javascriptNotEnabled

Home \ Community \ Blogs \

ivodonev blog

ivodonev blog
Send PM
/Nov/2008

EPT Budapest - Teil 1/Strategien gegen Annette

Von: ivodonev @ 23:07 (CET) / 13 / Kommentar ( 165 )

Hallo an alle Pokerfreunde!

Ihr kennt alle meinen vorherigen Beitrag, in dem ich berichtete, dass ich bei der ETP Budapest am ersten Tag gestartet bin. Wir begannen mit einem Deepstack von 10.000 Startchips, bei Level eins mit 25/50 für eine Stunde. Mein erster Tisch war mit starken und schwachen Spielern besetzt und daher bunt gemischt. Ich saß an Tisch 13 auf Platz drei, auf Platz vier war Nico Behling, David Kitai hatte Platz fünf, auf Platz sechs war Jonas Klausen, dazu kamen noch ein paar unbekannte Spieler.

             

                             

Ich hatte mein Stack konstant aufgebaut, ohne größere Pots zu spielen. So hatte ich während des Tags 1B folgenden Chipstand:

L1 = 10.000; L 2 =13.000; L3 = 18.000; L4 = 35.000 ... L8 = 49.300 

Im Level vier war ich am Button mit , als der Ausruf „Letzte Hand vor dem Break“ kam. Ich raiste auf 600. Der Small Blind foldete, aber der BB, David Kitai (Bracelet-Gewinner bei der WSOP 2008 im Juni und Finalteilnehmer bei der EPT Barcelona im September), blickte mich verdächtig an und erhöhte auf 1.700. Ich callte ruhig, weil ich vermutete, dass er denken würde, dass ich in dieser Situation aus folgenden Gründen auf Stehlen aus sein müsste:

A) Ich war am Button und B) es war eine Pause angesagt worden und viele Spieler waren frühzeitig aufgestanden oder bereits am Weggehen.

Der Flop: . David feuerte einen Contibet von 1.700 ab. Ich callte wieder, obwohl ich nicht wusste, ob er eine große Hand hatte oder durch seinen Contibet eine große Hand repräsentieren wollte.

Turn: . Er checkte vorsichtiger, offensichtlich wegen meines schnellen Calls vor und nach dem Flop. Ich hatte eigentlich keinen Grund, in diesem frühen Stadium einen großen Pot zu spielen, aber ich nahm gern die freie Karte.

River: ! Er checkte wieder und ich ebenfalls. Er zeigte mir . Ich hatte mit meinem Paar gewonnen. Vielleicht sollte ich am River einen Bet abfeuern, um mehr Chips zu gewinnen …

In Level fünf (150/300) raiste ich mit UTG auf 900. Hinter mir war ein tschechischer unerfahrener Spieler namens Radek, der nur rund 8.000 in Chips hatte, er begann intensiv nachzudenken, ich dachte, er würde Minimum callen oder reraisen.

                

 

                            
Schließlich callte er, alle anderen Spieler foldeten bis zum Big Blind, der ebenfalls callte. Der Flop war: .

Wow, Volltreffer, ich hatte das Set aus Vieren! Der Big Blind checkte, ich ebenfalls, Radek war jedoch nicht einverstanden und feuerte eine fette Wette von über 3.000 in den Pot. Der Big Blind löste sich in Staub auf. Jetzt war ich dran.

Was für eine Hand hatte Radek wohl, wenn er 3.000 von seinen restlichen 7.100 in die Mitte schob? Es musste wohl ein As mit einem hohen Kicker wie oder :Dx sein. Ich dachte mir, egal, wie ich spielen würde, er würde sich nicht mehr von diesem Pot trennen können. Ich ging all-in mit folgenden Überlegungen:

a) Ich war mir sicher, dass er pot-committed war und callen würde.

b) Falls ich nur callte , konnte ein Herz kommen oder die Komplettierung einer Straße, was ihn erschrecken könnte.

c) Wenn ich all-in ging, könnte er denken, ich hätte einen Flushdraw.

Mein Gegner überlegte lange und schaute mehrmals seine Karten und das Board an. Schließlich warf er offen  in die Mitte des Tisches.

Ich war über diesen gigantischen Lay-down erstaunt und total von den Socken!!!

