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Von: barer47
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/Mär/2009

Operation WSOP

Von: barer47 @ 21:17 (CET) / 40 / Kommentar ( 130 )

Nicht mehr lange hin und es geht wieder nach Las Vegas. Einige Leser haben gefragt, ob ich mal was zu meinen Plänen schreiben kann. Here we go.

Ich bin für ein paar kleinere Events gesponsert, werde daher am Anfang der Series nach Las Vegas reisen und den Main Event mit großer Sicherheit nicht spielen. Ende Mai geht's los und Mitte Juni wieder zurück. Ich freue mich schon riesig. Da ich früh gebucht habe, konnte ich ein günstiges Angebot für das Planet Hollywood am Strip bekommen. Das Zimmer teile ich mir mit Fred.

Ich spiele für das Budget eines Main Events lieber mehrere kleine WSOP-Turniere (Buyins zwischen 1.000 und 2.000 Dollar), da sich dadurch

  • die Chance erhöht, ins Geld bzw. auf die vorderen Plätze zu gelangen
  • die uns allen bekannte Turnier-Varianz verringert wird (da in der Regel mehr gespielte Hände und mehr Chips). 

Klar kann man beim Main Event mit einem Cash deutlich mehr gewinnen. Man muss aber bis zum Geld in Regel mehr marginale Situationen überleben, als in einem kleineren Turnier. Und da ich bei meinem letzten Main Event mit KK gegen 99 preflop alle Chips in die Mitte bekommen habe und dennoch ausgeschieden bin, habe ich die Lust auf solche One-Shots verloren.

Ok, wie sieht mein Schedule aus:

  • Event #4: Mein erster Event ist ein Texas Hold'em No Limit Freezout Turnier für ein Buy-in von $1.000
  • Event #5: Sollte ich im Event Nr. 4 frühzeitig ausscheiden (es handelt sich mittlerweile bei allen Turnieren um mehrtägige Veranstaltungen), werde ich am 1.6. beim $1.500 Pot Limit Omaha Turnier antreten.
  • Event #10: Ein Pot Limit Holdem/Omaha Mixed Event steht auf dem Programm. Buyin $2.500. Hier hatte ich mich letztes Jahr sehr wohl gefühlt, bin dann leider mit 77 gegen AK vor dem Geld ausgeschieden.
  • Event #20: $1.500 Pot Limit Omaha.
  • Event #24: Sollte ich den dritten Tag des Event 20 nicht erleben, steht wieder ein No Limit Texas Hold'em Turnier mit einem Buyin von $1.500 auf dem Programm.
  • Event #28: Das TH NL Turnier mit einem Buyin von $1.500 ist eine Option, sollte ich den dritten Tag von Turnier #24 nicht erleben.
  • Event #30: Je nachdem, ob ich noch in einem der vorherigen Turniere im Rennen bin, wäre noch ein $2.500 PLO Turnier möglich, bevor ich zurückfliege.

Das Turnierbudget meines Sponsors würde alle aufgeführten Turniere abdecken. Je nachdem wie es läuft kann ich mir auch vorstellen, das ein oder andere Extravaganza Deepstack-Turnier im Venitian zu spielen. Oder die ebenfalls interessanten Turniere im Bellagio. Hier konnte ich schon mal den 10. Platz erreichen, dummerweise waren bei 88 Teilnehmern nur 9 im Geld .

Meine Motivation für dieses Jahr ist sehr hoch. Allerdings habe ich bereits einige Fehler in meinem Spiel bemerkt, die es auszumärzen gilt.

<h2>Vorbereitung</h2> <h4>Spielweise</h4>

Zunächst werde ich noch mal einige Turnier-Historien, auch die der letzten EPTs, unter die Lupe nehmen und nach strategischen und mathematischen Schwachstellen/Fehlern Ausschau halten. Diese müssen peu a peu eliminiert werden.

Parallel dazu werde ich versuchen, mich im Turnier-Poker fortzubilden. Neben Teaching Videos bei uns hier werde ich mir noch zwei zusätzliche Bücher zu Gemüte führen und versuchen, mein strategisches Spiel zu verbessern.

