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barer47 blog

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Von: barer47
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/Dez/2008

Das hab ich wohl verbockt!

Von: barer47 @ 00:47 (CET) / 8 / Kommentar ( 92 )

Arghhh, das hatte ich mir anders vorgestellt. Ich will nicht alles vorweg nehmen, da ich wie versprochen die weiteren Hände alle posten werde, dennoch eine kurze Beschreibung meiner heutigen Strategie, der Situation am Tisch und was letztlich schiefgegangen ist, bzw. wie ich mich selbst in die Bredouille gebracht habe.

Fangen wir mit dem Tisch an:

Ich war 4. in Chips. Klingt generell nicht schlecht. Aber...: Die Blinds lagen bei 2.500/5.000 und 500 Ante. Jeder Spieler muss also pro Runde 11.500 Chips bringen. Für mich bedeutet das ein M von gerade mal 10. Das bringt mich schon fast in den Push or Fold Modus.

Das Problem sind aber die kleineren Stacks, die zwischen 46.000 und 76.000 Chips hatten. So war zu erwarten, dass die sicherlich verzweifelt nach einer Gelegenheit suchen würden, aufzudoppeln. Dadurch konnte ich mir ein All-in kaum erlauben, außer vielleicht mit vernünftigen Karten, die Showdown Value haben mussten. Also doch lieber wieder Small-Ball.

Auf den beiden Plätzen links von mir saßen zwei der drei Spieler, die mehr Chips hatten als ich. Zwei Plätze rechts von mir saß ein junger Kanadier (Asiatischer Abstammung, Chipleader an unserem Tisch mit 220.000 Chips), der mich am Tag zuvor mit seinen Steals enorm genervt hat.

Meine Taktik sah also wie folgt aus:

  • Schnell durch ein paar gezielte Steals Chips sammeln (pro Steal immerhin 11.500 Chips und damit 10% meines Stacks), um gegen eventuelle All-ins der Shortstacks gewappnet zu sein und es auf einen Coinflip ankommen lassen zu können.
  • Auf der anderen Seite Druck auf die beiden größeren Stacks ausüben, die auch nur um die 150.000 Chips hatten, also sich keine großen Verluste leisten konnten.
  • Und schließlich keine Steal-Versuche des Asiaten mehr einfach so hinnehmen.

Ja, klingt gut. In der Praxis lief es allerdings komplett schief.

Zunächst hielt ich mich daran, aktiv zu bleiben und nicht tight passiv zu werden. Ein Steal funktionierte, ein anderer scheiterte, noch nichts kaputt. Dann raist der Asiate aus dem Button meinen Bigblind. Damit das nicht gleich wieder so weiter geht wie gestern entscheide ich mich, nicht zu folden. Allerdings wollte ich nicht gleich over the top kommen, dazu war ich in den Händen zuvor etwas zu aktiv und da ich nur etwas die Hälfte des Stacks meines Gegners hatte, könnte er versucht sein, all-in zu schieben oder mein all-in zu callen. Ich finde . Nicht berauschend, aber da der Asiate nur auf 12.000 raiste, ich also gerade mal 7.000 in einen 23.500 Pot nachzahlen muss, bekomme ich mehr als 3 zu 1 Pot-Odds. Meine Hand ist aber gegen z.B. zwei hohe Overcards nur ein 1.5 zu 1 underdog. Ich calle daher. Der Flop kommt KQK. Ich fasse es gleich zusamen. Ich versuche, einen K zu repräsentieren, investiere am Ende aber mit meinem dritten Barrel in Summe meinen halben Stack, nur damit mir mein Gegner schließlich ein geflopptes Fullhouse zeigt (mit QQ). Kotz! Das ging ja mal völlig in die Hose.

Gleich die nächste Hand sollte dann auch schon meine letzte werden. Der UTG-Spieler raist auf 12.000. Ich sitze nun im Smallblind und finde . Alle folden zu mir. Der UTG-Spieler war etwas weak und war in der Lage, viele Hände bei entsprechender Gegenwehr wegzulegen. Diesen Umstand wollte ich ausnutzen. Wiederum bekam ich sehr gute Potodds, ich musste 9.500 Chips in einen 23.500 Pot zahlen, das sind 2.5 zu 1.
Da ich nur noch etwa 48.000 Chips hatte, mir aber sicher war, dass der UTG-Raiser ein All-in preflop sicher zahlen würde, wollte ich ein delayed All-in spielen, also auf dem Flop pushen, sollte kein A, K oder Q kommen. Ich fülle auf, der BB folded und er Flop kommt .
Fast perfekt, mit einem kleinen Schönheitsfehler. Ein Club zu viel. Wenn ich davon ausgehe, dass mein Gegner ein Overpair hat, dann ist die Chance genau 50%, dass er nicht die entsprechende Club-Karte hat (denn die Kombinationen sind z.B. , , , , , davon enthalten genau 3 ein Kreuz). Sollte mein Gegner ungepaarte Overcards haben, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass er KEIN Kreuz hält, 9/16 (also größer 50%, da 9 der 16 möglichen Kombinationen zweier Kartenwerte kein Kreuz enthalten).

