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/Apr/2008

Zahlenspielereien

Von: docpoker @ 13:34 (CEST) / 11 / Kommentar ( 184 )

Die Potlimit Omaha Partie mit Blinds von 10€/20€ startet wieder einmal mit den üblichen Verdächtigen. Rechts von mir nimmt eine Dame Platz, die mir schon in Seefeld aufgefallen ist: Gut situiert, gepflegte Umgangsformen, gute Allgemeinbildung und erfrischend wenig Ahnung vom Pokern im Allgemeinen und Potlimit Omaha im Speziellen.

Aber das ist auch überhaupt nicht nötig. Schon in Seefeld verließ sie Tag für Tag den Tisch als Gewinnerin. Gefloppte Top-Drillinge findet sie fast im 15 Minuten-Takt und trotz ihrer überaus passiven Spielweise hält die Hand dann auch noch am River. Jedes Mal, wenn sie einen Pot über 1.000 € gewinnt, entschuldigt sie sich artig bei ihrem Gegner. Die Entschuldigung ist keineswegs gespielt oder ironisch gemeint, man merkt wirklich, dass es ihr schon fast peinlich ist. Wieder ist sie in einem Pot involviert, rivert bei gepaartem Board schließlich ihren Royal Flush, den sie natürlich schön brav checkt (wie so oft, wenn sie am River die Nuts hält) und gewinnt einen kleinen Pot. Eine Hand später geschieht das Unfassbare: Wieder ist sie am Turn auf einem Inside-Straightdraw in Kombination mit dem Nuts-Flushdraw und wieder rivert sie den Royal Flush in Form einer .

Ganz grob überschlage ich die Odds für zwei Royal Flush in unmittelbarer Folge, komme (mit einer Fehlerquote von gut 10 Prozent) auf eine Wahrscheinlichkeit von 1 : 113 Millionen.

Ich kann kaum an mich halten und da platzt es auch schon aus mir heraus: „Weißt Du eigentlich, dass Du gerade Pokergeschichte geschrieben hast?“ frage ich sie. „Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit hat diese Handfolge kein Mensch an diesem Pokertisch jemals vorher erlebt und wird sie auch nie wieder erleben.“

„Ach Michael, mit der Mathematik habe ich es nicht so, aber ich kann mir gut vorstellen, dass ich das Kunststück im Laufe des Jahres 2008 noch einmal fertig bringe“, antwortet sie mir und bietet mir eine Wette um ein Abendessen an.

Ich bin komplett fassungslos: Wenn ein wirklich sehr fleißiger Pokerspieler im Jahr rund 2.500 Stunden an irgendwelchen Live-Cashgame-Tischen verbringt, ist er noch nicht einmal Favorit darauf, diese Übung im Laufe des gesamten Jahrtausends zustande zu bringen und das Jahrtausend hat schließlich noch  991 Jahre Restlaufzeit.

Aber manchmal geht es offensichtlich nicht um Stochastik. Ein unerschütterliches Selbstbewusstsein, die innigste Liaison mit der freundlichsten Seite der Varianz und ein beinahe an Gewissheit grenzendes Vertrauen in den positiven Ausgang aller Abläufe sind mitunter doch wichtiger als alle technisch-strategischen Kniffe und Kenntnisse.

1 : 113 Millionen? Na und, das weiß doch der Royal Flush nicht!

Wir Menschen können uns zwar nicht den fundamentalen Gesetzen des Universums entziehen, aber zeitweise doch ziemlich extreme und überaus erfolgreiche Gratwanderungen auf den äußersten Kanten unternehmen, die diese Gesetze zulassen. Die allermeiste Zeit bleibt uns jedoch der Tanz auf dem Drahtseil verwehrt. Und dann ist es Erfolg versprechender, wenn man Poker auf der Basis des erlernten Wissens und der angesammelten Erfahrungen spielt, ohne sich auf das sichere Eintreten der außergewöhnlichsten (Un)wahrscheinlichkeiten zu verlassen..

Euer Michael

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