javascriptNotEnabled

Home \ Community \ Blogs \

ivodonev blog

ivodonev blog
Send PM
/Jan/2009

Gedanken über den Glücksfaktor im Poker

Von: ivodonev @ 20:26 (CET) / 650 / Kommentar ( 383 )

Hallo alle miteinander,

es hat endlich geklappt, dass ich meinen eigenen Blog habe! Das freut mich natürlich sehr und es macht mir noch mehr Spaß, euch meine Gedanken über Poker zu vermitteln. Das kann euch einerseits vom Alltag etwas ablenken oder aber auch lehrreich sein, um die eine oder andere Spielweise zu verbessern.

Ich kann ruhig sagen, dass ich im vergangenen Jahr mein Spiel, auch durch die Analysen in meinem Blog, verbessern konnte.

Meiner Meinung nach schwankt der Glücksfaktor bei Poker in verschiedenen Situationen ungefähr zwischen 1 % und 99 %.

Bei verschiedenen Pokervarianten ist der Vorteil unterschiedlich und somit variiert auch der Glücksfaktor.
Hier ein Beispiel – ein Vergleich zwischen den populärsten Pokerspielen in Europa: Hold'em, Omaha und Seven Card Stud. In allen drei Pokervarianten wird einer der besten Starthand gegen die zweitbeste Starthand genommen.

1) Hold'em:  gegen : 81 % – 19 %
2) Omaha: gegen : 67 % – 33 %
3) Seven Card Stud:  gegen : 65,7 % – 34,3 %

Die Prozentzahlen sind die durch Computersimulation mathematisch errechneten Gewinnwahrscheinlichkeiten und zwar nach 1.000.000 Händen.
Hier ist deutlich zu sehen, dass bei Hold'em der Vorteil der besseren Karte am größten ist.
Das bedeutet automatisch, dass der Glücksfaktor im Hold'em am kleinsten ist!
Aus diesen Gründen ist leicht zu verstehen, warum in Las Vegas jährlich die große Weltmeisterschaft im No-Limit Hold'em ausgetragen wird.

Hier noch ein Beispiel: Wir haben ein Deepstack-Turnier, das EPT in Monte Carlo, hier wird mit 15.000 Chips gestartet, die Level dauern 90 min und die Blinds im ersten Level liegen bei 25/50. Hier ist der Glücksfaktor minimal und ich denke, er schwankt im Maximum zwischen 10 % und 20 %.

Das nächste Beispielturnier ist das Rebuy-Turnier (150 € Buy-in) im Casino Bregenz, wo die Level auch mit 25er-/50er-Blinds starten, man aber nur 2.000 Startchips bekommt und die Levels nur 25 min dauern. Hier ist der Glücksfaktor wesentlich höher, sagen wir um die 40 % bis 50 %.

Ein weiteres Beispiel ist das sogenannte One-Hand-Satellite, das ich in Casino Amsterdam gesehen habe. Vor dem Start des Main Events sind einige dieser Satellites durchgeführt worden, hier bekommen zehn Spieler jeweils zwei Karten und alle sind vor dem Flop all-in. Nun kommt der Show Down und wer das Glück hat, das beste Blatt zu zeigen, während der Dealer Flop, Turn und River aufdeckt, gewinnt das Ticket für das Main Event. Hier liegt der Glücksfaktor bei rund 100 %.

Fazit: Der Glücksfaktor beim Poker ist von mehreren Faktoren abhängig.

A) Die Stackgröße und das Verhältnis zwischen den Blinds und dem eigenen Stack. Je kleiner die Differenz zwischen den Blinds und meinem Stack ist, desto höher wird der Glücksfaktor und umgekehrt. Je größer die Differenz zwischen meinen Stack und den Blinds ist, desto kleiner wird der Glücksfaktor. Kurz gesagt: Shortstack = viel Glück; Bigstack = weniger Glück! 

B) Der Zeitfaktor. Es gibt einen sehr großen Unterschied zwischen den Turbo-Onlineturnieren, bei denen ein Level fünf bis zehn Minuten dauert, und einem großen Liveturnier, bei dem jeder Level 90 min dauert. Je länger ein Turnierlevel dauert, desto kleiner ist der Glücksfaktor, und je kürzer die Level dauern, desto höher ist der Glücksfaktor. Es ist selbstverständlich, dass die Profis bei einem langsamen Turnier einen Vorteil haben und die Anfänger und Gambler ihre Chancen bei einem Turboturnier suchen müssen.

