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/Okt/2009

1,2, Kartoffelbrei

Von: minraise @ 16:20 (CET) / 16 / Kommentar ( 26 )

1,2, Kartoffelbrei...Kartoffelbrei?...eeeh....

 

Ich musste meinem guten alten Freund und ehemaligen Minraise Coblogger Thomas diesen Titel beim letzten Homegame in einer Sidebet versichern. Aber der Titel passt tatsächlich zum Inhalt des heutigen Blogs. Stellt Euch vor, Ihr spielt in einem Cashgame voll von Sharks - oder zumindest Leuten, die online und auch Live die Midstakes (sei es Cashgame oder Turniere) platt machen. Irgendwann seid Ihr dann in eine Hand mit einem dieser Leute verwickelt, und Euer Gehirn fängt an zu rattern. Ihr schaut Eure Hand an, und dann fragt Ihr Euch:

  • Was kann er haben? - Wie stellt sich seine Hand für mich dar?
  • Was denkt er, dass ich habe? - Wie stellt sich meine Hand für Ihn dar?
  • Was muss er denken, was ich denke, dass er hat? - Wie stellt sich seine eigene Hand für mich dar?
  • Was muss er denken, was ich denke, dass er denkt, was ich habe? - Oh Gott, keine Ahnung.

Gut, zugegeben denkt man in der Hand selbst vielleicht nicht an all diese Dinge, aber zumindest versucht man seine Gedanken so zu ordnen, dass Sie einem den besten Spielzug abliefern. Und wenn sowas schief läuft, das ist der Zeitpunkt, wenn alle Gedanken nur noch zu Kartoffelbrei zermatscht werden. Erkennt sich hier jemand wieder? Mir geht es öfter so.

Eine Hand dieser Art habe ich letzte Woche gegen Arne gespielt (wem die Namen nichts sagen, der kann hier über unsere Vegas Eskapaden im Sommer nachlesen). Das lustige an der Hand ist eigentlich, dass wir wohl beide so viel mentalen Kartoffelbrei gestampft haben, dass keiner von uns mehr nachvollziehen konnte, wie es letztendlich zum Ausgang der Hand kommen konnte. Die Hand ist in keinem Fall von mir gut gespielt, wenn man sie losgelöst aus jedem Kontext betrachtet...und sonst eigentlich auch nicht. Genau in dieser Situation hatte mein Spielzug Erfolg, weil Arne sich auch auf einem ganz anderen Dampfer befand, als ich - zu meinem Glück. Wir sind sozusagen beide mit eigentlichem Kurs auf Gewinn aneinander vorbeigefahren, und dann dennoch ineinander gekracht aufgrund von fehlgestellten Kompässen.

Genug pseudo-poker-intellektuelles Geschwafel, die Hand:

  • No Limit Hold'Em, effektive Stacks von 200 Big Blinds. Ich eröffne am Button auf 3 BB mit , und Arne callt im Big Blind. Der Flop kommt runter mit . Arne setzt von vorne 5BB in einen Pot von 6,5BB, ich bezahle. Der Turn bringt die , und wieder feuert Arne von vorn 15BB in den Pot von 16,5BB - ich calle. Der River bringt die , Arne setzt ohne zu zögern 35BB in einen nun 46,5BB großen Pot, und ich raise auf ~100BB.

Das fühlt sich schon beim Schreiben grausig an. Also machen wir mal die übliche Dreikäsehoch-Handanalyse in der Nachschau.

