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Von: barer47
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/Jan/2009

Cashgame-Action Down Under

Von: barer47 @ 16:03 (CET) / 4411 / Kommentar ( 67 )

Ich wurde bereits erwartet. Am Flughafen – Tullamarine International Airport Melbourne. Von zwei Freunden. Nick und Karim, Pokerpros welche ich auf meinem letzten Australien-Trip kennen gelernt hatte. Ich war 35 Stunden unterwegs , wurde dafür aber mit sonnigen 35 Grad entschädigt .

Wir sind noch kurz ins Casino gefahren. Nick und Karim setzten sich an einen der Cashgametische. Ich war zu jetlaged zum spielen, freute mich aber, die vielen alten Bekannten zu sehen. Ich vertrieb noch ein zwei Stunden meiner Zeit mit Small Talk und fiel dann todmüde ins Bett.

Am nächsten Morgen ging es, nachdem ich meinen Namen auf die Warteliste für die Cashgametische gesetzt hatte, zum Frühstücken ins Cervo – ein kleines Restaurant direkt am Yarra River.

(Fotos muss ich nachliefern, Probleme mit dem Upload).

Von nachmittags bis spät abends bzw. früh morgens war dann Cashgameaction angesagt. Die Tische waren so juicy wie erwartet – die ersten Aussie Millions Events gut besucht. Event Nr. 1 hat übrigens auch gleich ein Deutscher gewonnen – Christian aus Frankfurt.
Ich jedoch hielt mich größtenteils von den Turnieren fern und tobte mich die nächsten Tage an den Cashgametischen aus. Ich spielte hauptsächlich 5/10 NL und 10/20 NL. Alle Tische über 2/5 NL sind hier DeepStackGames, d.h. der min. Buy-in beträgt 200 BB.

Eines Tages befand ich mich plötzlich in folgender Situation:

<h2>Hand 1</h2>

Wir spielten $5/$10 NL Holdem, Average Stacksize $2.000, 9 handed, und mir wird UTG gedealt.

Preflop: Ich calle, MP1 callt, MP2 callt, Button raist auf 75 – ich calle MP1 callt und MP2 foldet.

Flop: – im Pot sind $250. Ich spiele $175. MP1 foldet. Button raist auf $450. Ich calle.

Turn: – im Pot sind $1.150. Ich checke. Button checkt.

River: – im Pot sind nach wie vor $1.150. Ich checke. Button spielt $700. Ich checkraise all-in für $1.500. Button callt. Ich zeige meine Asse. Er muckt.

Soweit so gut... Doch warum spiele ich meine Hand so?!

Warum limpe ich UTG, wenn doch die offensichtlichste Spielweise hier Openraise wäre? Warum calle ich dann auch nur, wenn ich doch jetzt schon gelimpt habe und nun einen Raise vom Button bekomme, out-of-position bin und noch zwei weitere Limper hinter mir sitzen?

Nun, dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Erstens limpe ich hier UTG, um die Stärke meiner Hand nicht zu offenbaren. Ein Raise UTG in einem Fullringgame bedeutet meistens Stärke und ist in Kombination mit aggressiver Postflop-Action fast immer ein hohes Paar. Ich wähle daher nicht diese Linie, da allen mittelstarken bis starken Gegnern klar wäre, mit was sie es hier zu tun haben.
  • Außerdem limpe ich hier mit aus Metagamegründen. Ich möchte mir die Möglichkeit verschaffen, in Zukunft mit anderen Händen wie z.B. mit mittleren bis hohen suited connectors oder kleineren Paaren UTG limpen zu können und so meine UTG Handrange ausbalancieren. Sollte ich nämlich mit AA zum Showdown kommen, erkennt jeder meiner Gegner, dass hohe Paare in meiner UTG Limpingrange sind und ich werde dadurch, dass ich meine UTG Callingrange mit anderen Händen wie oben erwähnt durchmische, “unpredictable“ und nicht auf eine Hand “setzbar“.
  • Da ich an einem sehr aggressiven Tisch spiele kann ich mir außerdem fast sicher sein, keinen gelimpten Multiwaypot spielen zu müssen.

Nach dem Raise des Buttons hätte ich nun selbstverständlich die Möglichkeit zum 3-Bet. Dies allerdings würde noch viel mehr meine Hand verraten. Mir bleibt als Option also lediglich Call. Ich weiß weiterhin auch dass MP2 (der wohl tighteste Spieler Melbournes) den Großteil seiner Handrange hier gegen einen Raise folden wird. MP1 ist ein Fisch und wird 100% seiner Handrange callen, aber das ist ok.

Der Flop kommt perfekt mit rainbow. Auch hier würden die meisten Spieler wohl eine andere Linie wählen und zum Preflopaggressor checken. Ich jedoch frontbette den Flop. Ich kenne den Spieler am Button ein wenig (Kid, Anfang 20, Onlinespieler) und weiß, dass er sehr aggressiv spielt. Ich erwarte, dass ein Spieler diesen Kalibers eine solche Donkbet als Schwäche sieht und als Einladung missinterpretiert, over the top zu kommen. Meine Hand sieht ja auch so wie eine , oder aus und er kann in Kombination mit seinem Preflopraise weiterhin Stärke zeigen und mit einem Raise hier ein großes Overpair repräsentieren.

Ich spiele also 175 in einen 250 Pot. Der Fisch schaut verwirrt und foldet. Kid “Onlinepoker“ enttäuscht mich nicht, zieht sich die Schlinge um den Kopf und erhöht. Ich gebe ihm an dieser Stelle eine große Handrange, angefangen bei absolut Luft über kleinere Paare und random Overcards hinweg bis hin zu Händen, die er for Value raist, wie z.B. hohe Paare. Ein 3-Bet von mir würde hier den ganzen Plan zerstören, ihn zu stacken. Ich würde den Knaben praktisch wieder eigenhändig vom Galgen schneiden und eben seine komplette Bluffrange zum folden bringen.