Er sollte mit seinem Toppaar und Top Kicker als Shortstack 4.100 nachzahlen für einen Pot von ca. 14.000. Ich bin sicher, dass nur rund ein bis zwei Prozent der Spieler in einer solchen Situation diesen Laydown gemacht hätten. Da dieser Spieler ziemlich neu am Tisch war, konnte ich nicht richtig nachvollziehen, ob dieser Lay-down auf einen Superspieler oder Laien zurückzuführen war, vielleicht war es aber auch ein Zufall.

Eine Weile später callte er im BB im Gegensatz zu oben besprochener Situation mit zwei Buben nach einem Raise UTG.

                                    

 

                    

Der Flop war , er checkte, sein Gegner ging all-in und er callte mit den beiden Buben, was für mich unverständlich war. Trotzdem hat er mit einer Backdoor-Straße gewonnen. Dahinter steckte für mich keinerlei Logik, ich konnte mit diesem Vorgehen nichts anfangen, denn auf diese Weise bekommt man keine Informationen, die auf eine bestimmte Spielweise schließen lassen.

Wie man sieht, ändert sich das Bild über die eigenen Gegner ständig, während man mit mehreren Spieler lange Zeit in einem Turnier spielt, und zwar basierend auf den Spielweisen der Spieler, sogar wenn man nicht selbst in die Hand verwickelt ist!

An meinem Tisch war ein für mich sehr unangenehmer dänischer Spieler namens Jonas Klausen, der immer gegen mich gewonnen hatte, und das als Folge meiner Spielweise, obwohl ich diese geändert hatte und vorsichtiger geworden war.

Hier ein kleines Beispiel:

Ich war in Level sechs (150/300/Ante: 25) im BB mit . Jonas raiste in später Position auf 900, ein Spieler nach ihm callte und die restlichen Spieler foldeten zu mir. Ich überlegte in diesem Moment kurz, in mir sprachen zwei innere Stimmen, eine "mutige" und eine "vorsichtige". Eine der Stimmen sagte zu mir: "Ivo, Vorsicht, gegen Jonas hast du bis jetzt immer verloren. Kein Risiko eingehen! Nur callen, um den Flop billig zu sehen!" Die "mutige" Stimme sagte zu mir: "Ivo, Jonas raiste in später Position, er könnte mit jedem oder kleinerem Paar ein solches Spiel machen. Der Spieler hinter ihm hat nur gecallt, was wahrscheinlich ein Hinweis auf eine nicht zu starke Hand ist. Ivo, dein Paar ist momentan die beste Hand, reraise hoch genug, um die Chips in der Mitte sofort zu gewinnen!"
Wegen meiner vorsichtigen Spielweise callte ich nur. Dies war ein kleiner Fehler von mir! Ich dachte, auf diese Weise (out-of-postion!) den Flop billig zu sehen. Leider war dies falsch!

Der Flop war , ich checkte, mein Gegner wettete, der nächste Spieler foldete und ich foldete mein Paar Zehnen offen. Jonas zeigte mir seinerseits .

Fazit: Mittlere Paare out-of-position muss man vor dem Flop meistens aggressiv spielen und versuchen, somit den Pot sofort an sich zu reißen.

Bis zu Level acht entwickelte ich meinen Stack konstant bis auf 49.000, das war das Ende des ersten Tages.

Nach dem Turnier bin ich sofort zum Schlafen ins Hotel gegangen. Überhaupt hatte ich geplant, während der gesamten EPT Budapest keine  Side-Events und Cashgames zu spielen. So konnte ich mich voll auf den Main Event konzentrieren.

Als ich am zweiten Tag zu meinem neuen Tisch kam, erlebte ich eine große Überraschung!

Ich hatte einen sehr schweren Tisch erwischt, aber das Gute daran war, dass der Superstar, die aggressive Annette, rechts von mir saß. Die Infos, die ich an Tag eins gesammelt hatte, konnte ich jetzt voll ausnutzen. Ich wusste sehr viel über den Spielstil von Annette und sie gar nichts über mich!

           

                    

Auf diesem Foto sieht man sogar, dass ich das Glück hatte, beim Start von Tag zwei den Button zu bekommen. Annette spielte sehr gut den sogenannten "kleinen Ball"-Spielstil. Falls sie in später Position war und niemand im Pot war, raiste sie demnach sehr oft und zwar sehr niedrig (um zwei bis 2,5 BB). So gewann sie meistens entweder einen kleinen Pot ohne Flop oder spielte in Position, was sie oft ausgezeichnet ausnutzte!

