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Von: barer47
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/Okt/2008

Vermeidbare Fehler?

Von: barer47 @ 10:10 (CEST) / 8 / Kommentar ( 71 )

Ein Spieler macht beim Pokern immer dann einen Fehler, wenn er anders gehandelt hätte, hätte er die Karten seines Gegners gekannt. Diese Definition findet man z.B. bei David Sklansky. Klingt logisch, auch wenn eine kleine Stimme im Hinterkopf anfängt zu maulen: "Klar: Wäre, hätte, könnte. Pokern wäre einfach, wenn ich die Karten meines Gegners kennen würde."

Nachdem wir nicht davon ausgehen können, die Karten unserer Gegner zu sehen, bevor die letzte mögliche Aktion abgeschlossen ist, besteht unsere Aufgabe also darin, die Karten des Gegners so gut es geht einzuschätzen, um Fehler weitestgehend zu vermeiden. Es wird also schnell deutlich, dass derjenige, der die Gegner besonders gut lesen kann, einen deutlichen Vorteil gegenüber seinen Mitspielern hat. Nachfolgend ein paar Hände, die das unterstreichen sollen. (Auflösung der Hände von letzter Woche gibt es am Ende des Blogs). 

Ich bin am Freitag mit Freunden nach Salzburg ins Schloss Kleßheim gefahren. Dort wurde zunächst an einem, dann an zwei und später an drei Tischen NL2/4 gespielt.

Mein Tisch sah wie folgt aus:

Platz 1: Ein älterer Herr (ca. 70), äußere Ähnlichkeiten mit dem Buchkritiker Marcel Reich-Ranicki, Calling station, lausige Starthände, passiv

Platz 2: Flo, mein Freund, semi loose aggressive, immer mal für einen Bluff gut, macht seine Value Bets aber ganz ähnlich und daher nicht leicht zu lesen

Platz 3: Ich

Platz 4: Ein junger Österreicher, solide

Platz 5: Eine ältere Dame (ca. 60), recht planlos

Platz 6: Ein älterer Herr (ca. 58), ahnungslos

Platz 7: Ein Schönling (Ohrringe, Edhardy-Glitzer-T-Shirt, modische Jacke), Österreicher, kein schlechter Spieler, straight forward, recht loose Starthand-Kriterien, an diesem Abend viele Treffer gelandet

Platz 8: Freund vom Schönling, ebenfalls nicht schlecht, aber auch nicht wirklich gut.

Platz 9: Ein Herr Typ Bauarbeiter (kariertes Hemd, lockige VOKUHILA-Frisur, Schnurrbart), Calling Station, wenig Plan vom Spiel

Zunächst kamen trotz Mischmaschine eine Menge Pocketkings ins Spiel. Erste Hand folde ich, Schönling gewinnt ganz netten Pott mit . Danach bekomme ich , dann erneut und gleich darauf . Ich frage den Dealer, ob man ihn mieten kann. Er fragt doof zurück: "Warum?". Na weil ich in den vier Spielen mehr hohe Pockets bekommen habe als in den letzten Wochen, Mann, der steht aber auf dem Schlauch.

Als Danke war es das dann auch fast mit guten Karten für den restlichen Abend (6 Stunden). Noch einmal , die bei einem Board gegen drei Gegner bei fleißig Action ein easy Fold waren, und einmal . Zum Glück hatte der Tisch genug schwache Spieler, um dennoch Geld zu gewinnen.

Kommen wir zu ein paar Händen:

  • Hand 1
    Ich sitze im BB mit , der junge Österreicher neben mir limpt. Dame limpt, Herr limpt, Schönling limpt, sein Freund foldet, Bauarbeiter limpt, Opi limpt, Flo füllt auf, ich checke. Im Pot sind 32.
<blockquote>

Flop kommt

Flo checkt, ich checke, mein Nachbar setzt 20. Alle folden zum Baurarbeiter der callt, Opi callt ebenfalls, Flo und ich folden. Pott 92.

Turn kommt .

Mein Nachbar setzt 50, Bauarbeiter callt, Opi braucht ein bisschen (was typisch war), callt dann auch (was ebenfalls typisch war). Pott 242.

River kommt die .

