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/Aug/2007

EPT Barcelona 2007 – Chaos und kein Land in Sicht

Von: docpoker @ 15:28 (CEST) / 5663 / Kommentar ( 31 )

Aufgrund der zahlreichen Anfragen zunächst noch ein kurzer Nachtrag zu meinem letzten Artikel. Der Mercedes steht nach wie vor (hoffe ich zumindest) an besagter Tankstelle in der Nähe des Flughafens und harrt meiner Rückkehr. Da ich immer schön brav meine Inspektionen gemacht habe, wird wohl die Mobilitätsgarantie greifen und der Service sollte sich eigentlich am nächsten Montag um alles kümmern.

Hier in Barcelona ist es wie immer: Nichts funktioniert wirklich. Als ich um 20 Uhr am Montag bei der Registrierung erschien, wurde mir mitgeteilt, dass die Registrierung bis 22 Uhr geschlossen sei, da man Geld zählen müsste. Um 22 Uhr hieß es, der Computer sei abgestürzt und würde erst wieder in einer halben Stunde laufen. Um 22:30 kam dann die Nachricht, dass der Computer erst wieder nach Mitternacht hochgefahren werden könne. Cashgame konnte man auch nicht spielen. Es waren zwar 6 Tische offen, aber auf jedem Tisch eine Warteliste von über 30 Leuten und neue Partien wurden nicht eröffnet, da keine Dealer zur Verfügung standen. Ich wand mich an den Turnierdirektor Thomas Kremser, der in gewohnter Weise mit professioneller Souveränität Schadensbegrenzung betrieb. Er versprach mir, sich um mein Ticket zu kümmern. Am Dienstag kam ich dann kurz vor Turnierbeginn ins Casino und siehe da, mein Ticket war bereits ausgedruckt. Ohne Thomas würde vermutlich der ganze Laden komplett zusammenbrechen. Jetzt ging es mit dem Ticket zum Seat Draw, wo ich mich in eine Schlange von 150 Leuten einreihte. Auch hier ging nichts vorwärts. Am Anfang der Schlange stand eine junge Casinoangestellte mit einem Sektkübel in der Hand, in dem sich die Sitzplatzlose befanden. Offenbar hatte sie strikte Anweisung erhalten, nicht mehr als einen Spieler pro Minute sein Los ziehen zu lassen. Irgendwann wurde es John Duthie, dem Produzenten der EPT, zu bunt und er gesellte sich zu dem etwas hilflos wirkenden Mädel. Mit dem Charme eines Sergeants der „British Army“ übernahm er die Regie und forderte alle 5 Sekunden mit einem „next“ den nächsten in der Schlange auf, sein Los zu ziehen. Innerhalb von 5 Minuten hatte sich das ganze Problem gelöst.

Um 17:35 Uhr ging schließlich das Turnier los. An meinem Tisch kannte ich nur 3 Leute: Einen spanischen „Nits“, der recht einfach zu spielen war, einen sehr guten Schweden und Niki Jedlika, der unter dem Nickname „Kai Buxxe“ schon heute zu einer Internetlegende geworden ist. Niki gehört vermutlich zu den technisch stärksten Spielern, die jemals am Pokerhimmel aufgetaucht sind. Normalerweise hat er nur ein Problem; er hat keine Geduld, muss immer Vollgas geben und kann nicht zurückschalten. Bei Liveturnieren wird ihm diese Schwäche meistens schnell zum Verhängnis. Aber nicht so hier in Barcelona: Niki erscheint wie verwandelt, als ob er der Erfinder des Wortes Disziplin sei. Geduldig wartet er auf seine Chancen, ändert blitzschnell die Pace und spielt absolut fehlerfreies Turnierpoker.

Ich selbst spiele die ersten 90 Minuten keine einzige Hand, raise dann dreimal uncontested in Folge und als der Tisch kurze Zeit später aufgelöst wird, nehme ich rund 11.000 Chips an den nächsten Platz mit. Hier kenne ich jetzt keinen einzigen Spieler und beschränke mich in der ersten Stunde darauf, die Leute gründlich zu scannen. 2 Leute erscheinen mir besonders interessant: Ein etwas älter Engländer, der zwar viele Chips hat, aber sich jetzt anstrengt, diese mit einer loose-passive Spielweise unter die Leute zu bringen. Dann ein völlig chaotisch wirkender Spanier, der planlos durch die Pots irrt, aber dennoch mit über 25,000 Chips zu den Chipleadern gehört. Eine Schlüsselhand kommt, als ich UTG mit bei Blinds von 150/300 auf  1.025 raise. Der Spanier callt und bei einem Flop von spielt er 1.800 an. Ich will schon folden, da bemerke ich eine kleine Unsicherheit bei ihm, also calle ich. Am Turn kommt die , er spielt jetzt wieder 2.500 an und als echte deutsche Calling-Station bezahle ich. Der River bringt die , er spielt mich mit 4.000 quasi all-in und ich kann sehen, wie er dabei mächtig schwitzt. Mein Gegner ist alles andere als ein Schauspieler, also tue ich mir und ihm den Gefallen und zahle erneut. Er zeigt , mein Read auf ihn war also richtig und ich dopple mich auf. Von den katalanischen Beschimpfungen, die er hinterher auf mich losgelassen hat, habe ich eigentlich nur das Wort „Idiot“ verstanden.

Mit 20.000 Chips könnte man ja langsam anfangen, richtiges Poker zu spielen, aber ich habe die Rechnung ohne unseren jungen Spanier gemacht. Der ist jetzt richtig heiß auf mich und wann immer ich raise, ist er als Kunde dabei. Zweimal vernichtet er eine absolut seriöse Hand von mir mit einer geriverten Straight und als der Tisch dann aufgelöst wird, bin ich wieder dort angelangt, wo das Turnier anfing. Mit 10.000 Chips gehe ich zum nächsten Tisch. Hier treffe ich erneut auf Niki, der mittlerweile über 50.000 vor sich stehen hat und nach wie vor ausgezeichnetes Poker spielt.

Ich hingegen bin wieder dazu verdammt, auf gute Starthände zu warten, da mich als Shortstack keiner mehr richtig ernst nimmt. Insgesamt dreimal mache ich das übliche „push all-in“, aber niemand will mir die Chance zur Aufdoppelung geben. Mit 9.900 schließe ich den Tag 1 des Turniers ab, noch 99 der ursprünglichen 264 Starter sind übrig.

Ich hasse es, als „shorty“ mein Turnierleben fristen zu müssen, aber heute blieb mir einfach keine andere Wahl. Der Schnitt liegt bei etwa 27.000, ich muss mich also relativ schnell aufdoppeln und dann wird wieder Poker gespielt.

 

Euer Michael

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