Sofern ich Zeit habe, werde ich mehrere Turniere pro Woche spielen und versuchen, meine Fehler auf ein Minimum zu reduzieren. Das bedeutet unter anderem:

  • Geduldiger sein. Ich muss mir selbst die Gelegenheit geben, auf gute Hände zu warten und mit diesen möglichst viele Chips zu generieren.
  • In späteren Turnier-Phasen muss ich es schaffen, unabhängiger von meinen Karten zu werden. Gezielten Druck auszuüben muss auch mit any two möglich sein.
  • Ich muss lernen, Hände aufzugeben und nicht mit Gewalt Pötte gewinnen zu wollen.
  • Ich muss lernen, die gegnerischen Hände noch besser einschätzen zu können um gute Calls und noch bessere Laydowns zu machen.
  • Wenn ich meinen Gegner auf eine gute Hand setze, die ich aber schlagen kann, oder wenn ich ihn auf eine ähnliche Hand setze, wie meine eigene, muss ich öfter Raisen und weniger Callen.
<h4>Andere Faktoren</h4>

Ich habe zwei extrem anstrengende Jahre hinter mir. Auf die Details will ich gar nicht eingehen, aber im Schnitt habe ich pro Tag 5 Stunden geschlafen.

Mittlerweile merke ich, dass ich einen Schlafdefizit habe. Dadurch kann ich mich nicht mehr so gut konzentrieren wir früher. Das wiederum führt dazu, dass ich Denkfehler mache oder bestimmte Spielsituationen einfach nicht richtig einschätze, da mir häufiger als früher der Scharfsinn fehlt. Einen Teil dieser Defizite konnte ich durch deutlich mehr Spielpraxis wett machen, aber ich merke immer wieder, dass ich gerade im Live-Spiel falsche Schlüsse ziehe.

Ein Ziel wird also sein, bis Ende Mai Schlaf nachzuholen. Sollte ich also morgens um 5:00 Uhr aufstehen müssen, um einen frühen Flug zu erwischen, werde ich halt nicht bis 00:00 Uhr aufbleiben, sondern einfach mal ein paar Stunden früher ins Bett gehen.

Und sollte ich vorhaben, ein Turnier zu spielen, von dem ich weiß, dass es bis späte in die Nacht reichen wird, werde ich auch kein Cashgame bis 4:00 Uhr früh spielen, auch nicht in Vegas.

"Der ist aber ausgeschlafen" ist nicht einfach nur eine Redewendung. Wenn ich richtig ausgeschlafen bin (und das über mehrere Tage), bin ich deutlich präsenter, scharfsinniger, logischer, kann unglückliche Setups oder Rivercards deutlich besser abhaken und mich viel stärker auf meine Gegner und die Tisch-Dynamik konzentrieren.

Neben dem Schlaf macht mir meine aktuelle Ernährung etwas zu schaffen. Meine Frau hat ihre Ernährung umgestellt und in den letzten Wochen 8 Kilo abgenommen. Respekt! Ich will zwar nicht meine gesamte Ernährung umstellen, aber zumindest mein Essverhalten so in Griff bekommen, dass ich 5-6 Kilo abnehme. Dabei ist mir besonders wichtig, dass ich auf Produkte verzichte, die den Körper zu sehr übersäuern. Also weniger Zucker, weniger Fette, mehr leichte Kost und abends am besten nur noch kleine Portitionen, um besser schlafen zu können.

Mehr Sport wäre auch noch ein Ziel, aber hier will ich versuchen, mich auf 2-3 Golfrunden pro Woche (logischerweise überwiegend am Wochenende) zu konzentrieren. Nicht nur, dass eine Golfrunde ein zügiger, ungefähr 7 Kilometer und damit 4 stündiger Fussmarsch ist, sondern die Schläge selbst (bei mir zwischen 79 und 90 Schlägen) sind eine körperliche Beanspruchung. Und dann noch mal die ein oder andere vorgeschobene oder angehängte Stunde auf der Driving Range mit noch mal 100-200 Bällen reichen mir völlig aus, um gut konditioniert zu werden. Auch hier hatte ich in den letzten 2 Jahren deutlich zu wenig Gelegenheit, diesem schönen Sport nachzugehen.

Und da ist ja auch noch meine Golf-Wette gegen Flo, die ich unbedingt gewinnen will. Immerhin geht es um ein schönes Golfwochenende.

