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Von: barer47
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/Jun/2009

Vegas: Downswing und Strategie-Review

Von: barer47 @ 18:32 (CEST) / 6842 / Kommentar ( 63 )

Eigentlich hatte der Aufenthalt hier in Vegas ja perfekt begonnen. Heute hat sich die Varianz aber um 180° gedreht und ihre hässliche Frazze gezeigt. Im 2/5 Cashgame dreimal mit Flush over Flush verloren, davon zweimal den Flush gefloppt (und der Gegner auch), ähnlich wie ja schon am zweiten Abend. Wirklich mühsam und recht teuer.

Heute dann mit Randy Jensen am 2/5 PLO Tisch gesessen, den der ein oder andere vielleicht aus dem Fernsehen kennt. Ein witziger Charakter, allerdings ziemlich unter Starkstrom. Der war entweder auf Tilt oder auf Drogen, denn er hat zu Beginn jede(!) Hand egal aus welcher Position geraist. Zwischendrin hatte er sich zwar mal auf 1.700 hocharbeiten können (von 300, nachdem er mit vier Spielern all-in war, sein Gegner auf einem Top set trifft, Turn und River Randy aber Quads bescheren!! - wobei das Geld am Flop in die Mitte gewandert ist), am Ende war er dann aber mit aber 6 Stacks hinten.

Für die anderen Spieler hieß das natürlich, dass ein Flop immer teuer zu bezahlen war. Und damit waren die Pötte schon preflop und damit auch die Contibets auf dem Flop recht groß, was zu vielen all-ins geführt hatte, bevor klar war, wer letztlich gewinnen würde. Dementsprechend swingy war das Spiel. Bei Fred ist es diesmal nach oben geschwungen, bei mir leider in die andere Richtung. Ein ums andere mal musste ich zusehen, wie meine Nuts auf Turn oder River geknackt wurden, und das ganze Geld zum Gegner wanderte.

Hoffen wir mal, dass es heute beim PLO-Event besser läuft.

<h2>Strategie-Review</h2>

Ich wollte noch mal auf den letzten Post und die ganz grob angerissene Strategie eingehen, da ja dazu auch einige Fragen in den Kommentare aufgetaucht sind.

Vielleicht kurz zur Erinnerung: Ich bin in der letzten Hand mit 55 gegen AQ rausgeflogen. 55 übrigens langsam meine Event-Killer Hand. Bin damit 2005 in der EPT Kopenhagen ausgeschieden, 2006 in Baden, einmal auch bei der EPT Dortmund und auch im ein oder anderen Online-Turnier. Es scheint solche Hände zu geben, die im falschen Moment auftauchen, die man aber schlecht folden kann (zumindest wenn shortstacked).

Aber zurück zur WSOP. Ich hatte zum Zeitpunkt meines Pushes gerade noch 825 Chips, ein Spieler raist auf 125 und der SB callt. Damit sind 275 im Pott. Wenn ich mit meinen Fünfern hier nur calle, dann wächst der Pott auf 375, ich halte dann aber nur noch 725 Chips. Da ich auf dem Flop selten Konstellationen finden werde, bei denen ich mich wirklich wohl fühle (mal abgesehen von einer oder zwei Fünfen), ist ein Raise (all-in) dem Call in der Regel vorzuziehen. Der SB hat nicht wirklich viel Stärke gezeigt, der EP-Player kann mit einer weiten Range erhöhen, gegen die ich vorne liege. So short als Favorit in ein Race einzusteigen ist sicher kein schlechtes Ergebnis. Da ich noch ein M von 16 hatte, hätte mein Gegner auch noch folden können, wenn man ihm mit AQ auch keinen Vorwurf machen kann. 

<h4>Kommen wir zur Strategie. </h4>

Die Turniere mit geringen Buyins werden oft "crapshots" genannt, abgeleitet von dem Casino-Spiel "Craps", welches mit Würfeln gespielt wird und welches pures Glückspiel ist, sollte man nicht mit päparierten Würfeln spielen.

