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Von: barer47
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/Feb/2009

Check in the dark

Von: barer47 @ 15:04 (CET) / 7856 / Kommentar ( 116 )

Neulich beim Cashgame. Wir spielen mixed Game, immer abwechselnd eine Runde Texas Hold'em und eine Runde PLO.

Ich hatte mit Quads in der PLO Runde einen dicken Pot gezogen (mit ) und war an diesem Abend etwa 200 BB im Plus. Der Tisch war recht passiv, viel Gelimpe, wenig preflop-Action, aber nach dem Flop recht loose calls. Fischig also.

  • In der Texas Hold'em Runde bekomme ich im Button .
<blockquote>

5 Spieler limpen, ich calle ebenfalls. Der Smallblind raist nun auf 7,5 BB. 3 Caller, mich eingeschlossen. Der Pot ist 34 BB.

Der Flop bringt .

Der Smallblind checkt, ein weiterer Spieler checkt, der dritte Spieler in MP setzt 7,5 BB. Sehr wenig. Flushdraw? TopPair weak Kicker? Set wohl eher nicht, das würde er gegen einen Flushdraw besser verteidigen. Muss also eine Hand sein, bei der er sich nicht ganz sicher ist, vorne zu sein. Er hat noch ca. 175 BB vor sich stehen.

Ich gehe nach dem Check des SB nicht davon aus, dass einer meiner Gegner AK spielt, denke also, dass ich die beste Hand halte und raise auf 30 BB. SB und Spieler 1 folden, mein verbleibender Gegner überlegt kurz, callt und checkt dann sofort in the dark.

</blockquote>

Für diejenigen, die nicht wissen, was "Check in the Dark" (ich kürz den mal ab mit CITD) bedeutet: Der Spieler, der als erster nach der nächsten Karte agieren müsste, kann bereits checken, bevor diese nächste Karte (oder der Flop) aufgedeckt wird. Er tut dies also ohne zu wissen, wie sich das Board verändert hat. Wird die nächste Karte gegeben, ist die Action damit ohne weitere Ankündigung beim nächsten Mitspieler.

<blockquote>

Der Turn bringt die und da mein Gegner ja bereits gecheckt hat, setze ich 75 BB. Erneut überlegt mein Gegner, callt unsicher und sagt im selben Atemzug "Check", bevor der Dealer den River aufgedeckt hat. Hmmm. Er scheint doch stärker zu sein, als ich dachte. Da aber seine Miene nicht besonders glücklich aussieht, gebe ich ihm definitiv kein Set. Und nach wie vor kein AK. Möglich wäre ein Flushdraw (oder sogar Kombodraw mit z.B. ) oder eine Hand wie , die er nicht aufgeben möchte.

Der River bringt nun die , für mich eine der schlechtesten Karten im Deck auf Grund der Range, die ich meinem Gegner gebe. Da aber mein Gegner bereits vor dieser Karte gecheckt hatte, checke ich nun hinterher, um nicht in einen getroffenen Draw zu laufen.

Mein Gegner zeigt allerdings "nur" und ich gewinne einen schönen Pot.

</blockquote>

Schaun wir uns aber kurz an, was es mit diesem "Check in the dark" auf sich hat und ob dieser in unserem Fall sinnvoll war oder nicht.

<h2>Was bringt ein CITD? </h2>

Zunächst verschafft man sich "Position", da man die Aktion VOR einer Veränderung des Boards bereits an den Mitspieler abgibt. Man kann also in der nächsten Setzrunde dessen Aktion abwarten und dann entscheiden, wie man darauf reagieren möchte.

Klingt schon mal vorteilhaft. Der Mitspieler, der nun als erster agieren muss, hat nämlich keine Information darüber, ob die neue Karte dem CITD-Spieler geholfen hat oder nicht, denn dieser hat ja NACH Aufdecken der Karte weder Stärke durch einen Bet noch Schwäche durch einen Check gezeigt, da der Check ja schon geäußert wurde, bevor die Karte umgedreht wurde.

Diesem Vorteil steht aber ein wesentlicher Nachteil gegenüber: man riskiert als CITD-Spieler, dass man seine Hand zwar verbessert, der Gegner nun aber dei Setzrunde mit einem eigenen Check behind beenden und sich damit eine Freecard genehmigen oder den Showdown "billig" sehen kann.