<h2>Umsetzung</h2>

OK. Genug zunächst von meinen Plänen. Wie sieht es mit der Umsetzung aus.

Zunächst habe ich mir das Buch von Sklansky gekauft, Turnierpoker for advanced players. Ich bin noch nicht wirklich weit damit, daher kann ich noch nicht abschätzen, wie hilfreich das Buch tatsächlich ist. Die Beurteilung werde ich nachliefern.

Gehen wir nun aber in die Praxis: Heute standen zwei Turniere auf dem Programm, das $22 Freezout und das $109 Freezout. Warmup ist zu spät und widerspricht damit meinen Ziel, mehr Schlaf zu bekommen.

<h4>$22 NL Tournament</h4>

1. Hand

[replayer hand=110286]

  • Die erste spielbare Hand nach einigen Folds ist im Bigblind. Nachdem zwei Spieler limpen, raise ich auf 150, um den Pott gleich zu gewinnen oder zumindest mal nur gegen einen Spieler weiterspielen zu können. Ich vermute hier gegen kleine bis mittlere Paare oder gegen Hände wir AT, A9, KQ oder KJ zu stehen. 
<blockquote>

Der Raise war offensichtlich zu niedrig (Schwachstelle gefunden: Bet-Sizes) und beide Limper callen. Ich mache einen Contibet von knapp unter halbem Pott, mein Gegner raist und ich schmeiße meine A-hoch Hand in den Muck. 

</blockquote>

2. Hand

[replayer hand=110287]

  • Nachdem ich bislang erst eine Hand gespielt und damit ein tightes Image am Tisch haben sollte (mittlerweile so etwa 25 Hände gedealt) setze ich mit zu einem Steal aus Middle Position an. Immer noch besser als mit einem schwachen Ass, aber dennoch nicht zu empfehlen. Geduld, junger Jedi. Die Quittung kommt auf dem Fuss, zwei Caller und ein AQx Flop. Ich habe also meine Top-Karte getroffen, aber dennoch nur middle pair. Zunächst bin ich verleitet, einen Conti-Bet zu feuern. Da meine beiden Kontrahenten aber post flop oft callen, entscheide ich mich zu checken und je nachdem, welcher Spieler die Initiative ergreift, zu raisen, zu callen oder zu folden.
<blockquote>

Beide Spieler checken hinterher. Null Information also. Die Zehn am Turn hilft mir nicht weiter. Da ich nicht weiß, wie stark die Gegner sind, kommt ein Information-Bet. Wenn keiner stark ist, sollte ich die Hand gewinnen können (z.B. gegen kleine Paare). Hat jemand dagegen ein Ass oder ist noch stärker, werde ich die Hand aufgeben.

Beide Spieler callen, was mich nun doch überrascht. Klar war der Bet mit 1/3 Pot nicht sehr hoch, aber ich wollte einen Versuch starten, den Pot günstig einzukassieren. Der River komplettiert nun weitere Straßen (J9) oder 2 Pair / Trips, ich hoffe auf einen Showdown ohne weitere Chips investieren zu müssen, checke und folde auf den Bet meines Gegners.

</blockquote>

Die Hand hätt ich mir sparen können.

3. Hand

[replayer hand=110288]

  • Ein recht aktiver Spieler im CO setzt 3BB. Ich interpretiere das als einen erneuten Stealversuch und reraise auf 500.
<blockquote>

Zu meiner Überraschung flat-callt der sehr loose Bigblind und der CO callt ebenfalls. Nicht gut.

Der Flop bringt . Beide Spieler checken. Der Flop ist sehr trocken, so dass ich davon ausgehe, keiner mein Gegner hat getroffen. Ich spiele einen Contibet von etwas mehr als halbem Pot und beide folden.

</blockquote>

4. Hand

 [replayer hand=110289]

  • Ich finde im Bigblind. Ein Spieler aus middle position minraised und bekommt zwei Caller. Ich könnte nun squeezen, der Minraise ist mir allerdings suspekt und so calle ich nur auf Set-Value. 
<blockquote>

Den Flop verpasse ich und da dieser wirklich hässlich ist, check-folde ich ohne zu zögern.

