javascriptNotEnabled

Home \ Community \ Blogs \

ivodonev blog

ivodonev blog
Send PM

Hallo liebe Leser,

das Schöne an diesem Turnier war, dass immer um 12 Uhr zur Mittagszeit gestartet wurde und man dadurch am Abend rechtzeitig ins Bett gehen konnte. Für mich ist ein erholsamer Schlaf in der Nacht für meine Konzentrationsfähigkeit am nächsten Tag sehr wichtig, darum vermeide ich persönlich die "Nachtturniere".

Tag 2

Wir starteten mit Level 9 (300/600, Ante: 75, 75-min-Levels) und obwohl mein Stack unter Average war, war ich nicht unter Druck und konnte mir ruhig meine All-in-Moves überlegen. Eine Runde kostete mich 1.575, so war ich mit meinen 40.700 im grünen Bereich. In der zweiten Hand war ich im Small Blind mit . Alle foldeten zu dem ganz jungen Spieler Ronny Kaiser (der gerade ein €800-Buy-in-Turnier bei der CAPT Graz gewonnen hatte) am Button, der auf 1.800 geraist hatte. Ich sah mir seinen Stack an, er lag bei etwa 12.000. Meine Hand, schätzte ich, war im Schnitt gut genug, um gegen den Button-Raiser Widerstand zu leisten. So dachte ich, dass jetzt ein Call oder ein Reraise eine vernünftige Option wären. Falls ich callte, gab ich dem Big Blind gute Potodds und blieb out-of-position für den Rest der Hand! Deshalb raiste ich, um den Big Blind zu neutralisieren und um hoffentlich den Pot jetzt sofort gegen den Raiser, der in Stehlposition war, zu gewinnen. Meiner Meinung nach hätte ein Reraise auf 12.000 wie ein Resteal ausgesehen. Darum raiste ich auf 5.300, um Stärke zu zeigen. Der Big Blind benötigte nur eine Sekunde, um zu verschwinden, aber der ursprüngliche Raiser schob mit der gleichen Geschwindigkeit wie zuvor seine Chips in die Mitte: all-in mit ca. 12.000. Ich machte aufgrund der guten Potodds und meiner Stack-Dominanz ziemlich schnell einen Call. Nur wenn mein Gegner AA oder KK hielt, wäre mein Call ein klarer Fehler. Beim Showdown deckte er auf und ich , also war er erwartungsgemäß nicht ein so großer Favorit, nämlich um die 1,5 zu 1. Die erste Karte am Flop war ein König, und so konnte ich diesen Pot gewinnen.

Es folgte über eine Stunde lang ein schleppender Gang durch die trockene Wüste, ich meine damit ein 100%iges Folden. Irgendwann gegen Ende von Level 9 hatte ich im Big Blind . Alle foldeten bis zum Cut-off, der auf 1.600 raiste. Die anderen Spieler foldeten und ich dachte, dass meine Hand genug Potential gegen den Raiser in später Position haben würde. Darum callte ich mit ruhigem Gewissen, um den Flop billig mit meiner Draw-Hand zu sehen.

Der Flop brachte . Ich checkte vorsichtig, aber mein Gegner wollte die Turn-Karte teuer machen und wettete 3.000. In diesem Moment wusste ich nicht:

a) Ist diese Wette ein logischer Contibet von einer Hand wie As mit großem Kicker (AK, AQ, …)?

b) Ist diese Wette ein Valuebet von einem wahrscheinlichen Overpair, um seine momentan vorteilhafte Hand zu schützen?

Ich war mich ziemlich sicher, wenn am Turn eine Vier oder ein As fallen würden, würde ich meinen Gegner sicher überholen. Außerdem hatte ich noch die Möglichkeit für einen Backdoor-Flush oder eine Backdoor-Straight, falls am Turn irgendein Kreuz oder eine Drei oder eine Fünf auftauchen sollten. So in die Dunkelheit geraten callte ich, um den Turn so billig wie möglich zu sehen, dieser brachte die .