Hat er ein Overpair oder zwei Overcards, und kein Club, bin ich mir sicher, dass er folden wird, sollte ich pushen. Hat er Overcards mit einer Club-Karte, habe ich aber immer noch Fold-Equity (z.B. bei ), sofern er nicht gerade z.B. hat. Dann wird er wohl ziemlich sicher callen. was meine Fold-Equity auf Null reduziert, und ich brauche einen Treffer, der mir ein Set oder 2 Pair bringt, meinem Gegner aber keinen Flush.

Mein Gegner schaut jetzt noch mal in seine Karten (bei diesem Spieler, den ich bereits vom Vortag kenne, ein sicheres Zeichen dafür, dass er tatsächlich nachsehen muss, ob eine seiner Karten ein Kreuz ist) und damit weiß ich, dass der allerschlimmste Fall, nämlich dass mein Gegner zwei Kreuz auf der Hand hält und damit bereits seinen Flush hat, ausgeschlossen werden kann. Meine Chance ist größer 50%, dass er überhaupt kein Club hat und ich schiebe All-in.

Mein Gegner fängt nun an zu stöhnen und zu jammern, er hat noch etwa 80.000 Chips vor sich und müsste knappe 40.000 davon zahlen. Mein Kalkül war, dass ihm das Risiko zu groß ist, gekrippelt zu werden.

Leider entschließt er sich nach einigem hin und her doch zu einem Call mit . Zwei Umstände, die in dieser Hand wirklich unglücklich waren: 1.) Drei Kreuz statt nur zwei im Flop, und 2.) mein Gegner hat tatsächlich ein Kreuz auf der Hand. In allen anderen Fällen hätte er AK wegwerfen müssen. In diesem Fall ist der Call richtig. (Auch wenn die Gefaher besteht, dass ich das haben könnte).

Na ja. Am Turn kommt die und ich wünsche mir als nächstes eine kleine Nicht-Kreuzkarte. Schließlich bin ich im Augenblick 70% Favorit. Der Dealer hat aber kein Erbarmen und dreht auf dem River die um. Shit. Das war's dann. Im Nachhinein frag ich mich natürlich: Warum habe ich überhaupt mit diesen beiden Händen gespielt? Und hätte ich nicht doch lieber warten sollen, ob ich nicht starke Hände finde. Aber genau dieses Warten und Wegblinden wollte ich um jeden Preis verhindern.

Hätte, wäre, wenn. Ist in diesem Fall halt leider schiefgegangen. Ich war das ganze Turnier über sowieso kaum auf Hilfe der Glücksfee angewiesen. Eigentlich gab es nur eine Hand. In den anderen habe ich entweder als hoher Favorit gewonnen oder bessere Coinflips gehabt, deren Ausgang sich einigermaßen ausgeglichen hat. Schade dass in dieser letzten Hand meine Strategie nicht aufging.

Gelernt habe ich jedenfalls viel, es war spannend, intressant und ich kann noch eine Menge erzählen, was ich in meinen nächsten Blog-Einträgen machen werde.

Heute erst mal den Ärger über den heutigen Tag überwinden, gleichzeitig aber über das dennoch gute Ergebnis freuen und hoffen, dass ich für die nächsten großen Turniere genug gelernt habe, um bessere Chancen auf den nächsten Cash zu haben.

Die nächsten Tage gibts dann weitere Infos und eine Fortsetzung der Hand by Hand Beschreibungen.

Ach ja. Noch eine Anmerkung. Die Strategie, die ich angewendet habe und die mich so weit gebracht hat, ist jetzt keine neue Lehr-Meinung und wird ähnlich von einigen Spielern angewendet, oft sogar noch effektiver.

Bei mir hat die soweit funktioniert, weshalb ich die zum Nachlesen Hand für Hand präsentieren werde. Aber:

  • Das bedeutet jetzt nicht, dass man genauso spielen sollte oder gar muss
  • Und auch nicht, dass man unsere MTT-Strategien bei IntelliPoker ignorieren sollte.

Die Strategien auf unseren Seiten sind von sehr guten und erflogreichen Turnier-Spielern zusammengestellt worden und haben sich bereits oft bewährt. Sollte man eine einigermaßen normale Kartenverteilung bekommen, ist man gut bedient, sich an die Standard-Strategien zu halten. Erfahrenere Spieler können entsprechend ihrer Tisch-Gegner Schritt für Schritt davon abweichen und ihr Spiel anpassen oder, sollten die Karten einfach nicht wollen, erweiterte Strategien anwenden. Wenn ich dazu Anregungen in meinem Blog geben kann, dann freut mich das sehr. Aber alles bitte ohne Gewähr :-).

Freue mich schon auf Euere Kommentare und auf die nächsten Blog-Einträge und Euere Meinung dazu.

Bis dann

Roy

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