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ivodonev blog

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Hallo liebe Leser,

jetzt möchte ich euch das Interessanteste von der Turnierwoche in Amsterdam berichten. Das Casino hat übrigens eine wunderschöne Lage an einem der vielen Kanäle, die es in Amsterdam gibt, es liegt am Max Euwe, einem Platz, der nach dem einzigen holländischen Schachweltmeister benannt wurde.

Die Turniere waren wunderbar organisiert, sie starteten alle um 14:00 Uhr mit einer langsamen Deepstack-Struktur. Darum waren wohl auch fast alle Turniere ausverkauft. Jeder, der ein Ticket für ein Turnier gekauft hatte, bekam dazu auch noch täglich einen Gratisbon für das Mittag- und Abendessen am Büfett plus zwei Getränke. Die Nichtraucher waren in diesem Casino bevorzugt (zu meinem Glück), denn das ganze Casino war rauchfrei und die Raucher wurden zum Rauchen in einen eigenen Raum verbannt.

Für das Main Event wurden mehrere Satellites durchgeführt, und ich war am 10.11. einer der 60 Satellite-Spieler, die ein Ticket (die ersten sechs Spieler erhielten ein Ticket) für das Main Event ergatterten. Für das diesjährige Main Event lag das Buy-in bei €6.200 und es gab 335 Teilnehmer aus der ganzen Welt.

Im Vergleich mit Andreas Krause, der einen sehr schweren Tisch erwischt hatte,(1.Eidsvig,2.Elky,3.Deeb,4.Krause,5Mizzi...)

war mein Tisch (zum Glück!) relativ leicht. Rechts von mir saß der mir bekannte Alex Leviev und links von mir Raul Paez, alle anderen Spieler waren unbekannte Gesichter für mich.

Wir starteten mit 12.000 Chips und Level eins begann mit Blinds von 25/50, wobei ein Level 90 Minuten dauerte. Ich muss zugeben, dass ich das Turnier nicht besonders gut startete, bis Level drei hatte ich einen Chipstand von nur ca. 10.500.

Hier eine Situation aus diesem Level (75/150): Alex raiste UTG 475, ich callte mit , alle bis zum Big Blind foldeten, ein Internetspieler (!) aus Holland, der plötzlich auf 1.500 erhöhte, Alex foldete schnell und ich begann zu grübeln. Ich nahm mir vor, nur zu callen, denn ich glaubte, er hätte zwei große ungepaarte Karten (wie AK oder AQ). Sollte am Flop ein As kommen, wollte ich folden (so mein Plan). Der Flop brachte , jetzt schob mein Gegner alle seine Chips in die Mitte, und zwar seine restlichen 3.300. Ich schaute nochmals meine Karten an (Fehler! Man muss sich seine Karten gleich genau merken!) und sah, dass eine der beiden Siebenen Karo war, die Potodds waren ca. 2:1 (ich sollte 3.300 für einen Pot von mehr als 6.600 bezahlen). So entschied ich mich, zwar mit einem unangenehmen Gefühl, zu callen mit der Hoffnung, dass ich, falls ein Karo kommen würde, den Pot gewinnen könnte. Beim Showdown drehte mein Gegner  um, also für mich die schlimmste Konstellation, die kommen konnte. Er hatte ein Overpair, und zudem auch einen größeren Flushdraw als ich. Was ist aber das Nützliche aus dieser Geschichte? Die Erkenntnis! - Ich hatte schlecht gespielt, und zwar waren meine Gedanken vor dem Flop falsch.

Kommentare im Nachhinein:

- 475 mit einem Paar gegen einen UTG-Raiser zu bezahlen, das ist o.k.

- Aber nach dem Shortstack ein Reraise vom Big Blind auf 1.500, als ich dachte, ich habe die Odds zu bezahlen, 1.075 für 2.550, das war ein großer Fehler!

- Ich hatte nämlich die Implied Odds (zukünftige Odds) vergessen, ich übersah, dass er nach dem Flop schon pot-committed war und dass er seine restlichen Chips in die Mitte schieben würde, gleichgültig, was am Flop kommen würde. So hätte ich vor dem Flop berechnen müssen, dass ich nicht nur 1.075 für für 2.550 bezahlte, sondern der Pot mich insgesamt 4.375 für 5.850 kostete.

