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docpoker blog

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 Während ich mir zurzeit in Kroatien die Sonne auf  meinen glücklicherweise nicht mehr ganz so ausgeprägten Bauch scheinen lasse, ist pokertechnisch absolute Pause, nicht zuletzt auch aufgrund der steinzeitmäßigen Internetverbindung, angesagt.

Also werde ich auf immer wieder vorgetragenen Wunsch hin die Zeit dazu nutzen, Euch eine Geschichte aus jener Zeit zu erzählen, als sowohl das Onlinepoker, als auch das Basiswissen des durchschnittlichen Pokerspielers noch in den absoluten Kleinkinderschuhen steckte. Zu jener Zeit war die Deutsche Mark noch die einzige Währung an den heimischen Livegame-Tischen und jenes altehrwürdige Spielcasino in Baden eine der wenigen deutschen Pokermetropolen.

Gemäß den Traditionen des Hauses wurden die freundlichen Damen und Herren vom gastronomischen Servicepersonal natürlich nicht Kellner, sondern „Pagen“ genannt. Wer sich darunter vorwiegend jugendliche, aufstrebende Mitarbeiter vorstellt, wird schnell von der Realität eines Besseren belehrt. „Stammpage“ im Pokerbereich war ein in Ehren ergrauter älterer Herr, der hier noch einige wenige Jahre bis zu seiner Pensionierung absitzen musste. Auch damals schon kam mir das „P-Wort“ nur wirklich mühsam über die Lippen, so dass ich den Herrn mit seinem Nachnamen, nennen wir ihn der Einfachheit halber einfach Herr Müller, ansprach. Herr Müller war ein wirklich netter Zeitgenosse, die Damenwelt verpasste ihm sogar das Adjektiv „knuffig“,  aber vom Service hatte er so seine eigenen Vorstellungen.

Beispielgebend sei in etwa folgender Dialog:

„Herr Müller. Ich hätte gerne einen Red Bull.“

„Allmächtiger, da muss ich ja bis ganz ans Ende des Saales laufen!“, war die Antwort.

Da ich aber auf meinen Bestellwunsch beharrte, fügte sich Herr Müller schließlich notgedrungen und zog los.

Gut 20 Minuten später war ich schließlich in einen etwas größeren Pot involviert. Wir spielten, wie fast immer Omaha, und ich entschloss mich, meinen Straight- und Flushdraw gleich auf Flop und Turn reichlich aggressiv zu spielen. Als der River erneut eine Blank brachte und ich mich anschickte, mit „K high“ in den Showdown zu ziehen, sah ich die einzige Möglichkeit darin, auch am River noch eine potsized Bet in Höhe von ungefähr 3.500 deutsche Mark abzufeuern, um meinen Gegner zu einem Fold zu bewegen. Während ich also mein Geld entschlossen in die Mitte schob, kam mein Gegner leider auf die Idee, nicht nur das Board, sondern auch meine eigene Person einer näheren Betrachtung zu unterziehen. Ich versuchte also, möglichst unbeteiligt aus der Wäsche zu blicken.

Genau in jenem Moment erschien Herr Müller wieder auf der Bildfläche: „Herr Doktor, Ihr Getränk ist da“.

Ich ignorierte seine Bemerkung und starrte weiter ins Nichts. Doch da hatte ich meine Rechnung ohne Herrn Müller gemacht. Sein rechter Zeigefinger näherte sich unaufhaltsam meiner Schulter und tippte mich mit einer Frequenz von etwa 4 Hz konsequent an.

„ Vier Mark Siebzig macht das. Hallo Herr Doktor, Ihr Red Bull!“

Mir wurde es zunehmend mulmiger in meiner Haut und ich wand mich wie ein Aal. Ich dachte noch: „Müllerchen, wenn Du mich zwei Minuten in Ruhe lässt, gebe ich Dir glatt 10 Mark für den Drink.“ Aber Müller konnte leider keine Gedanken lesen und sein Zeigefinger hämmerte weiter auf meine Schulter. Schließlich hatte der Dealer ein Einsehen mit mir und sagte: „Herr Müller, der Gast ist in ein Spiel involviert, bitte einen Moment Geduld.“

Offensichtlich konnte man mir die Erleichterung über das Eingreifen des Dealers nur allzu deutlich ansehen, denn just in diesem Moment sagte mein Gegenüber: „Call the Bluff“.

Er gewann den Pot schließlich mit einem Paar Damen und 10.500 DM wanderten zu ihm.

Herr Müller wiederholte unmittelbar danach nochmals seine Forderung nach den besagten 4,70 Mark, die ich natürlich großzügigerweise auf 5 Mark aufrundete.

Nach jenem Erlebnis schwor ich mir, in besagtem Casino zukünftig immer meine Getränkerechung gleich im Voraus, mit Abgabe der Bestellung, zu bezahlen.

Euer Michael

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