Mein Nachbar setzt 80, Bauarbeiter callt all-in für 74, der Opi trietschelt wieder, so dass der Österreicher neben mir bereits seine Pocket-Achten aufdeckt und seine  offen auf den Tisch legt. Der Dealer schaut nach links auf Platz 1 zum Opi und sagt, "der Herr hat noch nicht entschieden". Dem jungen Österreicher neben mir ist das peinlich und er nimmt seine Karten, die bereits jeder gesehen hat, wieder auf. Der Opi hat aber anscheinend einfach gepennt, überlegt daher nach wie vor und callt dann mit . Gott, hier werden Geschenke verteilt. Natürlich reichliches Unverständnis am Tisch und lautes Gemurmel.

</blockquote>

Ein paar Runden später verlässt uns der Junge Österreicher mit einem ordentlichen Gewinn und an seiner Stelle erscheint ein junger Türke, der eine fancy Frisur hat, engen Pulli über muskolösem Body trägt und einen semi-loose-aggressiven Eindruck macht.

  • Hand 2:
    Ich sitze im Smallblind und bekomme . Fünf Limper in der Hand, ich fülle auf, Ali checkt. Pott ist 27.
<blockquote>

Zu siebt sehen wir den Flop . Bumm.

Ich entscheide mich für ein Slowplay, da ich

<blockquote>

a. davon ausgehe, dass früher oder später jemand die Initiative übernimmt

b. Bei einem Paar im Flop gerade die schlechten Spieler das Weite suchen, sollten sie nicht selbst was getroffen haben. Denn die haben vor einem gepairten Flop mehr Angst als mittelmäßige und gute Spieler.

</blockquote>

Gegen bessere Spieler hätte ich angesetzt, hier checke ich, alle anderen checken ebenfalls.

Turn kommt die . Ich checke erneut, da ich schon sehe, wie der Türke neben mir aktiv werden will. Er setzt auch recht forsch 14, die Dame schaut noch mal in ihre Karten, zögert kurz und callt, der Bauarbeiter callt ebenfalls, alle anderen folden zu mir, ich calle. Pott ist 69.

River kommt die vierte Acht, die .

Ich checke erneut, da mein Nachbar schon wieder zu den Chips greift. Der setzt nun 40, die Dame foldet, Bauarbeiter ärgert sich und foldet (overcards?), ich raise auf 120, mein Nachbar callt ohne lange zu überlegen.

Ich zeige meine Hand und er muckt. Ich frage "Pocket Pair?" und er antwortet, "Nein, nein, ich hatte die 3 getroffen". Wow. Dann war das einzige, was er schlagen konnte, ein reiner Bluff. Also ein kleines Pocketpaar hätte er mir mindestens geben müssen... Soviel zum Lesen der Gegner.

</blockquote>

Ein paar Hände später dann eine Situation, die mich noch lange beschäftigte, wieder gegen den Türken:

  • Hand 3:
    Ich sitze auf dem Button mit und einem Stack von 410. Der Herr limpt, Opi limpt, ich freue mich über mein suited Ass und raise auf 20. Der Türke callt im SB, die Dame im BB foldet, der Herr und Opi callen. Iim Pot sind 84.
<blockquote>

Flop kommt .

Türke checkt, die beiden Limper ebenfalls. Ich entscheide mich dafür, eine Freecard zu nehmen und checke hinterher. Ein Bet wäre vermutlich von mindestens zwei Spielern gecallt worden, ich möchte den Pott aber klein halten.

Turn bringt die . Wieder checken alle zu mir. Diesmal setze ich 60. Der Pott ist offensichtlich reif, gepfückt zu werden.

Der Türke macht aber überraschenderweise einen Min-Check-Raise auf 120, behält dabei noch 50 vor sich. Alle folden, ich muss 60 bringen, um 264 gewinnen zu können. Mit dem Nut-Flush-Draw und einem Insight-Straight-draw ist das eigentlich ein klarer Call, auch wenn ich kurz überlege, was zum Teufel mein Nachbar hier haben könnte. ? ? ? Einen Jack?

Der River bringt die . Nun checkt der Türke. Das sieht verdammt schwach aus. Ich schaue auf seinen verbleibenden Chip und ärgere mich, dass er nicht mehr vor sich liegen hat. Einen Bluff kann ich somit vergessen. Ich überlege noch, ob ich ihn irgendwie zum Folden bringen könnte, bin dann aber überzeugt, dass er auf Grund seines Raises sicherlich check-Call spielen würde. Also checke ich hinterher. Er frägt nun, ob ich einen Treffer habe? Ich sage "Ass hoch". Er "Ich auch" und legt neben das Board. Jeeez. Was denn das für ein Mist. Kein Treffer, kein Draw, gar nichts. Ein reiner Bluff!

