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ivodonev blog

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 Hallo liebe Leser,

 heute möchte ich über die Turnierwoche im September im Casino Bregenz bei der Bodensee-Pokermeisterschaft berichten.

Wahrscheinlich stellen sich manche Spieler die Frage, ob der Pokerboom wohl vorbei sei, weil dieses Mal kein Turnier die Hundertermarke erreichen konnte. Zum Vergleich dazu war das Main Event im Februar (Buy-in: €2.000) mit 223 Teilnehmern voll ausgebucht. Im September war wieder das Main Event (Buy-in: €1.500) das beliebteste und meistbesuchte Event, aber nur 97 Teilnehmer waren diesmal am Start. Wahrscheinlich haben am Ende des Sommers nicht viele Pokerspieler Zeit oder Geld übrig (nach dem Urlaub) für größere Pokerturniere - oder wird die Wirtschaftslage in Mitteleuropa wirklich immer enger?

Ich werde mit Interesse eure Meinungen über dieses Thema lesen.

Bei solchen Turnierwochen habe ich es mir zum Ziel gesetzt, mich lediglich auf das Main Event zu konzentrieren und die Teilnahme an den kleineren Side-Events zu minimieren. Der Hauptgrund dafür ist natürlich klar die bessere Struktur beim Main Event im Vergleich zu den kleineren Nebenturnieren.

Wir starteten das Turnier mit 10.000 Startchips, 45-min-Levels und bei Level eins mit Blinds von 25/50. Ich saß an einem Tisch auf Platz 8 mit drei bekannten Spielern, die oft bei europäischen Turnieren anzutreffen sind: auf Platz eins Rein Zijda, auf Platz zwei Rino Mathis und auf Platz sieben Heinz Kamutzki. Alle diese drei Spieler meines Tisches haben, nebenbei gesagt, den Finaltisch erreicht!

Für mich hat das Turnier leider nicht lange gedauert, denn ich wurde schon in Level fünf eliminiert. Trotzdem habe ich über eine interessante Hand zu berichten, die für manch einen lehrreich sein könnte. Darum konzentriere ich mich in diesem Beitrag nur auf diese eine Hand, aber dafür detailliert und unter Erörterung eines wichtigen strategischen Elementes.

 

Squeezeplay

Ein wichtiges, aber auch riskantes Bluff-Element im Turnierpoker ist das Squeezeplay (to squeeze = auspressen, zerdrücken). Bei diesem Bluff mache ich ein großes Reraise, wenn schon im Minimum zwei Leute im Pot sind, von denen ein Spieler geraist und der andere/die anderen gecallt hat/haben.

Level fünf, 150/300 und Ante 25, im Pot waren also schon 700.

Ich war UTG mit , eine schwer zu spielende Hand in früher Position. Ist es möglich, mit einem Suited-As in früherer Position klein zu raisen (zu riskant), zu folden (sicherer) oder einfach zu limpen und zu versuchen, billig den Flop zu sehen? Natürlich ist es mit einer solchen Hand nicht das Hauptziel, ein As zu floppen (bringt meistens Schwierigkeiten wegen schwacher Kicker!), sondern einen Flush, eine Straße, zwei Paare oder einen Flushdraw zu hitten. In der Praxis habe ich oft erlebt, wie profitabel Action zu bekommen ist, wenn man mit einem Suited-As einen Flush floppt (oder später vervollständigt), weil man meistens eine gute Auszahlung von anderen kleineren Flushes bekommt, und dazu sind die Implied Odds auch noch groß.

Also limpte ich 300 mit meinem Unter-Average-Stack von 7.500. Nach mir unterstützte noch ein Spieler (mit kleinerem Stack) meine Entscheidung, aber der Spieler auf Platz eins, der Holländer Zijda (mit circa 16 000), wollte sich uns (den Limpern) nicht anschließen und verlangte ziemlich viel, um den Flop zu sehen, nämlich 1.500. Nach ihm steckte auf Platz zwei PokerStars-Pro Rino Mathis in der Klemme zwischen zwei Limpern und einem kräftigen Raiser, aber nach kurzer Überlegung war er mit der Entscheidung von Raiser Zijda einverstanden.Also für mich klare Hinweis (zu 90% ),dass Rino keine Top Hand ( A A oder K K) hat. Die restlichen Spieler hatten das faule Ei gerochen und sich aus dem Staub gemacht. Jetzt war ich an der Reihe. Die ersten Gedanken waren, na ja, starker Raiser und Caller, eine klare Sache, beide haben sicher eine bessere Hand als mein schwaches As, also folden. Aber STOPP! Im Pot waren 4.300, was eine große Unterstützung für meinen Stack sein würde, falls ich den Pot irgendwie gewinnen konnte. Jetzt wurde ich plötzlich gierig. Ich zählte langsam meine Chips, um Zeit zu gewinnen und die Situation richtig einzuschätzen zu können. Was würde passieren, wenn ich jetzt kräftig reraiste, nämlich all-in auf 7.500? Auf diese Weise würde ich eine sehr gute Hand repräsentieren. Dann würden sich die beiden Spieler (Achtung, Rein und Rino sind gute Spieler und können folden!) vermutlich denken: Ivo hat UTG gelimpt und jetzt ein kräftiges Reraise gemacht, also ist es gut möglich, dass er eine Premiumhand hat.

