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/Sep/2007

Poker im Rotlichtbezirk

Von: bandit-de @ 15:56 (CEST) / 6846 / Kommentar ( 43 )


Herbertstrasse - Hamburg-St.Pauli

Gestern Abend klingelte mein Kumpel Brandy durch und erzählte mir freudestrahlend das er sich bei seinem ersten Pokerturnier angemeldet hat. Wie Schuppen fiel es mir von den Augen, das ja Dienstags in der Tankstelle auf dem Kiez jetzt gepokert wird. An den vergangenen Dienstagen war ich zu erschlagen und hatte keine große Lust hinzufahren und auch gestern hielt sich meine Begeisterung in Grenzen, zumal das Turnier in 20 Minuten anfangen sollte. Doch Brandy ließ nicht locker, egal welche Ausrede ich nannte (Kamera in Barcelona, WCP Live Stream, Müdigkeit etc.) er konterte nur mit, "so das waren jetzt drei Ausreden, fällt dir noch eine ein oder machst Du dich endlich auf den Weg?". IST JA GUT, ich bitte ihn noch, den Veranstalter zu bitten das Turnier erst um 19 Uhr zu starten damit ich noch rechtzeitig hinkomme. Also aufgelegt, Taxi gerufen und auf zum Kiez. Der Taxifahrer lässt mich gegenüber vom Hans-Albers-Platz raus und ich laufe hoch zum Sportpub Tankstelle, die sich direkt gegenüber der wohl sündigsten Strasse der Welt befindet, die Herbertstrasse (einfach Link  folgen, dort wird sie gut erklärt). Sportpub Tankstelle HamburgBei der Tankstelle angekommen, stelle ich fest das noch nicht begonnen wurde. Ich muss mich in eine Liste eintragen und erhalte einen dicken Fragebogen für ein Texas Hold'em Quiz, das aus irgendeinem deutschen Buch herauskopiert wurde. Die Fragen sind Anfängerniveau aber selbst ich konnte noch etwas lernen, denn den Begriff "Post oak bluff" kannte ich bis dahin nicht (Vielleicht hätte ich Super System mal komplett lesen sollen ;) ). Während ich mit dem Quiz beginne, wird die Turnierstruktur vorgestellt. Es werden drei STTs gespielt und man erhält Punkte für seine Platzierung, die Spieler mit den meisten Punkten kommen an den Finaltable und erhalten je nach Platzierung mehr Chips als die schlechter Platzierten, begründet wird dies mit der Leistung die sie in den Vorrunden erbrachten. Dieses System kannte ich bereits von einem Turnier des Pokerteams in Neustadt, und auch wenn ich dieses System zunächst nicht mochte und MTTs bevorzuge, so bekommt man doch viel Poker fürs Geld (10,-€ Buy-in) und auch wenn man schnell rausfliegen sollte ist der Abend noch nicht gelaufen. Die Level steigen alle 10 Minuten und ein STT geht maximal 75 Minuten, sollte der Sieger bis dahin nicht feststehen, wird nach Chipcount gegangen. Eine Regel die ich mir gleich in meinem ersten STT half mich um einen Platz zu verbessern. Es nahmen 24 Spieler an dem Turnier teil wodurch ein nettes Overlay entstand - dies war aber eh vorhanden, selbst wenn die maximale Anzahl von 40 Spielern teilgenommen hätte.

