in. Gut, denke ich, Asse. Jörg foldet bildoffen, die BB hat überraschenderweise . Ich freue mich. Auch über den 9 hoch Flop. Das As auf dem Turn trübt die Stimmung vorrübergehend, vor allem, nachdem im Gegensatz zur ersten Hand des Tages bei meiner Letzten KEINE 7 auf dem River kommt, aber die Bierchen mit Emu, George, Steffi, Henning und den anderen renkt alles wieder ein.

Alles in allem ein tolles Turnier und eine sehr gute Vorbereitung für die PCA auf den Bahamas. Ich bin mit meiner Spielleistung mehr als zufrieden und hatte auch noch eine Menge Spaß am Tisch.

Bis dann, euer Jan.
 

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