C) Die Levelsteigerung. Je langsamer die Level steigen, desto kleiner ist der Glücksfaktor und umgekehrt, je schneller die Level steigen, desto höher ist der Glücksfaktor. Ich habe in Amerika am Finaltisch einige Turniere erlebt, bei denen einige Level sogar wiederholt wurden, um übertriebenes Gambeln zu vermeiden. Noch eine Anmerkung dazu: Bei zunehmend steigenden Blinds, die dann in extremste Höhen kommen, artet das Spiel aus, was zu Situationen führt, die dann nur noch nach Gambeln verlangen.

D) Manche Spieler werden sich die Frage stellen, wie es überhaupt möglich ist, den Glücksfaktor beim Poker bis auf circa 1 % zu minimieren. Wie alle wissen, war ich jahrelang Profischachspieler. Stellt euch vor, die amtierende Nummer eins in der Schachweltrangliste (http://ratings.fide.com/top.phtml?list=men ), Großmeister Veselin Topalov, spielt gleichzeitig zwei Partien gegen zwei IntelliPoker-Leser.

I. Donev und V. Topalov im Jahr 1994 bei der Arbeit mit der Schachdatenbank Chess Base

Auf einem Schachbrett hat Topalov Weiß (Brett 1), auf dem anderen Schwarz (Brett 2). Mit einem einfachen mathematischen System können die Leser gegen den weltbesten Schachspieler unentschieden erreichen, sie müssen einfach abwarten, womit Topalov mit Weiß (Brett 1) an einem Brett beginnt. Nun macht der Intelli-Spieler den gleichen Zug mit Weiß auf Brett 2. Dann warten wir ab, welchen Zug mit Schwarz Topalov auf Brett 2 spielt. Genaue denselben Zug führen die Intelli-Leser auf Brett 1 aus und so fort. Auf diese Weise werden die Intelli-Leser ein Unentschieden im Wettkampf gegen den weltbesten Schachspieler erreichen!

E) Das vorherige Beispiel habe ich lediglich zur Verdeutlichung herbeigezogen. Denn: Theoretisch kann man eine ähnliche Idee im Poker anwenden. Angenommen, man spielt ein Mannschaftspoker-Turnier, in dem jede Mannschaft aus zwei Spielern besteht. Es wird gleichzeitig an zwei Tischen heads-up (Button ist Small Blind, der andere Spieler Big Blind) gespielt, aber die Tische sind so weit getrennt, dass die Spieler keinen Kontakt zueinander haben. Auf beiden Tischen werden die gleichen Karten verteilt: Beispielsweise bekommt der Buttonan Tisch 1 und der Big Blind . An Tisch 2 bekommt der Big Blind und der Button . Nehmen wir an, an Tisch 1 sind beide Spieler vor dem Flop all-in gegangen und es kommen nur kleine Karten. Somit gewinnt der Spieler mit . An Tisch 2 geht der Spieler mit nicht vor dem Flop all-in, sondern callt nur das Raise von . Nach dem Flop mit kleinen Karten checkt und bettet, danach foldet (Anmerkung: Auf dem Flop,Turn und River kommen auf beiden Tischen immer die gleichen Karten.). So werden gleiche Karten auf verschiedene Weise gespielt. Wichtig dabei ist aber, dass die beiden Mannschaften immer dieselben Karten bekommen, auf diese Weise wird das Glück auf ein Minimum (vielleicht um die 1 bis 2 %) gesenkt. Es versteht sich von selbst, dass, wenn auf diese Weise mehrere Wettkämpfe gespielt werden, am Schluss immer die bessere Mannschaft (Poker Spieler) gewinnen wird!

Jetzt möchte ich euch über eine sehr interessante und seltene Konstellation, die ich beim Cashgame in Bregenz erlebt habe, berichten.

- Die Blinds: 5€/10€
- Die Stacks: Minimum 200 ohne Maximum
- Der Tisch ziemlich loose, aber nicht aggressiv

Nachdem Fabrizio Leonardi (der amtierende Seven-Card-Stud-Europameister) in mittlerer Position gelimpt hatte, wurde von dem Spieler vor  dem Cut-off auf €40 geraist. Ich stand am Button mit , also Suited Connectors. Ich hatte die beste Position und mit den Connectors in Position ist es vernünftig, den Flop billig zu sehen. Man versucht damit eine Straße, einen Flush, einen Drilling oder zwei Paare oder besser zu flopen.

