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/Aug/2008

Mit 10-hoch gegen 9-hoch all-in nach dem Flop!

Von: ivodonev @ 11:06 (CEST) / 8528 / Kommentar ( 548 )

Hallo alle zusammen,

im Folgenden versuche ich wieder einmal, meine Gedanken während einer Schlüsselhand darzustellen. Thema: Straightdraw mit zwei Overcards

Ich bin am 13.08.2008 von Friedrichshafen nach Graz geflogen (ein Gratisflug vom Casino Austria für die ersten 50 angemeldeten Spieler!) mit der Absicht, ein wenig Cashgame und zwei große Turniere beim CAPT Graz zu spielen. Das erste Turnier war am 14. August, ein No-Limit Hold'em mit €800 Buy-in. An meinem Tisch befand sich eine Mischung aus bekannten und unbekannten Spielern, wobei ich mich schnell anpassen konnte, und nach zwei Stunden hatte ich mich von 8.000 Startchips auf 15.000 hochgearbeitet! In Level fünf, bei Blinds von 200/400, war ich mit am Button und alle haben zu mir gefoldet.
Ich stand jetzt vor einer Entscheidung: Grundsätzlich ist diese Hand für die Button-Position überdurchschnittlich gut und ich hatte zwei Optionen:
a) zu raisen
b) einfach zu callen
Mit am Button zu folden (falls alle vor mir folden sollten), kam nicht in Frage.
In solchen Situationen mixe ich mein Spiel mit Raises und Calls, denn so bin ich am wenigsten durchschaubar. Im Big Blind war der junge Spieler Stefan Jedlicka (der Bruder des Full-Tilt-Profis Niki Jedlicka aus Wien), der ziemlich loose und aggressiv spielte, was meine Entscheidung beeinflusste, am Button mit nur zu limpen, um weniger zu riskieren, falls Jedlicka aggressiv spielen sollte (es ist auch o.k., den Pot mit in Position klein zu halten). Der Small Blind schmiss schnell weg und Stefan checkte freundlicherweise. So war mir klar, dass er wahrscheinlich keine große Hand (großes Paar oder As mit großem Kicker) hatte. Wir haben folgenden Flop gesehen: . Na, wunderbar, dachte ich mir, das war der beste Non-Pair-Flop, den ich treffen konnte – ich hatte einen Open-ended Straightdraw und zwei Overcards!

Ich gehe detailliert auf dieses Thema (Straightdraw mit zwei Overcards) ein, weil solche Situationen oft in der Praxis vorkommen. Die unten aufgelistete Analyse kann für den Leser bei ähnlichen Entscheidungen sehr hilfreich sein: Der Big Blind könnte theoretisch jede zwei beliebigen Karten in der Hand haben, da er den Flop gratis gesehen hat. Aber denken wir logisch nach, wie meine Chancen gegen verschiedene mögliche Hände stehen:

A)    Gegen Set () habe ich eine Chance von circa 26 % (die schlimmste Variante).

B)    Gegen zwei Paare () habe ich eine Chance von circa 33 %.

C)    Gegen ein Paar (z.B.: oder ) habe ich eine Chance von circa 50 %.

D)    Gegen einen Flushdraw – abhängig davon, ob er der Flushdraw mit Overcards als T ist, z.B. gegen , habe ich eine Chance von circa 30 %, aber gegen einen kleinen Flushdraw wie habe ich eine Chance von circa 49 %.

E)    Gegen einen Straightdraw – gegen – habe ich eine Chance von circa 75 % (die beste Variante) und gegen habe ich eine Chance von circa 68 %.

F)    Gegen ein kleines Paar – z.B. gegen , und – habe ich eine Chance von circa 52,7 %.

Wie man also sieht, waren meine Chancen zwischen 26 % (gegen ein Set) und 75 % (gegen einen Straightdraw)! Bitte versteht mich richtig: Die meisten Heads-up-Chancen im Hold'em weiß ich auswendig, aber während eines Turniers rechne ich nicht so detailliert und lange (beim Schach darf man sogar über eine Stunde über einen Zug nachdenken, beim Poker dagegen nur einige Minuten!), wer welche %-Vorteile hat, sondern ich lasse mich meistens von meiner Intuition und Erfahrung leiten!

