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/Jul/2009

WSOP - NL Hold'em: Eine interessante Hand

Von: ivodonev @ 09:59 (CEST) / 6206 / Kommentar ( 29 )

  <font size="5"> </font>Hallo alle miteinander,

Ein seltener Besucher in meinem Zimmer

Früher in meiner Schachtrainerzeit habe ich bei der Analyse kritischer Situationen in Schachpartien oft Fragen an meine Schüler gestellt, sozusagen als eine Art Test-Training, durch das man einige neue Möglichkeiten erkennen kann. Poker ist für manche eine harte Arbeit und je gründlicher man sich damit befasst, desto mehr neue Erkenntnisse wird man gewinnen!

Im Folgenden werde ich versuchen, die gleiche Methode (wie früher im Schach) im Poker anzuwenden. Hier eine interessante Hand von mir im NL-Hold'em-WSOP-Turnier. Bitte nehmt ein Blatt Papier und deckt den Bildschirm unter der Frage (jeweils in Fettschrift) ab, denn auf diese Weise kann jeder für sich die Antworten testen.

In einer frühen Phase des Turniers (Blinds: 100/200) saß ich in später Position mit einem Paar . Alle foldeten zu mir – mein Stack lag bei rund 9.000. Was sollte ich tun?

a) Folden

b) Callen

c) Raisen (600)

d) All-in raisen

                       

Falls noch niemand im Pot gelimpt oder geraist hat, ist ein Paar Siebenen in später Position eine gute Hand. Ich bin darum der Meinung, dass ein Raise auf 600 hier die beste Entscheidung ist. Alle foldeten bis zum Big Blind, einem unerfahrenen, leicht zu lesenden Gegner (sein Stack war ca. 9.000 groß), dieser reraiste auf 1.800.

 

Interessantes T-Shirt für einen Pokerspieler ... oder?

Jetzt war ich wieder dran. Was nun?

a) Folden

b) Callen

c) All-in reraisen mit 9.000

           

Zuerst die Potodds: Ich hätte für einen Pot von 2.500 1.200 bringen müssen, also lagen die Potodds bei ca. 1 zu 2. Meine Chance, am Flop eine Sieben zu treffen, lag bei 1 zu 7,5. Aber es gibt ein weiteres und sehr wichtiges Element: Während der gesamten Hand hatte ich Position.

Ich vermutete, dass mein Gegner Folgendes hatte:

a) AK , AQ, AJ usw.

b) ein großes Paar, z. B.: KK, QQ, JJ

c) resteal Bluff 

Somit callte ich. Der Flop brachte

 

Mein Gegner machte einen Conti-Bet für 2.000. Was nun?

a) Folden

b) Callen

c) All-in gehen mit 7.200

            

Falls mein Gegner ein großes Paar hielt, wäre ich weit hinten gewesen (es bestand eine etwa 9%ige Chance, eine Sieben bis zum River zu treffen). Falls mein Gegner AK oder AQ hatte, wäre ich vorn gewesen, und zwar mit ca. 75 % zu 25 %. Und falls mein Gegner (resteal) Blufft, wäre ich weit vorne gewesen.

Im Pot waren schon 3.700 + die neuen 2.000 von meinem Gegner, also zahlte ich 2.000 für 5.700. Falls ich nun raiste, hätte es keinen Weg zurück mehr gegeben, wenn mein Gegner mit einem großen Paar all-in gegangen wäre. Darum callte ich, einfach um den Turn abzuwarten und um zu sehen, was mein Gegner am Turn machte.

Am Turn tauchte statt der gewünschten Sieben ein unfreundliches As auf. O.k., o.k., jetzt war ich in Schwierigkeiten, falls mein Gegner wettete. Jetzt würde ich gegen fast alle seinen oben genannten möglichen Hände verlieren! Falls mein Gegner jetzt wettete, wäre ich einfach fertig mit meiner Hand gewesen!

Es ist bekannt, dass man beim Poker ohne Risiko kein Turnier gewinnen kann … Aber glücklicherweise hatte mein Gegner eine andere Meinung, er checkte.

Was nun?

a) Checken und eine freie Karte nehmen

b) Betten auf 2.000 und, falls mein Gegner raiste, folden

c) Mit 5.200 all-in gehen

            

Na ja, jetzt war ich fast sicher, dass er ein großes Paar und kein AK und kein AQ hatte.

Ich überlege ganz kurz und schob meinen Stack in die Mitte: all-in! Das war wie ein Schock für meinen Gegner, der fast ein rotes Gesicht bekam. Er begann zu murren und warf sein Paar Könige offen weg, mit dem Kommentar: "Ich habe mit den Königen nie Glück, immer taucht am Bord ein As auf."

So konnte ich den Pot gewinnen, dank meiner günstigen Position und guten Einschätzung meiner Gegner.

            

Jetzt noch eine interessante Frage: Sollte man die eigene Hand zeigen oder verdeckt ablegen?

                  

Vor einigen Jahren hätte ich an dieser Stelle stolz meine Hand gezeigt, um zu beweisen, dass ich meinen Gegner voll überspielt hatte. Jetzt aber bin ich anderer Meinung: Ich habe meine Hand verdeckt abgelegt. Was bringt es, in dieser Situation die Karten freiwillig zu zeigen? Alle anderen Spieler am Tisch bekommen eine Gratisinfo über dein Setzmuster und deinen Spielstil. Meiner Meinung nach gibt es selten einen Grund, die Karten zu zeigen, außer z. B., wenn man am Ende des Turniers im Heads-up geblieben ist und durch das Zeigen einen Bluff oder eine andere unangenehme Info für seinen Gegner hat. Solch eine Info bringt den Gegner dann aus dem Konzept und er beginnt, schlecht zu spielen (er gerät sozusagen auf Tilt).

Selbstverständlich gibt es auch Hände, die ich nicht gut gespielt habe, und ich werde diese zukünftig auch offen analysieren.

                     

Hier noch einige interessante Fotos von der WSOP:

 

Habt ihr schon einmal so viele Leute bei einem Pokerturnier gesehen? Das spielt sich während des Main Events täglich ab. Nur um auf das WC zu gehen, wartete ich im Minimum 10 bis 15 min in einer riesigen Warteschlange ...

 

Um sich den langen Weg zum Pokertisch zu erleichtern, sind manche Pokerspieler schlau und sehr einfallsreich: Auf dem Foto oben ist Andy Black mit seinem Lieblingstransporter, seinem Skooter, zu sehen, gefolgt von einem Spieler mit Elektromotor ...

 

In der Pause hatte ich die Gelegenheit, beim Armdrücken meine Stärke gegen den Exweltmeister zu testen

                 

Euer Ivo – The Chess Master

           

              

PS: mein Tisch (unvollständig) an Tag 2A beim WSOP-Main-Event am 7. Juli 2009, von dem ich bald berichten werde:

Mclaughlin, Robert - Washington D.C.  - 65.675         B6 Seat 1

Luc, Viry Asnieres - France                  - 37.625         B6 Seat 2

Rogers, Timothy - Great Falls, MT      - 103.225        B6 Seat 3

Carpenter, Scott - Fairfax Station,VA   - 21.375          B6 Seat 4

Donev, Ivo - Bregenz, Austria               - 51.625          B6 Seat 5

Ngo, Anh - Freseno, CA                      - 36.225          B6 Seat 6

Thomas, Guy - Worcestor, PA             - 42.550           B6 Seat 9

  P.S. Tag 2 A mit 116 500 erfolgreich beendet !

 

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