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ivodonev blog

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Hallo alle miteinander,

in Level 13 (1.000/2.000, Ante: 200) wurde ich an einen neuen Tisch umgesetzt, hinter mir saßen leider mehrere große Stacks und noch schlimmer: sehr aggressive Spieler. Es wurde vor dem Flop fast immer geraist und wenn ich im Big Blind war, wurde zu 100 % geraist! Ich spielte zurückhaltend und meine Chips begannen zu schmelzen wie Schnee in der Sonne.
Dann war ich wieder im Big Blind und ich erwartete das übliche Raise von jemanden und zwei unspielbare schlechte Karte bei mir. Überraschenderweise foldeten alle bis zum Button, der Shortstack mit ca. 18.000 war. Er dachte wieder nach und zählte wieder und wieder seine Chips und schaute immer wieder auf den Stack vom Small Blind (ein Holländer, der tight wie Beton spielte) und zu mir. Für mich war klar, dass er all-in gehen würde, weil in der Mitte schon 5.000 totes Geld lagen. Sein Stack verlangte nach einem All-in-Move. Wollte er nur eine kurze Show abziehen? Überraschung: Er foldete und der solide Holländer ebenfalls. Wow, bingo, an diesem Tag zwei wurde zum ersten Mal zu mir im Big Blind von allen Spielern gefoldet. Ich war so glücklich, dass ich zu meinem Stack 5.000 ohne Kampf dazulegen konnte und wollte meine Karten ohne sie anzusehen folden, aber der Button fragte mich auf Englisch, ob ich gute Karten hätte. Dann drehte ich meine Karten um und wäre fast vom Stuhl gefallen, es waren zwei Asse!!! Unglaublich! Ich war wie vom Blitz getroffen! Aber so ist Poker! In den letzten paar Stunden hatte ich zweimal Asse bekommen. Das erste Mal hatte ich gegen Q-9 verloren und jetzt im Big Blind null Aktion bekommen.

Fazit: Poker ist manchmal grausam, oft äußerst hart und unvorhersehbar, aber trotzdem ein schönes Spiel! Wir sind dankbar für diese schönen Adrenalinschübe!

Nun kam die schwierigste Zeit in diesem Turnier, weil alle restlichen Spieler kurz davor standen, ins Geld zu kommen. Dadurch wurde enormer Druck auf die Spieler ausgeübt, die Shortstacks waren. Die Situation war folgende: Die Blinds waren nun so hoch, dass die Spieler mit kleinen Stacks nur all-in gehen oder folden konnten. Dabei kam es nun immer häufiger zu Situationen, in denen der Glückfaktor mehr Bedeutung bekam, weil nach dem All-in und Call von einem Spieler beide Spieler die fünf Karten am Board sahen, ohne die Möglichkeit, durch Setzen die eigenen Karten zu schützen. In dieser Phase gehörte ich auch zu den Shortstacks, mit ca. 40.000 bis 50.000 Chips.

 In Level 15 (1.500/3.000, Ante: 300) raiste der Chipleader under-the-gun (UTG) an meinem Tisch (ein wilder junger Skandinavier) auf 10.000. Ich war nach ihm an der Reihe, mit A-Q und einem Stack von rund 48.000. Ich überlegte lange, ob ich ein All-in machen sollte. Schlussendlich foldete ich aufgrund folgender Überlegungen:

a.     Die Fold Equity war in dieser Situation zu klein, weil er fünfmal mehr Chips hatte als ich. Außerdem schien er eine vernünftige Hand zu haben mit seinem Raise UTG.

b.     Ich wollte ein Risiko ausschalten, um zwei Level im Preisgeld aufzusteigen. Wir waren nun 50 Spieler und falls ich unter die letzten 48 Spieler kommen würde, wäre mein Preisgeld von €7.700 auf €9.300 gestiegen.

Nach meinem Fold warfen alle Spieler ihre Karten weg und der Chipleader drehte voller Stolz zwei Fünfen um.
             

Das Hotel, wo die PokerStars-Spieler einquartiert waren

         
Nachdem ich an Tag drei  mit den letzten 47 Spielern als einer mit dem kleinsten Stack (56.500) gestartet war, ernährte ich mich vorerst nur von Brot und Wasser. Ich war extrem geduldig und vorsichtig. Nur durch Blind-Stehlen konnte ich meinen Stack leicht auf 70.000 verbessern.

In Level 17 (2.500/5.000, Ante: 500) raiste der Italiener Isaia UTG auf 14.500. Alle foldeten zu mir und ich hatte im BB ein Paar Siebenen. Eine neue Entscheidung war gefragt: Mit 55.000 all-in gehen oder folden?

a.     Die Fold Equity war wieder zu klein und falls er callen würde, wäre mein Maximum ein Coinflip gewesen.

b.     Wir waren nun 33 Spieler und ab Platz 32 gab es €1.800 mehr Preisgeld.

Aufgrund dieser Überlegungen foldete ich wieder und zeigte mein Paar Siebenen, Isaia zeigte mir aus Achtung A-10.

Durch diese beiden Beispiele blieb ich durch Vermeiden eines Risikos im Spiel, und zwar mit der Hoffnung, dass ich ab jetzt bessere Karten und Situationen erwischen würde. Leider war dies nicht der Fall.