In diesem für mich schweren Moment kam der Floorman an unseren Tisch und begann, die Chiphalter zu verteilen mit der Absicht, nach dieser Hand unseren Tisch aufzulösen. Mir ist bekannt, dass, bevor ein Tisch bei einem Turnier aufgelöst wird, die Spieler nur bereit sind, Tophände zu spielen, weil sie nach dieser Hand einen neuen Tisch (mit neuer Hoffnung!) bekommen. So gedacht - so getan. Ich schob meinen gesamten Stack in die Mitte. Der Limper nach mir war sofort out und auch Rein gab nach kurzer Überlegung seine Hand auf. Nach dem Spiel hat er mir verraten, dass er ein Paar Buben gefoldet hatte! Jetzt war Rino an der Reihe. Wahrscheinlich dachte er, dass seine Hand gut genug war, um den ersten Raise zu callen, aber jetzt hatte er es mit einem Reraise eines UTG-Limpers mit einem echten Problem zu tun. Nach langem Überlegen und der Aussage ,,O.k., einmal gamblen“ callte schließlich Rino, der zu dieser Zeit ca. 17.000 in Chips vor sich platziert hatte. Beim Showdown lag Rino logischerweise vorn, mit seiner gegen meine , mit etwa 66 % zu 29 %.

Auf dem Board tauchten eine Dame und zwei Herzkarten auf, aber der River war so schwarz wie das Ende für mich. Das war das einzige Mal in diesem Turnier, dass ich ein Squeeze gemacht hatte, und das leider mit traurigem Ende.

 

Trotzdem ist es ein wunderbares Gefühl, wenn ein Squeeze erfolgreich durchgeführt wird, weil man auf diese Weise die Blinds gewinnt, dazu die Antes und die investierten Preflop-Chips von den Raisern und den Callern.

Jedoch gibt es ein paar Sachen, die man beachten muss, um diesen Bluff erfolgreich auszuüben. 

a) Es gibt einige Wege, um ein Squeezeplay durchzuführen:

- in späterer Position oder in den Blinds hoch zu raisen, wenn schon einer der Spieler geraist und im Minimum einer gecallt hat

- in früherer Position zu limpen und, falls jemand raist und jemand callt, wieder hoch zu reraisen, um eine Tophand zu repräsentieren. Sehr oft signalisiert ein früher Limp/ein frühes Reraise AA, KK, AKs, darum ist es meiner Meinung nach ein stärkeres Spiel als der Standard-Squeeze-Reraise.

b) Ich brauche ein solides Tischimage, am besten als tighter Player. Versuche den Squeeze nie, wenn du nach einem Bluff erwischt wurdest.

c) Ich muss überzeugt sein, dass der erste Raiser keine sehr starke Hand (wie AA, KK …) hat und dass er mein Reraise sicher callen wird.

d) Der zweite Spieler muss den Raise callen und nicht selbst reraisen. Wenn er selbst raist, hat er vermutlich eine sehr gute Hand, die er nicht folden wird.

e) Für ein Squeezeplay sind theoretisch viele Karten geeignet, weil es das Ziel ist, den Pot vor dem Flop zu gewinnen! Als Notbremse, falls man gecallt wird, ist es gut, wenn man zwei Karten mit Potenzial hat, wie eben ein As mit kleinem Suited-Kicker wie A5, A4, A3, weil zusätzlich zu dem Flush auch eine Straße möglich ist. Mit so einer Hand hat man im Minimum immer rund 30 % gegen alle Kartenkombinationen, ausgenommen gegen AA, z. B. gegen KK (33 % gegen 66 %) und gegen AK (30 % gegen 66 %). Die anderen Karten, die ebenfalls für dieses Ziel geeignet sind, sind die mittleren Suited Connectors, wie , , usw.

f) Ich persönlich versuche den Squeeze selten, also ca. ein- bis dreimal während eines Turniers. Dieses große Manöver muss gut vorbereitet werden und darf nicht durchschaubar sein. Darum ist es logisch, dass es, je seltener ich so ein Manöver mache, desto schwerer wird, von meinen Gegnern erwischt zu werden. Aber wenn ich erwischt werde, kann es mich einen großen Teil meines Stacks oder sogar meine gesamten Chips kosten.

Hier ein klassisches Squeezeplay Beispiel: WSOP 2004

Ich würde mich freuen, wenn ihr, liebe Leser, eigene Beispiele für Squeezeplay, gern aus eurem eigenen Erfahrungsschatz, beschreiben würdet.

Am Schluss möchte ich dem Jungen Deutsche Spieler Niko Senninger (aus Lindau) für seinen überragenden Sieg beim Main Event recht herzlich gratulieren!

Euer Ivo - "The Chess Master "

P.S.Liebe Leser,

Ich danke für ihre interessanten Kommentare, ich lese sie immer fast alle mit Interesse durch. Es  ist klar dass es immer verschiedene Meinungen geben wird, das ist ganz normal. Zu meiner Hand möchte ich noch sagen, dass es während dem Spiel fast unmöglich ist alle Komponenten perfekt auszurechnen. In meinem Fall, wenn Rino mir eine der TOP 4 Hände (AA,KK,QQ,AK) gibt dann sind die Pot Odds  1 zu 1,9 - zu wenig ,denn gegen die obengenannten 4 Hände liegt A Q weit hinten  und er hat im besten Fall (gegen QQ) nur 30% (Pot Odds 2,3 zu 1). Aber das sind Vermutungen und es gibt auch andere Komponenten die einen Spieler bei seinen Entscheidungen beeinflussen, wie das Image des Spieler, die Stack Grösse, Position, die Tagesverfassung,  Sympathie (!) gegenüber einem Spieler usw. Ich behaupte nicht dass ich ein perfektes Squeeze Play gemacht habe (wobei es fast  geklappt hat!), weil ich viele Entscheidungen intuitiv treffe und fast nie alle Komponente perfekt ausrechnen kann. Für mich ist die Hauptidee euch meine Gedanken offen vorzustellen und durch  Diskussionen und Analysen kann jeder für sich Verbesserungen im eigenen Spiel erreichen. DANKE!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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