Als logische Konsequenz bleibt also nur der Call. Die Turncard ist wie maßgeschneidert – . Eine komplette Blank, unmöglich seine oder meine Hand zu verbessern. Ich checke. Kid überlegt kurz und checkt relativ schnell behind. AHA! Dies sagt mir so einiges...

  • Ich bin mir sicher, dass unser aggressives Bürschchen hier fast 100% seiner Bluffrange am Turn weiterfeuert.
  • Sollte er jedoch zur Erkenntnis kommen, seinen Bluff doch stoppen zu wollen und damit die Hand aufzugeben, dann erwarte ich zumindest, dass er in den Tank wandert und ein wenig länger über die Situation nachdenkt – insbesondere weil unser Knabe es gar nicht mag, größere Pötte so einfach aufzugeben.
  • Ich weiß also, er blufft nicht!

Unser Gegner hat also eine Hand mit Showdownvalue, die er aus Potcontrol-Gründen gegen ein Fullhouse oder eine 6 und für Value gegen , oder eine behind checkt. Er könnte auch eine Hand wie :10s, oder halten, also zwei Overcards, die einen Flushdraw am Turn bekommen haben und die Freecard zum River wählen.

Seine Handrange ist hiermit polarisiert und besteht mit großer Sicherheit aus JJ-KK oder suited Overcards in Pik.

Der River ist und damit wieder eine gute Karte für mich. Der Flushdraw platzt! Es können nun aber Hände wie QsJs, KsJs oder AsJs Toppair gemacht haben und QQ sowie KK sind nach wie vor Overpairs zum Board. Ich verliere nur gegen JJ. Ich checke, da ich weiß, mein aggressiver Gegenspieler wird alle Hände, die mindestens Toppair haben, für Value anspielen

  • erstens, weil er - nachdem ich Turn und River gecheckt habe - keine Angst mehr vor einer oder hat
  • meine Hand so verdammt nach oder aussieht und
  • er durch seinen vermeintlichen Valuecheck am Turn von diesen Händen noch bezahlt wird.

Unser Gegner spielt 700 in den 1.150 Pot. Ich checkraise für Value gegen den Großteil seiner Range all-in. Er muss noch 800 bringen. Im Pot sind jetzt 3350. Er kuckt verwirrt. Callt. Ich zeige AhAd. Er kuckt noch verwirrter. Muckt. Steht vom Tisch auf. Schüttelt den Kopf in Ungläubigkeit. Geht. Am Tisch ist Stille eingekehrt. Mein Nachbar klopft auf den Tisch und sagt „Nice hand! I would have never put you on that!“. Ich bedanke mich, sammle meine Chips ein und genieße den Moment.

Ein weiterer genussvoller Moment sollte ein paar Tage später kommen, als ich 10/20 NL Holdem spielte. Es war bereits 5 Uhr morgens und wir spielten shorthanded. Aleks, Mario, Ich und zwei Fische. Der Tisch drohte zu brechen als Aleks einen der Fische stackte, dieser uns daraufhin verließ und auch Aleks sich verabschiedete. Mario und ich schauten uns an, und uns war beiden klar, dass wir noch spielen würden, solange dort am anderen Ende des Tisches jener etwas untersetzte Tourist von der Goldcoast sein Gold von der Küste am Tisch lagerte.

Die Geschichte sollte jedoch nicht zu gut für Mario ausgehen, denn unser lieber Meeresmitbewohner hatte andere Pläne mit ihm und so kam es, dass er – während ich mich größtenteils aus deren Konfrontationen heraushielt – dank unfassbaren Glücksattacken und einer Armee von Schutzengeln einem mittlerweile tiltenden Mario das ein oder andere Buyin abknüpfte, woraufhin uns auch Mario verließ.

Nun fand ich mich also mit jenem im lässigen Hawaiihemd gekleideten und mit Goldketten überhäuften, älteren Herren und seinem neuerrungenen Schatz (welcher sich mittlerweile auf knappe 10k belief) im Heads-Up wieder. Zu meinem Glück ist die Armee der Schutzengel mittlerweile schlafen gegangen und die Glücksfee hat sich auch aus dem Staub gemacht.

So kam es, dass unser verlassener Tourist nun plötzlich auf sein eigenes Können angewiesen war und folgenden Geniestreich auspackte:

<h2>Hand 2</h2>

Nachdem er in einem raised Pot auf einem Board von sowohl Flop als auch Turn gecheckcalled hatte, war er nun am River mit einer Valuebet meines konfrontiert. Ein wenig misskalkulierend gab er zur Kenntnis, er wüsste ich hätte nur Ass hoch und da er das schlagen könne, würde er meine Bet callen. ...und drehte um!!! LoL!

Ich verkniff mir, ihn darauf hinzuweisen, dass ihn selbstverständlich jede “Ass-hoch Hand“ geschlagen hätte und deutete auf meinen König für Toppair, während mir der Dealer schmunzelnd den Pot zustellte.

<h2>Cricket</h2>

Letzte Woche wurde ich mit einem Besuch im Melbourne Cricket Ground (MCG) vor 70.000 Besuchern in den Nationalsport Australiens eingeweiht: Cricket 20-20!

Im nächsten Blog werde ich dann hoffentlich etwas übers Aussie Millions Main Event zu berichten haben, welches gerade voll im Gange ist.

Aussie Aussie Aussie!!! Oi oi oi... ;-)

Jonas

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