Der Leser wird nun auch verstehen, warum ich diese Überlegungen mit dem Folden zum Erlangen eines höheren Levels machte:

Fazit: Ich bezahle meine Spesen und die Buy-ins aus eigener Tasche und muss auf jede höhere Preisgeldstufe hinarbeiten, ganz im Gegensatz zu einem Millionär, der in solchen Situation ohne Zögern seinen Stack in die Mitte schieben kann.

In Level 18 (3.000/6.000, Ante: 500) waren nur noch 28 Spieler (vier Tische mit je sieben Spielern) von gestarteten 645 übrig.

An meinem Tisch klarer Chipleader war Moritz Kranich, der über 400.000 in Chips hatte. Er spielte ziemlich viele Hände (das verstand ich vollkommen) und raiste oft. In dieser Hand war ich im Big Blind und Moritz raiste in mittlerer Position auf 16.000. Alle foldeten zu mir. Ich sah bei mir mit ein ziemlich gutes Blatt für meinen Stack! Mein Image war sehr tight. An diesem Tisch hatte ich überhaupt nur einmal gepusht und nachdem alle gefoldet hatten, zeigte ich AK. Mit meinem Stack konnte ich maximal 5,6 Runden (70.000 : 12.500 = 5,6) abwarten, bevor ich ausgeblindet war. Jetzt hatte ich drei Möglichkeiten:

a)     meinen Blind aufzugeben und zu folden. So konnte ich noch einige Hände abwarten, bevor ich pushen würde.

b)    zu callen und zu hoffen, mich auf dem Flop zu verbessern. Das gefiel mir nicht so gut, weil ich out-of-position (ohne Info über sein Hand) gegen den Chipleader bleiben würde.

c)     zu reraisen, und zwar all-in. Hier wird es sehr interessant.

Die Gründe für einen All-in-Push:

-         Ich hatte ein sehr tightes Image und wenn er nachdächte, konnte er mich auf eine gute Hand setzen.

-         Aufgrund seiner loosen Spielweise und seines Chipstandes konnte Moritz mit A x (ich war besser als A-2, A-3, A-4, A-5, A-6, A-7, A-8, A-9 und schlechter als A-J, A-Q, A-K) und jedem kleinen oder mittleren Paar sowie zwei Bildkarten ohne As raisen. Gegen diese breite Palette an Händen von Moriz hatten meine A-T also sehr gute Chancen!

-         Mein Reraise wäre von 16.000 auf 70.000 all-in gewesen und um den Flop zu sehen, hätte er noch 54.000 nachzahlen müssen.

Die Gründe gegen einen All-in-Push:

-         Falls ich verlor, wäre ich aus dem Turnier raus gewesen!

-         Moritz war Chipleader, hatte gerade einen guten Lauf und konnte leicht callen mit seinem riesigen Chipsberg.

-         Er hätte 54.000 zahlen müssen, um 92.500 zu gewinnen, was ihm Potodds von 1 zu 1,7 gegeben hätte.

-         Falls er verlor, wäre er im Turnier verblieben und sein Stack wäre nur um rund 20 % kleiner gewesen.

Der Rest ist schon Geschichte. Moritz hatte und callte mein Reraise. Somit war ich nur mit 57 % gegen 43 % Favorit und sein Call war mathematisch (wenn er die Karten weiß) richtig. Der Dealer legte am Flop sofort einen König in die Mitte. Keine Hilfe für Ivo auf Turn und River, ich musste meinen Stuhl räumen (der 28. Platz hat immerhin €12.400 Preisgeld gebracht) und war somit aus dem Turnier ausgeschieden. (siehe Poker-Today-Video)

Moritz hat sogar das Turnier gewonnen und €850.000 mit nach Deutschland genommen. Glückwunsch!

Das Leben geht weiter und ich hoffe, dass ich irgendwann einmal bei einem großen Turnier endlich wieder am Final Table sitzen werde.

Euer Ivo – The Chess Master

                

 

    Michael D. und Ivo D.

Fragen und Antworten:

von wolfchaoS04: Die Frage zu der braunen Lederjacke, ist sie so eine Art Glücksbringer?

Antwort: Meine braune Lederjacke habe ich bei der WSOPE in London (September 2008) getragen und … bin mit ihr Vizeweltmeister im H.O.R.S.E. geworden. Seitdem habe ich eine Sympathie zu dieser Jacke entwickelt und darum trage ich sie oft bei Turnieren. Aber mein echter Glücksbringer ist ein Pokerchip mit dem Foto meiner Familie. 

von SmokAces: Die eigentliche Frage ist doch: Warum Chess Master? Hat er denn mal irgendwann erfolgreich Schach gespielt?

Antwort: Ja, ich war über 25 Jahre lang Schachprofi (seit 1990 bin ich Internationaler Schachmeister). Im Jahr 1997 habe ich in der 1. Schachbundesliga für den Schachklub Eppingen (bei Stuttgart) gespielt. In den letzten zehn Jahren spiele ich aber mehr Poker und Schach nur noch gelegentlich (in der Landesliga Vorarlberg).

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