javascriptNotEnabled

Home \ Community \ Blogs \

barer47 blog

barer47 blog
Von: barer47
Send PM
/Mär/2009

Step 2: Basis Theorie

Von: barer47 @ 00:04 (CEST) / 7112 / Kommentar ( 96 )

Die ersten 140 Seiten von Sklanskys "Tournament Poker for Advanced players (Expanded Edition)" sind durchgearbeitet. Und schon liegt das nächste Buch im Briefkasten, "Winning Poker Tournaments, one hand at a time" von Eric Lynch, Jon van Fleet und Jon Turner. Der erste Blick hinein war vielversprechend.

Aber alles der Reihe nach.

Zunächst ging es mir darum, meine theoretischen Kenntnisse wieder aufzufrischen bzw. zu erweitern. David Sklansky ist dafür sicherlich keine schlechte Wahl, auch wenn ich die ersten 140 Seiten dieses Buches dann doch etwas dünn fand. Die Erklärungen kratzen an vielen Stellen nur an der Oberfläche, auch wenn durchaus Interessantes zu finden ist.

Da sicherlich die meisten unserer Leser schon mal davon gehört haben, aber vielleicht nicht genau wissen, was es damit auf sich hat, möchte ich gerne ein Thema näher beleuchten:

<h2>Das Gap-Konzept</h2>

Gap ist englisch und bedeutet "Lücke". Das Gap-Konzept, welches zwar nicht von David Sklansky erfunden, aber sicherlich von ihm am ausführlichsten erklärt wurde, besagt folgendes:

Wenn ich einen Bet oder ein Raise eines Gegners callen oder noch mal erhöhen möchte, brauche ich eine deutlich bessere Hand, als wenn ich selbst als erster erhöht hätte. Dabei sollte meine Calling/Raising Hand sogar besser sein als meine Eröffnungshände, mit denen ich in der Position meines Gegners selbst gebettet oder erhöht hätte. Diese Differenz zwischen der Stärke meiner Eröffnungs- zu meinen Calling/Raising-Händen ist die Lücke, das Gap.

  • Beispiel: Mein Gegner sitzt UTG + 1 und erhöht auf 3,5 BB. Ich sitze im Cutoff und finde AJs. Sollte ich meinen Gegner callen oder erhöhen?

Natürlich hängt das zunächst mal vom Gegner ab. Gehen wir in diesem Beispiel von einem soliden Spieler aus, der tight spielt. Dann können wir erwarten, dass er für eine Erhöhung in Early Position eine Hand aus den Top 5% braucht, also AA bis 99 und AK oder AQ.

Nach dem Gap-Konzept brauche ich für einen Call oder Raise also eine Hand, die besser ist als diese 5% der Starthände. Ich könnte als z.B. auf Hände wie 99, TT und AQ verzichten, um durchschnittlich mit der besseren Hand involviert zu sein als mein Gegner. Denn das sollte Ziel sein.

Da AJ eigentlich nur gegen 99 und TT aus der Range meines Gegners eine in etwa ausgeglichene Chance hat, gegen alle anderen Starthände aber deutlich hinten liegt, sollten wir einen Easy Fold haben.

Natürlich könnten wir argumentieren, dass wir die deutlich bessere Position haben, und (sollten wir ein guter Postflop-Spieler sein) diese entsprechend zu unserem Vorteil nutzen und damit die schlechtere Starthand kompensieren könnten. Aber auch als guter Postflop-Spieler wird es gerade mit einer Hand wie AJ schwer, nach dem Flop profitabel weiterzuspielen, wenn unser Gegner nicht gerade ABC-Poker spielt und zudem weak ist. Das würde sich insofern bemerkbar machen, dass er beispielsweise Conti-Bets nur anbringt, wenn er getroffen hat und er ansonsten Check-Fold spielt. Da wir solche Gegner leider immer seltener antreffen, bleibt AJ ein klarer Fold (noch dazu, da hinter uns weitere Spieler in der Hand sind und mit einer deutlich besseren Hand aufwachen können).

Das Gap-Konzept wirkt aber auch umgekehrt. Wenn wir davon ausgehen, dass die Spieler an unserem Tisch das Gap-Konzept verstanden haben und solides, tightes Poker spielen, können wir mit deutlich mehr Händen eröffnen, da wir davon ausgehen können, dass unsere Gegner den Großteil ihrer eigenen Hände in den Muck befördern werden.

Das bedeutet also, dass man "first to open" eine recht weite Range an Starthänden spielen kann, als Caller oder Raiser seine Auswahl aber stark einschränken sollte.

Damit kann das Gap zwischen den Eröffnungs- und den Call/Raise-Händen sehr groß werden.

<hr width="100%" noshade="noshade" size="1" />

Zu beachten ist allerdings, dass das Gap-Konzept erst dann zum Tragen kommt, wenn die Stacks im Verhältnis zu Blinds und Ante kleiner werden. In den ersten Turnier-Leveln sollte man also auch andere Konzepte wie Limpen etc. anwenden.

