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/Jan/2010

Dem Tod knapp entronnen/Stop-and-Go-Strategien

Von: ivodonev @ 16:07 (CET) / 8 / Kommentar ( 22 )

Hallo liebe Leser,

das neue Jahr hat äußerst heftig für mich begonnen! Normalerweise schreibe ich überwiegend über meine Turniererlebnisse, aber nun habe ich etwas so Krasses erlebt, das muss ich einfach mit euch teilen.

<i>Ein Horrortrip</i>

Freitag, der 08.01.2010: Ich fuhr mit meinem Auto (Toyota Prius Hybrid) auf der Autobahn A96 von Lindau nach München zum Flughafen. Das Wetter war nicht besonders freundlich und gegen 17:30 Uhr begann es zu regnen. Der Straßenbelag wurde aufgrund der niedrigen Temperaturen ziemlich glatt. Ich fuhr auf der linken Autobahnspur und war voll mit den Gedanken an meinen neuen Intelli-Beitrag "Stop&Go" beschäftigt. Plötzlich (etwa 50 km vor München) tauchte von der rechten Spur wie ein Blitz aus heiterem Himmel ein schwarzer Audi auf und schleuderte auf meine Spur und blieb dort quer stehen! Alles ging sekundenschnell. Ich knallte voll in die Seite des Audis, der sich aufgrund der glatten Straße dann wie ein Kreisel umherdrehte. Mit meinem Bremsmanöver konnte ich den wuchtigen Zusammenprall leider nicht vermeiden.

Mein Auto wurde mehrere Meter auf die rechte Spur zwischen andere tanzende und sich küssende Autos geschleudert und kam auf der langsamen Spur zum Stillstand. In diesem Moment hörte ich nichts als schlimme Geräusche wie Bremsenquietschen und zusammenprallende Autos, mein Auto wurde stark in Mitleidenschaft gezogen.
 

                                                     Hier mein Auto (Toyota Prius Hybrid) nach dem Unfall

Glück im Unglück

Später habe ich erfahren, dass in diese Karambolage 20 Autos verwickelt waren. Wie ein Wunder waren keine Toten zu beklagen, sondern es gab lediglich einige Leichtverletzte. Ich stand unter großem Schock und konnte mein Auto von der lebensgefährlichen Stelle nicht fortbewegen. Was tut man in einer solchen Situation? Sollte ich aussteigen und wegrennen oder in meinem Auto bleiben und hoffen, dass die anderen Autos mich nicht trafen? Zum Glück hat mich niemand getroffen, aber trotzdem hatte ich ein schlimmes Gefühl, als ob ich einen brutalen Bad Beat erlitten hätte: Ich bin nur mit einem Schock und keinem Kratzer davongekommen, aber mein Auto war ein Totalschaden. Dazu kam der Gedanke, wie zerbrechlich und wertvoll das menschliche Leben ist! Ich hoffe, dass meine Geschichte nicht langweilig für euch ist, zumal sie mit dem Pokerspiel gar nichts zu tun hat. Aber ein solches Schockerlebnis – ich hätte dabei umkommen können – ist überwältigend, ich wollte es durch dieses Forum mit vielen Menschen teilen. Irgendwie war hier für kurze Zeit mein Leben sozusagen auf "Stop&Go“! <i>Es lebe das Leben!</i>

Leider ist am gleichen Abend der bekannte Pokerspieler Amir Vahedi (mit über 3 Millionen Dollar an Preisgeldgewinnen in Turnieren) mit erst 58 Jahren (vermutlich) an Diabetes gestorben. Ich spielte mit Amir mehrere Male bei WSOP-Turnieren. Beim Limit Hold'em bei der WSOP 2009 saß ich mit ihm viele Stunden am gleichen Tisch. Schon in Level 3 war er der große Chipleader und nur einige Level später war er ausgeschieden! Aber das war kein Zufall, ihm passierte das oft. Im Limit Hold'em als Chipleader kannst du nicht wegen ein bis zwei Bad Beats ausscheiden, sondern Amir hat viele Hände extrem loose (sogar mehrere Trouble-Hände) gespielt. Für mich war es kein Wunder, dass es in der letzten Zeit finanziell ziemlich schlecht um Amir gestanden hatte. Hier für viele Leser ein unbekanntes Detail: Mein Pokerfreund Greg Müller (ein zweifacher Bracelet-Gewinner!) hat mir erzählt, dass er persönlich Amir oft vor der Pleite gerettet hatte.

