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Von: barer47
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/Nov/2008

Cashgame in London

Von: barer47 @ 10:25 (CET) / 3 / Kommentar ( 97 )

...oder: Quer durch Europa auf der Suche nach dem heißesten Cashgame

Ursprünglich hatte ich einen einwöchigen “Cashgame-trip“ nach Berlin geplant. Also am Samstag ab in den Flieger, nach kurzer Flugzeit von München kommend in unserer schönen Hauptstadt gelandet und meine sieben Sachen in meinem Hotelzimmer gebracht. Hunger! Daher gleich auf die Suche nach Berlins bestem Döner gemacht (mein Appetit verlangte ausgerechnet nach dieser fast schon “berlinerischen Delikatesse“  – ich sollte nicht enttäuscht werden) und über Umwege dann Richtung Brandenburger Tor. Mit Ipod und Regenschirm bewaffnet (ja es regnete in Strömen) wartete ich - durch Berlin wandernd - darauf, dass die Spielbank endlich ihre Cashgametische eröffnete, was nach meinen Informationen ab 19h der Fall sein sollte. Gut gelaunt, spielfreudig und motiviert im Casino angekommen, bat ich den Floorman, er möchte mich doch bitte auf die 2/5 NLH sowie 5/10 NLH Warteliste setzten, um recht blöd dreinzuschauen, als dieser mir erklärte, es würde lediglich 1/2 NLH gespielt werden und wohl auch in den nächsten Tagen kein größeres Game stattfinden...

Na spitze! Damit hatte ich nicht gerechnet und ich werde wohl meine Informationsquellen überprüfen müssen! Etwas verwirrt also wieder raus aus der Spielbank, und zum “Pläneschmieden“ in das nächste Internetcafé. Kurz mit Roy gechattet, ob sich ein Ausflug nach Hamburg lohnt, dann aber entschieden, mich nach London aufzumachen.  Flug und Hotel gebucht und ab in die Heia, da mein Flieger am nächsten Morgen schon sehr früh gehen sollte.

Nun sitze ich also vier ganze Tage später in einem der vielen Starbucks am Kings Cross mitten in London, genieße meinen “morgendlichen“ (nun ja es ist bereits 13h...) Kaffee und berichte euch von den Erlebnissen meiner letzten Tage.

Eingecheckt habe ich in das Northumberland Hotel, eines der kleinen und günstigeren Hotels im Herzen London’s direkt am Kings Cross und nur ein paar Taximinuten oder vier U-Bahn Stationen entfernt vom Casino. Das Casino, ist das Grosvenor Victoria Casino kurz VIC genannt, nebenbei auch der Platz an dem jährlich die WSOPE stattfindet.

Das legendäre Grosvenor Victoria Casino (VIC) in London

Der Pokerroom hat ungefähr 15 Tische, ist schön gestaltet und gut organisiert. Die Dealer arbeiten sehr professionell und der Service ist gut. Gespielt wird von 1/3 NLH, 2/5 NLH über 5/10/25 NLH/PLO (25 ist hier der Straddle), 10/25/50 NLH/PLO bis hinzu 25/50/100/200 NLH/PLO (!) – alles in brittischen Pfund wohlgemerkt. Dementsprechend sieht auch die Spielerstruktur aus, überwiegend Regulars, also Stammspieler, reiche Unternehmer und Poker-Pros.

Das Spiel startet üblicherweise gegen 12h mittags und zieht sich bis in die frühen Morgenstunden hin – es kann also immer mit guter Action rund um die Uhr gerechnet werden. Für mich durfte es die letzten Tage 2/5 NLH und 5/10 NLH sein. Zu erwähnen wäre noch, dass die meisten Games uncapped sind, dass heißt es gibt kein Maximum-Buyin, was dazu führt, dass selbst das 2/5 NLH Game relativ “groß“ wird, da die Spieler durchschnittlich mit 1k-2k am Tisch sitzen und das Spiel mit 200-400BB sehr “deep“ ist.

Hier mal zwei Beispielhände:

  • Beispielhand 1:
<blockquote>

Ich spiele 2/5 NLH, habe ca. 2k vor mir und die Stacks sind allgemein ziemlich deep (zwischen 100 und 400 BB) und finde am Button (sweet... ).

UTG spielt einen Livestraddle auf 10 (dies war üblich an dem Tisch, um das Spiel “größer“ zu machen), zwei Spieler callen und ich erhöhe auf 70 Pounds.

UTG callt (Stack: 700, Geschäftsmann Mitte 40, normalerweise ein eher tighter Spieler, zu jenem Zeitpunkt aber ein wenig “tilty“, da er innerhalb der letzten halben Stunde zweimal gestacked wurde – unter anderem auch von mir, als er mit an einem Q-high Flop gegen mein reinstellte), die beiden Limper schmeißen weg.

Flop – ein sehr guter Flop für meine Hand!

UTG checkt und ich spiele 110 in den 165 GBP Pot, da ich hier Value von allen mittleren Paaren bekomme, und ihm außerdem die Möglichkeit einräume, mich als Bluff zu check-raisen. UTG callt (nun gebe ich ihm tatsächlich ein Paar von bis – eine kann er aufgrund seiner Preflop-Callingrange kaum halten).

