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/Nov/2007

Tulpen aus Amsterdam

Von: docpoker @ 19:47 (CET) / 45 / Kommentar ( 113 )

Menschen denken gerne in runden Zahlen. Wahrscheinlich werden deshalb der millionste Besucher einer Website, das zehnjährige Abijubiläum oder der runde Geburtstag etwas exzessiver gefeiert als andere Daten. - In diesem Zusammenhang fällt mir eine Gruppe grölender Engländer ein, die ich vor ein paar Wochen in der Abfertigungshalle des Flughafens Stansted sah. Jeder trug ein knallrotes T-Shirt mit der Aufschrift „John’s 40th Birthday Mallorca October 2007“ und einige von ihnen waren schon so betrunken, dass sie den Weg zum Gate nur noch mit der tatkräftigen Unterstützung der restlichen Gruppe fanden. –

Ich hatte ebenfalls letzte Woche ein rundes Jubiläum. Genau vor zehn Jahren, im November 1997, nahm ich zum ersten Mal an den Master Classics of Poker in Amsterdam teil. In jenen Monaten fanden meine ersten Gehversuche auf internationalem Parkett statt und gleich beim ersten Turnier in Amsterdam wurde ich Dritter von etwa 120 Teilnehmern. Das Preisgeld waren bescheidene 1.900 US$, allerdings betrug das Buy-in auch umgerechnet nur 45 €. Nun, der allgemeine Pokerboom hat auch nicht vor unseren holländischen Nachbarn halt gemacht, die Startplätze wurden auf 300 für die Nebenevents und stolze 420 für den Main Event erweitert, trotzdem war jeder einzelne Event restlos ausgebucht. Amsterdam zählte schon immer zu den beliebtesten Turnierorten in Europa, aber trotz der riesigen Konkurrenz konnten die Holland Casinos erneut einen Spitzenplatz behaupten. Der Grund liegt sowohl in der hervorragenden Organisation und exzellenten Struktur – der Timetable des Mainevents ist sogar noch besser als bei der EPT -, als auch in den hervorragenden Rahmenbedingungen. Ein hochmotiviertes, kompetentes und gastfreundliches Team der Pokerabteilung versucht, den Gästen den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. Daneben ist Amsterdam auch für seine hochkarätigen Cashgames berühmt, so dass hier manche Glücksritter angelockt werden, die sonst kaum bei Turnierwochen zu sichten sind.

Mein persönliches Jubiläum wollte ich auch entsprechend feiern. Allerdings weniger mit Alkohol, viel mehr mit guten und erfolgreichen Pokersitzungen. Vielleicht war ja auch einer jener Tulpensträuße drin, die hier der Sieger eines Turniers neben dem Preisgeld und der Schale aus Delphter Porzellan erhält. Um es gleich vorwegzunehmen. Aus den Tulpen ist nichts geworden. Alles in Allem „no big deal“. Von den vier gespielten Turnieren hatte ich einmal einen guten Schuss auf einen Finaltisch. Beim € 1.000 Nolimit Hold’em raise ich mit preflop aus MP1 den vierfachen Big Blind auf 8.000. Zu diesem Zeitpunkt sind noch etwa 50 Spieler im Turnier, ich besitze 24.000 Chips, etwa den 1 ½ fachen Schnitt. Der Chipleader an unserem Tisch (ca. 40.000) callt am Button. Als im Flop kommt, mache ich eine continuation Bet in Höhe von 10.000. Er raist mich all-in und nachdem ich ihn etwas näher beobachtet habe, bin ich überzeugt davon, dass er einen König hat und folde. Er zeigt , hatte also ein echtes Monster gefloppt. Short stacked verballere ich meine restlichen Chips, als ich wenig später in früher Position mit all-in gehe, nur um in zu laufen, die der Button hält.

Im Main Event quälte ich mich mehr schlecht als recht durch das Turnier und hatte in den ersten vier Stunden meine 10.000 Startchips auf 8.200 reduziert, ohne irgendeinen bemerkbaren Fehler zu machen. Zwei Minuten vor der Dinnerpause finde ich am Cut off und raise den dreifachen Big Blind auf 600. Der Button zahlt nach (was keinerlei Qualitätsaussage zu seiner Hand war, da er fast jedes zweite Raise am Tisch bezahlte) und wir sind Heads Up am Flop. Es kommt und ich spiele 1.100 an. Der Button hat jetzt noch etwa 9.000 an Chips und raist auf 3.500. Nachdem ich ihn volle vier Stunden beobachten konnte, hatte ich ein ziemlich exaktes Profil von seiner Spielweise. Ich bin überzeugt davon, dass ich zumindest am Flop die stärkste Hand halte und reraise jetzt all-in. Er zahlt nach und zeigt . Mit etwa 55 Prozent bin ich gegen seine Hand nur minimaler Favorit, weder er, noch ich kommen angesichts des Chipcounts aus der Situation heraus. Am Turn trifft er das Karo zum Flush und ich darf mich verabschieden.

Im Gegensatz dazu lief es in den Cashgames deutlich besser. Während der gesamten Woche hatte ich mich auf die € 20/40 Potlimit Omaha Partie mit einem minimum Buy-in von 2.000 € konzentriert, von der täglich zwei bis drei Tische im Angebot waren. Viele junge Dänen und Schweden haben dieses Spiel in letzter Zeit für sich als neues Cashgame Betätigungsfeld entdeckt. Dabei übernehmen sie nur allzu gerne die Rolle des Maniacs am Tisch. Sie bezahlen oder raisen Preflop abschnittsweise mehr als 80 Prozent aller Hände. Der Schwachpunkt ihrer Strategie liegt insbesondere am vollen Tisch darin, dass sie auf dem Flop und Turn ihre Karten gnadenlos überspielen, wenn sie mal nicht getroffen haben. Meistens gewinnen sie vier von fünf Händen, aber die Hand, die sie dann schließlich verlieren, kostet meist doppelt soviel wie das vorher gewonnene Geld. In solchen Partien, in denen ich mir niemals Gedanken darüber machen muss, wie ich mit einer sehr guten Hand meine Chips in die Mitte bekomme, verwende ich meist die genau entgegengesetzte Strategie. Ich habe eine preflop Beteiligung von kaum mehr als 15 Prozent (was im Omaha deutlich zu tight ist!) und wenn ich eine sehr starke Hand getroffen habe, raise oder checkraise ich am Flop oder Turn je nach Position um den vollen Pot. Meistens entwickelt der Maniac dann genügend Fantasie, um irgendwie seinen Call zu rechtfertigen und zahlt nach.  Wenn ich manchmal für zwei oder drei Stunden keine nach meinen Kriterien spielbare Hand finde, folde ich eben eine Hand nach der anderen. Es sieht langweilig, farblos und unelegant aus, ist aber ungeheuer profitabel. Beim Pokern gibt es halt keine Extraprämie für einen besonders trickreichen Move oder einen tollen Spielstil. Die Schlacht um Ruhm und Ehre findet im Turnier ihren Platz. Aber beim Cashgame gibt es nur ein Ziel: Am Ende der Sitzung mit mehr Geld in der Tasche aufzustehen, als man zu Beginn mitgebracht hat.

Euer Michael

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