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ivodonev blog

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Hallo alle miteinander!

Als Vorbereitung für die EPT Deauville (€5.300 Buy-in) hatte ich mir vorgenommen, einige Turniere mit kleinen Buy-ins (€300 bis €500) in Seefeld zu bestreiten. So konnte ich einige neue Ideen hinsichtlich meiner frühen Turnierphase ausprobieren. Vor allem wollte ich nicht wie sonst üblich sehr tight spielen, sondern ein wenig offensiver - mit etwas mehr Händen in Position, um mehr billige Flops sehen zu können. Vielleicht könnte ich so verdoppeln oder ... würde eben ausscheiden!

Alle Turniere starteten mit 10.000 Startchips und 30-Min.-Levels und waren voll ausgebucht! Alles war musterhaft von Casinos Austria organisiert!

 Level 1. Ich saß auf Platz drei an einem Tisch mit vielen bekannten Gesichtern, aber außer Markus Lehmann (Platz eins) kann ich euch keine anderen Namen nennen, weil ich die meisten Spieler oft im deutschsprachigen Raum bei Pokerturnieren treffe, aber keiner war so bekannt wie Markus.

Nach einigen Minuten bekam ich meine erste spielbare Hand. Ein Schweizer (mit Cardprotector à la Papa Schlumpf!) raiste in früher Position standardmäßig auf drei BBs, also 150. Ich saß direkt hinter ihm und callte mit . Nur der Big Blind (Mr. Lehmann) unterstützte uns mit diesem bescheidenen Betrag.

So sahen wir zu dritt den Flop , wobei ich die beste Position hatte.

Erwartungsgemäß wettete der ursprüngliche Raiser (nach dem Check vom BB) gegen die Potgröße 400. Er wollte wohl damit sagen: "Dieser Pot gehört mir, ich repräsentiere AA oder AK“! Jetzt blieben mir nur zwei vernünftige Züge: Fold oder Call. Fold wäre einfach und sicher gewesen. Trotzdem callte ich, um den Turn billig zu sehen, und falls mich nicht verbessert hätte, wäre ich einfach fertig mit dieser Hand gewesen. Falls ich mich aber verbessert hätte, hätte ich eine gute Position gegen meine leicht lesbaren Gegner und dazu gute Implied Odds gehabt, um eventuell zu verdoppeln. Der BB (Markus) wollte uns nicht alleinlassen und unterstützte mich mit seinem Call. Turn: . Wow, Bingo! Nach dem Check vom BB feuerte der ursprüngliche Raiser 1.200 ab.

Jetzt war ich fast sicher, dass mein Gegner AA oder AK halten würde, und logischerweise wollte ich Action, also raiste ich auf 3.000. Markus hatte das faule Ei gerochen und verschwand umgehend. Der aktive Spieler dachte weniger als eine Sekunde nach und schob seinen gesamten Stack mit 10k in die Mitte! Ich hatte keine andere Wahl und war einverstanden mit dieser Idee. Beim Showdown bestätigte sich meine Vermutung, als mein Gegner wirklich die AA stolz umdrehte und damit lag er ... weit hinten!

Leider war der River wie Dorn im Auge, eine Vier (eine von seinen acht Outs), und somit machte er das bessere Zweienpaar. So schnell bin ich fast noch nie ausgeschieden, aber ehrlich gesagt, so tut es auch nicht so ganz weh. Jetzt hatte ich Zeit für ein Cashgame. Ich finde, dass das schlimmste ist, wenn man kurz vor dem Geld ausscheidet.

Im Nachhinein habe ich meine Hand mit Michael Keiner analysiert und wir sind zu folgender Schlussfolgerung gekommen: Wegen der Größe des Stacks im Vergleich zu den Blinds hätte man nach dem Flop folden können, was ich normalerweise bei einem größeren Buy-in in einem Deepstack-Turnier empfehlen würde. Sonst wurde die Hand ganz O.K. auf jeder Straße gespielt. Die oben genannte Hand inspirierte mich zu folgenden Gedanken:

 Strategien gegen Raiser in früher Position

Meiner Meinung nach muss man sich im Spiel gegen ein Raiser in früher Position folgende Gedanken machen:

a) In früher Position raist normalerweise ein Spieler mit einem großen Paar (AA, KK, QQ, JJ) oder As mit großem Kicker (AK, AQ).