In diesem Moment hatten wir beide  jeweils ca. 15.000 in Chips und der Average lag bei 13.000. Plötzlich hat Stefan in erster Position 600 in einen Pot von 1.000 gewettet. Ich dachte mir, dass er etwas am Flop getroffen hätte und dass er einen Probe-Bet mache. Jetzt hatte ich zwei Optionen, zu callen und die nächste Karte billig zu sehen, oder zu raisen und zu versuchen, den Pot gleich zu schnappen. Folden kam nicht in Frage, da ich eine ziemlich starke Drawing-Hand hatte. Die höchstwahrscheinliche Hand, gegen die ich in solchen Situationen spiele, ist ein Paar, gegen das ich 14 Outs (acht Karten für eine Straße und sechs Karten für ein höheres Paar als das, das am Board liegt) habe!

Ich entschied mich zu raisen, denn in einer solchen Situation bringt mir das den größten Profit, denke ich. Und so raiste ich auf 1.800 und ich sagte ihm dadurch ohne Worte: "Lieber Stefan, verschwinde, weil ich fest entschlossen bin, diesen Pot einzustreichen". Statt des erwarteten Folds raiste Stefan wieder auf 4.600. Na ja, dachte ich mir, für einen loose-aggressiven Spieler klingt das so, dass er auch sowas wie eine Drawing-Hand hat, es lagen schließlich zwei Pik am Board, also waren ein Flushdraw und drei Straightdraws, z.B. , und , möglich.

Jetzt dachte ich mir, dass ich nun endgültig Schluss mit dieser Raiserei machen könne, und zwar mit einem klaren All-in mit meinem gesamten Stack von 15.000. Beachtet bitte, dass ich nach noch einem Reraise pot-committed gewesen wäre, darum war ein All-in das bessere Raise!
Ich war mir auf diese Weise ziemlich sicher, dass er folden würde, wenn er auf einem Draw war. Und so habe ich ohne Angst all meine Chips in die Mitte geschoben.
Jetzt war ich plötzlich sehr überrascht, denn ich dachte, in einem solchen Schlüsselmoment wird mein Gegner sehr lange nachdenken, seine Chips zählen, die Potodds berechnen. Stattdessen hat mein Gegner sekundenschnell gecallt. Jetzt wurde mir heiß, denn sein Call gab mir zu verstehen, dass ich momentan weit hinten liegen würde. Was für eine Überraschung, als wir beide die Karten umdrehten, ich meine für den besten Straightdraw, also 10-hoch, und er zeigte für einen schlechteren Straightdraw – also 9-hoch.
Super, in diesem Fall lag ich mit 75 % vorn! Ich ging weg von meinem Tisch und hörte im Hintergrund nur ein "Wow" meines Gegners und dann sah ich eine Fünf, die seine Straße vervollständigte. Leider war die letzte Karte (ich brauchte J oder 6 für meine bessere Straße!) wieder ein Blank ( ) und so schied ich aus diesem Turnier aus.

Werfen wir kurz einen Blick auf die mathematischen Erwartungen zwischen diesen zwei Kartenkombinationen und .

A)     Vor dem Flop: 74 % zu 26 %

B)     Nach dem Flop: 75 % zu 25 %

C)     Nach dem Turn: 16 % zu 84 %

D)     Nach dem River: 0 % zu 100 %

 

 

Fazit: Weil der Vorteil im No-Limit Hold'em in den meisten Situationen klein ist, ist es von großer Bedeutung, wer den letzten Raise (oder das All-in) gemacht hat. Das Beste ist, wenn man:
a) mathematisch gesehen die bessere Hand hat
egal, ob vor dem Flop oder auf einer späteren Straße.
b) der Erste ist, der eine Aktion setzt (z.B.: Bet, Raise oder All-in).

  

Die Lösung des letzten Rätsels: Ich habe bei der WSOP in Las Vegas einen meiner Lieblingsschauspieler, James Woods ("Es war einmal in Amerika!"), getroffen!

 

Euer Ivo - The Chess Master ©

  
Neue Aufgabe zum Thema Straightdraw:
Es ist bekannt, dass ein Paar gegen zwei Overcards (sogenannter Coinflip) normalerweise vor dem Flop ein ganz kleiner Favorit ist. Aber nach dem Flop könnte es sein, dass sogar die zwei Overcards mit einem Straightdraw Favorit werden können: gegen beim Flop von .

Meine Fragen:

a) Wie viele Outs hat , um zu gewinnen?

b) Zu wie viel % sind hier die zwei Overcards etwa Favorit?

c) Wie viele Outs Maximum kann eine Drawing-Hand nach dem Flop im Hold'em haben?

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