Fazit: Die Paare spielen sich gut in Position und out-of-position. Im Gegenteil dazu spielen sich die Connectors meistens nur in Position profitabel!

So callte ich ruhig. Dies tat auch der Limper, Fabrizio.

Der Dealer brachte einen wunderbaren Bomben-Flop für mich mit . Wow, was für ein Hit – Second Nuts. ( waren die Nuts.) Mein einziges Ziel war es jetzt, so viel wie möglich aus meinem Gegner herauszupressen. Fabrizio checkte und erwartungsgemäß hatte der Preflop-Raiser einen Contibet um die €65 gemacht. Ich callte ruhig mit der Hoffnung, Action zu bekommen, das tat (Call) auch Fabrizio.

Turn: , Fabrizio checkte, der Initial Raiser wettete jetzt €100. Ich dachte, dass er ein großes Paar haben würde, und raiste ganz sanft auf €250. In diesem Moment gefiel Fabrizio irgendetwas an der Turn-Karte und er schob seine gesamten Chips (um die €550) in die Mitte. All-in! Der Initial Raiser roch offensichtlich das faule Ei und machte sich sofort aus dem Staub. Mit diesem Angebot  war ich natürlich sofort einverstanden! Die Fünfen konnten ihm höchstens zu einer Straße () oder zu einem kleineren Full House () verhelfen. Er deckte wirklich für eine Straße auf. So hatte er auch einen Flushdraw dazu. Im Pot waren um die €1.500. Der River war unglaublich: . So hatte ich mein Full House noch mehr verbessert, aber er sich auch, nämlich zum Streetflush!!! Ich war in diesem Moment wie gelähmt! Mein Mund war trocken, meine Atem war fast gestoppt – um so etwas zu erleben, muss man seit vielen Jahren Poker spielen. Seine Chancen am Flop waren um die 0,4 %. Hier das Match-up zwischen und . Vor dem Flop: 61 % zu 39 %, nach dem Flop: 99,4 % zu 0,6 %!!! Nach dem Turn: 95,5 % zu 4,5 %

Dann begann sich Fabrizio zu rechtfertigen: "Na ja, ich dachte, der Raiser hätte ein großes Paar und du, Ivo, oder auch ein Overpair. So dachte ich, dass meine Straße gut sei! Wie soll ich ahnen, dass du ein Full House gefloppt hast?" Irgendwie hat mich sein letzter Satz beruhigt. Denn ich hatte meine Hand optimal verborgen gespielt und Fabrizio hatte nicht einmal geahnt, gegen was er gerannt war.

Fazit: Falls am Flop ein Paar liegt, ist es gefährlich, auf einen Straßen-Draw zu ziehen, weil die Gefahr besteht, dass man drawing-dead wird.

Hat jemand von euch schon einmal einen ähnlich brutalen Bad Beat einstecken müssen?

Euer Ivo – The Chess Master

PS: Hier die Antwort für einen Intelli-Leser, der angefragt hatte, wie man sich die Hände merken kann: Ich als Schachspieler habe mir bereits in der Vergangenheit zwangsläufig ein ausgezeichnetes Gedächtnis antrainiert. Dadurch bin ich fähig, mich auch noch nach Wochen und Monaten an Hände zu erinnern, die automatisch in meinem Gedächtnis gespeichert wurden, vergleichbar mit der Speicherung auf einer Computer-Festplatte. Trotzdem mache ich mir hin und wieder während dem Spiel Notizen, die ich später in meinen Computer eingebe. Das hilft mir, nach dem Spiel meine Hände gut zu analysieren, was immer wieder zu Verbesserungen meines Spiels führt.

Schlussfolgerung: Poker ist ein Spiel mit unvollständigen Informationen, je mehr Infos ich habe, desto schneller komme ich an die Erkenntnisse heran, die mir bei der Verbesserung meiner Ergebnisse helfen.

In order to comment, you must login or register
Quiz
Neu hier? Nimm an unserem Einstufungstest teil und starte so deine Pokerausbildung.
Schon Mitglied? Melde dich hier an
javascriptNotEnabled
Lerne Von Einsteiger- bis zu Expertenstrategien
Trainiere Verbessere dein Können mit Hilfe unserer Trainer
Gewinne! Etabliere dich als Gewinner
/beliebt/
Hand der Woche – Queen-Ten sui... In der neusten Pokerhandanalyse der Woche geht es um Dame-Zehn suited ...
Mehr