</blockquote>

Als ich die Hand gesehen habe, quälte ich mich mit der Frage, ob ich den Pott vielleicht doch gewinnen hätte können. Denn mit rein gar nichts hätte sich mein Nachbar vielleicht den letzten Chip aufgespart und seine Hand doch noch weggeworfen. Aber war seine Handlung so eindeutig, dass hier ein Bluff Erfolg versprechen konnte? In den allermeisten Fällen würde mein Gegner Check-Call spielen. Mit Händen die mich schlagen in jedem Fall, und gegen ein paar Hände, die ich schlagen könnte, wie z.B. gegen oder , hatte ich Showdown-Value und deshalb bringt ein River-Bet gegen diese Hände auch nichts, da genau diese nicht callen würden. Weitere 50 zu riskieren wäre also sinnlos.

Was hätte ich noch anders machen können?

Ein Bet auf dem Flop wäre in diesem Fall vielleicht die bessere Wahl gewesen, vermutlich hätte ich dadurch aber den Pot auch nicht direkt gewinnen können, denn wir haben viele Stations am Tisch. Gegen calling stations macht es mehr Sinn, Freecards dankend anzunehmen und erst nach einem Treffer anzusetzen. Also Check am Flop, Check am Turn und Check oder Fold am River hätte mir einiges an Chips eingespart. 

Ein Reraise auf dem Turn hätte vermutlich wenig gebracht, da der Türke zu diesem Zeitpunkt pot-comittet war und ich davon ausgegangen bin, die letzten 50 eh noch zu bekommen, sollte ich treffen. Ohne Treffer hätte ich dann die 50 gespart.  

Durch den Check am Flop und den Bet am Turn war klar, dass ich keinen Jack haben kann und auch sonst keine wirklich starke Hand. Natürlich hätte ich eine 9 auf dem Turn getroffen haben können, aber die Wahrscheinlichkeit war nicht wirklich hoch. Der Check-Raise meines Gegners auf dem Turn nach einem Check auf dem Flop war aber auch kein Zeichen für ein wirklich starkes Blatt. Normalerweise checkt niemand eine starke Hand out of position zweimal hintereinander, und das an einem Tisch mit einigen Calling stations (außer man sieht, dass der Nachbar schon zu den Chips greift ;-)). Daher war der Min-Raise nun auch nicht geeignet, mich zum Folden zu bringen. Klar kommt es hin und wieder vor, dass z.B. jemand ein oder anderes Set slow-spielt. Das sind aber die ganz seltenen Ausnahmen, zumindest nachdem bereits einmal durchgecheckt wurde.

War das also ein Value-Check-Raise mit AQ? Puh. Dann hätte der Türke schon einen besonders guten Read haben müssen, den ich ihm aus der gemeinsamen Erfahrung am Tisch aber nicht zugestehen möchte. Schließlich hätte ich ein Pocketpaar, AK oder ähnliches haben können, mit denen ich nicht sofort aufgebe.

Tommy Angelo sagt, dass es oft Situationen gibt, in denen man nicht weiß, welche Entscheidung besser gewesen wäre. Das nennt er den grauen Bereich im Gegensatz zu schwarz/weiß. In diesem Bereich ist es nicht sehr schlimm, Fehler zu machen. Ich denke, der verpasste Bet am River ist so eine Situation. Zu oft würden wir weitere 50 verlieren, ohne mehr gewinnen zu können, da die Pott-Odds von 5,5 zu 1, die ich meinem Gegner legen würde, einfach zu verlockend wären, selbst mit einem kleinen Paar oder einem guten Ass hoch. 

Für den Bluff am Schluss war der entscheidende psychologische Nachteil, dass mein Gegner nur noch einen einzelnen roten (50er) Chip vor sich liegen hat, der einen Call relativ wahrscheinlich macht.

Eine wirklich blöde Hand... Na ja, die Runde endete schließlich gut im Plus, insofern ein erfolgreicher Abend.

<h4><font face="Verdana">Auflösung Hände letzter Blog</font></h4>

Zunächst mein eigenes Image an den Tischen: In beiden Runden wurde ich eher als tight aggressive eingeschätzt, mit der Tendenz, hin und wieder mal kreative Moves einzustreuen.

