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ivodonev blog

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Wir spielten an Tisch 25 in Level zwei schon etwa 20 Minuten, als Folgendes passierte: Ich war im Big Blind mit (der Lieblingshand von Phil Hellmut, mit der er 1989 Weltmeister geworden ist).
Der 73-jährige englische Businessman Stuart Wheeler ( http://www.stuartwheeler.co.uk/) hat in früher Position auf 700 geraist, alle haben bis zu mir gepasst und ich habe mich entschieden, meine Blinds zu verteidigen. Ein mittleres Paar out-of-position (gegen einen Early-Position-Raiser) ist nicht schwer zu spielen, entweder du triffst dein Set oder du triffst es nicht und gibst wahrscheinlich auf.
Der Flop war . Ich checkte, mein Gegner spielte nach kurzer Überlegung nur 500 (in einem Pot von 1.500, also gab mir das Potodds von 500 zu 2.000 oder 1 zu 4). Jetzt wusste ich nicht, ob er ein großes Paar (AA, KK, QQ, JJ, TT) hatte oder ob er einen Conti-Bet mit zwei großen Karten (z. B. AK, AQ, AJ) machen würde. Die einfachste Lösung war es, zu passen. Falls ich nur callte, würde ich keine weitere Info über die Hand erhalten und am Turn wieder out-of-position mit einem mittleren Paar dastehen und null Info über seine Hand haben.
Nach kurzer Überlegung fand ich es am besten, ein kleines (tricky) Raise zu setzen (um mehr Infos einzuholen). Falls er mich nochmals reraiste, konnte ich so ruhig meine Hand aufgeben, darum habe ich ihn auf 1.500 geraist. Er hat ziemlich schnell gecallt. Jetzt war ich mir relativ sicher, dass er ein großes Paar hielt (und dass ich in diesem Moment geschlagen war) und am Turn auf mich wartete. Am Turn geschah dann ein Wunder und der Dealer drehte um - Bingo! (Zwei Neunen waren in den restlichen 47 ungesehenen Karten!) Ich hatte mein Second Top Set getroffen, jeder weiß, dass dies im No-Limit Hold'em eine sehr starke Hand ist. Ich checkte (seine Hand hatte schon nach den gelben Chips gegriffen!) und wie erwartet wettete mein Gegner 3.000. Mit Freude raiste ich auf 9.000 (so war ich pot-committed, weil fast die Hälfte meines Stacks schon im Pot war) und plötzlich reraiste mich mein Gegner auf 20.000. Na ja, habe ich mir intuitiv  gedacht, ich gehe all-in und schaue, was für ein großes Paar mein Gegner hat. Die einzige Hand, die die Straße gemacht hätte, war die , und die konnte ich ausschließen (denn er war kein "tricky" Player: Mit einer solchen Hand hätte er mich wahrscheinlich nicht vor dem Flop geraist und am Flop mein Reraise dann nicht bezahlen können). Und so entschloss ich mich, all-in zu gehen. Er callte sofort. Jetzt habe ich in Gedanken gebetet: Bitte lieber Opa, zeig mir die Asse!
Wow, was für eine schlime Überraschung, als er seine Karten umdrehte, es waren   (er hatte also einen Drilling Zehnen)! In diesem Moment war ich wie zu Gips erstarrt, ich konnte nicht sprechen, mich nicht bewegen, wie vom Blitz getroffen!!! In solchen Turnieren ist Set over Set ziemlich selten, und in diesen Situationen sind fast immer beide Spieler all-in. Und das war somit, schon in Level zwei (verlorener Pot: ca. 50.000 bei Blinds von nur 100/200!!!), das Ende für mich.

Zur Erinnerung habe ich folgendes Foto gemacht:

                

 

                    

Weil ich mir nicht sicher war, ob ich mich von dieser verflixten Situation irgendwie hätte retten können, habe ich im Nachhinein diese Hand mit meinem langjährigen Freund, dem Expokerweltmeister Carlos Mortensen (El Matador) detailliert analysiert. Er sagte zu mir: "Ivo, Set over Set im No-Limit Hold'em ist wie eine Wolfsfalle, ich hätte genau wie du gespielt und ich glaube nicht, dass jemand anderes in einer solchen Situation seine Chips hätte retten können."

