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/Dez/2009

Der Trip nach Wien/Strategien gegen Freizeitspieler

Von: ivodonev @ 22:15 (CET) / 144 / Kommentar ( 9 )

Anfang Dezember wurde ich in Österreich zu zwei kleinen Turnieren (mit je einem Rebuy und einem Add-on) nach Wiener Neustadt (50 Euro Rebuy/Add-on) sowie in das Casino Montesino in Wien (200 Euro Rebuy/Add-on) eingeladen. Leider konnte ich das Deepstack-Main-Event (€2.000 Buy-in) in Montesino nicht spielen, denn ich hatte schon im Voraus am gleichen Wochenende für ein Pokerseminar (siehe Bild unten) bei der Poker-Bundesliga in Düsseldorf zugesagt.

 

<h4>A. Wiener Neustadt, 5./6. Dezember</h4>

Das Casino ist wunderschön und groß, mit einem riesigen Raum, wo ein Buffet für die hungrigen Pokerspieler angerichtet war.

Von den gestarteten 360 Spielern waren an Tag 2 nur 100 verblieben und ich konnte voll dabeisein mit 85.000 an der fünften Stelle. Weil der größte Teil der Spieler an meinem Tisch Freizeitspieler war, passte ich meine Strategie dementsprechend an.

a. Ich begann looser vor dem Flop  zu spielen, um mehr Flops in Position zu sehen.
b. Ich vermied vor dem Flop große Aktionen ( Big Rerais oder All in), um sozusagen den Glücksfaktor zu reduzieren.

Ein Beispiel: Jemand hatte hoch vor dem Flop geraist ich war hinter ihm mit A K. In einer solchen Situation ist gegen schwächere und aggressive Gegner nur ein Flatcall am besten, nämlich mit der Absicht, dass ich, wenn ich kein A K am Flop sehe und mein Gegner hoch wettet,einfach folden. Auf diese Weise konnte ich auch die großen Preflop-All-ins, meistens Coinflip-Situationen, vermeiden.

Hier eine seltene, aber interessante Situation: An einem der letzten drei Tische, Blinds: 400/800, Ante: 100, war ich mit über Averagestack, und links von mir saß ein Spieler, der gerade ein große Hand verloren hatte und nur 1.600 Restchips hatte. Er war leicht in einer Art Tilt-Situation und verkündigte laut, dass er bei der nächsten Hand all-in in the dark gehe, egal was passieren würde. In diesem Moment bekam ich UTG die ,,King Kongs". Was sollte ich tun? Mein Gegner hatte die Chips in seiner Hand und wartete ungeduldig auf meine Entscheidung. Ich dachte daran zu limpen. Falls mein linker Hilfsmitarbeiter all-in spielen würde, hätte ich so plötzlich das letzte Word in dieser Runde – mit einer Monsterhand. Ich limpte und wie geplant schob mein linker Nachbar ohne in seine Karten zu schauen alle seine Chips in die Mitte. Zu meiner Freude waren es noch drei Spieler, die seine Tat unterstützten und jetzt kam der absolute Hammer: Der Big Blind, ein Squeeze-Liebhaber, dachte daran, den fetten Pot ohne Kampf zu kassieren und schob etwa 18.000 bis 20.000 Chips in die Mitte. Ich konnte sehen, dass er mit fast der Hälfte seines Stacks drin war,darum reraiste ich all in. Alle Limper waren sofort weg, aber der Squeeze-Liebhaber konnte nicht loslassen und callte mit seinen restlichen Chips, um die 20.000, all-in mit Pocket 5 5 und sagte: „Hoffentlich hast du A K!“
Meine Könige hielten und so wurde ich Chipleader, was schlussendlich zu einem geteilten ersten Platz führte.

<h4>B. Montesino, 7. Dezember</h4>

Für solche Turniere – mit einem Rebuy und einem Add-on – habe ich mir folgende Strategie ausgedacht:

1 . In der Rebuy-Phase die Draw Hände aggressiv spielen. Falls der Draw platzt, mache ich ein Rebuy. Nachher aber muss ich eine Stufe zurück, um unbedingt bis zum Add-on zu überleben.
2 . Am Ende der Rebuy-Phase, falls ich diese noch nicht ausgenutzt habe, mache ich das Rebuy und unbedingt das Add-on!Fuer Add-on gibt es mehr Chips!

Irgendwann nach Mitternacht wurden von den gestarteten 97 Spielern die letzten zwei Tische mit je acht Spielern besetzt. Es gab aber nur zehn Preise.

Ich war in diesem Moment einer von den Chipleadern mit ca. 80.000. Wenn ich keine Hand spielte, konnte ich warscheinlich in der Preisrange landen. Der Tisch war ziemlich aggressiv, darum passte ich auf, keine falschen Schritte zu machen. Plötzlich hatte ich eine große Hand mit Q Q. Die Blinds waren 800/1.600, Ante: 200.

