javascriptNotEnabled

Home \ Community \ Blogs \

barer47 blog

barer47 blog
Von: barer47
Send PM
/Nov/2008

Von Eseln und Fischen

Von: barer47 @ 19:16 (CET) / 4489 / Kommentar ( 74 )

Servus!
Wie Roy bereits angekündigt hat, wollen wir gemeinsam in Zukunft diesen Blog gestalten. Wir, das sind: Roy, Jonas Kronwitter und ich, und wir sind recht zuversichtlich, dass da für jeden Geschmack etwas dabei sein wird.

Mein Name ist Joram Voelklein, ich bin 35, hauptberuflich Schauspieler, hab ok zu tun, aber unterm Strich verbringe ich doch mehr Zeit am Pokertisch als am Filmset. Ein Bild von mir könnt ihr in Benny Kangs’ aktuellem Blogbeitrag sehen (http://shootingstars.intellipoker.de/index.php/2008/10/22/pokerbusyness-teil-1-highstakes-12-nl-und-werbedreh-in-berlin/)

@Benny: Ich krieg noch 40 Tacken vom Chinesepoker. Ship, ship, ship!

Mein Steckenpferd ist das Livecashgame und die meisten meiner Beiträge werden mit diesem Thema zu tun haben. Ich werde nicht ausschließlich über Poker schreiben, aber natürlich hauptsächlich, after all it’s a pokerblog. Los geht’s...

Es gibt haufenweise gute Pokerliteratur, die sich mit den Feinheiten von Texas Hold’em auf den höchsten Levels auseinandersetzt. Anhand der Analysen von World Series Finaltables und ähnlich hochkarätig besetzten Events erhält man durch diese Bücher die Möglichkeit, zu begreifen und zu lernen, wie die Besten gegen die Besten spielen. Die Lektüre einiger dieser Bücher ist meiner Meinung nach unerlässlich für jeden, der sich ernsthaft mit diesem Spiel auseinandersetzen möchte und somit für jeden, der damit Geld verdienen will. In den Casinos und Homegames trifft man allerdings eher selten auf die Besten und man wird feststellen, dass viele der Taktiken aus den bekannten Büchern gegen schwache Spieler nicht greifen oder noch schlimmer, zu Verlusten führen.

Es gibt viele Spieler, die ausgezeichnete Turnierspieler sind, aber im Livecashgame nicht unbedingt profitabel spielen, selbst gegen Gegner, die wesentlich weniger erfahren sind. Für die meisten ist das beste Rezept mit unerfahrenen und schlechten Spielern - so genannten „Fischen“ oder „Eseln“ - fertig zu werden, sehr tight zu spielen und auf Hände zu warten, mit denen sie die schlechten Spieler in die Falle locken können. Aber dadurch wird man wiederum für die guten Spieler am Tisch leicht lesbar und manchmal hat der Esel dann auch noch das Quäntchen mehr Glück und man verliert einen großen Pot.

Gegen einen guten Spieler hätte man genau diesen Pot gewonnen, weil der vor dem Flop, oder auf dem Flop, Turn, River nie gecallt hätte. Blöder Esel! Man selbst hat ja schließlich nach dem Lehrbuch gespielt und alles richtig gemacht. Oder hätte man vielleicht gegen einen ausgemachten Esel in dieser Situation anders spielen sollen, können, müssen und sich dadurch Geld gespart oder sogar welches gewonnen?

In meinen ersten Beiträgen möchte ich einige Möglichkeiten erläutern, wie man erfolgreich mit Fischen, Eseln und dergleichen fertig wird. Für viele von Euch sind diese Taktiken bestimmt keine breaking news, aber wie in jeder anderen Disziplin auch, schadet es dem Fortgeschrittenen nicht, sich hin und wieder mit der Basis zu beschäftigen.

Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass sich Situationen am Pokertisch kaum pauschalisieren lassen. Meine Artikel wollen daher nicht als Anleitungen sondern vielmehr als Denkanstöße verstanden werden. Es gibt natürlich viele verschiedene Ansätze gegen schwache Spieler ins Feld zu ziehen, die hier erläuterten wende ich profitabel im No Limit Livecashgame in 2/4 bis 5/5 Spielen im Casino, sowie in 1/2 No Limit Homegames an (wobei es der Phantasie des Lesers überlassen sei, ob es hier um Euro, Dollar oder Hosenknöpfe geht...). Also überall da, wo sich Fisch und Esel gute Nacht sagen…

<h2>Von Fischen und Eseln (I)</h2> <h3>Wenn eine Calling-Station plötzlich die Führung übernimmt</h3>

Wir haben am Tisch eine „Callingstation“ ausgemacht und warten natürlich auf eine Gelegenheit, den Esel zu isolieren und ihn zu animieren, möglichst viele Chips in unsere Richtung zu schieben. Es ist keine wirklich neue Erkenntnis, dass auch Esel von Zeit zu Zeit Karten treffen können, dabei ist es oft schwierig zu sagen, wann der Esel getroffen hat und wir Gefahr laufen, eine Menge Chips zu verlieren.

