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Von: barer47
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/Jan/2009

Budo – Musashi – Poker ist Kampf

Von: barer47 @ 14:10 (CET) / 3783 / Kommentar ( 68 )

Poker ist Kampf – harter Satz erstmal, muss man vielleicht relativieren. Für die meisten ist Poker Unterhaltung und Zeitvertreib, man spielt mit Freunden, stellt sich ein paar Bier rein, erzählt sich lustige Geschichten und wartet darauf, dass grandios gute oder grandios schlechte Calls und Folds gezeigt werden. Nix dagegen zu sagen.

Für ein paar andere ist Poker Lebensunterhalt, Arbeit und sehr häufig, schlicht und ergreifend: Kampf. Kampf kann auch Spass machen, keine Frage, und beim Poker muss er sogar Spass machen um auf Dauer erfolgreich zu sein. Im Unterschied zu einem echten Kampf um Leben und Tod, verliert der Spieler beim Pokern im schlimmsten Fall Geld, nicht etwa Gesundheit oder Rübe. Und doch gibt es interessante Parallelen zwischen Budo, dem Kriegskunstweg, und erfolgreichem Poker.

 
Der Begriff Budo entstammt dem japanischen Mittelalter und setzt sich zusammen aus do, der Weg, und Bu. Bu wiederum enthält zwei Ideographen, nämlich Speer und Stop. Bu bedeutet also stoppe den Speer, beende den Konflikt. Und genau das ist das Grundprinzip von aggressivem, erfolgreichem Poker: Konflikte beenden.

Wenn Hans und Franz die gleiche Prozentzahl an Händen Spielen und jedes Mal bis zum River durchchecken, wird jeder der beiden auf lange Sicht 50% der Hände gewinnen, klar. Der Erfolg hängt also offensichtlich entscheidend davon ab, wie häufig es Hans oder Franz gelingen wird, jede Hand in der die beiden gegeneinander antreten – jeden Konflikt also – vor dem Showdown zu beenden. Wer sich näher mit diesem Thema befassen möchte, kann in Überlieferungen, die schon einige hundert Jahre auf dem Buckel haben, durchaus Parallelen zu Taktiken finden, die auch im Poker anzuwenden sind. Als Beispiel habe ich weiter unten zwei Texte aus dem Buch der Fünf Ringe von Miyamoto Musashi abgedruckt.

 
Musashi war ein japanischer Schwertmeister der im 17. Jahrhundert gelebt hat. Der Überlieferung zufolge hatte er im Alter von 29 Jahren schon über 60 Kämpfe siegreich hinter sich gebracht (Headsup NL...). Die Wortwahl der folgenden Texte muss einem heute sehr archaisch vorkommen und ist auf den ersten Blick nur schwer mit Poker in Verbindung zu bringen. Man darf dabei jedoch nicht vergessen, dass diese Texte Mitte des 17. Jahrhunderts erschienen sind und zwar nicht unter der Rubrik „Schwertkampfspass für jung und alt“. Musashi lehrte Techniken, den Gegner zu erschlagen, dessen Tod wurde nicht nur in Kauf genommen, sondern es wurde unverdeckt auf ihn abgezielt:

<h4 align="center">Den Gegner zerschmettern</h4>

Sieht man den Gegner für schwach an, so steigert dies die eigene Kraft und man zerschmettert ihn. Wenn man in der Schlacht erkennt, dass die Gegner gering an Zahl oder dass ihrer zwar viele sind, aber alle verwirrt und kraftlos, fährt man mit einem wilden Angriff auf sie los und schlägt sie ausnahmslos zusammen. Ist der Angriff zu schwach, werden sie wieder aufkommen. Es gilt, sich diese Technik ganz zu eigen zu machen. Was zu üben ist. Auch im Kampf von Mann zu Mann, wenn der andere weniger erfahren oder aus dem Rhythmus geraten ist und zurückzuweichen beginnt, darf man ihm keine Atempause gönnen, sondern muss ihn stracks zerschmettern, noch ehe er einen anzublicken wagt. Vor allem verhindere man, dass er sich aufrichtet. Worauf man achten sollte.

Ich möchte vorerst darauf verzichten, Spielsituationen, Techniken oder Handbeispiele zu bringen, für die diese Texte als relevant gelten könnten. Lieber erstmal selber drüber nachdenken...

<h4 align="center">Der Wechsel zwischen Berg und Meer</h4>

Von „Berg und Meer“ zu sprechen meint hier: Im Kampf mit dem Gegner das gleiche vielfach zu Wiederholen ist von Übel. Etwas zweimal zu tun, das mag noch angehen, nicht jedoch ein drittes Mal. Hat eine auf den Gegner angewandte Taktik beim ersten Mal keinen Erfolg gehabt, wird sie auch jetzt bei einem neuerlichen Angriff keine vorteilhafte Wirkung zeigen. Man wähle ungescheut eine andere Taktik, und sollte diese abermals nichts fruchten, wechsle man zu einer wieder anderen. Daher: Man greife an als Meer, wenn der Gegner den Berg erwartet, und erwartet er das Meer, sei man ihm der Berg. Was gut bedacht sein will.

(Miyamoto Musashi, 1645)

Mir ist schon klar, dass einige Leser mit diesen Texten wahrscheinlich ähnlich viel anfangen können, wie eine Kuh mit ’nem Dosenöffner. Macht nix. Ich glaube, vollkommen egal, in welchem Fach man vorankommen möchte, es nützt der Sache, wenn man das, was man weiß und tut immer wieder neu in Frage stellt und sich dabei von Dingen inspirieren lässt, die mit dieser Sache wenig oder gar nichts zu tun haben. Amen

Joram

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