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ivodonev blog

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Pokern in der Höhle der Löwen – WSOPE, H.O.R.S.E. Teil 2

Ich startete Tag zwei sehr optimistisch, da ich einen überdurchschnittlich großen Stack hatte. Zuerst habe ich einen sehr schweren Tisch erwischt, links von mir saßen David Benyamine und Jeff Lisandro und rechts von mir David Williams, Markus Golser und Barney Boatman.
           

                      
An einem so starken Tisch stellte ich meinen Spielstil um und spielte relativ tight. Diese Spielweise hat mir dann geholfen, meinen Stack noch weiter auszubauen.

Über diesen zweiten Tag gibt es nicht wirklich viel zu erzählen, außer dass ich spät am Abend bei den letzten zwei Tischen stundenlang mit den Superstars Negreanu und Hellmuth spielen musste, was für mich natürlich eine große Herausforderung, die aber auch gleichsam Spaß machte, war.
              

              
Es wurde bis spät in die Nacht (bis zu den letzten elf Leuten) gespielt, und ich bin dann sofort nach dem Turnier (ich war vollkommen erschöpft) mit einem Taxi (Fahrrad!) ins Hotel gefahren.
Ich wollte mich durch einen guten Schlaf wieder vollkommen erholen.
                 

           
Die interessantesten Geschehnisse passierten erst am dritten Tag. Weil wir Tag drei mit zwei Tischen mit je fünf und sechs Leuten gestartet waren (shorthanded), hatte sich meine Spielstrategie wieder geändert. Ich spielte wesentlich aggressiver und nahm oft ein Raise oder Reraise vor. Es dauerte nicht lang, nämlich nur 90 Minuten, und die drei Leute, die dazu nötig waren, nur noch einen Tisch bilden zu können (Paez, Albinsson und zu meiner Überraschung auch Bronshtein), waren ausgeschieden.

Offizielle Platzverteilung am Finaltisch sowie Chipcounts:
Seat 1: Sherkhan Farnood (Dubai City, Dubai): 88.000
Seat 2: Phil Ivey (Las Vegas, NV): 139.000
Seat 3: Spencer Lawrence (London, UK): 113.500
Seat 4: Jeffrey Lisandro (Salerno, Italy): 165.000
Seat 5: Ivo Donev (Lochau, Austria): 65.000
Seat 6: Jeff Duvall (London, UK): 136.000
Seat 7: Howard Lederer (Las Vegas, NV): 283.500
Seat 8: Mark Gregorich (Las Vegas, NV): 104.000

Zu meiner Freude saßen der hyperaggressiv spielende Phil Ivey und der extrem loose spielende Sherkhan Farnood rechts von mir. Wie man sieht, war ich im Finaltisch der Shortstack und die erste Möglichkeit zu verdoppeln ergab sich gegen Phil Ivey im Seven Card Stud. Ivey raiste in früher Position mit offenem und ich mit offener und verdeckten reraiste ihn mit der Absicht, einerseits mit ihm im Heads-up zu bleiben und andererseits einen großen Pot aufzubauen. Ivey callte. Nun begann eine richtige Schlacht, auf jeder Straße (vierter, fünfter, sechster) haben wir uns gegenseitig geraist, Ivey dachte, dass ich mit einem Paar gestartet war. Bei der sechsten Straße konnte ich mich dann nochmals stark verbessern (mit einem dritten ), natürlich wettete ich, Ivey raiste mich wieder, ich reraiste mit meinen restlichen Chips und er callte. So kam es nun zum Showdown. Ich: Drilling Asse und er: zwei Paar Buben. Durch diesen Pot war ich plötzlich gut im Rennen. Weil Sherkhan mit viel Glück, er war mit einem kleinen Paar gegen Phil Iveys Start-Drilling () beim Seven Card Stud gestartet, einen großen Teil von Iveys Stacks gewonnen hatte, wurde Phil Ivey schwächer und schließlich zum Shortstack. Bald darauf wurde er eliminiert.
Gegen Mitternacht dann wurde auch noch Jeff Duvall eliminiert, und so sind wir zu dritt geblieben.

Howard Lederer: 563.000
Sherkhan Farnood: 295.000
Ivo Donev: 255.000

Es war für alle Zuschauer klar, dass der erfahrene FullTilt-Pro Howard Lederer nicht nur der Chipleader am Tisch war, sondern auch der beste Spieler. Er hatte bis jetzt ein sehr konstantes solides Poker gezeigt.
Weil nun aber die Limits auf 10.000/20.000 angestiegen waren, also relativ hoch im Vergleich zu den Stacks, begannen wir uns langsam den No-Limits zu nähern. Howard Lederer hatte, als wir zu dritt im Spiel verblieben waren, aber begonnen, irgendwie nicht sein bestes Poker zu spielen und einige kleine Fehler begangen.
Ein Beispiel: Beim Hold'em, bei einem Flop mit , wettete ich mit (ich wollte Infos einholen und wissen, wo meine Hand steht) von meiner Blind-Position gegen Lederer, der mit nur callte (falls er mich am Flop geraist hätte, hätte er sofort gegen mich gewonnen). Am Turn kam noch eine und ich checkraiste ihn und wurde von ihm bis zum River ausbezahlt. So konnte ich gegen ihn einen großen Pot gewinnen, der mir eigentlich nicht zustand. Allmählich schmolzen die Chips von Howard Lederer wie Schnee im Frühling dahin und für alle überraschend schied er kurz nach drei Uhr in der Nacht auf dem dritten Platz aus.
Nun blieben Sherkhan und ich im Heads-up, und zwar mit folgenden Chipcounts:

Ivo Donev: 654.000
Sherkhan Farnood: 448.000

Ich konnte ihn in den Spielen Omaha und Hold'em übertrumpfen und bald hatten wir einen Chipstand von 3:1. Dann kam für mich nachfolgende unglückliche Hand im Razz (das praktisch Seven Card Low ist). Für die Leser, die Razz nicht kennen: Bei diesem Spiel gewinnt der Spieler mit den fünf niedrigsten Karten, Straße und Flush zählen hier nicht. Die absoluten Nuts sind , die zweitbeste Hand ist usw. Es ist bei diesen Turnieren normal, dass, wenn jemand die kleinste offene Karte hat, geraist wird, wobei dann alle anderen folden.
Ich bekam in dieser Hand eine offene und und verdeckt. Sherkhan dagegen hatte eine offene . Weil im Heads-up drei kleine Karten unter Sieben sehr stark sind und die kleinste Karte offen bei mir lag, raiste ich. Und so raisten wir uns einige Male auf der dritten Straße gegenseitig. Auf der vierten Straße bekam Sherkhan einen und ich eine . Und wieder begann die gegenseitige Raiserei zwischen uns. Am Anfang dachte ich, Sherkhan hat die Spiele verwechselt, denn es ist offensichtlich nicht günstig, mit der höheren Karte zu raisen. Auf der fünften Straße bekam Sherkhan einen , jetzt hatte ich einen sehr großen Vorteil: Für die restlichen drei Karten, die ich bekommen konnte, gab es 23 mögliche (!) Karten, die meine Hand in dieser Situation fast unschlagbar machten, also jede kleinere Karte als ( 9999, 8888, 6666, 555, 4444, AAAA) , ausgenommen   , und die mir ein Paar machen, hätte ich mir diesen gigantischen Pot geholt. Da ich in diesem Moment großer Chipleader war und Sherkhan fast alle seine Chips investiert hatte, wäre die Sache mit dem goldenen Bracelet eigentlich erledigt gewesen. Wie in den bösen Märchen bekam ich dann aber den ersten Schlag, ich bekam eine , und zwar ein offenes Paar . Sherkhan wettete freundlicherweise wieder, aber irgendwie hatte ich ein schlechtes Gefühl, dass ich von den restlichen zwei Karten keine kleine Karte bekommen würde, darum callte ich nur.
Auf der sechsten Straße bekam Sherkhan ein und checkte vernünftig. Ich dagegen bekam den nächsten Schlag – eine . Jetzt machte ich den größten Fehler, ich checkte automatisch auch, weil ich meine zweite verdeckte Karte gepaart hatte. Das Beste für mich wäre hier gewesen, einen Bet auf die sechste und siebte Straße zu feuern, da mein Bord mit ( schaut aus dass ich low mache!) im Vergleich zu seinem Bord () gefährlicher aussah. Ich wusste nicht, was er am River bekommen hatte, aber ich erhielt leider einen , und wir beide checkten. Der Pot war so groß, dass es, falls ich ihn gewonnnen hätte, das Ende für Sherkhan bedeutet hätte, denn ihm waren nur noch wenige Chips geblieben. Stattdessen konnte Sherkhan beim Showdown diesen Monsterpot mit einer -Low-Hand an sich nehmen. Dieses Ergebnis konnte Sherkhan erzielen, weil er bei der sechsten und siebten Straße zwei perfekte Karten erhalten hatte und ich dagegen zwei schlechte.
Nach diesem glücklichen Pot-Erwerb hatte Sherkhan sein Comeback gemacht und einen tollen Lauf eingeläutet, denn von da an gewann er fast jeden Pot. Mag sein, dass ich durch diesen Razz-Schock dann nicht mehr mein bestes Poker gespielt habe. So hat er sich den Titel geholt und den ersten Platz belegt. Herzliche Gratulation an Sherkhan!

Trotzdem bin ich sehr zufrieden, Vizeweltmeister bei der königlichen Pokerdisziplin H.O.R.S.E. zu sein.
In meinem nächsten Beitrag werde ich euch von meinem Final Table bei der Texas-Hold'em-Europameisterschaft (€4000 Buy-in) in Baden bei Wien berichten.

In meinem letzten Rätsel handelte es sich, wie viele Leser schon richtig erraten haben, um die Schuhe von Phil Ivey. Wenn man das Foto genau unter die Lupe nimmt, erkennt man folgende Kleinigkeiten:
A: Die Haut des Beines war dunkelhäutig und seine Fesseln sind schmal.
B: Die Schuhe sind zu groß für eine Dame.
C: Die Schuhe sind absolut sauber, der Spieler geht also direkt vom Turniersaal ins Auto und umgekehrt.

           

           
Wir sehen uns dann bald wieder, ich wünsche gute Blätter und passt auf euch auf!

Euer Ivo – The Chess Master

PS: Noch drei Fragen: Soll ich traurig sein, dass ich mit so einem großen Chipvorsprung im Vorteil das Heads-up verloren habe? Oder sollte ich zufrieden sein, dass ich, obwohl ich mit dem kleinsten Stack am Final Table gestartet war, den zweiten Platz erreicht habe?
Warum spielen Phil Ivey, Gus Hansen und Patrik Antonius Poker an einem Turniertisch ohne Geld?

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