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/Jun/2007

WSOP 2007: Im Land der unbegrenzten Bürokratie

Von: docpoker @ 21:03 (CEST) / 43 / Kommentar ( 17 )

Wieder melde ich mich von der WSOP aus Las Vegas mit der Fortsetzung meiner Performance im $ 1.500 Omaha Hi/Lo Event. Nachdem ich den ersten Tag ziemlich gut und deutlich über Chipdurchschnitt überstanden hatte, war der Finaltisch logischerweise mein nächstes Ziel. Zu Beginn von Tag 2 bei noch etwa 150 verbliebenen Teilnehmern war ich noch voller Zuversicht, mein ehrgeiziges Ziel auch tatsächlich realisieren zu können. Als wir mit 65 Spielern vor der Bubblephase standen, kam es prompt zum nächsten organisatorischen Fehlschlag durch die Turnierleitung. Es gab 63 Plätze in den Preisgeldrängen, also sollte bis zum Ausscheiden der nächsten 2 Spieler Hand für Hand an allen Tischen gleichzeitig weitergespielt werden. Nach etwa 10 Minuten verkündete der Turnierdirektor, begleitet vom allgemeinen Applaus der Anwesenden, dass wir nun alle „im Geld“ seien und wieder auf normalen Turniermodus umgestellt wird. Weitere 10 Minuten später wurde die Ansage widerrufen. Man habe sich verzählt, es wären doch noch 64 Leute im Turnier und der Bubble doch noch nicht erreicht. Die Strategie der meisten Spieler vor dem Bubble unterscheidet sich ziemlich krass von der Strategie im Geld und solche Fehlinformationen können entsprechend teuer werden. Wenn ich als Pokerspieler einen Fehler mache, muss ich die Konsequenzen eigenverantwortlich tragen. Aber wer trägt die Konsequenzen, wenn Harrahs als Organisator einen Fehler macht? Richtig, natürlich auch der Pokerspieler! Schließlich nagt Harrahs wirklich am Hungertuch und kann es sich selbstverständlich nicht leisten, kulanterweise zusätzlich auch noch den 64. Platz zu bezahlen.

Ich selbst überstand den Bubble noch recht problemlos aber dann machten sich einige Konzentrationsschwächen in meinem Spiel bemerkbar. Ich machte winzige Fehler, die sich aber im Lauf von Stunden summierten. Der Grund ist relativ einfach zu erklären. Noch in Deutschland hatte ich mir auf dem Golfplatz einen Zeckenbiss eingefangen. Aus dem Zeckenbiss entwickelte sich eine Borreliose. Dabei handelt es sich um eine heimtückische Infektionskrankheit, die sich in starken Gelenkschmerzen, aber auch Gefühls- und Wahrnehmungsstörungen äußern kann. In den ersten Tagen hier in Vegas hoffte ich noch inständig, dass mein Körper ohne medikamentöse Hilfe damit fertig werden würde, zumal ich vor 6 Jahren schon mal eine Borreliose hatte und noch über eigene Antikörper verfügen sollte. Aber die Krankheitssymptome wurden immer stärker und am Ende von Tag 2 des Turniers ging mir einfach die Kondition aus, ich wurde 44.

Am nächsten Tag schleppte ich mich in die Apotheke, legte meinen Arztausweis vor und wollte mir ein entsprechendes Antibiotikum besorgen. In jedem europäischen Staat wäre dies eine Angelegenheit von 2 Minuten gewesen. Aber wir sind in Amerika, dem Land der unbegrenzten Bürokratie und der Apotheker lächelte mich nur arrogant an. Ein Antibiotikum könne er mir selbstverständlich nur nach Vorlage eines amerikanischen Rezeptes geben, ob ich Arzt sei oder nicht, interessiere ihn herzlich wenig. Ich zog also unverrichteter Dinge ab, suchte mir einen amerikanischen Kollegen, der für das Ausstellen eines Rezeptes exakt 200 US$ verlangte (Arbeitsaufwand: 3 Minuten, Wartezeit 2 Stunden), ging zurück zur Apotheke und hielt endlich mein dringend benötigtes Medikament in Händen. Schon nach 24 Stunden ging es mir erheblich besser, ich konnte direkt spüren, wie die Energie zurückkehrte.

Am 8. Juni um 17 Uhr stand dann das $ 1.500 7-card Stud Turnier auf meinem Programm. Wir starteten mit 3.000 Chips, aber irgendwie kam ich einfach nicht richtig ins Spiel, kassierte einen Suck-out nach dem anderen und hatte nach 3 Stunden plötzlich nur noch 800 Chips. Mit ein paar Assen in der Lade wollte ich diese Chips möglichst schnell gegen 2 Gegner im Pot unterbringen. Aber schon bei der fünften Karte bemerkte ich, dass ich kaum noch eine Chance auf den Potgewinn hatte und gab die Hand auf. Ich besaß gerade mal noch 2 Chips à 100.

Aufgeben steht jedoch nicht in meinem Wörterbuch, ich wartete auf die nächste Gelegenheit und mit einem Paar Königen ging ich All-in. Dem ersten Verdoppler folgten noch zwei und ich war wieder im Spiel. Letztlich überlebte ich Tag 1. Bei etwa 150 noch im Turnier befindlichen Spielern bin ich mit 7.250 Chips zwar etwas unter Schnitt, habe aber noch alle Chancen offen. Wie es weiter geht, erfahrt Ihr in meinem nächsten Bericht.

Euer Michael

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