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/Mär/2009

EPT Dortmund ‒ Die Qualen des Shortstack-Spiels!

Von: ivodonev @ 16:37 (CET) / 7783 / Kommentar ( 105 )

Zur Organisation

  • Für alle Profi-Pokerspieler und besonders für die gesponserten Spieler war diese Nachricht wie eine kalte Dusche: Es war ausdrücklich verboten, während der EPT Dortmund jegliche Werbung für Onlinecasinos zu machen. So wurden vom Türsteher am Eingang mit schwarzem Klebeband alle Werbeflächen auf der Kleidung der Spieler zugeklebt. Dies ist selbstverständlich sehr schlecht für die Sponsoren, weil sie meistens die Buy-ins der Spieler bezahlen, die seinerseits wieder verpflichtet sind, Werbung für die eigenen Sponsoren zu machen.
  • Zur Entry-Fee von €300 musste jeder Pokergast einen Beitrag von €30 pro Tag für Getränke bezahlen, egal ob Spieler oder Zuschauer.
  • Beim Cashgame gab es immer eine sehr lange Warteliste. Das garantierte jedem mehrere Stunden Wartezeit, bevor man Cashgame spielen konnte, außerdem betrug das Rake maximal €30 pro Pot (zum Vergleich das Casino Bregenz: Dort beträgt das Rake pro Pot im Maximum €15). Diese Bedingungen haben mir die Lust auf Cashgame vollkommen verdorben.
  • Während mehrerer Pausen fanden auf der Bühne Shows mit leicht bekleideten Damen statt, vermutlich um die Spieler von den Bad-Beat-Storys abzulenken. Sogar während des Turniers waren oft solche Damen in Aktion, die zwischen den Tischen hin- und herspazierten und die Blicke der meisten Pokerspieler auf sich zogen.
                                      

 

 

George Danzer und sein weiblicher Pokerfan-Hintergrund

                                
Ich startete an Tag 1B. In den ersten 8 Levels konnte ich mich gerade über Wasser halten. Den ersten Tag beendete ich schließlich mit bescheidenen 16.000 Chips.
                                              

 

                                                    
Hier eine interessante Hand: In Level 3 (75/150) ich war am Button (mit ca. 9.000) mit . Es raiste ein junger Spieler in früher Position auf 400. Ich callte. Wir sahen im Heads-up den Flop mit (Pot: 1.025). Er bettete 700. Oops! Ein Overpair oder A-K, A-Q, A-J? Ich callte vorsichtig mit meinen mehreren Outs. Der Turn brachte ein As (wow, eine gefährliche Karte!), er checkte sofort. Na ja, jetzt war mir klar, dass dieses As ihm nicht gefehlt hatte. Vermutlich hatte er K-K oder Q-Q. Ich wettete 1.375 mit doppeltem Hintergedanken:

  1. als Semibluff mit meinen vielen Outs
  2. um das As zu repräsentieren, damit er sein Underpair folden würde.

Er überlegte und überlegte, es dauerte eine Ewigkeit. Offensichtlich fühlte er sich nicht sehr wohl. Schließlich callte er. Manche Leser könnten fragen: Ivo, was hättest du gemacht, falls er am Turn ein Raise gebracht hätte? In einem solchen Fall wäre ich einfach fertig mit meiner Draw Hand gewesen. Leider! Der River brachte kein Herz und keine Acht, sondern eine . Er checkte wieder. Jetzt war ich mir absolut sicher, dass mein Gegner K-K oder Q-Q hatte. Nun stellte sich mir die Frage: Sollte ich bluffen oder nicht? Nach kurzer Überlegung beschloss ich, nichts mehr zu riskieren, da dies ja der Anfang des Turniers war. Mein Gegner hatte mir eine große Wette bei dem As am Turn bezahlt und mir nicht geglaubt, und jetzt würde er mir mit Recht noch weniger glauben, dass die Zwei am River mir geholfen haben könnte …

Ich checkte und er drehte mit großer Erleichterung K-K um!

