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ivodonev blog

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/Mär/2008

AA im Small Blind

Von: ivodonev @ 12:33 (CET) / 12 / Kommentar ( 513 )

 Jetzt möchte ich  über eine interessante Situation beim Spring Poker Festival im Concord Card Casino Wien erzählen. Wir starteten mit 15.000 Chips und es war Level eins mit ganz niedrigen  Blinds von 25/50. Ich saß auf Platz drei im Small Blind. Ein junger Spieler (ich wusste nur, dass er Stefan heißt, um die 25 Jahre alt ist und aus Tirol kommt) raiste in erster Position nach dem Blind (als sogenannter UTG) auf 200. Alle nach ihm foldeten. Ich schaute langsam meine Karten an und was sehe ich: . Jetzt hatte ich zwei Optionen: a) nur einen Call anzusetzen und  die Asse passiv zu spielen (Slowplay). b) zu reraisen, aber um wie viel? Ich denke, die Wahl von Option b) ist in diesem Fall besser, denn es ist sehr wahrscheinlich, dass der UTG-Raiser eine starke Hand hat ( oder Big-Paar) und noch einmal zurückschlagen könnte.
Und so entscheid ich mich, mit einem vernünftigen Betrag zu reraisen – nicht zu hoch (sodass er foldet) und nicht zu wenig (sodass er einen billigen Flop sieht), also 800. Stefan callte sofort.
Jetzt wusste ich: Er hatte nicht , ansonsten hätte er sicherlich noch einmal hochgeraist. Am Flop kamen . Jetzt waren  im Pot 1.650 und er  hatte noch 14.000 hinten. Mein Ziel war es, so viel wie möglich zu gewinnen, aber wie? Ich feuerte 1.500 und zu meiner großen Freude raiste er sofort auf 3.000. Jetzt konnte ich noch eine Hand ausschließen, und zwar . Höchstwahrscheinlich hatte er oder .
Wie Sie sehen, bekommt man während der Hand zunehmend mehr Infos und durch Analysieren kann man Näheres über die Hand des Gegners erfahren.
Jetzt kam der schwerste Moment der Entscheidung:
a) nur callen mit der Absicht, am Turn zu checken und zu hoffen, dass mein Gegner weitere Chips in den Pot investiert (der Pot ist schon bei 7.650 und wir haben noch um die 11.000 Rest).
 b) zu raisen.
Ich habe sehr lange überlegt. Falls ich nur gecallt hätte, hätte ich meinem Gegner eine oder sogar zwei (falls er auch am Turn gecheckt hätte) freie Karten gegeben! Sollte ich dieses Risiko eingehen? Die gefährlichsten Karten, die am Turn kommen können, sind:
a) ein As, in diesem Fall bekomme ich wahrscheinlich keine Chips mehr.
b) ein Q oder J, die meinem Gegner helfen können. 
c) ein weitere Pik, was meinen Gegner erschrecken könnte.
Falls ich Position gehabt hätte, wäre vermutlich ein simpler Call (mit der Absicht, eine Falle zu stellen) die beste Entscheidung gewesen. Aber out-of-position dachte ich mir, es wäre besser, sofort zu reraisen. Merken Sie jetzt, wie wichtig die POSITON beim Treffen wichtiger Entscheidungen ist?
Ich wollte meinen Gegner nicht mit einem hohen Raise erschrecken und  reraiste einen sehr verlockenden Betrag: 7.100. Auf diese Weise gab ich meinem Gegner folgende Optionen:
a) mich all-in zu setzen, falls er dachte, dass sein Overpair gut wäre.
b) mitzugehen, weil er gute Potodds hatte – im Pot waren 11.200 und er musste nur 4.100 bezahlen.
Hier hat mein Gegner angestrengt nachgedacht. Das war ein schlechtes Zeichen für mich. Wenn er ein unerfahrener Spieler gewesen wäre, hätte er nicht sehr lange gezögert und wahrscheinlich alle Chips in die Mitte geschoben. Aber jetzt wurde mir klar, dass dieser junge Spieler sich überlegte zu folden. Und tatsächlich, nach ein bis zwei Minuten foldete er. Ich fragte ihn sofort, warum er seine oder gefoldet hatte?  Er antwortete, dass ich mit meinem Read richtig läge, er aber dachte, dass ich oder hatte. Bravo, Stefan!
Fazit: So ein Lay-down unterscheidet den fortgeschrittenen vom unerfahrenen Spieler!
 
PS: Jemand hatte bei meinem letzten Beitrag (Bregenz – Main Event) gefragt, warum ich mit (im Small Blind) beim Main Event in Bregenz als 13. ausgeschieden bin.
Es waren die letzten zwei Tische Short-Hände mit je sechs und sieben Spielern. Ich war im Small Blind. Alle haben zu mir gefoldet. Ich hatte etwa 110.000 Chips bei Blinds von 6.000/12.000 und 1.000er-Ante. Also hatte ich nur für ca. vier Runden Chips. Im Big Blind war ein unbekannter, aber solider Spieler, Joh Carsten (er ist Zweiter geworden!), der oft Raises foldete, außer mit einer guten Hand. Ich sah in meine Hand, , und hatte folgende Optionen:
a) Meine Hand ist zu schwach und ich sollte folden. Auf diese Weise verschenke den Pot von 25.000 an den Big Blind!
b) Ich konnte callen und hoffen:
1) dass der Big Blind nicht raisen wird,
2) dass ich etwas am Flop treffe. Auf diese Weise musste ich das schwache Blatt out-of-position nun spielen? Das gefiel mir nicht.
c) Ich konnte raisen, um den Pot sofort zu gewinnen, aber um wie viel? Falls ich um die 36.000 raiste und er all-in ging (er hatte ein wenig mehr Chips als ich, um die 130.000) wäre ich fast Pot-comitted gewesen: Ich bekam Potodds von ca. 1:2
d) Falls ich selbst allin ging, wäre ich wirklich ins Hintertreffen geraten, wenn er ein großes Paar gehabt hätte (die Chance, dass er überhaupt ein Paar hatte, lag bei 1:16, die Chance für ein großes Paar war natürlich viel geringer). Viel wahrscheinlicher war, dass er ein As mit gutem Kicker hatte und callte. Denn hier war die wirkliche Gefahr! Darum war es mir lieber, den Big Blind mit Connectors zu attackieren als mit einem As mit kleinerem Kicker. Falls er gecallt hätte,  hätte er nämlich:
a) ein Paar, z. B. , was gegen mit 70 zu 30 %  Favorit ist, oder
b) ein As mit bigger Kicker, z. B. ist gegen mit 72 zu 28 % Favorit.
In solchen Situationen sind zwei Bildkarten ( z. B. ) nur mit 60 zu 40 % Favorit gegen meine Connectors .
Nach dieser Analyse kann man sehen, dass ich im Blind mit meinem ziemlich kleinen Stack zwei vernünftige Optionen hatte:
a) zu folden und auf bessere Karten zu warten!
b) all-in zu gehen (!?) mit der Hoffnung, dass er foldet und ich die 25.000 toten Chips in der Mitte ohne Showdown  gewinne, oder dass er callt, aber ich mich verbessere …
Leider er hat gecallt, ich bekam keine Hilfe am Board und so bin ich ausgeschieden.
Fazit: Poker ist ein Spiel mit unvollständigen  Informationen. Umso mehr Informationen ich habe, desto  näher komme ich an die Wahrheit heran und somit erreicht man bessere Ergebnisse! 

 

Euer Ivo Donev - The Chess Master  www.ivodonev.com

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