Noch bevor das Turnier startet schaue ich mich im Publikum um, viele Spieler in meinem Alter, jüngere sind eher selten vertreten. Die meisten kommen aus dem HSV Fanblock, kein Wunder es handelt sich ja auch um eine HSV Fan Kneipe. Einige Gesellen wirken sehr düster und ich bin froh das mir der Rasierschaum am Morgen ausgegangen war, damit ich auch ein wenig verwegen wirke ;) Doch wie so oft täuscht der äußere Schein, denn die Spieler waren allesamt super nett und sehr entspannt. Auch wenn es eine Situation gab, bei der ich dachte "OK, morgen habe ich keine Probleme mehr mit meinen Zähnen". Ich war Dealer und beim Big Blind klingelte das Handy, er ging sofort ran - die anderen Spieler beriefen sich auf eine der Turnierregeln, wonach die Hand des Spielers tot sei, wenn er mit dem Handy telefoniert. Als Dealer sammel ich also seine Karten ein und er ist darüber nicht gerade begeistert, nun muss ich dazu sagen das er ein kräftiges Kerlchen war und ich nicht unbedingt Stress mit ihm haben wollte, doch er blieb entspannt :) . Während das erste STT startet schaue ich mir kurz meine Mitspieler an, und bis auf einen Spieler zu meiner rechten merke ich schnell das der Rest keine große Gefahr darstellt. Zwar haben die meisten Spieler schon Poker gespielt, doch Pott-Odds und Outs sind hier eher Fremdwörter. Ich sehe also keine Gefahr und konzentriere mich mehr auf das Quiz als auf den Tisch, erst als ich damit durch bin, gilt meine Aufmerksamkeit dem Tisch und den Damen vom horizontalen Gewerbe die direkt gegenüber standen (wir spielten an einem offenen Ladenfenster ( Foto Links)- also Teil-Open-Air ;) ). Mir geht so durch den Kopf, wären jetzt Geldscheine statt Chips auf dem Tisch, so würde hier jedes Pokerklischee bedient werden, das leider immer noch ein Großteil der Bevölkerung im Kopf hat. Obwohl ich nur einmal eine Premium Hand mit bekommen soll, lande ich unter den ersten drei Spielern. Die letzte Hand wird angekündigt, hiernach zählt der Chipcount, da ich dritter an Chips bin, habe ich nichts zu verlieren und sage mir das ich mit any two All-in gehen werde, die Blinds liegen bei 600/1.200 und selbst wenn ich die nur kassiere bin ich auf Platz 2 an Chips. So soll es kommen, ich gehe All-in nachdem der Button gefoldet hat und der Chipleader foldet, zack bin ich Platz 2 ein guter Start. Mein schönster Pott hatte ich übrigens Pocket Tens zu verdanken bei zwei Callern meines All-ins und einem Rivertreffer zum Set. Die beiden hielten und der Flop brachte ihnen gleich einen doch wer zuletzt lacht, lacht am besten ;) .

Nach einer kurzen Pinkelpause werden die Tische sofort neu ausgelost und es geht weiter, an diesem Tisch spiele ich zunächst etwas looser und bei horrend steigenden Blinds gehe ich dann leicht Shortstack mit All-in und werde von gecallt, der sein As gleich floppen sollte. Raus auf Platz 5, Punktetechnisch stehe ich mit 15 Punkten nicht so schlecht da.

Im dritten STT calle ich dann mit das All-in vom Chipleader, dieser hält und soll gleich zwei Paar floppen die zum River noch zum Full House werden. Die Blinds waren bereits bei 600/1.200 und für großartige Moves war kein Spielraum mehr. Ich  fliege auf Platz 3 raus und halte insgesamt 23 Punkte, knapp aber noch ein möglicher Finaltisch. Während die anderen Tische noch spielen, mache ich mich auf die Suche nach etwas Essbaren, denn außer Frühstück hatte ich noch nichts gegessen. Ich vergaß total das wir ja Dienstag haben, und so war es selbst auf dem Kiez schwer noch etwas Essbares zu bekommen, also blieb es bei einem Döner.