Meiner Meinung nach sind die Fehler vielschichtig. Viele Spieler beklagen sich, dass sie keine guten Karten bekommen. Sie folgern, dass man da absolut nichts machen kann. Während eines Turniers ist jeder kurzen oder sogar langen Durststrecken ausgesetzt. Und man muss wie ein Kamel in der Sahara oft lange Strecken ohne Wasser durchtraben und überleben. Nicht alle Pokerspieler erkennen die sogenannten Fehler: die verpassten Möglichkeiten.

Hier ein Beispiel: Ich war mit 12.000 im Big Blind, Level 9, Blinds: 400/800, Ante: 100, mit A-J. Malte Strothmann (ein relativ looser junger Spieler) raiste in mittlerer Position 2.300 und ein spanischer Spieler callte. Alle anderen Spieler foldeten zu mir. Jetzt hatte ich drei Möglichkeiten:

  1. zu folden und kein Risiko einzugehen
  2. zu callen mit der Hoffnung, den Flop gut zu treffen. Irgendwie  gefiel es mir aber nicht, out-of-position mit A-J gegen zwei größere Stacks anzutreten.
  3. zu reraisen, und zwar hoch: all-in mit 12.000, um den Pot sofort zu gewinnen

Nach langer Überlegung foldete ich. Der Flop brachte . Malte wettete, der andere Spieler foldete und Malte zeigte .

Hätte ich vor dem Flop all-in gepusht, wäre ich wahrscheinlich sofort an den Pot gekommen, ohne den Flop zu sehen. Es waren 400 (SB) + 800 (BB) + 800 (Ante) + 2.300 + 2.300, also 6.600 in der Mitte, aber das waren mehr als 50 % von meinem Stack!!!

In Level 11 (600/1.200, Ante: 100) war ich immer noch Shortstack mit ca. 13.000. Ehrlich gesagt: Es war sehr grausam, so viele Levels als Shortstack zu spielen, denn es erinnert mich immer ein bisschen an einen Zirkus, wo ein Akrobat das Laufen auf einem Seil übt und ständig in Gefahr ist, herunterzufallen.

Es war nicht nur Pech, sondern es waren auch viele verpasste Möglichkeiten, die mich in diese traurige Situation hineinmanövriert hatten! Malte Strothmann (in diesem Moment mit ca. 50.000) raiste wieder in mittlerer Position auf 3.200, alle foldeten zu mir am Button und ich sah in meinen Karten etwas Unglaubliches: zwei lachende Red Kings! WOW, nach einer so langen Durststrecke hatte ich endlich eine Oase gefunden! Das Kamel hatte durchgehalten! Na endlich, nun wurde meine Geduld belohnt, so dachte ich zumindest. Ich brauchte wenig Zeit, um meine Chips in die Mitte zu schieben. All-in für ca. 13.000. Das bedeutete, dass er 9.800 für einen Pot von 18.200 zu zahlen hatte, also Potodds von weniger als 2:1.

Malte zögerte nicht lange und sagte: „Ich muss callen!“ Showdown! Er: , ich:
                        

                              
Nach dem Spiel sagte Malte zu mir, dass mein Reraise nicht groß genug gewesen wäre, damit er sein kleines Paar vor dem Flop gefoldet hätte. Teilweise hat er Recht. Falls ich ein As mit großem Kicker gehabt hätte, wäre sein Call absolut richtig gewesen, da er mit seinem Paar eine Chance von über 50 % (Potodds von 1:1) hatte. Aber falls ich ein Overpair gehabt hätte, wäre sein Call mathematisch gesehen falsch gewesen, da er eine Chance von etwa 20 % (Potodds von 1:4) hatte. Da es für ihn sehr schwer war sich vorzustellen, was für eine Hand ich hatte, callte er. Sogar, wenn er den Pot verloren hätte, wären ihm noch circa 40.000 übrig geblieben. Jetzt konnte man erkennen, dass mein Stack, wenn ich den All-in-Move in Level 9 gemacht und die 6.600 Chips dazugewonnen hätte, jetzt nicht 13.000 sondern 19.600 in Chips groß gewesen wäre! Und das hätte meinen Gegner sehr wahrscheinlich davon überzeugen können, mit seinem kleinen Paar vor dem Flop mein All-in nicht zu callen!!!