Aufgrund dieses Gedankens teile ich die Hände, die gegen frühe Raiser meistens gespielt werden, in zwei Gruppen:


a) Komplizierte Hände, die einen oft in Schwierigkeiten bringen

- As mit schwachem Kicker: AJ, AT usw.

Besonders schlecht finde ich einen Call von einem Spieler mit As mit ganz kleinem Kicker wie A2, A3, A4, weil man, wenn der Raiser ein mittleres Paar hat, weit vorn liegt. Im Fall gegen AJ, AT hat das mittlere Paar nur einen ganz kleinen Vorteil (Coinflip).

- Zwei große Karten wie KQ, KJ, QJ usw.

Diese Hände sind meistens dominiert und auf lange Sicht erzielen sie gegen frühe Raiser große Verluste.

b) Hände, die große Implied Odds haben

- kleine und mittlere Paare: Sie sind einfach zu spielen, sogar out-of-position. Entweder floppe ich ein Set oder ich bin fertig mit der Hand

- Suited Connectors – hier ist das Ziel, dass ich im Minimum zwei Paare oder besser floppe. Im Unterschied zu den Paaren brauch ich bei Connectors Position. Warum? Weil ich oft eine Drawing-Hand floppe (wie einen Flush- oder Straightdraw) und solche Draws spielen sich schlecht out-of-position.


Ich habe an meinem Tisch so einen unglaubliche  Splitpot erlebt!



Hier nun eine seltene Situation, die mir in Seefeld passierte:

Ich war umgesetzt worden an einen neuen Tisch und bekam gleich eine spielbare Hand, nämlich .

Ich sah, dass auf dem Tisch die Blinds lagen (200/400), und raiste in mittlerer Position auf 1.100.

Plötzlich merkte der Spieler nach mir, dass die Blinds mittlerweile gestiegen waren, und zwar auf 300/600, und er wies den Dealer darauf hin.

Der Dealer war selbst überrascht und sagte mir, ich müsste genau auf das zweifache des Big Blinds nur raisen, mit der Begründung, dass ich beim Raise weniger als das Doppelte gebracht hätte. Oops!

Ich wehrte mich vergeblich und sagte, dass der Dealer die Blinds kontrollieren müsste, bevor die Karten verteilt sind, und dass dies sein Job sei. Und wenn ich bei Blinds von 200/400 auf mehr als 2,5 BB raisen wollte, dann darf ich doch auch bei 300/600 meinen Raise anpassen. Der junge Dealer rief den Floorman zur Hilfe und beide entschieden, dass ich raisen durfte, aber nur das Doppelte der Höhe des Big Blinds. Wow, ich war ziemlich unglücklich, aber ich hatte keine Wahl und musste diese Entscheidung akzeptieren. Alle foldeten bis zum BB, der, angezogen von wunderbaren Potodds, offensichtlich frustriert (von seinen Karten) ungern callte. Es ist unwichtig, dass ich den Flop komplett verpasst habe und auf meinen Conti-Bet mein Gegner mit dem Holzhammer zuschlug - all-in! So verlor ich ca. 20% von meinen Stack, wobei ich, wenn ich mehr als 2,5 BB hätte raisen dürfen, wahrscheinlich die Blinds und Antes ohne Flop gewonnen hätte.

Meine Frage lautet: 

a) Ist der Dealer schuld, weil er die Blinds nicht kontrolliert hat und dadurch die Action bei dem niedrigen (falschen) Blindlevel zugelassen hat?

b) Oder bin ich selbst schuld, dass ich mich nicht über die Höhe des Blinds genau informiert habe, wobei ich, das muss ich zugeben, vorher die Blindgröße am Tisch hätte ansehen müssen und nicht auf dem Zentralmonitor, wo die gültigen Level angekündigt werden.

Später in diesem Turnier erreichte ich die letzten zwei Tische mit einem Average-Stack. Bei Blinds von 6k/12k foldeten alle bis zum Button (dieser war einer der späteren Sieger dieses Turniers). Er war offensichtlich auf die Gamblerwelle umgestiegen und schob seinen gesamten Stack in die Mitte (um die 130.000). Ich fand im BB 88 und callte natürlich. Er war unglücklich mit K4 off. Ich schloss meine Augen und hörte nur am River: Yeeessss! Dann sah ich, dass der Suck-out am River kam, nämlich der König. So erreichte ich bei diesem Turnier den 15. Platz (von 228 Spielern).