  • Beispiel:
    $2/$4 NL
    Unser Stack $420
    Eselstack $1.200

    Der Esel sitzt im SB, wir sitzen am Button und finden . Es gibt zwei Limper in mittlerer Position, wir erhöhen auf 20$ (der Standard-Raise an diesem Tisch), der Esel bezahlt, die Limper folden.
    Esel isoliert, wir haben Position und wahrscheinlich haben wir momentan die beste Hand, denn wir haben im Verlauf des Spiels beobachtet, dass der Esel sogar mit J4o aus früher Position Preflopraises vom 5-fachen Big Blind ohne weiteres bezahlt.

    Flop:

        
    Der Esel checkt. Im Pot sind $52, wir spielen $35 an. Wie erhofft bezahlt der Esel sofort.

    Turn:

     
    Esel checkt, im Pot sind $104, wir spielen $100, der Esel raist auf $200. Was kann er haben, der Esel? War er tatsächlich mit unterwegs und sitzt jetzt auf einer Strasse? Hat er auf dem Flop ein Set getroffen und slow gespielt? ? A irgendwas? Flushdraw??? Schwer zu sagen, aber sieht gegen diesen Gegner zu gut aus, um es wegzulegen. Call.

    River:

     
    Der Esel setzt $200 und wir callen sofort mit unserem Top2pair und unseren verbleibenden $185. Der Esel zeigt und gewinnt den Pot. Scheiße. Die Hand ist so gut losgegangen und jetzt sitzen wir ohne Chips da. Was ist passiert?

Manch einer wird sich jetzt vielleicht denken, "ist doch klar, was passiert ist, dieser Vollidiot callt mit seinem mickrigen 2er Pärchen auf dem Flop $35 und trifft dann auch noch! Logisch, dass wir da all unsere Chips verlieren…"

Nein. Richtig ist, wir wollten einfach nicht wahr haben, dass unser schön anzusehendes Toppair, Topkicker auf dem Turn zur zweit besten Hand wurde. Natürlich callt der Esel mit auf dem Flop, er ist eine Callingstation! Aber das wussten wir doch vorher, genau darum wollten wir ihn doch isolieren. Zugegeben, wenn sich seine 2er auf dem Turn in ein Set verwandeln, ist es sehr schwer, das zu lesen, aber…:

Wenn der Esel uns hier auf dem Turn check-raist, dann hat er in den allermeisten Fällen keinen Draw und auch kein Ass, dass wir schlagen können. Er hat hier entweder tatsächlich mit die Strasse gemacht, sein Set getroffen, mindestens aber 2 Paar, die uns mit unserem AK im besten Fall noch 20% Wahrscheinlichkeit auf den Sieg lassen (wenn er A2 hält. Bei A3 haben wir nur noch knappe 14%, bei A6 unter 7%, da uns ein gepaartes Board nicht mehr helfen würde).

Das herausragende Kennzeichen einer Callingstation ist Passivität, nicht Aktivität. Übernimmt die Callingstation in einer Hand plötzlich die Initiative, dann brauchen wir eine sehr starke Hand, um weiterzuspielen. Ganz egal wie sehr wir darauf warten, dem Esel endlich die Chips abzunehmen!

Unser Call auf dem River war eine reine Formalität, denn mit unseren Top2pair schlagen wir alle seine Doppelpaare und haben hier oft genug die beste Hand. Aber das ist unerheblich, denn wir hätten die Hand nach seinem Check-raise auf dem Turn folden müssen.

So geschehen im Caesars Palace, Las Vegas, vor ein paar Monaten. Ich bin sicher es gibt andere Meinungen zu dieser Hand, die hier aufgefahrene war und ist meine, nachdem ich meinen Stack in Amerikanische Hände gegeben habe. Natürlich soll dieses Beispiel keine Ermunterung sein, jedes Mal Toppair zu folden, sobald Du auf Widerstand stößt. Was das obige Beispiel verdeutlichen soll, ist die Notwendigkeit, die Spieler an seinem Tisch genau zu beobachten, einzuschätzen und dann auch die Konsequenzen daraus ziehen. In diesem Fall: eine starke Hand gegen einen schwachen Gegner zu folden. In meinen Augen einer der Schlüsselfaktoren, um erfolgreich zu spielen.

Joram

In order to comment, you must login or register
Quiz
Neu hier? Nimm an unserem Einstufungstest teil und starte so deine Pokerausbildung.
Schon Mitglied? Melde dich hier an
javascriptNotEnabled
Lerne Von Einsteiger- bis zu Expertenstrategien
Trainiere Verbessere dein Können mit Hilfe unserer Trainer
Gewinne! Etabliere dich als Gewinner