Der Dealer begann, den Flop aufzudecken und genau die erste Karte war eine Sechs, leider bekam ich keine Hilfe von den restlichen Board-Karten und so war ich raus!

Fazit: Im Turnierpoker gibt es eine Legende: Jeder kann bei einem Turnier gewinnen, sogar wenn er nur einen einzigen Chip als Rest hat. Das sind aber nur Träume, die viele schwache Spieler mit Hoffnung nähren!

Meine Schlussfolgerung: Bei Turnieren mit großen Feldern lange Zeit als Shortstack zu spielen, ist mir total verhasst. Wenn man eine lange Zeit als Shortstack spielt, ist es nur eine Frage der Zeit, bis eine schlechte Hand dir ein Suck-outs verpasst.

Am nächsten Morgen, Freitag der 13., bin ich dann mit dem ersten Zug nach Hause gefahren.

Am Abend spielte ich wie jede Woche im Casino Austria das €150-NL-Hold’em-Turnier mit Rebuys. Wütend von meinem Misserfolg in Dortmund war ich mit nur einem Ziel im Kopf bei diesem kleinen Turnier an den Start gegangen: Um jeden Preis vermeiden, nach den ersten paar Levels zum Shortstack zu werden! So machte ich in der Rebuy-Phase (die ersten zwei Levels) zwei Rebuys und ein Add-on. Ab Level 3 (Blinds: 100/200) begann ein ganz neues Turnier: Freeze-out (die Rebuy-Phase war abgeschlossen) und ich hatte es geschafft, 9.000 in Chips (über Average) zu haben.

Ich spürte deutlich, dass das Pokerkönnen der meisten Spieler in Bregenz einige Stufen unter dem der Teilnehmer an der EPT in Dortmund lag.

Hier ein Beispiel: Ein looser Spieler raiste in früherer Position (Blinds: 100/200) auf 600, alle foldeten zu mir im Big Blind (derzeit war ich mit ca. 9.000 Chips im Spiel). Ich reraiste mit Q-Q all-in und er callte ohne zu zögern mit seinem gesamten Stack – um die 7.000, mit sage und schreibe einem Paar Sechsen! Da muss man einfach ein paar Fragezeichen setzen! Wie sollte man das verstehen? Manche Leser werden sich wundern: Aber Ivo, raist du mit deinem Paar Damen nicht viel zu hoch von 600 auf 9.000? Glaubt mir, die Wahrscheinlichkeit, dass ein looser Spieler, der vor dem Flop Stärke gezeigt hat, ein hohes Reraise callen würde, ist sehr, sehr hoch! Als Bigstack hatte ich es nicht schwer, bald am Final Table zu sitzen. Noch besser: Ich konnte mit so vielen Chips in das Finale starten (ca. 160.000 von 330.000), wie die anderen neun Spieler alle zusammen hatten! Da lacht das Herz! Was für ein Gefühl!
                              

 

                                

Als ich schlussendlich das Turnier gewonnen hatte, stellte ich fest, dass der erste Preis mit €5.790 nur €490 mehr als mein Buy-in bei der EPT Dortmund betrug! Wie mein Vater schon sagte: Man kann auch mit kleinen Schritten große Erfolge erreichen!Hier das Turnierergebnis: http://www.pokeraction.info/home/news/poker-news/article/lokalmatador-und-seriensieger-ivo-donev-gewinnt-das-wochenturnier-im-casino-bregenz.html

Hier ein Leckerbissen vom Final Table – mein rechter Nachbar überlebte sein All-in, und zwar mit einem Royal Flush!

                               


 

                          

Und noch etwas Interessantes: Immer mehr Profi-Schachspieler besuchen und spielen beim Poker nun auch Turniere. Hier ein Beispiel: In Dortmund traf ich auf den Großmeister Pavel Blatny (CZ) und die Großmeisterin Almira Skripchenko (F):

                       

                        

                     

Euer Ivo, The Chess Master

Am Ende ein kleines Rätsel:

Könnt ihr erkennen, welche bekannten deutschen Pokerspieler auf den folgenden Fotos abgebildet sind?

                    


 

                         

Hier ein Blick aus der Vogelperspektive!

                       


 

                    

Wer mag wohl solche „Wollhaare“ haben?

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