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/Sep/2009

WPT Slovakia in Bratislava – klein aber fein!

Von: ivodonev @ 09:13 (CEST) / 5681 / Kommentar ( 5 )

Hallo alle miteinander,

in der letzten Zeit ist mir ein offensichtlicher Kampf um die Eroberung des Pokermarktes in Europa aufgefallen.

Es gibt so viele Pokerorganisationen die versuchen, eigene Touren zu entwickeln wie die Casino Austria Poker Tour, die Spanish Poker Tour, die Italian Poker Tour usw.

Die mächtigsten sind aber die zwei bekannten Touren, nämlich die European Poker Tour und die World Poker Tour.

Es ist kein Geheimnis, dass die EPT in den letzten Jahren einen echten Boom ausgelöst hat (siehe die ständig zunehmenden Teilnehmerzahlen) und die WPT in den letzten Jahren immer schlechter läuft (siehe die ständig abnehmenden Teilnehmerzahlen), darum suchte sich die WPT neue lukrative Stationen in Europa.

Und so hat zum ersten Mal in Mitteleuropa eine WPT in Bratislava stattgefunden.

Die Organisatoren (an der Spitze Jan Hacker als Eventmanager) haben sich sehr darum bemüht, ein tolles Turnier zu organisieren.

Sie haben mehrere Satellites für das Main Event durchgeführt, und zwar mit einer sehr langsamen Struktur (3.000 Startchips und 40-minütige (!) Levels), das ist nicht typisch für ein Satellite, wurde aber positiv von vielen Teilnehmern aufgenommen. Es ist kein Wunder, dass ein solches Satellite um die 12 Stunden dauert.

Das Casino Golden Vegas (auf dem Foto unten zu sehen), das neben einem Supermarket liegt und über dem sich ein Friseursalon befindet, war groß genug und gemütlich für die leider nicht zahlreichen Teilnehmer.

 

An Tag 1A starteten 37, an Tag 1B 63, also insgesamt 100 Teilnehmer.

Es wurden 16 Preise festgelegt, der Sieger sollte über €100.000 und der Spieler auf Platz 16 immerhin noch €6.000 erhalten.

Was mich hier angezogen hat, war die traumhafte Deepstack-Struktur mit 30.000 Startchips. Der erste Level war 25/50. Die Levels an Tag eins waren 60 min, ab Tag zwei waren sie 75 min lang.

Das Feld

Das Teilnehmerfeld war bunt gemischt, angefangen mit einigen Superstars wie Gus Hansen, Huck Seed, Vanessa Rousso (siehe Foto unten), Marty Smyth, Richard Toth, Florian Langmann usw. bis hin zu mehreren schwachen, meistens durch Satellites qualifizierten Spielern.

 

1. September, 12:00 Uhr, Tag 1B: Ich wurde auf Platz 6 an einen Tisch gelost, an dem ich drei Spieler kannte: auf Platz 2 Marty Smyth, auf Platz 7 Florian Langmann, auf Platz 9 Kurt Heindl. Die anderen Teilnehmer kannte ich nicht.

 

Hand Nr. 1: Wir saßen nur zu dritt am Tisch (weil die anderen Teilnehmer noch nicht gekommen waren), der Spieler auf Platz 2 (Marty Smyth) war im Big Blind und ich, in mittlerer Position sitzend, bekam . Logischerweise raiste ich (auf 150), da bei Shorthanded Q-9-suited eine Hand mit positivem Erwartungswert ist und ich von dem soliden Marty Smyth den Blind haben wollte. Der dritte Spieler hinter mir foldete sofort, aber Marty hatte offensichtlich den Verdacht, dass ich seinen Blind stehlen wollte, und callte. Der Flop brachte , wow, ein Volltreffer … Na ja, dachte ich, ein gutes Zeichen, endlich bekomme ich einen Lauf …

Marty checkte und ich, typisch für einen stehlenden Angreifer, wettete 200. Er callte sofort. Ich dachte, wenn ich die Neun habe, hat er wahrscheinlich die Sieben. Der Turn brachte die , er checkte wieder, ich setzte 500, er callte wieder. Der River brachte den , Marty checkte wieder. Jetzt war ich mir fast sicher, dass ich die bessere Hand halten würde, darum wettete ich wieder für Value, 1.500. Nach langer Überlegung war mein Gegner mit diesem Betrag einverstanden. Wir deckten beide unsere Karten auf, ich den Drilling Neunen mit der Dame als Kicker, Marty für den Nutflush! Plötzlich wurde mir kalt und mein Gefühl, dass ich einen Lauf bekommen würde, war verschwunden …

Marty ist ein super Spieler (er hat bereits rund 4 Millionen beim Turnierpoker gewonnen!) und für mich einer der besten Smallball-Künstler. Ich habe mit ihm bei der WPT viele Stunden zusammen gespielt und war erstaunt, dass er immer kleine Pots spielen wollte.