 Das Main Event – 192 Teilnehmer, Buy-in: €2.000, 20 Preise

Nach dem kurzen und erfolglosen Trip zur EPT Deauville bin ich sofort zurück nach Seefeld gefahren, um am Main Event teilzunehmen. Ich hatte zwei Tage Poker auf sehr gutem Niveau gespielt und lag bei den letzten zwei Tischen in Level 15 (Blinds: 4.000/8.000, Ante: 1.000) mit ca. 240.000 Chips leicht über Average (um die 200 000). Kurz davor hatte ich am Button mit um 17.000 geraist und bekam von Andreas Eiler im Small Blind eine Reraise-All-in um die 50.000 verpasst. Ich callte und war brutal überrascht von seiner Hand: offsuit. Mein Paar hielt und so hatte ich einen Stack über Average. 

Wenn ich nun vorsichtig spielte, sollte es nicht so schwer sein, den Finaltisch (der sogar live im Internet übertragen wurde) zu erreichen. Mein Tisch war relativ tight und ich hörte ständig, dass jemand raiste, nachdem alle brav gefoldet hatten. Na ja, allmählich war meine Geduld zu Ende und ich plante, bei der ersten großen Hand "over the top" zu gehen. Und in dieser fatalen Hand saß ich auf dem Button. Harry Casagrande (mit ca. 400.000) raiste in mittlerer Position auf 20.000, nach ihm reraiste der unerfahrene Ronald Zapantis (mit rund 260.000 Chips) auf 60.000. Jetzt begann ich langsam meine Karten zu anzuschauen mit der Hoffnung, dass ich eine Monsterhand hatte. Die erste Karte war As, die zweite … ein König. Wow! In diesem Moment reagierte ich impulsiv und beeinflusst von meinem oben erwähnten Plan und schob ohne zu überlegen meinen gesamten Stack (240 000 Chips) in die Mitte. Mein Wunsch nach diesem Zug war natürlich, dass alle folden würden und ich das tote Geld (100.000) in der Mitte einsammeln konnte. Alle haben schnell gefoldet bis zu Ronald, der aber etwas gegen meinen hohen Reraise hatte. Und mit Recht! Er callte und drehte seine um (für mich ist es ein Wunder, wie er an den letzten zwei Tischen so viele Male KKs bekommen hat!). So standen wir vor dem größten Pot (bis jetzt!) des Turniers (über 500.000). Auf dem Bord waren keine Asse mehr zu sehen, und so schied ich wieder kurz vor dem Finaltisch und  wieder als 15. (€3.650) aus.
Trotzdem bin ich zufrieden,denn durch die Platzierungen in Seefeld habe ich geschafft als Erster österreichische Pokerspieler,die magische Grenze - 1 Mio. USD  an Turniergewinne zu überschreiten und Nr.1 in der ,,Austria All Time Money List"  zu sein.
Ich muss aber meinem Gegner Ronald, der sein erstes großes Turnier gespielt hat, herzlich für seinen tollen zweiten Platz (€68.000) gratulieren!
 

Fazit: Normalerweise kann man nach einem Raise und Reraise callen oder nur mit AA oder KK "over the top" gehen!

<i>In diesem Fall machte ich mit AK einen Move und brachte so meine ganzen Chips in Gefahr, wobei die Fold Equity bei meinem Gegner relativ klein war! Und logischerweise lag ich in dieser Situation, wenn ich gecallt wurde, mit meinen AK hinten, weil mein Gegner normalerweise nur mit großem Paar callte!</i>

Realistisch gesehen war ich selbst schuld, wobei, wenn Casagrande und Ronald (falls er nicht KK gehabt hätte) gefoldet hätten, niemand meinen Fehler bemerkt hätte. Ich analysiere immer meine Schlüsselhände nach jedem Turnier, um meine Fehler zu erkennen. Das ist nur einer der vielen Wege, sich beim Poker zu verbessern!

 

Euer Ivo - "The Chess Master"

 
"Kein (Poker-)Sieger glaubt an den Zufall" - F. Nietzsche

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