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Der letzte Samstag hatte ein rotes Kreuzchen in meinem Kalender. Einmal im Jahr bekomme ich einen masochistischen Anfall und spiele ein Golfturnier mit. Eine gute Golfrunde sollte normalerweise nach vier Stunden beendet sein, alles andere ist ein beständiges Warten darauf, auch mal einen Schlag machen zu dürfen. Golfturniere haben die unangenehme Eigenschaft, dass sie meistens sechs oder mehr Stunden dauern, weil jeder meint, seinen in den Wald geschlagenen Ball bis in alle Ewigkeit suchen zu müssen, nur um dann festzustellen, dass er unspielbar ist. Also geht es zurück zum Punkt des letzten Schlages und das Ganze geht von neuem los. Aber das Turnier am letzten Samstag war eine ganz spezielle Veranstaltung. Ein Freund von mir ist Landesdirektor einer großen Versicherungsgesellschaft, die einmal pro Jahr in meinem Heimatclub, dem Attighof, ein Einladungsturnier veranstaltet. Und in Gedenken an alte Zeiten stellt er dann einen Flight zusammen, der genau jener Gruppe von Leuten entspricht, die auch schon früher jede Gelegenheit zum Zocken wahrgenommen haben. Wir spielen so gut wie jede denkbare Kombination: Gewinner der ersten neun Loch, zweite Hälfte, Gesamtergebnis und natürlich auch Gewinner jedes einzelnen Lochs. Alleine das Ausrechnen nach der Runde dauert gut eine Stunde. Ich hatte nur ein Problem; insgesamt habe ich dieses Jahr gerade mal sieben Runden Golf gespielt. Vor der WSOP war ich fast jeden Tag mit der Fertigstellung meines Buches beschäftigt, in Vegas war es einfach zu heiß zum Golfen, so dass ich dort auch nur zwei Runden hinbekommen habe und in den letzten Tagen hatte sich der Dauerregen genau jene Tage ausgesucht, an den ich Zeit zum Spielen gehabt hätte. Nun ist es gerade auch beim Golf so, dass man durch fehlende Praxis nicht unbedingt besser wird und ich mich daher am Liebsten aus der Zockrunde ausgeklinkt hätte. Aber Kneifen geht hier nicht und ich hatte im Vorfeld bereits mehr oder weniger damit abgeschlossen, dass mich der Tag auf dem Platz wohl mindestens 1.500 € kosten würde. Hinzu kam noch die unmenschliche Abschlagszeit: 9 Uhr morgens, also quasi mitten in der Nacht. Sagte ich bereits, dass ich einen masochistischen Anfall hatte? Natürlich bin ich erst im allerletzten Moment aus dem Bett gekrochen, zum Golfplatz gehetzt und ohne auch nur einen einzigen Ball auf der Range zu schlagen, um zwei Minuten vor Neun Uhr am Tee 1 erschienen. Absoluter Kaltstart! Meinen ersten Drive berührte ich kaum mit dem Schlägerkopf und er kullerte so etwa drei bis vier Meter nach vorne rechts, um noch auf der Teebox liegen zu bleiben. O.K., vielleicht waren 1.500 € Verlust doch etwas knapp bemessen. Aber auch beim Golf gibt es so etwas wie Varianz: Irgendwie meinte es die Natur ziemlich gut mit mir, ich traf anschließend fast jeden Ball, die unmöglichsten Puts fielen und nach 14 Loch war ich zocktechnisch Chipleader in unserem Flight. Doch Gerhard, unser Gastgeber, hatte noch ein echtes Hindernis eingebaut, An der Teebox von Loch 15 servierte der Sponsor als besonders großzügige Geste den Teilnehmern des Turniers Caipirinhas. Und natürlich bestand mein Flight darauf, meinen Chiplead nachdrücklich zu begießen. Sie wussten, dass ich schon mit Kleinstmengen an Alkohol aus der Fassung zu bringen bin und jegliches Gefühl für koordinierte Bewegungen vermissen lasse. Schließlich produzierte ich auch das von den Mitspielern gewünschte und erwartete Ergebnis. Die vier letzten Löcher konnte ich ohne Ausnahme streichen und versank irgendwo im Mittelfeld des Turniers. Aber ich sehe es von der positiven Seite: Durch meinen Lauf bis zur 15 hatte ich einen so schönen Vorsprung herausgearbeitet, dass die ganze Zockrunde exakt bis auf den letzten Cent pari für mich ausging. Und angesichts meiner Verlusterwartung ist das wie 1.500 € gewonnen. Ich träume immer noch davon dass wir hier in Deutschland ähnlich wie in Amerika schon öfters praktiziert, mal ein Kombiturnier Golf und Poker veranstalten können. Ist vielleicht momentan noch etwas verfrüht, aber 2008 will ich versuchen, ein derartiges Projekt in Angriff zu nehmen.

Ach ja, Poker habe ich auch noch gespielt. Wie bereits letzte Woche in meinem Blogeintrag angekündigt, haben wir in Wien 8 Barcelona Folgen vertont. Am Mittwoch waren wir relativ pünktlich fertig und so zog es mich dann abends ins Concord Card Casino. Das Haus war richtig voll. Grund sind die ungeheuer beliebten Nolimit Holdem Turniere mit unlimited rebuys, die täglich für 10 € Buy-in angeboten werden. Als ich gegen 20:30 Uhr ankam, war das Turnier in vollem Gange und auch einige Cashgame Tische am Laufen. Erwartungsfroh fragte ich nach der höchsten Potlimit Omaha Partie. Zugegebenermaßen fielen meine Mundwinkel leicht nach unten, als der Floorman auf einen Tisch deutete und mir sagte: „That’s it. Ein Blind à 2 €“. Na ja, weil ich schon mal da war, wollte ich auch nicht gleich unverrichteter Dinge abziehen und nahm an dem shorthanded Tisch Platz. Ich kaufte mich mit 1.000 € ein und war gleich der deep Stack am Tisch. Was dann die nächsten 5 Stunden geschah, kann ich nur als absolut außergewöhnlichen Lauf bezeichnen. Ich gebe zu, der Tisch war schon ziemlich soft, angesichts des 2 € Blind ca. 60 € pro Stunde wert. Aber ich traf so ziemlich jeden Flop und wenn ich mal daneben lag, haben mir zumindest meine Mitspieler geglaubt, dass ich schon wieder getroffen hätte. Bilanz nach 5 Stunden: 3.150 € Profit, ich konnte es selbst kaum fassen. Ich möchte mir lieber gar nicht erst ausmalen, was ich mit diesem Lauf in einer regulären Partie mit 20/40 € Blinds gewonnen hätte. Ich liebe es, wenn die Varianz „Schmusekurs“ mit mir fährt.

Euer Michael

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