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/Mai/2008

Multitasking

Von: docpoker @ 21:35 (CEST) / 4 / Kommentar ( 191 )

Gerade mal drei Wochen dauert es noch, dann geht es wieder nach Las Vegas, zur WSOP. Wer mich etwas näher kennt, kann sich vermutlich auch ohne explizite Beschreibung meine Marschrichtung vorstellen. Bis auf den Main Event werde ich auch dieses Jahr die Nolimit Hold’em Turniere weitgehend links liegen lassen und meine Heil auf den Nebenschauplätzen suchen. Stud und Omaha in allen Stilrichtungen, selbstverständlich auch die Hi/Lo Varianten, stehen auf dem Programm. Am Liebsten sind mir die echten Mix-Events wie H.O.R.S.E und erstmals ist dieses Jahr auch ein echtes Highlight dabei: Der 10.000 $ Buy-in Championship Event in „Mixed Games“. Hier werden gleich acht verschiedene Pokervarianten gespielt und es wird sogar zwischen Nolimit, Potlimit und Splitlimit gewechselt. Ein echtes Traumturnier also!

Da man in Europa kaum Gelegenheit hat, insbesondere Hi/Lo Games im Livebereich zu spielen und speziell bei den sehr technischen Varianten gewisse Fähigkeiten mangels Training einrosten können, startete ich also bereits vor zwei Wochen mein „Online-Aufwärmprogramm“. Für mich persönlich eignet sich am Besten die Heads Up Sit & Go Variante im Turniermodus, so ab 100 $ Buy-in aufwärts. Heads Up deshalb, weil ich möglichst viele Flops spielen will und dazu gezwungen werde, oft „borderline Entscheidungen“ zu treffen. Bei diesen Trainingssessions ist es zunächst völlig zweitrangig, ob ich das Match gewinne oder verliere. Hauptsache ist, dass ich verschiedene Moves ausprobieren kann und die Gegner entsprechend gut spielen können, was aber ab 100 $ Buy-in recht häufig der Fall ist.

Vor ein paar Tagen fiel mir ein junger deutscher Spieler auf, der praktisch immer am 100 $ Omaha Hi/Lo Tisch auf „Kundschaft“ wartete. Ich loggte mich ein und stellte schnell fest, dass er wirklich gut spielte. Tighter Grundansatz, fand jedoch zielsicher seine Spots für Moves und er ließ sich auch nicht in die typischen „Hi/Lo Fallen“ locken, drawing auf nur die Hälfte des Pots größere Summen zu investieren. Noch während des Matches fragte er mich, ob wir nicht mehrere Matches, ein „Best of Five“ spielen sollten. Geht klar, sagte ich ihm, aber nur nacheinander. Er gewann prompt den ersten Heat und im Chat drückte ich noch meinen Respekt für seine Skills aus. Nach der Vorstellung, die ich so sehen konnte, drängte sich mir zwangsläufig die Frage auf, warum so ein guter Spieler immer noch bei der 100 $ Buy-in Sektion zu finden war. Im zweiten Heat verlor ich prompt in der Anfangsphase meine DSL-Verbindung und bis ich das Problem mit der Telekom lösen konnte und wieder online war, hatte ich über 90 % meines Stacks verloren und kurze Zeit später auch das zweite Match verloren. Aber mittlerweile hatte ich ein grobes Profil von meinem Mitspieler, schraubte ein wenig meine Preflop-Aggressivität zurück und callte auch mal mit äußerst marginalen Händen seine deftigen River-Bets. Ich gewann das dritte Match, das Vierte und auch das Fünfte. Und während des fünften Heats wurde mir so langsam klar, warum er trotz seiner sehr guten Technik immer noch auf dem 100 $ Level spielt. Er ging so langsam aber sicher „on tilt“. Kaum ein Pot, den ich gewann, wurde nicht ausgiebig mit den überschwänglichsten Umschreibungen für mein Glück kommentiert, der Satz, „wie konntest du nur mein Bet am River bezahlen“, wurde fast schon zum Standardspruch.

Richtig ernst wurde es dann gegen Mitte des fünften Matches, als ich im Chat lesen konnte: „Lass uns einen zweiten Tisch aufmachen, ich brauche mehr Action“.

Ich antwortete ihm, dass ich mit zwei parallelen Heads Up Tischen in Omaha Hi/Lo völlig überfordert sei und keine Perspektive sehe, an beiden Tischen gleichzeitig gutes Poker zu spielen.

Mal ganz im Ernst: Ich habe noch nie mehr als vier Tische gleichzeitig gespielt. Das waren dann immer nur volle Nolimit Hold’em Tische und was dabei von mir fabriziert wurde, war absolut tightes Standardpoker. Im Potlimit Omaha schaffe ich drei Tische unter der Voraussetzung, dass an jedem Tisch mindestens vier Spieler sitzen. Und dann frage ich mich oft, ob die eine oder andere Entscheidung nicht deutlich besser ausgefallen wäre, wenn die Reizüberflutung nicht so extrem und die Zeit zum Nachdenken länger gewesen wäre.

Ich hege allergrößte Bewunderung für die Genies, die 8, 10 oder 12 Tische gleichzeitig spielen und dabei auch noch vernünftig und mit Gewinnerwartung pokern. Aber in jene Sphären des Pokerhimmels werde ich mich wohl niemals aufschwingen können. Und gerade bei sehr technischen Pokervarianten sind die Entscheidungen postflop höchst individuell und in Schlüsselsituationen oft kompliziert, so dass sich Zeitdruck immer nachteilig auf die Qualität der Entscheidung auswirkt.

Ich hatte dem Drängen meines Omaha Hi/Lo Gegners dann als Kompromiss doch noch nachgegeben und ein sechstes Match gespielt, obwohl es schon fast 5 Uhr morgens war. Das Match habe ich auch noch gewonnen. Manchmal ist weniger dann letzten Endes doch mehr!

Euer Michael

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