<h4>Wie sieht das in unserem Beispiel aus: </h4>

Mein Gegner hat eine starke Hand, die aber durchaus geschlagen sein kann. Zwar ist dies realistisch nur mit und möglich, da ich mit AK sicher nicht gelimpt hätte auf dem Button, aber diese Hände könnte ich halten. Was bringt ihm aber nun ein CITD? Er signalisiert Schwäche, in dem er sagt, "ich calle Deinen Bet, dann mach mal! Willst Du weiter betten oder wird Dir mulmig". Es kann natürlich ebenso sein, dass mein Gegner es nicht zu teuer werden lassen möchte (durch einen Bet seinerseits gefolgt von einem eventuellen Raise von mir), er aber bereit ist, jeden Bet von mir bis zum River zu callen. Es könnte auch ein Bluff Induce sein, da mich die vermeintliche Schwäche vielleicht in dem Glauben lässt, er hat tatsächlich nur einen Draw und mich motiviert, mit TopPair aktiv zu bleiben.

Problematisch hierbei ist aber, dass

  • mein Gegner eine sehr starke Hand hat
  • diese Hand anfällig ist, da das Board einige Draws ermöglicht (Flushdraw, Straightdraw, oder einfach ein Draw zu einem Set oder besseren 2 Pair/Trips, sollte ich nur das Ass ohne zweiten Treffer halten)
  • mein Gegner jegliche Initiative aus der Hand gibt und damit den Pot nicht kontrollieren kann
  • mein Gegner auf (Semi-)Bluff Optionen komplett verzichtet.

Gerade der letzte Punkt darf nicht unterschätzt werden. Nach dem Handverlauf bis zum Turn hätte ich meinen Gegner durchaus auf einen Flushdraw setzen können. Die (Royal)-Flush-Karte am River wäre daher perfekt geeignet gewesen, einen Bluff zu versuchen. Wir waren noch deep genug, so dass ich bei einem plötzlichen Pot-bet oder all-in meines Gegners eine sehr schwere Entscheidung gehabt hätte.

<h2>Macht ein Check in the dark überhaupt Sinn?</h2>

Wie gesagt, Gründe können sein:

  • Bluff induce
  • Verbergen der eigenen Handstärke (bei Made Hands)
  • Verbergen eines Draws (und dem entsprechenden Treffer), wenn man z.B. einen double-gutshot hält, den der Gegner nicht so schnell erkennt

In Summe kann man aber den Pot und den Gegner deutlich besser kontrollieren, in dem man mit Blocking Bets, Value Bets oder Bluffs selbst agiert und nicht die Initiative komplett abgibt.

Preflop ist ein Check in the dark eigentlich noch fataler. Denn man hat seine eigene Hand noch nicht wirklich definiert und auch noch sehr wenig Information über die Hand des Gegners.

<h4>David Williams gegen Josh Arie</h4>

Es gab eine Situation bei einer WPT im Jahr 2004, als David Williams den Raise von Josh Arie out-of-position für ein Drittel seines Stacks mit Pocket callt und sofort in the dark checkt.

Auf dem Flop erschien eine miracle , Josh pushte und David gewann den Pot.

Dennoch war das Spiel alles andere als gut. Nehmen wir an, der Flop kommt und Josh hält . Würde ich mit einem getroffen Set in dieser Situation eine Freecard geben wollen? Wohl kaum. Gerade wenn man schon einen Großteil seines Stacks in einen Call investiert (was imo sowieso wenig Sinn macht), sollte man dann versuchen, den Wert der Hand bei einem Treffer zu maximieren oder als delayed Push weiterspielen um z.B. auf einem Flop, der nur rags enthält, all-in zu schieben. Was nämlich z.B. wenn der Flop runterkommt und ich meinen Gegner auf High-Cards setze. Nehmen wir an, er checkt hinterher und auf dem Turn kommt ein . Was dann?

Sind die Stacks groß genug, kann man auch mit einem Paar einen CITD spielen, hofft man dadurch bei einem Treffer auf eine größere Auszahlung. Shortstack macht das aber keinen Sinn, da der Gegner oft anspielen wird und wir dann in den meisten Fällen ohne einen Treffer dastehen und folden müssen. Wir verzichten also komplett auf die Foldequity unserer Hand durch einen Push auf einem Flop mit kleinen Karten.

<h4>Fazit:</h4>

Man sollte also dieses Check in the Dark wenn überhaupt nur äußerst selten und in ausgewählten Situationen verwenden, in denen man entweder ein Monster hat und den Gegner zu einem weiteren Bet einladen möchte, oder weil man einen guten Draw hat und keine Information darüber geben möchte, ob man getroffen hat oder nicht, bevor dem Gegner Gelegenheit gegeben wurde, zusätzliches Geld in den Pot zu legen. Ein Check in the dark motiviert den Gegner auch manchmal, ebenfalls zu checken, was dem CITD-Spieler dann eine Freecard beschert und Draws noch lukrativer macht.

Aber wie gesagt, es hängt von einer guten Konstellation und der richtigen Einschätzung der Gegner ab, ob ein solcher Move Sinn macht oder nicht.

Puhh, das wars dann mal wieder für heute.

Alles Gute
Roy 

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