Full vs. Quads

Tja, in der einen Hand (Nr. 1) hatte mein Gegner tatsächlich und damit Quads. Ein Freund, der die Hand miterlebte, meinte später, gegen diesen Gegner hätte er sein Fullhouse weggeworfen. Klar, wenn ich weiß, was er hat, mache ich einen Fehler, wenn ich nicht wegwerfe. Aber so sicher war ich mir eben nicht, dass er TT hatte. Wahrscheinlicher von der Kartenverteilung waren Pocket 8er, und war genauso wahrscheinlich wie , wobei ich nicht glaubte, dass er gegen einen Raise spielen würde. Aber je länger man sich mit solchen Händen beschäftigt, desto mehr kommt man zum Schluss, dass man doch offensichtlich geschlagen war.

Aber halt: Neulich ist es mir online passiert, dass ich vollkommen überzeugt war, geschlagen zu sein, meinen Gegner ausbezahlen wollte nur um dann wirklich erstaunt zu sehen, dass mein Gegner einen reinen Bluff gefahren hat. Harrington behauptet, dass die Gegner mindestens in 10% der Fälle bluffen. Je nach Gegner kann diese Quote deutlich höher liegen, und dann reichen oft schon Odds von 4:1 für einen Bluff-Catcher-Call.

OK, in diesem Fall ging die Chance, dass mein Gegner einen reinen Bluff tätigt, nahezu gegen Null.

Wie hätte ich die Hand anders spielen können?

Set wegwerfen auf dem Flop? No way. Den Flop checken? Halte ich nicht für besonders clever, da mir jede , jeder , jede und jedes Spade eine schwere Zeit bereiten würde. Bet auf dem Flop ist also OK.

Was ist mit dem Bet auf dem Turn? Der Blick meines Gegners wies auf Stärke hin. Wenn ich allerdings den Turn checke, es kommt die und mein Gegner setzt am River an, dann MUSS ich callen, da ich Schwäche gezeigt habe und mein Gegner nun auch eine Straße for Value ansetzen kann, evtl. sogar ein hohes Pocket-Paar wie oder Qx. Checke ich also den Turn und mein Gegner pusht auf dem River all-in, komme ich auch nicht aus der Hand raus.

Was ist mit dem Value-Bet am River? OK, hätte ich mir mehr Gedanken darüber gemacht, was mein Gegner wirklich hat, wäre ein Check eine Option gewesen. Denn letztlich wird er nicht viele Hände halten können, mit denen er

<blockquote>

a. Auf Flop und Turn check-callt

b. Auf dem River callt, ohne meine Hand schlagen zu können

c. Auf dem River foldet, obwohl er meine Hand schlagen kann

</blockquote>

Obwohl es vielleicht komisch aussehen mag, wenn man ein Fullhouse hinterhercheckt, wäre es in diesem Fall die richtige Option gewesen. Im Nachhinein weiß ich auch wieder, wie ich den Blick meines Gegners zu interpretieren hatte: "Du bestimmst, wie teuer es wird". Und ich habs zu(!) teuer gemacht. 

Die gesamte Session lief dann auch schief, wodurch ich mit ordentlich Verlust aufgestanden bin.

Set vs. Nutflush

In der zweiten Hand hatte mein Gegner . Gegen den Nutflush hatte ich keine Chance. Ich überlegte kurz, mein Set wegzuwerfen, die Pott-Odds waren aber so verlockend, dass es reichte, wenn er einmal von 5 mal die Scarecard am River für einen Bluff nutzt. Und da ich ihn als erfahrenen Spieler kannte, traute ich ihm einen solchen Move durchaus zu. Also callte ich und muckte meine Hand, nachdem er seinen Flush zeigte.

Wie hätte ich die Hand anders spielen können? Ganz klar: Wenn ich meinen Gegner auf einen Flushdraw setze, dann kann ich auf dem Turn 2/3 Pott setzen, muss dann aber den River folden, wenn der Flush ankommt. Alternativ am Turn stärker setzen (z.B. leichten Overbet von 1,5 fachem Pott, oder sogar mehr), damit ich den Pott direkt gewinne oder mein Gegner einen massiven Fehler macht.

Auf dem Flop bereits einen Overbet zu machen halte ich nicht für sinnvoll, da wir ja mit unserem Set mindestens einen zusätzlichen Bet auf dem Flop gewinnen müssen, damit sich ein ein preflop-Call überhaupt lohnt (Implied Odds).

Diese Runde lief insgesamt dafür recht erfolgreich und mit 200BB plus trat ich den Heimweg an.

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