</blockquote>

5. Hand

[replayer hand=110290]

  • Im Hijack-Seat versuche ich die Blinds zu stehlen und erhöhe mit QJs. Leider callt mich der Button, der nun auch seine preflop Calling-Ranger erweitert hat. Das motiviert den Bigblind, ebenfalls zu callen.
<blockquote>

Einen Contibet spare ich mir gegen die Calling Stations und gebe den A-hoch Flop auf. Ich denke nicht, dass mein Bluff hier funktioniert hätte.

</blockquote>

6. Hand

[replayer hand=110291]

  • Standard

7. Hand

[replayer hand=110292]

  • Mittlerweile sind wir in der zweiten Stunde des Turniers, ich habe noch keine anderen Hände aktiv gespielt als die oben dokumentierten 6. In dieser Hand bekomme ich AK und mache einen Standard-Raise auf 3 BB. Muss mal in mich gehen, ob das wirklich die optimale Raise-Größe ist.
<blockquote>

Die Calling Station ist wieder dabei, alle anderen folden. Der Flop kommt mit einem Paar und einer Queen. Ich denke, dass die Chance, dass er die Dame getroffen hat, gering ist, will aber den Pot klein halten und check/calle daher. Da ich durchaus die beste Hand haben kann.

!Hier fällt mir wieder ein Fehler auf: Wenn ich denke, ich könnte die beste Hand haben, sollte ich das rausfinden mit einem Raise und nicht mit einem Call! In solchen Fällen brauche ich Informationen. Und die bekomme ich nicht mit einem Check-Call.

Auf dem Turn bekomme ich neben meinen zwei Overcards einen InsightStraightDraw. Spätestens hier könnte ich mit einem Semi-Bluff herausfinden, wo ich stehe. Ich checke aber, mein Gegner checkt hinterher.

Oft handelt es sich bei einem Turn-Check-Behind um einen Value-Check, das heißt, man versucht mit einer Hand, mit der man eigentlich setzen würde, beim Gegner einen Bet auf dem River zu inducen, den man dann in jedem Fall callt. Bin mir daher immer noch nicht sicher (gerade gegen diesen Gegner), ob sein Check-Behind wirklich Luft oder eine Calling-Hand bedeutet.

Der River hilft mir nicht weiter und ich bin nur noch gegen Luft vorne. Jetzt gegen eine Calling-Station zu setzen scheint mir nicht ratsam und ich check-folde die Hand.

Hätte ich besser spielen können.

</blockquote>

8. und letzte Hand:

[replayer hand=110293]

  • Mit einem Paar Zehner auf dem Button will ich natürlich raisen, gerade dann, wenn ich first to open bin.
<blockquote>

Im Nachhinein gefällt mir meine Raise-Größe aber nicht. Ich habe noch 10 BB und raise auf 3 BB. Letztlich bin ich damit schon fast comitted. Und gerade gegen eine Callingstation hätte ich hier gleich pushen sollen.

Na ja, ich raise also auf 3 BB. Die Station callt (natürlich). Auf dem Q-high Flop muss ich eigentlich nur die Dame beim Gegner fürchten. Ein Pocket-Paar hätte er gegen einen Button-Raise vermutlich erhöht. Da der Gegner checkt pushe ich all-in und er zeigt tatsächlich QJ. Argh. Da er vermutlich auch mit einer Hand wie gecallt hätte, oder auch einem schlechteren Paar oder einem Draw wie JT oder 87 war der Push nicht so schlecht. Aber besser wäre wohl gewesen, bereits preflop zu pushen, um genau solche Hände wie QJ zum Folden zu bringen und nur gegen die starken Broadway-Karten als leichter Favorit ins Rennen zu gehen. Wenn ich mit TT vermeiden kann, den Flop zu sehen, sollte ich das tun.

</blockquote> <h4>$109 NL Tournament</h4>

Im $109 läuft es besser. Im Moment ist die zweite Pause, ich habe 17.900 Chips bei einem Average von 10.800 und bin damit im Moment auf Chipposition 28 bei verbleibenden 354 (von ursprünglich 1062) Spielern.

Ich meld mich morgen (oder später noch) mit dem finalen Ergebnis und vielleicht der ein oder anderen Hand.

Bis dann,

Roy 

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