- Meine Bezahlung des Raisers vor dem Flop war falsch (ich hätte ihm normalerweisse Folgendes geben müssen: entweder ein großes Paar oder zwei Overcards) und somit wurde ich bestraft und 4.785 Chips meines Stacks wurden dadurch verschleudert!

Dann kam die Pause und hinter mir am Nachbartisch sah ich etwas Seltsames. Es waren nur zwei Spieler im Pot, der bekannte englische Profi John D. und der in Schweiz lebende Sam El Sayed. Ich erlebte nur die Action am River mit. Bei einen Board von feuerte John D. seine letzten Chips (um die 11.000) in den Pot von circa 30.000. El Sayed begann zu zählen, wie viele  Chips ihm übrig bleiben würden, falls er bezahlte. Zu diesem Zeitpunkt hatte er einen Rest von über 20.000. John hatte die Absicht seines loose Gegner bemerkt und begann ihn zu manipulieren:

John: Jack ist nicht gut!

Sayed: Bist du sicher?

John: Ja, absolut, ich zeige es dir.

Sayed: Wirklich? Du zeigst mir, dass du AJ schlagen kannst?

John: Ja, ich verspreche es dir.

Sayed : O.k., ich folde meinen Jack, aber ich will deine Karten sehen.

John: O.k. (und drehte nachdem Sayed gefoldet hatte QT um – ein totaler Bluff!!!)

Sayed drehte fast durch, stand auf, murmelte "verrückt" und rannte aus dem Turniersaal …

John: Lügen ist Teil des Pokerspiels!

Meine Frage an die Leser: Habt ihr schon ähnliche Erfahrungen gemacht und wo liegt die Ethikgrenze beim Täuschen im Poker?

Spiel – mit einer gesehenen Karte:

Level fünf, Blinds: 150/300, ich saß am Button (mit circa 9.000 Chips im Stack) und alle foldeten zu mir. Ich sah, dass der Big Blind nicht an seinem Platz war, seine Karten wurden vom Dealer weggenommen, also war der einzige verbliebene Spieler der Small Blind Raul Paez (über 25.000 Chips), der momentane Chipleader an unserem Tisch. Ich schaute langsam meine Karten an, die erste Karte war …, dann raiste ich auf 800 ohne meine zweite Karte gesehen zu haben. Raul schaute mich kritisch an, ich las in seinen Augen "Ivo, klaue nicht meinen Blind!". Er callte und wir sahen beide den Flop ().
Erwartungsgemäß checkte Raul zu mir, und ich war mit dieser Aktion sofort einverstanden. Mein Plan war, auf diese Weise ein As in meiner Hand zu repräsentieren und slow zu playen. Falls Raul auf dem Turn anspielte, wollte ich ihn ein klein wenig raisen, um ihn zu überzeugen, dass ich das dritte As in der Hand hatte. Übrigens spiele ich so auch, wenn ich wirklich eine As in der Hand habe! Der Turn brachte aber noch ein As, das hatte ich natürlich nicht eingeplant.
Jetzt würde er mir wohl mit Recht nicht mehr glauben, dass ich eine As in der Hand hatte. Er checkte wieder. Jetzt dachte ich mir eine kleine Planänderung aus. Ich wollte ganz klein spielen mit der Absicht, dass ich ihn, falls er mich raisen würde, reraiste und so genug Chips für den River übrig haben würde (sozusagen um ein großes Paar zu repräsentieren). Ich spielte das Minimum von nur 300 in einen Pot von 1.900, Raul raiste mich sofort auf 1.100. Ohne eine Sekunde zu überlegen folgte ich meinem Plan und reraiste auf 2.200. Jetzt war Raul schockiert von meiner schnellen Aktion, er sagte: "Aha, Ivo, ich weiß, dass du keine As hast, aber wahrscheinlich hast du ein gutes Paar, und wenn ich richtig liege, dann bin ich drawing-dead."
Nach einem Seufzer zeigte er mir eine Acht und warf seine Karten in den Muck. Bevor ich meine Karten wegschmiss, sah ich meine zweite Karte noch an, es war eine Zwei. Eigentlich waren die Gedanken von Raul leicht nachvollziehbar, das Setzmuster von mir, Raise vor dem Flop, Check am Flop und Reraise am Turn wies darauf hin, dass ich im Minimum ein vernünftiges Paar in der Hand hatte. Und falls ich z. B. ein Paar Neunen oder ein Paar Zehnen in der Hand gehabt hätte, wäre er drawing-dead gewesen.