Wow! Jetzt hatte sich meine Hand stark verbessert. Gegen ein mögliches Overpair hatte ich von den 20 % am Flop jetzt fast 40 % am Turn! Jetzt hatte ich zusätzlich zu meinen fünf Outs am Flop noch zwölf Outs (neun Kreuze und drei Fünfen) am Turn. Grundsätzlich hatte ich jetzt zwei Optionen:

a) ein Bet, als Semibluff und als Blocking-Bet

b) Check mit eventuellem Raise, falls mein Gegner wetten würde

Also bewegte ich jetzt 5.000 in die Mitte und erwartete, dass mein Gegner nur callen oder folden würde. Leider zog mein Gegner diese zwei Optionen nicht in Betracht und es folgte ein Raise um die 15.000, als ob er mir sagen wollte: "Hau ab, Ivo, bevor es zu heiß wird, und überlasse ganz einfach mir den Pot.“

Ohne lange zu zögern reraiste ich ihn all-in, da ich mehr Chips (am Turn hatte er um die 37.000 und ich um die 52.000 Rest) als er hatte, ich  wollte ihn einfach davon überzeugen, dass meine Hand sehr stark war. Sichtlich erschrocken von meiner schnellen Reaktion und mit Kopfschütteln schob er seine restlichen Chips in die Mitte. Wir drehten die Karten um, ich , er . Der River brachte mir keine meiner 17 Outs, und so ging der fette Pot nicht in meine Richtung, sondern zu meinem Gegner.

Später dachte ich ziemlich oft über diese Schlüsselhand nach. Und ich denke, dass ich nicht gut gespielt habe! Warum? Weil am Turn für meinen Gegner mit seinem Overpair kaum Fold Equity möglich war. Er war fast committed, weil er nur 22.000 Restchips hatte, und in der Mitte waren schon über 60.000, also war es für meinen jungen Gegner mit seinem Overpair bei diesen ausgezeichneten Potodds fast unmöglich zu folden.

Ich hätte besser spielen können, wenn ich am Turn gecheckt hätte, wahrscheinlich hätte mein Gegner wieder gewettet, etwa gegen Potgröße, also 5.000 bis 6.000. Dann hätte ich kräftig raisen können (etwa 19.000), ohne dass er sich committed gefühlt hätte, weil ihm über 30.000 verblieben wären und er nicht so gute Potodds wie im wirklichen Spiel gehabt hätte! Natürlich hätte er auch in diesem Fall callen oder sogar all-in reraisen können (was mich zum Call gezwungen hätte, weil ich in einem solchen Fall auch ich committed gewesen wäre), aber trotzdem hätte ich so die Hand auf alle Fälle besser gespielt.

FAZIT: So bekommt man während eines Turniers immer wieder neue Erkenntnisse und bei mir kommen immer wieder verschiedene Fragen und Gedanken auf, ob ich die Hand richtig gespielt habe (unabhängig vom Endergebnis!) und wo ich besser hätte spielen können.

Nach dem Verlust dieses großen Pots war ich mit rund 15.000 Chips der Shortstack am Tisch. Bald stiegen wir auf zu Level 10 (400/800, Ante: 100). Mit meinem Shortstack musste ich die wichtigste NL-Pokeridee, den "Bluff", vergessen, weil fast alle am Tisch mindestens das Dreifache meines Stack hatten. Eine Runde kostete mich 2.100, ich versteckte mich wie ein Raubtier, das im Busch liegt und auf Beute lauert, um im entscheidenden Moment zuzuschlagen.

Nach ca. 30 Minuten erneuter absoluter Trockenheit (100 % Folds) hatten die Blinds und Antes über 30 % meines Stacks aufgefressen. Endlich sah ich eine Oase, nämlich am Button mit 11.500 Chips. Alle foldeten, bis derselbe junge Slowake (der meinen Stack in einer zuvor beschriebenen Hand stark beschädigt hatte) aus später Position auf 2.000 raiste. Der Cut-off foldete schnell und ich stand mit meinem großen Paar vor zwei Optionen:

a) Callen und hoffen, dass ich nach dem Flop mehr gewinnen kann. Das hat mir aber nicht gefallen, weil ich ihm so einen Gratisflop erlauben würde.

b) Raisen. Ich dachte, falls ich auf 5.000 bis 6.000 reraisen würde, wäre ich vor oder nach dem Flop pot-committed, darum wäre für mein Stack ein Reraise-All-in für 11.500 optimal.