FAZIT: Meiner Meinung nach sitzt man beim Pokerspiel einfach zu viel und zu lange an irgendwelchen Tischen herum, was zur Folge hat, dass man zu wenig Bewegung bekommt. Dazu kommt, dass viele Pokerspieler, die bereits Erfolge hatten, immer noch mehr Pokerturniere spielen und durch die Welt reisen mit der logischen Konsequenz, dass die Jetlags sich vermehren. Diese Spieler haben ihr Körpergefühl verloren, sie hören nicht mehr in ihren Körper hinein. Die Fitness bleibt auf der Strecke und anstatt am Zielort angekommen den Körper zu trainieren, müssen sie sich ausruhen und übergeben den Körper tatenlos dem Schlaf und dem Essen. Ein Verfall des Körpers und auch des Geistes ist vorprogrammiert. Für manche Pokerspieler ist dies ein Teufelskreis, der manchmal sogar mit Gehirnschlag oder einer anderen Krankheit endet. Das kann doch wohl nicht der Sinn unseres so schönen, spannenden und herausfordernden Spiels sein – schade darum!

 

<i>Stop-&-Go-Pokerstrategien </i>

Am 1. Januar 2010 war wie immer Poker im Casino Bregenz angesagt.

Für mich ist das wie ein Pokerturnier-Abo – Wow, eine neue Idee: Was haltet ihr davon, wenn man beispielsweise im Casino Bregenz ein Abo für 10 oder 20 Pokerturniere für ein Jahr kaufen könnte so wie bei einem Fitnesscenter ein großes Ticket mit mehreren Einheiten und dafür günstiger als wenn man den Eintritt einzeln bezahlt?

Ich spielte also das Freitagsturnier im Casino Bregenz. Ich genoss die neue Struktur (10.000 Startchips für €300 Buy-in im Freeze-out-Modus) und schaffte es ohne große Schwierigkeiten an den Finaltisch (10 Spieler, aber nur 6 Preise). In diesem Moment war die Blind-Struktur (2.000/4.000 mit 500er-Ante) im Vergleich zu meinem Stack (ca. 42.000, aber einige Spieler waren auch short wie ich) gigantisch. Stefan G. – der zukünftige Sieger dieses Turniers (in diesem Moment mit schätzungsweise nur ein paar mehr Chips als ich) – raiste in später Position auf 11.000. Alle foldeten zu mir im Big Blind und ich fand eine sehr schwer zu spielende Hand: . Nun – was tun?

a) Reraise-All-in
b) Call
c) Fold
 

Ich begann zu grübeln.

a) Reraise-All-in: Falls ich mit meinem kleinen Paar all-in spielte, wollte ich den Pot natürlich sofort gewinnen. Aber in diesem Fall sah ich keine Fold Equity bei meinem Gegner. Im Pot waren 7.000 (Ante) + 11.000 (Raise) + 42.000 (von mir) = 60.000. Mein Gegner musste 31.000 bringen, um 60.000 zu gewinnen. Das gab ihm Potodds von fast 2:1. Und wenn er ein mittleres oder großes Paar hatte, würde er absolut sicher callen. Falls er zwei große Karten hatte (etwas wie A X oder KQ), dann wäre der Call auch richtig, da er einen Coinflip hatte. Falls ich also sichergehen konnte, dass er auf mein Raise-All-in hin callen würde, wäre mein Zug schlecht gewesen, einfach weil ich das Turnier riskiert hätte in einer Situation, in der ich nie vorn liegen konnte – im besten Fall ein Coinflip.   b) Call – aber hier gab es folgende Probleme:

- Wenn ich sogar ein Set am Flop getroffen hätte, wäre mein Stack zu klein gewesen und ich hätte kein Implied Odds gehabt.