  1. Preflop: Wenn Arne ohne Position vor dem Flop callt, kann er alles mögliche halten. Die allerstärksten Hände streiche ich erstmal aus seiner Range, weil er eigentlich gern mit Initiative spielt und auch vor dem Flop oft mit Reraises blufft - so würde er seine Monster auch oft genug reraisen. Arne spielt für gewöhnlich nämlich auch Salat gern ohne Position, wenn die Laune stimmt. Da er ziemlich gut ist im Abschätzen der psychologischen Verfassung seines Live Gegners, und mich auch schonmal auf den ein oder anderen Tell hingewiesen hat, kann er sich das auch gut erlauben.
  2. Flop: Neben Salat und schwachen Draws setze ich ihn hauptsächlich auf One Pair Hände und das gelegentliche Monster (Set, Two Pair). Ich werde mit meinem schwachen Top Pair oft gut sein am Flop, habe Position und Backdoor Draws (Running Clubs und Straight).
  3. Turn: Auch der Turncall ist noch absolut im Rahmen des Standards, da ich nun noch einen Open Ended Straight Draw aufgegabelt habe. Sollte ich hinten sein, habe ich immerhin noch Outs, selbst gegen ein Set.
  4. River: Der River bringt nun den Flush, und Arne setzt super schnell. Diese Instabet interpretiere ich als so stark, das ich mir noch einmal Gedanken um seine Hand mache. Flop, Turn und River von vorn stark anspielen. Mit welchen Händen würde er das machen? Arne ist aggressiv genug, einen Flushdraw so zu spielen. Die Riverbet wäre somit nur konsequent. Er kann mich auch schon die ganze Zeit über beat gehabt haben, und setzt nun trotz des Flushes nochmal für Value. Oder er blufft eine schwache Hand, weil das Board für mich eklig gewordne ist, was auch immer ich für Ein-Paar Hände habe. Da ich Showdown Value habe, könnte ich auch einfach nur callen. Das würde vor allem meine Kosten noch recht günstig halten. Die Kartoffel, die ich in meinem Kopf aber nun zermatsche, ist die: Ich glaube, dass Arne von Anfang an so stark war (Two Pair, Set), dass ich den Showdown nicht mehr oft genug als Gewinner überstehen kann. Also entscheide ich mich, weil das Board für ihn ja bei solchen Händen nicht sonderlich schön geworden ist (Herzflush und 3 Karten zu einer Straight), meine Hand in einen Bluff zu verwandeln. Die Hand muss sich aber nun aus seiner Sicht komplett anders darstellen. Ich calle zweimal in Position. Ich habe also entweder eine Hand mit Showdown Value, oder einen Draw. Aber würde ich die meisten Draws nicht am Flop raisen? Würde ich geturnte Two Pair oder eine Straight aus Protection Gründen am Turn nicht eher raisen? Wieso calle ich zweimal, und raise DANN den River? Das sieht bluffig aus.

Ausgang der Hand: Arne geht für einige Minuten in den Tank und callt dann. Ich will meine Hand schon mucken, weil ich mir sicher bin, geschlagen zu sein - aber als er mich fragt was ich habe und ich "Zehn" entgegne, ist er sichtlich angefressen. Und das auch zurecht. In diesem Fall war ich so erstaunt darüber, dass meine Hand gut ist und ich quasi "unbewusst" für Value geraist habe, die eigentlich gar nicht existiert. Da zeugt es natürlich auch nicht von guter Etiquette, wenn ich lauthals frage. "Wie, ich bin gut???". Tipp am Rande und Note to self: In Livegames auch mit Kumpels einfach mal die Fresse halten, egal wie eine Hand verlaufen ist oder ausgeht. Arne sah meine Line als so bluffig an, dass ich kaum einen Flush oder eine Straight oder Two Pair halten könnte. Im Prinzip kann ich so, wie ich die Hand hier aufschreibe, seinen Gedankengang viel vesser nachvollziehen, als meinen eigenen. Er callte letztendlich mit einer , allerdings hat er mir bisher nicht verraten, welche Hand es tatsächlich war. Ihr könnt ja mal in den Kommentaren tippen, ich frage ihn, und wer gewinnt bekommt von mir einen Karma Dollar bei Pokerstars geshipped.
 

Soviel zum Thema. Ende nächster Woche gibt es dann Nachschub von Live Händen aus Vegas - der Flieger geht am 5.11. Updaten werde ich während der Zeit auch regelmässig meinen User Blog. Live Trainings gebe ich auch wie im Sommer wieder von dort aus, wenn die Leitung steht.

Bis dahin, viel Glück an den Tischen,
Euer Flix
 

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