Mir war klar, dass sie momentan der bessere Spieler beim NL Hold'em als ich war. Hier mein Plan mit folgenden Ideen:

A) zu vermeiden, mit Annette viele Flops zu spielen

B)  Respekt vor ihren Raises zu zeigen und regelmäßig nach ihren Raises Grenzhände zu folden

C)  Erst nach einer bestimmten Zeit, wenn sie den Eindruck hat, dass mein Spiel solide wäre, den Gang zu wechseln und ab und zu durch kleine Reraises den Pot sofort einzustreichen

D)  auf diese Weise Annette beständig unter Druck zu setzen und ihre aktive Spielweise so auszubremsen

Gespannt ging ich mit diesen Gedanken in Tag zwei …

           

Fragen und Antworten:

Von Werhamster

Hallo Ivo,
ich habe eben in die Liste der Chipstände bei der EPT in Budapest an Tag 1B geguckt und gesehen, dass deine Nationalität mit "Israel" bezeichnet ist, was die Chipcounttabelle auf PokerStarsBlog.com angeht. Kommst du wirklich aus Israel???
Ich dachte, dass du Österreicher bist. Stimmt das etwa nicht?

Antwort: Hallo Werhamster,

das war sicher ein Fehler. Ich wohne seit mehr als 18 Jahren in Österreich (Vorarlberg - 3 km von Lindau am Bodensee entfernt) und ich bin nur österreichischer Staatsbürger! Damals bei der Einbürgerung war es nicht erlaubt, eine doppelte Staatsbürgerschaft (österreichische und bulgarische) zu beantragen und so habe ich meinen alten bulgarischen Pass abgegeben.  

Das Schreiben meiner Beiträge für IntelliPoker fällt mir nicht sehr leicht, da ich die deutsche Sprache nicht perfekt beherrsche (meine Muttersprache ist Bulgarisch), aber dafür kann ich weitere Fremdsprachen: Russisch, Englisch und Serbokroatisch.

Von Geniusjan 

Ach ja der Ivo mal wieder...ich fass mal kurz zusammen:
1. Hand J8 vs T 7 Flop T 7 8....beide all in turn J....-->9 outs
2. Hand AQ vs 44 preflop all ins Flop A..blanks....--> 6 outs
3. Hand 33 vs 99 preflop all ins turn 3....--> 2 outs
4. Hand 99 vs QQ preflop all ins Flop 9xx river 9 --> 2 outs

„.. dies zeigt mal wieder das es bei einem großen Turnier auch sehr viel auf Glück ankommt, und um zu gewinnen bzw deep ins geld zu kommen muss man das eine oder andere suckout verteilen! .....“

Antwort: Hallo Geniusjan,

die oben erwähnten Hände sind an TAG 2 und TAG 3 passiert. Ich werde diese und einige Suck-outs, die ich verteilt und bekommen habe, in meinem nächsten Beitrag erläutern.

Leider sind die Journalisten (die meistens keine Profipokerspieler gewesen sind!) sehr oberflächlich bei der Beschreibung von interessanten Händen bei der EPT.

Es kann sein, dass sie von einem Spieler meistens die Beat Beads und von einem anderen nur die Suck-outs beschreiben. Auf diese Weise können sie die Meinung des Lesers (hoffentlich ohne Absicht) manipulieren.

Fazit: Während eines mehrere Tage andauernden Turniers bekommt jeder Spieler mehrere Bad Beats und Glückstreffer, die Verteilung ist rein zufällig. Der Grund dafür ist, dass der Vorteil im Hold'em meistens so klein ist und oft beim All-in vor dem Flop (meistens in späteren Turnierphasen!) beide Spieler fünf Karten sehen. Sogar bei dem relativ großen Vorteil von großen Paaren gegen kleine Paare (80 % zu 20 %) sind die größeren Paare nur 4:1 Favorit!

Euer Ivo – The Chess Master

Am Ende noch ein Paar schöne Bilder:

              

In order to comment, you must login or register
Quiz
Neu hier? Nimm an unserem Einstufungstest teil und starte so deine Pokerausbildung.
Schon Mitglied? Melde dich hier an
javascriptNotEnabled
Lerne Von Einsteiger- bis zu Expertenstrategien
Trainiere Verbessere dein Können mit Hilfe unserer Trainer
Gewinne! Etabliere dich als Gewinner
/beliebt/
Hand der Woche – Ace Jack suit... In der neusten Pokerhandanalyse der Woche geht es um Ass-Bube suited ( ...
Mehr