Der Event #4 war nicht ganz so schlimm, da die Blinds mit 25/25 begonnen und wir Level von jeweils einer Stunde hatten. Um herauszufinden, wie "schnell" ein Turnier ist, bzw. wie hoch der Druck, frühzeitig Chips einzusammeln, müssen wir ein par Berechnungen anstellen:

  • Gehen wir davon aus, dass man für eine Runde etwa 20 Minuten braucht, dass also in einer Stunde (einem Level) etwa 3 Runden gedealt werden.
  • Ich muss dann pro Level 3 mal die Blinds zahlen
  • Bei 25/25 und 3.000 Startchips startet jeder Spieler mit 120 Bigblinds.
  • Nach Level 1 hat man 150 Chips an Blinds gezahlt.
  • Im zweiten Level 25/50 hat man, sollte man keine Chips dazugewonnen haben, noch 2.850 Chips und 57 Bigblinds.
  • Nach Level 3 hat man 225 Chips an Blinds aufgebracht
  • Im dritten Level 50/100 hat man noch 2.625 Chips (sollte man wiederum keine Hand gespielt haben), aber nur noch 26 Bigblinds.
  • usw.

Das Problem ist, dass die Struktur zu schnell ist, um auf Premium-Hände warten zu können. Hinzukommt, dass man, sollte man nur eine Hand pro Level spielen, meist keine Auszahlung bekommt und somit kontinuierlich weggeblindet wird.

Was aber das wichtigste ist, ist die Anforderung, manövrierfähig zu bleiben. Arnold Snyder nennt das "Utility". Um alle Mittel wie Contibets, Probebets, Bluffbets, Bluffcatcher usw. nutzen zu können, brauche ich entsprechend viele Chips, um nicht mit einem Move mein Turnierleben aufs Spiel zu setzen. Die Komfortzone wird dabei mit 100 BB angegeben. Noch besser wären 200, um den Tisch wirklich terrorisieren zu können. Nach dem ersten Blindlevel bin ich aber schon auf 57 BB gefallen und muss mir sehr genau überlegen, welche Bets ich noch anbringen möchte. Auch ein Push (als z.B. Semibluff) auf dem Turn ist deutlich sicherer und häufiger von Erfolg gekrönt, wenn ich mehr Chips habe als mein Gegner und damit dessen Turnier-Leben auf dem Spiel steht und nicht umgekehrt.

Daher muss man bereits ab dem ersten Level versuchen, kontinuierlich Chips zu sammeln, was am besten darüber geht, viele Flops (natürlich möglichst in Position) sehen zu können und entweder starke Made Hands oder Draws zu floppen oder die Position zu nutzen, um dem Gegner den Pott abzunehmen. Ein aggressives Weiterspielen nach dem Flop ohne Treffer kommt eigentlich nur in Frage, wenn der Gegner einen schwachen Eindruck macht. Sonst heißt die Devise: Hand ziehen lassen und die nächste Gelegenheit abwarten.

Nun können wir zusätzlich noch zwischen Position-Play und dem Spielen der eigenen Karten unterscheiden. Das Position-Play, zu dem wir uns auch in unserem Turnier comitted hatten, besagt, ab dem Hijack Seat in den Pott einzusteigen. alle Positionen davor sind schlecht und bedürfen einer guten Starthand, um nicht zu passen. Der Hijack-Seat eignet sich eigentlich am besten für einen Blindsteal, da unsere Gegner uns gerade noch glauben, tatsächlich eine starke Hand zu halten. Der CO und Button dagegen sind schon bekannt dafür, dass hier sehr loose geraist wird (vor allen Dingen first to open), was oft mehr Widerstand bei den Blinds hervorruft. Der Nachteil von HJ-Seat ist, dass noch zwei Spieler nach uns agieren können. Sind diese besonders aggressiv, könnte es zu Resteal-Versuchen kommen, was dann einer genauen Gegneranalyse oder starken Karten bedarf, um weiterspielen zu können.

Das mit dem "Jedes Paar spielen" aus dem letzten Post möchte ich gerne noch mal relativieren. Je nach Tisch kann man kleinere Paare auch aus einer frühen Position spielen (wenn z.B. generell am Tisch viel gelimpt wird), da wir nach dem Flop einfach aufgeben, sollten wir unser Set nicht treffen. Ist der Tisch aktiver, sollten wir eigentlich nur mit Paaren größer als 77 in früher Position in den Pott einsteigen. Ob mit einem Raise oder Limp hängt wiederum vom Tisch ab.