Als alle Tische ihr Spiel beendeten wird der Finaltisch zusammengestellt, tatsächlich rutsche ich als Letzter noch mit rein. Ich starte also als Shortstack am Finaltable und überlege ob ich das ganze nicht zu einem schnellen Ende bringen soll, denn die letzte Bahn fährt bald und danach heißt es entweder lange mit dem Nachtbus fahren oder kurz und teuer mit dem Taxi. Die Blindlevel wurden auf 12 Minuten erhöht, und als ich das nächste Mal auf die Uhr meines Tischnachbarn schaue, wird mir bewusst das die letzte Bahn längst gefahren ist. Nagut, jetzt ist es eh egal, also kann ich auch weiterhin mein bestes Spiel geben. Außerdem hätte ich noch gern ein von diesen Staubfängern (Mini Pokal) für meinen Pokeraltar im Wohnzimmer ;) . Jetzt heißt es mindestens Platz 3 oder ich ärgere mich die Krätze. Der Finaltisch wird wesentlich tighter gespielt als die STTs, man merkte schon das die besseren Spieler weiterkamen, dennoch sah ich in maximal zwei Spielern eine Gefahr, ein Däne der mir schon am ersten STT dadurch aufgefallen war, das er den Pott zählte und danach Bets ala Harrington machte. Sowie  der Spieler mit dem Handy der ebenfalls Teil-Pokerwissen zeigte. Als der Däne den Tisch verließ war ich mir sogar fast sicher das Turnier noch gewinnen zu können, obwohl ich eigentlich die ganze Zeit der Shortstack am Tisch war. Erst als wir zu dritt waren konnte ich meine Chips zum Chipleader aufboosten. Als ich den dritten Spieler vom Tisch nehme, frage ich meinen Heads-up Gegner ob er den ersten Preis unbedingt haben will (Buy-in für das Turnier in Asch plus 2 Übernachtungen im 4 Sterne Hotel). Er fragt wieso, und ich biete ihm an mir den Preis abzukaufen, denn zu diesem Zeitpunkt bin ich unumstrittener Chipleader. Doch er hadert und meint nur, "ne lass uns das mal ausspielen.". Schade eigentlich, denn ich kann eh nicht zu dem Turnier in Asch fahren, da es zeitlich mit dem TNT Turnier in Bremen kollidiert und das ist mir weitaus wichtiger, nachdem was ich in unserem Forum über das Turnier in Asch gelesen hatte. Nagut, also spielen wir es aus und fast sah es schon danach aus als wenn sich das Thema für mich erledigt hatte, nachdem der größte Teil meines Stacks zu ihm rüber wanderte. Ich hatte nur noch ca. 1,5 Big Blinds und war am überlegen ihm den ersten Platz zu schenken. Doch irgendwie sträubte sich alles in meinem inneren Kampflos aufzugeben, ich hatte schon Turniere gewonnen, bei denen ich weniger als einen BB hatte und musste ständig an die Worte von Jack Strauss denken, "All you need is a chip and a chair" (der übrigens leider im Film Lucky You eingedeutscht wurde, die Passage wurde mir nicht vorgelegt :( ). Auch wenn es nach einem hoffnungslosem Unterfangen aussah, ich bekam einigermaßen gute Hände und war in jedem All-in was jetzt folgte 60:40 Favorit und die Hände hielten. Einmal bekam ich sogar und treffe sogar meinen . In der letzten Hand gehe ich mit ebenfalls als 60:40 Favorit ins Rennen und gewinne das Turnier. Mir wird von allen Seiten gratuliert und es wird geraunt, solche Blindlevel hatte wir noch nie in einem Turnier (2.000/4.000). Es wird noch schnell ein Sieger-Foto (werde ich nachträglich in den Beitrag einfügen) mit den Top 3 aufgenommen, dann werden meine Daten aufgenommen, und ich gebe zu erkennen das ich kein Interesse an der Reise nach Asch habe, der Betreiber der Tankstelle bietet mir an sie abzukaufen und ich feilsche nicht lang und sag, "gib her die Kohle und denk an mich, falls du in Asch abräumst". Wir schnacken noch kurz und ich verteile ein paar IntelliPoker Schlüsselbänder um mich dann auf den Weg zum Taxistand zu machen. Im Taxi kann ich mir dann das Grinsen über den kleinen Staubfänger nicht verkneifen. Es ist schon lustig, über einen so kleinen billigen Pokal (7,50€ beim Gamblerstore) kann ich mich mehr freuen als über den Hauptpreis (OK, es ging ja auch nicht um 1.000.000$). So wurde er auch gleich, wie eine Jagdtrophäe neben meinen Pokal vom Hamburger GPPA Turnier 2005 aufgestellt, als ich Zuhause angekommen war. Gegen 3 Uhr morgens falle ich dann endlich ins Bett und hoffe das der Bann des Bubbleboy nun endlich gebrochen ist ;)

Fazit: Es war ein schöner Abend mit viel Poker fürs kleine Geld, die Atmosphäre mag neue Spieler ein wenig abschrecken wenn man weder die Leute noch den Laden kennt, doch ist es wie überall auf der Welt wenn man Pokerspieler trifft - Man ist unter Freunden!

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