javascriptNotEnabled

Home \ Community \ Blogs \

ivodonev blog

ivodonev blog
Send PM
/Sep/2008

Das Main Event und … die schwarzen Asse!

Von: ivodonev @ 04:51 (CEST) / 17 / Kommentar ( 385 )

Hallo liebe Leser,

beim Main Event im Casino Bregenz waren 84 begeisterte Pokerspieler dabei, die ein Buy-in von €1.500 für ein hochklassiges Pokerturnier bezahlt hatten. Das Turnier war unter der ausgezeichneten Leitung von Joe Fuchshofer und Ivo Mayerhofer organisiert und startete um 14 Uhr mit 10.000 Startchips und 45-Minuten-Levels (1. Level 25/50, 2. Level 50/100 usw.).

Ich war an einem Tisch auf Platz 4 mit Dr. Big (Platz 1), dem Boss der Poker-Bundesliga in Berlin, der in diesem Jahr bereits viele Erfolge gefeiert hat, Amir (Platz 5) aus Hamburg, der Stammgast bei solchen Turnieren ist, Marco Liesy, der bekannte FullTilt-Pro (Platz 6). Auf Platz 7 war eine unbekannter looser Spieler (aus Exjugoslawien). Auf Platz 8 war Constantin Mayer, mein "Henker" vom Final Table vom €1.000-Turnier, auf Platz 10 war Dr. Michael Keiner.

In Level 8 (Blinds: 400/800, Ante: 100), Averagestack ca. 28.000, bekam ich in früher Position zum ersten Mal in diesem Turnier zwei schwarze Asse. Ich raiste auf 2.400 und die beiden nächsten Spieler foldeten, aber der loose spielende, serbokroatisch sprechende Spieler mit wenig Erfahrung callte. Zu diesem Zeitpunkt hatte mein Gegner noch ca. 16.000 an Chips und ich über 35.000. Der Tisch war in dieser Phase relativ tight, deshalb foldeten die anderen Spieler ziemlich schnell. Somit war ich heads-up mit diesem Spieler. Im Pot waren somit 6.800 (2.400 + 2.400 + SB 400 + BB 800 + Ante 800). Der Flop brachte . Ich dachte, das Beste sei, direkt in diesen Flop zu betten, aber nicht sehr viel, sodass mein Gegner denken würde, ich mache nur einen Continuation-Bet. Ich bettete 3.500 – also ein bisschen mehr als die Hälfte des Pots. 

Nach ganz kurzer Überlegung callte mein Gegner, was zu seiner loosen Spielweise passte. Auf dem Turn kam . Das war für mich eine gute Karte, weil

  1. ich nun einen Nut-Flush-Draw hatte.
  2. es sein könnte, dass mein Gegner mit zwei Overcards callte, (z.B. , , …), hätte er jetzt etwas getroffen.
  3. ich, sogar, wenn er schon einen Flush zusammenhätte, immer noch die Chance auf einen Nutflush am River hätte.
  4. ich deutlich mehr Chips als er hatte, somit konnte ich ein gewisses Risiko eingehen.

Mein Gegner hatte noch um die 12.500 Chips und ich überlegte kurz, womit ich die besseren Chancen hätte, ihn um seinen gesamten Stack zu erleichtern. Ich hatte zwei Optionen: a)wetten oder b) checken.

    Der Pot in Höhe von 14.000 war ein bisschen größer als der Stack meines Gegners. Das bedeutete, es war egal, ob ich die Hälfte des Pots spielen würde oder gleich All-in setzte, da er, wenn er die Hälfte des Pots bezahlt hätte, zu pot-committed gewesen wäre, um auf dem River noch zu folden. Wenn er einen Draw gehabt hätte, hätte er bei einer großen Wette wahrscheinlich gefoldet. Was würde aber passieren, wenn ich checkte? Es hätte ja sein können, dass er auch einen Flushdraw (z.B. mit etwas wie oder ) oder eine Dame gtroffen hatte und nun versuchte, mich aus dem Pot zu drängen. Aus den oben genannten Gründen hatte ich keine Angst, gegen Mr. Loose freie Karte zu geben. Eigentlich passt es zum Stil eines loosen Spielers, eine große Wette zu bringen, wenn er beim Gegner wegen eines Checks Schwäche vermutet. Darum dachte ich in dieser Situation, dass ein Check viel profitabler wäre als zu wetten. Wenn ich keine . gehabt  hätte, wäre vermutlich eine große Wette auf dem Turn richtig gewesen. Ich checkte also.

    Wie erwartet schob mein Gegner sofort fast alle seine Chips in die Mitte, ohne "all-in" zu sagen. Ich fragte den Dealer, wie viele Chips das wären – es waren 12.000. Na ja, dachte ich, jetzt müssen die Asse doch einmal in so einem Schlüsselpot etwas bringen. Ich hatte beim vorherigen Turnier mit Assen am Final Table bei einem Schlüsselpot alles verloren.