Nach kurzer Überlegung entschied ich mich für Variante b). So war ich mir sicher, dass die Blinds jede Hand folden würden, außer AA, KK und vielleicht QQ, und ich so höchstwahrscheinlich die 4.100 Chips, die in der Mitte wie eine große Schokoladenpraline (ich liebe Schokolade!) lagen, gewinnen könnte. Die Blinds foldeten wie von meinen Gedanken gesteuert, aber der sture junge Slowake begann nachzugrübeln. Ich fragte ihn, ob er Hilfe bräuchte. Er sagte, wenn er nicht gegen AA spiele, bekomme er die richtigen Potodds zum Callen. Ehrlich gesagt wäre es mir lieber gewesen, den kleinen Pot (4.100) sofort und ohne Risiko zu gewinnen statt in einem größeren Pot zu zittern (25.000), in einer Situation, in der ich im Maximum 4 zu 1 Favorit war. Darum versuchte ich meinen Gegner zu überzeugen, nicht zu callen. Ich sagte zu meinem jungen Gegner: "Du hast sage und schreibe drei Outs, die dir im Maximum 30 % Gewinnchancen geben. In diesem Fall brauchst du für deine Hand Potodds von 2,5 zu 1".

Mathematisch gesehen lagen jetzt die Erwartungswerte für einen Call (9.500 zu callen, um einen Pot von 15.600 zu gewinnen) bei etwa 1,6 zu 1, also handelte es sich um einen Call mit negativen Erwartungswerten! Das hat meinem Gegner gereicht (jetzt war er sicher, dass ich nicht AA hatte) und er sagte: "Ich weiß, dass ich klar hinten liege, aber … trotzdem: Call!" Und er schob 11.500 in die Mitte. Hier gibt es eine wichtige Kleinigkeit anzumerken: Mein Gegner war zu diesem Zeitpunkt der Spieler mit dem zweitkleinsten Stack am Tisch. Nach dem Call waren ihm um die 5.000 Chips (wichtig: Eine Runde kostete 2.100!) übriggeblieben! Falls er also diesen Pot verlieren sollte, wäre er der Shortstack von allen verbliebenen Spielern an den restlichen vier Tischen gewesen.

Er drehte um und ich mein Bubenpaar. Meine Gedanken waren: Bitte ihr Buben, haltet meinen Vorteil! Der Flop brachte , der Turn schließlich ein As und es kam keine Hilfe am River für mich. Der Rest ist Geschichte … auf der Leinwand. 36 Spieler left … 16 Preise, ich fuhr sofort nach Hause. Das einzig Gute am Ende war, dass ich am Tag zwei wenigstens dazu früh genug ausgeschieden war.

So konnte ich den Abendzug leicht erwischen (22:20 Uhr) um mit dem Schlafwagen nach Hause zu fahren. Meistens tut es mir nach solchen Niederlagen gut, sofort zu meiner Familie nach Hause zu fahren, um eine totale Pokerpause zu genießen und zu relaxen und mich für das nächste Turnier aufzubauen.

Mein Motto: Gib niemals auf! Am Ende noch einige Bilder aus der "neuen" Slowakei:

 

Typisch für ein ehemals sozialistisch geprägtes Land: Ein altes Haus mit einer Werbung für einen neuen Häuserblock!

Blick vom meinem Hotel Falkensteiner


 

Das Casino inside - ganz modern ausgestattet

Euer Ivo - "The Chess Master"

In order to comment, you must login or register
Quiz
Neu hier? Nimm an unserem Einstufungstest teil und starte so deine Pokerausbildung.
Schon Mitglied? Melde dich hier an
javascriptNotEnabled
Lerne Von Einsteiger- bis zu Expertenstrategien
Trainiere Verbessere dein Können mit Hilfe unserer Trainer
Gewinne! Etabliere dich als Gewinner