Ein Shortstack (um die 20.000) in früher Position raiste all-in. Ich war der einzige Spieler am Tisch, der mit diesem Betrag einverstanden war. Wir sahen zu zweit (ich , er ) den Flop: . Wow, ich floppte die Nuts! Dann kamen zwei schwarze Karten (ohne dass das Board sich paarte), und mir wurde schwarz vor Augen. Mein Gegner hatte A 8, aber in Kreuz, und somit hatte er sich einen Nutflush gebastelt.

Okay, jetzt lag ich noch leicht über Average. Nach einigen Händen kam die zweite Schlüsselhand. Ich war am Button. Alle foldeten bis zum Cut-off, einem älteren Herrn (mit ihm habe ich schon oft Seven Card Stud gespielt), der relativ solides, geradliniges Poker spielte. Er limpte (!) und ich dachte, na ja, er hatte sicher zwei große Karten oder ein kleines Paar. Mit einem großen Paar hätte er wahrscheinlich in später Position geraist. Ich schaute meine Karten an: , ziemlich schlecht zum Callen, weil so auf alle Fälle die Blinds mitgehen würden und die Baby-Suited-Connectors standen sehr schlecht gegen mehrere (in diese Fall drei) Gegner. Zu folden wäre einfach und sicher. Es gab aber einen dritten Weg zu spielen, nämlich raisen mit dem Ziel, den Limper zu isolieren. So bliebe ich wahrscheinlich (falls ich kein Reraise bekommen würde) heads-up in Position gegen einen „durchsichtigen/leicht lesbaren“ Gegner.

Gedacht, getan! Ich raiste auf 2,5 BB. Die beiden Blinds zeigten kein Interesse zu der Aktion und es blieb nur der ursprüngliche Limper zur Entscheidung. Er callte ziemlich schnell. Jetzt war ich absolut sicher, dass er kein Paar hatte, sondern wahrscheinlich ein As mit großem Kicker. Der Flop war sehr rot, wie beim Sonnenuntergang: - Bingo! Ich hatte einen Volltreffer gelandet und einen Flush gefloppt. Und das Schöne an dieser Situation war, dass mein Gegner sofort die halbe Potgröße wettete, so gegen die 8.000.

Was bedeutete diese Wette? Für mich bedeutet es, dass mein Gegner im Minimum ein Toppaar mit sehr gutem Kicker hatte, also A K oder A Q oder  A mit Kicker . Hm, aber wenn er ein As getroffen hatte, bedeutete das, dass er keinen Flush hatte!

Fazit: Natürlich man kann nie zu 100 % sicher sein, dass ein Gegner eine bestimmte Hand nicht haben kann. Aber Poker ist ein Spiel mit unvollständigen Informationen, die in der Theorie der Wahrscheinlichkeiten, Erwartungen und Vermutungen eine sehr große Rolle spielen!

So, ich dachte jetzt, am besten ist es, all-in zu spielen, weil ich fast sicher die beste Hand hatte und mein Gegner nie vermuten würde, dass ich einen fertigen Flush gefloppt hatte! Ich raiste all-in und wie erwartet schob mein Gegner sofort sein Stack in die Mitte und drehte stolz seine Ass mit gutem Kicker, nämlich Q um (für zwei Paare), ich meinerseits . Er sagte: „Das gibt’s nicht, ich hätte niemals gedacht, dass du mit so etwas raist“.

Ich ging sofort weg von Tisch, weil viele Zuschauer gekommen waren. Der Pot war über 100.000, also das Doppelte vom Durchschnittsstack. Das Schlimme war, dass der Turn eine Dame war, und ich hörte nur das „Wow“ von den Zuschauern. In diesem Moment kam der Spieler, der im Big Blind war, zu mir und bedankte sich dafür dass ich ihn gerettet hatte. Er sagte: „Ich hätte den König-Flush gefloppt und dein Schicksal mit dir geteilt“.

So war mein hoher Flug in einem brutalen Absturz beendet, erst nahezu Chipleader mit zwei Bombenhänden und dann doch vor dem Geld ausgeschieden. So hart habe ich das selten erlebt. Aber so ist Poker eben manchmal.
Wichtig ist, dass ich gesund bin und mich auf die kommende EPT Deauville (20. Januar 2010) freue.

Schöne Feiertage an alle Leser!

Euer Ivo - „The Chess Master"

                                                                         
Zum Schluss ein Bild, das ich von meinem Cousin (Expokerspieler) als Geschenk erhielt. So aufregend und gefährlich könnte eine private Pokerpartie aussehen!

 

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