- Ich konnte mein Set in nur ca. 1 von 8 Flops treffen, aber es war fast sicher, dass am Flop drei Overcards auftauchen würden.

- Ich musste während der ganzen Hand out-of-position sein.

Aber trotzdem, auch wenn das Out-of-position-Sein fast immer ein Nachteil ist, es gibt ein strategisches Element, auf das ich hier zurückgreifen kann: das sogenannte Stop&Go, das ich nur out-of-position anwenden kann, weil ich dann am Flop "first-to-act" bin.

Also konnte ich jetzt callen mit der Absicht, am Flop meine gesamte restliche Munition abzuschießen. Ziel dieser Taktik ist es, den Gegenspieler am Flop zum Folden zu bringen. Das hieße Call mit 11.000 (der Pot war jetzt 29.000 groß) und am Flop die restlichen 31.000 zu spielen. Auf diese Weise konnte ich hoffen, dass mein Gegner nicht getroffen hatte und nicht bezahlen würde. Beispielsweise konnte mein Gegner so etwas wie AK oder AQ haben. Wenn am Flop drei Babykarten, etwa 2 5 7, gekommen wären, hätte ich all-in spielen und damit meinen Gegner vor große Probleme stellen können, mit zwei Overcards zu bezahlen.Wenn er natürlich vor dem Flop ein großes Paar hatte, wäre ich so oder so auf verlorenem Posten gewesen, aber jetzt, mit nur zwei Overcards, hatte mein Gegner um die 25 % (er brauchte also Potodds von 3:1) und die Potodds waren gegen 2:1, das bedeutete 33 %. In einem solchen Fall, wenn er trotzdem mit den zwei Overcards bezahlt hätte, wäre es ein mathematischer Fehler gewesen. Falls ich vor dem Flop all-in gespielt hätte, wäre es für meinen Gegner leicht gewesen, mit AK oder AQ  und jedes Paar zu callen.Oder der Flop kommt A 9 6 ( wie oben genannte Autobahn A96!) und ich spiele all-in, hat mein Gegner das Problem sogar mit Karten wie K K oder Q Q zu bezahlen.

c) Fold – Weil ich zu lange überlegt hatte, war der Floorman gekommen und ich stand unter Zeitdruck: Eine Minute bis zur Entscheidung oder meine Hand wäre tot. Wie üblich in solchen Fällen (unter Zeitdruck) greift man zur Notbremse und foldet. Leider war das die letzte Möglichkeit für mich, Stop&Go zu anwenden. Ich hoffte, dass ich bald eine bessere Möglichkeit bekommen würde, meine Chips in die Mitte zu schieben. Und tatsächlich: Nach kurzer Zeit fand ich in mittlerer Position und mit meinem M von 3 (bei so niedrigem M muss man jedes Paar all-in schieben, außer wenn schon jemand großes Interesse an dem Pot gezeigt hat) schob ich schnell meine Chips in die Mitte. Nach mir freute sich ein Schweizer riesig und unterstützte mich mit einem Reraise-All-in. Alle foldeten und erwartungsgemäß verlor ich mit meinem Fünfenpaar gegen das schweizerische Zehnenpaar. So schied ich zwei Plätze vor dem Preisgeld aus. Aber das machte nichts, das Pokerjahr 2010 hatte gerade erst – für mich fulminant – begonnen! 

 

Euer Ivo "The Chess Master"

 

 
Könnt ihr euch vorstellen, auf diesem Platz Fußball zu spielen?

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