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Von: barer47
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/Nov/2008

Von Eseln und Fischen (2)

Von: barer47 @ 13:10 (CET) / 3 / Kommentar ( 92 )

Einige haben sich in meinem letzten Beitrag an der Bezeichnung "Esel" oder "Fisch" als Synonym für schwache Spieler gestoßen. Es hat allerdings nichts mit mangelnder Poker-Etiquette oder fehlender Kinderstube zu tun, einen Spielertypus in der Theorie als Esel oder Fisch zu deklarieren. Jeder Spieler weiß, welcher Typ Gegner damit gemeint ist und jeder hat sie gerne an seinem Tisch sitzen. Namen hat er viele, deutsche, englische und wahrscheinlich sogar aramäische, denn diesen Typ Gegner gibt es seit tausenden von Jahren.

Ich mag am liebsten die, die das ganze Jahr über Wildlederblousons tragen, von der Bedienung im Casino mit "Herr Doktor" angesprochen werden und die ich nach der ersten Hand, die sie natürlich mit König hoch bis zum River durchgecallt haben, Sätze sagen höre, wie „Eigentlich bin ich ja Bakkaratspieler...“.

Genau betrachtet ist dieser Gegnertyp eigentlich ein Phantom, denn er selbst weiß nichts von seiner Existenz. Nehmt hundert Pokerspieler, sperrt sie in einen Raum und lasst sie erst wieder raus, wenn sie folgenden Fragebogen nach bestem Wissen und Gewissen bearbeitet haben:  

Ich sehe mich selbst als:

  • A: Esel/ Fisch/ Donk/ h’mar (aramäisch für Esel)
  • B: Anfänger bis durchschnittlichen Spieler
  • C: guten Spieler

Ihr werdet keinen finden, der A angekreuzt hat. Kann man also ein Phantom überhaupt beleidigen? Eben. Soviel zur Theorie. In der Praxis sieht die Sache etwas anders aus, also bitte nicht an den Pokertisch setzen und Kollegen nach einer diskussionsbedürftigen Hand als Esel oder h’mar beschimpfen.

Wer sich in tieferer Form mit dem Thema Poker-Etiquette auseinandersetzen möchte, der kann noch mal die älteren Blogeinträge von Roy zu diesem Thema lesen oder sich das empfehlenswerte Buch „Elements of Poker“ von Tommy Angelo besorgen, von dem Jan Heitmann ja bereits einige Auszüge gepostet hat.

Nichtsdestotrotz sollte man die Sache durchaus ein wenig sportlich sehen, Poker ist schließlich ein Spiel und Spiel bedeutet meist Wettkampf. Oder wie es Arnold Schwarzenegger in „Conan – Der Barbar“ so passend auf den Punkt gebracht hat, als er nach dem Sinn des Lebens gefragt wurde: „Zu kämpfen mit dem Esel, ihn zu verfolgen, zu vernichten und sich zu erfreuen am Geschrei der Weiber!“. In diesem Sinne...

<h2>Von Fischen und Eseln (II)</h2> <h4>NEVER BLUFF A DONKEY?</h4>

Jeder hat den Satz schon mal gehört und natürlich kommt es in Gegenwart von Eseln häufiger vor, dass ein Bluff auf dem River trotz brandgefährlichem Board mit Bottom-Pair gecallt wird. Der Grund ist einfach: der Esel kann meistens nicht einschätzen, wie gefährlich das Board tatsächlich ist. Er möchte einfach nicht rausgeblufft werden und die Chancen, dass wir eine Hand haben, wenn wir auf dem River setzen, stehen aus Sicht des Esels wahrscheinlich höchstens 1 zu… ähhh, ach whatdaheck, Papperlapapp, call!

Der richtige Esel, der echte, mit Fell und Hufen und so, gilt der landläufigen Meinung nach als dumm. Das stimmt aber nicht, Esel sind nicht dumm, im Gegenteil. Esel sind nur ungemein störrisch, ein großer Unterschied. Mit den Eseln, die wir am Pokertisch finden, verhält es sich oft genauso. Um einen Esel dazu zu bewegen, nach rechts, links, vor oder zurück zu gehen, muss man sein Vertrauen gewinnen, sonst folgt er seinen eigenen, oft schwer nachvollziehbaren Plänen und macht was er will. Aber wenn man sein Vertrauen erstmal gewonnen hat, können Esel sehr folgsame Tiere sein.

Der störrische Esel kann also konditioniert werden und genau das ist unsere Aufgabe am Pokertisch.

Wie ein guter Spieler auch, versucht sich der Esel ein Bild von den Spielern zu machen, mit denen er es zu tun hat. Der Unterschied besteht darin, dass der gute und aufmerksame Spieler seine Mitspieler während der gesamten Session unter Beobachtung hält. Es wird ihm auffallen, ob ein sonst eher tighter Spieler nach einem Bad Beat „tiltet“ und seine Chips verschenkt oder ob ein looser, aggressiver Spieler plötzlich statt 60% seiner Hände nur noch 20% seiner Starthände spielt.

Der Esel aber bleibt meist störrisch auf dem ersten Eindruck sitzen, den er bekommt. Dabei neigt er dazu, die Spieler in zwei Kategorien aufzuteilen „Der blufft immer!“ und „Der blufft nie!“. Natürlich sitzen meistens noch andere Leute am Tisch und wir haben es im Normalfall nicht nur mit zwei, drei Eseln, sondern auch noch mit vier oder fünf guten oder sogar besseren Spielern zu tun.

Wenn der oder die Esel genügend Chips vor sich haben, werden wir aber trotzdem versuchen, uns vor allem auf sie zu konzentrieren. Das heißt, wir werden, wenn gute Spieler in der Hand sind, nur in sehr seltenen Fällen von einer schlechten Position aus spielen und wir werden so oft als möglich versuchen, den Esel zu isolieren, also ihn Heads-up zu spielen.

Haben wir den Esel isoliert, ist es vor allem zu Beginn der Session wichtig, ihm einen einprägsamen Eindruck von unserer Spielweise zu vermitteln und wir bewerben uns hartnäckig für die Kategorie „Der blufft immer!“.

Wir werden bei kleinen Pötten, sehr häufig mit kleinen Bets oder Min-re-raises bluffen, und wenn der Esel keine Gründe findet zu callen, zeigen wir ihm selbstverständlich unseren Bluff oder behaupten zumindest, geblufft zu haben. Auf wirkliche Bluffs mit hohen Bets verzichten wir bis auf seltene Fälle gegen diese Spieler komplett, weil die „Folding Equity“ meistens nicht gegeben ist.

Ein Nebeneffekt: auch die starken Spieler werden uns hier oft als Bluffer einstufen und die Chancen steigen, dass sich unser tightes Spiel gegen diese Spieler ebenfalls auszahlen wird. Geduld ist neben Potkontrolle, wie so oft, der Schlüsselfaktor bei dieser Taktik. Wir halten die Pötte klein und wenn wir auf dem Flop, Turn oder River glauben, die beste Hand zu haben und große Bets machen, stehen die Chancen gut, dass wir ausbezahlt werden.

Bluff the Donkey! (sometimes...)
joram

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