Turn – great card for me! Dies reduziert die Wahrscheinlichkeit zusätzlich, dass er hält und ich bekomme weiterhin Value von mittleren Paaren.

UTG checkt wieder und ich spiele 275 in den 385 Pot. Zu meiner Überraschung spielt UTG jetzt aber all-in (noch ca. 250 mehr, Pot ca. 1,2k). Ich bin mir sehr sicher, meine Hand ist gut und calle sofort.

Für am wahrscheinlichsten halte ich den Fall, mein Gegner “goes crazy“ mit einem mittleren Paar oder tiltet. Die einzigen Hände, die mich hier schlagen sind: slowgespielte , Hände mit einer oder (eher auszuschließen aufgrund seiner Preflop Range), oder der höchstunwahrscheinliche Fall von four of a kind mit 22 oder 33 – und ihr ahnt es schon, sonst hätte ich wohl kaum von dieser Hand berichtet: Yep – QUADS IN THE HOUSE... UTG zeigt mir ... Sick, lol!

</blockquote>
  • Beispielhand 2:
<blockquote>

Ich sitze nach wie vor am 2/5 NLH-Tisch (Stack ca. 1,2k, wieder alle Spieler sehr deep).

Ich limpe UTG+2 mit . Der Spieler zu meiner direkten Linken (netter älterer Herr aus London, der durchaus weiß, was er am Pokertisch tut, aggressive, aber trotzdem eher tight, Stack ca. 1,3k) erhöht mit kaum sichtbar zitternden Händen auf 50 (ich setzte ihn direkt auf eine sehr starke Hand, wie  - und halte mit meinem suited two-gapper eine geeignete Hand gegen seine Range. Zudem habe ich gute Implied Odds, da wir beide über 200BB deep sind). Alle folden und ich bezahle.

Flop – nice! ein Flop mit dem ich arbeiten kann... Ich checke. Mein Gegenspieler spielt 75 in einen 100 GBP Pot. Ich entscheide mich mit meinem Flushdraw lediglich zu callen, da ein checkraise zu transparent aussieht und ich durchaus das Image am Tisch habe, mit draws zu raisen und mein Gegner dies weiß. Würde er auf meinen Checkraise pushen, müsste ich meine Hand aufgeben. Ein Call sieht an dieser Stelle wesentlicher stärker aus, da mein Gegner genau erwartet ich würde mit Draws checkraisen. Meine Hand sieht also mehr wie eine Madehand und nicht wie ein Draw aus. Dies hat auch den Nebeneffekt, dass meine Chancen höher stehen, bezahlt zu werden, sollte ein kommen, bzw. eine Freecard am Turn zu kommen, sollte mein Gegner Angst vor einer besseren Madehand haben.

Turn – ich bekomme nun ein Paar zu meinem Draw. An dieser Stelle checke ich mit drei weiterführenden Optionen:

</blockquote> <blockquote>
  • Sollte mein Gegner check behind spielen, bekomme ich eine Freecard auf eine meiner 14 outs.
  • Sollte mein Gegner anspielen, habe ich wiederum zwei Möglichkeiten:
    • Call (schlechteste aller Möglichkeiten) oder
    • Raise.

Mein Gegner spielt 150 in einen 250 Pot. Ich checkraise auf 400. Dieser Spielzug wird hier zu einer guten Waffe, aus mehreren Gründen:

  • mein Gegner erwartet, ich würde mit Draws am Flop check-raisen und nicht am Turn, er muss mir also durchaus eine Madehand einräumen, und jede Hand, die ich hier for value raise, schlägt sein Overpair (mögliche Madehands auf dem Flop: , , , )
  • sollte der Turn meine Hand gemacht haben, kommen weitere Madehands hinzu: , und (Call am Flop mit Middle oder Top Pair oder open ended Straight Draw)
  • mein Gegner hat seine Hand sehr stark definiert (QQ-AA), was ihm nun zum Nachteil wird, da ein Paar auf diesem Board und mit dieser Action mittlerweile nicht mehr allzu stark aussieht
  • mein Check-raise comitted mich selbst, mein Gegner hat am Turn also nicht eine Entscheidung über den Call von 250 sondern er hat eine Entscheidung, die seinen kompletten Stack betrifft (nicht angenehm mit einem reinen Overpair)
  • der Raise hat dem Call gegenüber den simplen, aber dennoch herausragenden Vorteil, dass ich eine weitere Möglichkeit bekomme, den Pot zu gewinnen, nämlich durch einen Fold meines Gegners (aggression is power). Sollte er dennoch callen, habe ich mit 14 Outs knappe 30%, eine meiner Hände zu machen.

Mein Gegner überlegt sehr lange und entscheidet sich dann für den Call.

River – Ship it! Ich schiebe all-in und mein Gegner callt sehr unfreiwillig. Er muckt seine Hand und ich gewinne einen schönen Pot.

</blockquote>

Er erzählt mir später er hätte gehabt – ich sage: „I know!“ ;)

In diesem Sinne,

alles Beste aus London

Jonas

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