Je später unsere Position, je niedriger können die Anforderungen an unsere Starthände sein, so dass wir in einem schnellen Turnier am Button fast any two spielen können, um eine "unlesbare Hand" zu floppen (z.B. mit K7 auf einem K72 Flop) oder den Gegner über unsere Position auszuspielen. Dabei ist die Devise einfach: Checkt der Gegner, setzen wir, setzt der Gegner, spielen wir nur mit Treffer weiter oder folden. Bei einem guten Read auf den Gegner könnte man auch ein Float spielen, das kostet aber Chips und man sollte sich einigermaßen sicher sein, dass der Gegner auf einer späteren Straße auch in der Lage ist, seine Hand noch aufzugeben (was unter anderem natürlich von den Chipstacks abhängt).

Ich könnte jetzt hier noch ganze Romane schreiben, aber das haben schon andere getan. Wer interessiert daran ist, mit welcher Strategie man in sehr schnellen Turnieren seine Erfolgschancen erhöhen kann, dem kann ich nur Arnold Snyders Bücher empfehlen, wobei mir persönlich Band zwei besser gefällt als Band 1. Das sind zwar keine revolutionären Werke, aber an der ein oder anderen Stelle wird schon deutlich von den Klassikern abgewichen, was interessant ist. 

Aber ihr seht, trotz der netten Damen bei unserem Cocktail am Abend vor dem Turnier war es nicht so, dass wir uns schon ein bisschen intensiver mit einer validen Strategie beschäftigt hatten.

<h2>WSOP Event #5</h2>

Heute erstmal gut ausgeschlafen (8 Stunden), um die grausige Cashgame-Session vom Vortag abzuschütteln, dann werden wir gleich ins Gym gehen, eine Stunde trainieren, frühstücken und anschließend den Weg ins Rio antreten. Vom PLO-Event verspreche ich mir eigentlich eine ganze Menge, da ich online eine etwas 70%ige ITM-Quote habe und darunter auch einige Final Tables waren. Klar ist das Feld online sicher nicht mit der WSOP zu vergleichen, aber nachdem ich in den letzten 15 Monaten deutlich mehr PLO gespielt habe als NL TH, freue ich mich auf den Event.

Gestern hatten wir noch ein paar andere deutsche Spieler getroffen, von denen einige meinen, dass der PLO-Event noch mehr vom Glück abhängen würde als die kleineren NL-Events, da man preflop eigentlich nie übermäßiger Favorit ist und auch nach dem Flop viele Konfrontationen auf einen Coinflip rauslaufen.

Das mag durchaus richtig sein, aber auf ein paar Dinge kann man achten, um zumindest als Favorit in die Rennen zu gehen:

  • Kleine Pocket-Paare meiden. Die bringen auch bei einem Treffer oft nur Ärger, da man bei Omaha deutlich häufiger in eine Set over Set-Situation gerät. Ausnahme bei günstigen Flops Hände wie 3445 oder 5677, wo zumindest Straßen möglich sind.
  • Auf Connectivity achten. "Dangler" sollten so weit wie möglich vermieden werden. Hände also wie mögen auf den ersten Blick nett aussehen, haben aber mehr als nur eine Schwachstelle, nämlich den 3er als Dangler und das Gap am falschen Ende (oben zwischen dem Jack und dem King). Ist eine solche Hand dann auch noch offsuite, gibt es keinen Grund mehr, ins Geschehen einzusteigen.
  • Mit hohen Paaren reraisen, um die spekulativen Hände aus dem Pot zu bekommen. KKxx spielt sich nach dem Flop ohne Set-Treffer gegen viele Gegner recht unangenehm.
  • Bei zuviel Action vor dem Flop unbedingt auf Connectivity UND suites achten. Oft braucht man Backdoor-Draws bzw. Nebenlösungen, wenn am Turn bei guten Treffern das ganze Geld in die Mitte wandert.
  • ...

Ich wollte hier eigentlich noch ein bisschen mehr schreiben, mir läuft aber die Zeit davon. Muss jetzt ins Gym und dann los. Drückt die Daumen, ich melde mich morgen...

Grüße
Roy

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