Ich möchte hier noch anmerken, dass ich nur in seltenen Fällen auf diese Weise spiele, und in diesen Fällen merkt mein Gegner nicht, dass ich nur eine, keine oder zwei Karten gesehen habe. Der Vorteil dieser Spielweise: Ich spiele bestimmte Turniersituationen und bestimmte Gegner in Position. Und noch etwas Wichtiges: Es ist wie eine Art Semi-Bluff, ich hatte viel mehr Mut zum Raisen und Wetten, als ich nur einen K sah (es besteht immer die Hoffnung, dass die zweite Beikarte auch gut ist), als wenn ich gewusst hätte, dass meine zweite Karte eine Zwei war.  

Nach mehreren Aufs und Abs war der erste Tag gegen Mitternacht beendet, ich ging dann als Shortstack mit 20.000 in den zweiten Tag.                            

Am diesem zweiten Tag saß ich an einem neuen Tisch, wo mehrere ziemlich loose Holländer mit größeren Stacks spielten. In Level 7 spielte ich fast gar nicht und nur durch Blinds und Antes (sowie durch den Verlust von 3.600 Chips in einem Pot mit gegen gegen einen Shortstack) einen großen Teil meines Stacks verloren. In Level 8 (mein Stack war um die 12.000) waren die Blinds 300/600 und die Ante bei 50. So hatte mich eine Runde 1.400 gekostet. Nach ungefähr einer halben Stunde geduldigen Spiels bekam ich endlich eine größere Hand in früherer Position, nämlich . Ich raiste auf 1.800 und alle foldeten bis zu den beiden Blinds, zwei extrem loose spielende Holländer, die sofort callten. Der Flop war wunderbar, keine Overcards, und zwar . Beide Blinds checkten zu mir, und mit großer Freude spielte ich eine Wette etwa in Potgröße, 6.000. Der Small Blind (Mit einem Chipstack von über 30.000) fragte, wie viele Chips ich noch hatte, ich sagte freundlich, dass es noch 4.000 wären. Das reichte ihm, um einen doppelten Raise zu machen, er raiste auf 12.000. Der Big Blind foldete und ich war sofort mit seinem Betrag einverstanden und schob meine restlichen 4.000 in die Mitte. Meine Hoffnung war, dass er kein Top Two Pair ( in seiner Hand war eine Möglichkeit) floppte. Ich drehte mein Damenpaar um, und er sagte: "Nice hand, aber ich habe viele Outs", und drehte um. Der Turn war blank, aber der River brachte einen K. Und so war ich nach fast zwei Tagen hartem Kampf beim Main Event als 128. ausgeschieden.

Ich möchte noch betonen, dass ich diesen letzten Verlust mit den gegen nicht als die entscheidende Hand für das Ausscheiden aus dem Turnier betrachte. Der Hauptgrund meines Ausscheidens war, dass ich es nicht geschafft hatte, meinen Stack innerhalb von acht Levels aufzubauen. Es geht nicht , dass man mit 12.000 Chips startet (Blinds: 25/50) und nach acht Levels (Blinds: 300/600) wieder auf demselben Chipstand steht. Da man in diesem Fall Shortstack ist, ist es nur eine Frage der Zeit, bis einem eine schwächere Hand mit einem größeren Stack einen Bad Beat verpasst.

Das Schöne an der ganzen Geschichte ist, dass ich durch mein Ausscheiden die Möglichkeit hatte, am nächsten Tag das zweitgrößte Turnier mit €2.600 Buy-in mitzumachen und dort sogar im Preissgeld landen konnte. 

Über dieses Turnier und einige sehr lehrreiche Situationen werde ich in meinem nächsten Beitrag berichten.

Fazit: Mein Motto ist: Ich kann in jedem Turnier Erfahrung sammeln und etwas Neues dazulernen! Übung macht den Meister!   

Einige Leser fragten nach mehr Infos über mich. Hier einige Links, unter denen man mehr über mich erfahren und lesen kann: 

http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_bekannter_Pokerspieler

http://de.wikipedia.org/wiki/Ivo_Donev

http://team.intellipoker.com/index.php/2008/02/26/ivo-donev-der-schach-poker-meister/

http://pokerdb.thehendonmob.com/player.php?a=r&n=71

http://www.ivodonev.com/cgi-php-bin/index.php

Euer Ivo - The Chess Master

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