<hr width="100%" noshade="noshade" size="0" /> <h4>Spielweise der Gegner einbeziehen</h4>

Je nach Spielweise der Gegner verändert sich logischerweise das Gap zwischen meinen Eröffnungshänden und den Händen, mit denen ich in Pötte einsteige, die bereits ein anderer Spieler vor mir eröffnet hat.

Wenn meine Gegner sehr loose sind, sollte ich bei der Auswahl meiner Eröffnungsstarthand zwar tighter werden, muss aber nicht zuuu tight sein (da ich zwar oft gecallt oder geraist werde, aber mit einer sehr weiten Range an Händen). Dasselbe gilt, wenn einer meiner loosen Mitspieler den Pot eröffnet. Auch in diesem Fall kann ich davon ausgehen, dass mein Gegner eine eher schlechtere Hand hält (Sklansky rechnet hier mit 25% aller Starthände, was AA - 22, AK - A5, K9s - T9s und ansonsten alle Kartenkombinationen mit einer Zehn oder höher, also z.B. QT).

<h4>Weitere Faktoren</h4>

Es gibt noch weitere Faktoren in einem Turnier, die Einfluss auf dieses Konzept haben. Sind meine Gegner sehr short oder haben sehr viele Chips, steigt in der Regel die Bereitschaft, einen Raise zu callen (bzw. als Shortstack einfach zu pushen). Daher sollte man für eine Eröffnung gegen diese Spieler tighter werden.

Befindet man sich in der späten Phase eines Turniers, z.B. am Final Table, und die Auszahlungsstruktur bringt große Preissprünge zwischen den einzelnen Plätzen mit sich, dann hat das meist zur Folge, dass die Spieler extrem tight werden. Wenn ich mein Spiel und damit mein Gap anpassen möchte, dann muss ich meine Eröffnungskriterien stark lockern, auf der anderen Seite aber meine Calling bzw. Raising-Standards extrem erhöhen. Es kann also in dieser Phase des Turnieres gleichzeitig richtig sein, mit Händen wie egal aus welcher Position zu erhöhen, gleichzeitig aber auf die Eröffnung eines Gegners so starke Hände wie AKo oder TT zu folden. Hier wird das Gap also extrem groß.

Wie ich persönlich mein Gap in den einzelnen Phasen wählen werde, muss ich mir noch überlegen. Ein paar Anregungen habe ich definitiv bekommen.

<h2>Üben üben üben</h2>

 Damit das Üben nicht zu kurz kommt, habe ich heute wieder ein paar Turniere gespielt:

  • $22 NL Texas Hold'em Freezout (früh raus)
  • $109 NL Texas Hold'em Freezout (früh raus)
  • $16,50 Pot Limit Omaha (243 Spieler), Final Table, dort allerdings leider als 9ter raus
  • $1 Million Turbo Takedown (noch drin, Level 8, etwas unter Average)
  • Daily Eighty Grand Sunday Special (noch drin, Level 8, allerdings deutlich unter Average)

 Und hier ein paar Hände:

<h4>Gerade aus dem Turbotakedown ausgeschieden, GRRRRR.</h4>

[replayer hand=110811]

  • Eine der ganz seltenen Gelegenheiten, in denen ich mit Assen preflop limpe. UTG ist dafür die perfekte Position. Als der Button nur callt, fürchte ich schon, ich muss die Asse gegen vier Gegner spielen. Aber wie erhofft squeezed der Smallblind und ich bekomme alle meine Chips in die Mitte.
<blockquote>

Der River macht meinem Turnierleben allerdings ein Ende. Schade, bis zum Turn perfekt gelaufen, lol...

</blockquote> <h4>JJ preflop gefoldet</h4>

Eine Hand aus dem $22 Turnier.

[replayer hand=110812]

  • Ich sitze im BB mit Pocket-Jacks. Ein Spieler in Late Middle Position pusht mit 13 BB all-in. Er hatte zwar mit einem VPIP Wert von 28% relativ viele Hände gespielt, aber dies war sein erster Push. Ich geb ihm Credit und folde. Da dieser Spieler gleich in der nächsten Hand wieder all-in war, bin ich mir nicht sicher, einen guten Laydown gemacht zu haben...
<h4>Top Pair Top Kicker gefoldet</h4>

Diesmal im $109 Turnier. Und wieder ein Fold, von dem ich nicht sicher bin, wie gut er war.

[replayer hand=110814]

  • Ich raise UTG mit AK. Der Flop ist nicht schlecht, Top Paar, Top Kicker und einen Insight-Straight-Draw.
<blockquote>

Ich mache meinen Conti-Bet und nun minraist mein Gegner (VPIP 41, Aggression aber nur 1,0) und comitted sich damit meiner Meinung nach bereits für alle seine Chips. Ich muss also entscheiden, ob ich vorne bin oder für weitere 1.100 Chips einen Draw spielen möchte. Callen macht nicht viel Sinn, da ich in der nächsten Runde OOP weiterspielen muss und vermutlich dann alle Chips des Gegners in die Mitte kommen.