    Ich ging all-in und mein Gegner war völlig geschockt, weil er offensichtlich erwartet hatte, dass ich folden würde. Nun begann er zu überlegen, ob er seine restlichen 500 Chips auch setzen sollte. Nach kurzem Überlegen und einem Seufzer schob er frustriert seine restlichen Chips in den Pot (ca. 38.500). Ich drehte meine Asse um und zu meinem Erstaunen drehte mein Gegner um. Ich war sehr glücklich, dass ich absolut richtig gespielt und auch das Maximum mit meiner vorteilhaften Hand herausgeholt hatte.

    <font size="5"><font size="2">
    (Sorry, dass das Foto nicht sehr gut ist)</font>
    </font>

    Mein Gegner war bereits bereit zu gehen, er war aufgestanden und hatte sich seine Jacke angezogen, als der Dealer ganz schnell die letzte Karte umdrehte – es war wie ein Stich in mein Herz – . Ich konnte meinen Augen nicht trauen, er hatte eines seiner drei Outs getroffen, die ich ihm eine Straße brachten, und ich hatte schon wieder mit Assen einen dicken Schlüsselpot verloren.

    Manche Leute werden jetzt vielleicht sagen: Ivo ist selbst schuld, er wollte einen Fisch fangen und ist dabei selbst zum gefangenen Fisch geworden. Aber ich sage immer: Mathematisch ist es richtig, als Favorit in einer Hand zu versuchen, möglichst viel Geld in den Pot zu locken und in dieser Situation war ich vor dem Flop mit 88 % zu 12 %, nach dem Flop mit 84 % zu 16 % und nach dem Turn mit 93,3 % zu 6,7 % Favorit.

    Zum Vergleich: Wenn man mit gegen vor dem Flop all-in geht, hat die schwächere Hand meistens (ganz selten spielen Straße und Flush eine Rolle) nur drei Outs (die drei Damen), um am Flop, Turn oder River zu treffen. Das entspricht einer Wahrscheinlichkeit von circa 75 % zu 25 %. Hier ist gegen   nur mit 3:1 Favorit, oben aber (gegen drei Outs nach dem Turn) bin ich mit 14:1 Favorit! Das ist ein großer Unterschied.

    Nach weiteren zehn Minuten war ich im Big Blind (800) mit 19.000 Chips mit . Der gleiche Spieler wie vorhin raiste in früher Position und alle schmissen bis zu mir weg. Ich callte nur, weil mein Stack deutlich unter Average war (es waren die letzten drei Tische), in der Hoffnung, dass ich am Flop treffen würde und meinen looser Gegner dann ausspielen könnte.

    Der Flop brachte (rainbow). Dieser Flop gefiel mir, ich hatte Toppaar mit gutem Kicker und Inside-Straightdraw. Ich checkte, weil ich sah, dass Mr. Loose die Chips bereits zum Setzen vorbereitet hatte. Er spielte die Hälfte des Pots und ich ging nach kurzer Überlegung all-in. Er callte sofort.

    Leider hatte er nicht wie erhofft ein As mit schwachem Kicker (was typisch für einen loosen Spieler gewesen wäre), sondern einen Drilling Zehnen. Auf Turn und River kamen kleine Karten ( und ) und somit war ich als 29. des Main Events ausgeschieden.

    Wenn man mit zwei Assen als großer Favorit zweimal bei den Schlüsselpots verliert, ist das ein Zeichen für einen schlechten Lauf (z.B. habe ich seit Februar in Innsbruck trotz mehrere Final Tables kein großes Turnier gewonnen).

    Als ich am Abend nach Hause kam, schaute ich mir den Film vom Turnier "Monte Carlo Millions 2004" an und was ich sah, war erstaunlich: Die gleiche Hand, mit der ich ausgeschieden war, spielte sich vier Jahre zuvor zwischen Dan Alspach () und Tom Franklin () ab. Unglaublich. Auch das Setzmuster war praktisch gleich: Am Flop () ging das ganze Geld in den Pot. Auf diese Weise gewann wieder der Drilling Zehnen einen Riesenpot gegen , weil auf Turn und River und kamen.

    Fazit: Manche Situationen und Hände im Poker wiederholen sich in identischer Weise im Lauf der Zeit.

    Nächste Woche werde ich zur Turnierwoche nach Varna (Goldstrand/Grand Hotel International) fliegen und anschließend werde ich direkt von dort nach London fliegen, wo ich die WSOPE H.O.R.S.E. spielen werde, und ich bin sicher, dass ich spannende Berichte für meine Intellipoker-Leser bereithalten werde.

     

    Euer Ivo The Chess Master ©

    In order to comment, you must login or register
    Quiz
    Neu hier? Nimm an unserem Einstufungstest teil und starte so deine Pokerausbildung.
    Schon Mitglied? Melde dich hier an
    javascriptNotEnabled
    Lerne Von Einsteiger- bis zu Expertenstrategien
    Trainiere Verbessere dein Können mit Hilfe unserer Trainer
    Gewinne! Etabliere dich als Gewinner