Jetzt möchte ich euch aber dennoch sagen, dass ich in diesem Turnier sicherlich nicht nur Pech gehabt habe, denn ich habe bestimmt auch mehrere Fehler begangen und mehrere Möglichkeiten verpasst! Ich schreibe mir immer alle Fehler und unklaren Situationen, bei denen ich mir nicht ganz sicher bin, auf und wenn ich zuhause bin, analysiere ich sie systematisch. Und irgendwann bei Gelegenheit bespreche ich diese Dinge mit starken Turnierspielern wie Mortensen, Luske, T. J. Cloutier etc.

Zwei Tage später habe ich die Gelegenheit gehabt, stundenlang über die Schulter von Carlos Mortensen beim WSOP Main Event (Tag 1C) zu sehen und sein Spiel zu beobachten, er hat mir sogar manchmal seine verdeckten Karten gezeigt. Es ist schier unglaublich, aber im ersten Level fiel sein Stack von 20.000 Chips auf ca. 8.000 ab. In den nächsten drei bis vier Stunden jedoch übernahm er das volle Kommando über den Tisch und baute seinen Stack mit mehreren erfolgreichen Bluffs auf 140.000 auf. Und ich habe verstanden, dass Tournament-Poker noch viel tiefer geht und noch wesentlich interessanter ist als ich bisher gedacht hatte. Er hat extrem loose-aggressiv und sehr viele Hände gespielt, nach einer bestimmten Zeit hatten die meisten seiner Gegner offensichtlich Angst vor ihm, weil er A) Chipleader am Tisch war und seine Chips vor sich hochstapelte, was sehr beeindruckend aussah, und B) jeder am Tisch wusste, wer Carlos Mortensen ist und die Leute vor seinen Raises Respekt hatten.

Hier ist ein krasses Beispiel: Ein Spieler raiste in früherer Position, Carlos callte nach ihm mit , alle foldeten. Der Flop brachte , der ursprüngliche Raiser wettete ungefähr die Hälfte des Pots und Carlos hat nicht einmal gezögert und ihn auf das zweieinhalbfache seiner Wette geraist. Sein Gegner dachte kurz nach und gab mit offensichtlicher Unlust seine Hand auf. So hat Carlos sich den Pot mit Bube hoch eingestrichen (reiner Bluff). Ich persönlich bin schon oft in ähnlichen Situationen gewesen, habe aber den Pot meist aufgegeben und wagte es nicht zu bluffen. In diesen paar Stunden, in denen ich Mortensen beobachten durfte, habe ich unbeschreiblich viel gelernt und wieder eine neue Seite an Poker entdeckt. Carlos Mortensen sagte mir, ich solle an alle IntelliPoker-Leser einen Gruß ausrichten, was ich somit gern mache.

                            
                        

Fazit: In No-Limit-Hold'em-Turnieren bekommt jeder Spieler einige Bad Beats (manche weniger, manche mehr, aber niemand ist dagegen abgesichert!), die Hauptfrage dabei ist, wann du diese Bad Beats bekommst. Wenn du ein Shortstack bist, dann wird es das Ende für dich sein, falls du ein Bigstack bist, kostet dich der Bad Beat einen Teil von deinem Stack, aber du lebst weiter. Ohne mehrere erfolgreiche Bluffs kann man beim NL Hold'em nicht gewinnen!

PS: Eigentlich , mathematisch gesehen  um das Risiko des Ausscheidens bei einem NL-Hold'em-Turnier auf null zu minimieren, kann man theoretisch nur am River mit Nuts all-in ( natürlich ist das utopisch und passiert selten, ich bitte mich richtig zu verstehen) gehen ... Was meinen die Leser?

Euer Ivo - The Chess Master 

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