Mein Gegner kann hier two pair, ein Set oder eine Straße getroffen haben. Two Pair (AJ, AQ, QJ) und Straße (KT) wahrscheinlicher als ein Set, da er mit JJ, QQ oder AA sicher preflop geraist hätte.

Im Nachhinein wäre ein Call vielleicht deshalb vertretbar gewesen, da ich deutlich mehr Chips hatte als mein Gegner. Das hat man davon, wenn man mal "überlegter" spielen will :-).

</blockquote> <h4>Aus im Eighty Grand</h4>

In diesem Turnier hatte ich zwar bereits 3.600 Spieler hinter mir gelassen, scheide aber dennoch gerade auf Platz 1.336 aus.

[replayer hand=110815]

  • In diesem Turnier war ich ziemlich carddead und musste zusehen, wie ich langsam weggeblindet wurde. Hin und wieder konnte ich die Blinds stehlen, am Ende wurde es allerdings immer kritischer. In dieser Hand habe ich dann mein Glück versucht, und bin leider mit etwas Pech ausgeschieden. Immerhin als Favorit reingestellt.
<h4>AK mal anders</h4>

[replayer hand=110816] 

  • Mit AK calle ich im Smallblind lediglich das Raise meines Gegners. Seine Statistik sagt aus, dass er in 50% alle Fälle einen Contibet macht, und gegen einen Raise seines Contibets bisher nicht gefoldet hat.
<blockquote>

Ein Checkraise ist daher die beste Chance, alle Chips in die Mitte zu bekommen. Um es meinem Gegner leichter zu machen, Min-Raise ich nur, was ihn so oder so comittet. Leider kneift er... Chicken!

</blockquote> <h4>Die Rechnung ohne den Wirt</h4>

Die Hand, mit der ich im $109 ausgeschieden bin.

[replayer hand=110817]

  • Zwei Limper in EP. Ich kann mit T8o im BB ohne weiteres Investment den Flop sehen und bekomme einen Open Ended Straight Draw.
<blockquote>

Der UTG + 1 Spieler ist sehr loose und macht mit sehr hoher Frequenz Contibets, wenn zu ihm gecheckt wird oder er first to act ist.

Ich denke, das ist der richtige Zeitpunkt für einen Semi-Bluff-Move.

Leider hatte ich den UTG-Spieler mit seinen Pocket-Kings nicht auf der Rechnung, der mich check-reraist. Mein Draw kommt nicht an und ich bin raus. Blöd gelaufen.

</blockquote> <h4>Tricky Hand mit 55</h4>

Wieder das $22 Turnier.

[replayer hand=110818]

  • In Middle Position limpe ich mit 55. Der Smallblind füllt auf und der Bigblind checkt.
<blockquote>

Der Flop ist nicht so schlecht für mich, da er nur eine Overcard bringt. Der Smallblind donkt in mich hinein, könnte also durchaus etwas getroffen haben. Ich calle und denke im gleichen Moment, ich hätte auch raisen können, um mehr Informationen zu bekommen.

Der Turn bringt mir einen Straightdraw und nun spiele ich meinen Raise, der aber ohne großes Zögern gecallt wird.

Nachdem der Turn eine 9 bringt, pusht mein Gegner plötzlich all-in.

Puh, klar kann das ein Bluff sein mit einem gebusteten Flushdraw. Vielleicht setzt er auch mich nur auf einen Flushdraw, aber warum dann pushen? Ich denke eher, mein Gegner hat sowas wie und fühlt sich am River stark genug, alles in die Mitte zu schieben. Da der Push recht spontan und nicht überlegt kommt, gehe ich davon aus, geschlagen zu sein und folde.

</blockquote> <h4>Last Hand $22</h4>

Die letzte Hand des $22 will ich nicht vorenthalten. Bis dahin hatte ich noch einige Hände folden müssen, da sie nicht gut genug waren, eine Erhöhung vor mir (bzw. einen Push) zu bezahlen. Dann konnte ich noch mal stehlen mit KQs aus Midpos.

In den Blinds versuche ich dann erneut, ein paar Chips zu generieren. Zwar treffe ich auf dem Flop erneut einen OESD, aber auch diesmal geht mein Draw ins Leere...

[replayer hand=110819]

<h2>Capt Salzburg</h2>

Nächste Woche findet die CAPT Salzburg statt. Am Freitag werde ich mich daher ins live-Turniergeschehen werfen und das 500,- Euro Turnier mitspielen. Hoffentlich läufts da besser als heute in den Online-Turnieren. Bis dahin wird weiter Theorie gepaukt. Ich meld mich.

Bis dann und alles Gute an den Tischen

Roy

In order to comment, you must login or register
Quiz
Neu hier? Nimm an unserem Einstufungstest teil und starte so deine Pokerausbildung.
Schon Mitglied? Melde dich hier an
javascriptNotEnabled
Lerne Von Einsteiger- bis zu Expertenstrategien
Trainiere Verbessere dein Können mit Hilfe unserer Trainer
Gewinne! Etabliere dich als Gewinner