Hier ein krasses Beispiel: Level 7 (200/400, Ante: 50) und Marty raiste UTG auf das Dreifache des Big Blinds (1.200). Er bekam von einem slowakischen Spieler, Jan, der auch in früherer Position war, ein Reraise auf 4.000. Alle foldeten zu ihm und Marty, der offensichtlich eine große Hand hielt, dachte nach, ob er callen oder reraisen sollte. Schließlich callte er. Der Flop brachte , Marty checkte, der Slowake machte einen Conti-Bet auf 4.000 und Marty foldete sofort offen seine !!! Der Slowake drehte um! Wow, auf diese Weise hatte Marty nur ein Minimum mit seinen Königen verloren.

Irgendwie war er wie ein Alptraum für mich. Hier noch eine schlimme Begegnung: Ebenfalls in Level 7 war ich in mittlerer Position mit und raiste auf 1.200. Alle foldeten bis zum Big Blind - bis auf Marty, der sich schnell zum Call entschied. Der Flop brachte , Marty checkte (übrigens checkte er zu 99 % zum Raiser), ich setzte einen Conti-Bet von 2.000. Er callte. Ich vermutete, dass er: a) einen Flushdraw oder b) einen Jack mit einem schwächeren Kicker hatte.

Der Turn brachte die , er checkte wieder, jetzt wollte ich sofort den Pot gewinnen und wettete kräftig um 5.000!

Jetzt wurde Marty heiß und begann gründlich nachzudenken. Nach langer Zeit und mit offensichtlich großen Schmerzen bezahlte er die 5.000. Jetzt war der Pot sehr groß, ca. 17.000, und ich wäre sehr froh gewesen, wenn ich einen freien Showdown am River bekommen hätte. Der River brachte die , Marty checkte und ich fand keinen Grund mehr zu wetten, da diese Karte Marty eher helfen konnte, zu einem Flush oder zu einem Top Two Pair zu kommen, falls er mit QJ mitgegangen wäre. Ich checkte und er drehte um. Es ist klar, dass der Call mathematisch am Turn nicht o.k. war, darum war ich echt frustriert, aber zu meiner Beruhigung sagte Marty auf Englisch etwas wie: "Mann oh Mann, ich schätze dich immer falsch ein. Sorry!"

Irgendwie war ich leider ein wenig sauer nach diesem negativen Spiel und gleich in der nächsten Hand spielte ich schwach. Der oben genannte Slowake Jan (mit etwa 60.000 Chips) raiste in früher Position auf 1.100 (er spielte übrigens ziemlich viele Hände), ich war in mittlerer Position (mit ca. 58.000 Chips) und wollte ihn isolieren. Darum reraiste ich mit mittleren Connectors () auf 3.600 und wie erwartet foldeten alle bis zum Ursprungsraiser, der nach kurzer Überlegung callte.

Der Flop: , Jan checkte und ich versuchte sofort, den Pot mit einer kräftigen Wette über 6.000 zu gewinnen. Überraschenderweise callte Jan ziemlich schnell. Das war für mich der klare Hinweis, dass mein Gegner

a) einen Flushdraw oder

b) ein kleines oder mittleres Pocket-Paar oder

c) die Dame getroffen hatte.

Turn: . Mein Gegner checkte, diese Option gefiel mir und ich war mit dieser Entscheidung einverstanden. Nach dem großen Bet von mir und dem schnellen Call hatte ich psychologisch den Pot aufgegeben.

Der River war für mich wie Licht im Dunkeln – . Mein Gegner checkte wieder.

Diesen Rivercheck interpretierte ich als: Komm, Ivo, ich habe ein kleines verdecktes Paar und bin froh über einen Gratisshowdown. Klar kann man nicht mit 8-hoch den Showdown gewinnen, darum hat mir die "scary" River-Karte so gut gefallen. Jetzt dachte ich, mit einer großen Wette werde ich vortäuschen, dass dieses As mir geholfen hat, zwei Paar Asse zu repräsentieren. So brachte ich ohne lange zu denken um die 9.000 in die Mitte. Jan hat dann lange nachgedacht, aber trotzdem gecallt. Ich sagte: "Guter Call" und drehte die 8 und die 7 für einen totalen Bluff um, er dagegen für den Flush.

Das war das einzige Mal während dieser WPT, dass ich einen fetten Bluff gemacht habe (er kostete mich 18.600, rund ein Drittel von meinem schwer erarbeiteten Stack!) und ich wurde sofort erwischt.

Trotzdem habe ich es geschafft, mit 40.700 den ersten Tag zu beenden (Average war etwas über 50.000).

Gegen 22:30 Uhr war ich dann im Hotel Falkensteiner (s. u.) angelangt, wo ich einen Saunagang nahm und rechtzeitig im Bett war.

 

Die Fortsetzung zu Tag 2 folgt …

 

Hier noch die Antwort zu meinem vorigen Rätsel:

Die beide Exprofifußballer, die jetzt aktiv Poker spielen, sind:

a) auf dem linken Bild Manfred Kastl von VFB Stuttgart (1989-1992)

b) auf dem rechten Bild Nasko Sirakow von Levski Sofia (Nationalspieler - Vierter mit Bulgarien bei der Fußball-WM 1994!)

Euer Ivo - "The Chess Master"

 

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