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minraise blog

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/Apr/2009

6 Max Talk - Bluffs, die zu den Nuts werden

Von: minraise @ 18:23 (CEST) / 1 / Kommentar ( 54 )

Hallo ihr geduldigen Intellis. Diese Woche gibt es nun wieder eine Folge 6 Max Talk, da ich gestern mit Philipp aka Alphaflip eine interessante Hand in einer unserer Trainingsstunden diskutiert und analysiert habe. Letzte Woche ging es aber noch um diese Live Game Hand aus einem 1-1 NL Spiel, bei dem ich Euch diese Woche noch die Aflösung schuldig bin. Die gibt es also nun vornweg. Viel Spaß!

***

Es ging um die hohe Kunst, ein Ovepair zu spielen.

Meine Gedanken waren glaube ich Range-mässig gar nicht mal so daneben. Als ich die Hand einigen anderen Homegame Kumpels erzählte, die meinen Gegner und dessen frühere Hände mit mir ebenfalls kannten, waren die meisten sich einig, dass wir die Hand auf diesem Board locker für Stacks spielen können. Allerdings machte ihnen meine Line und die effektive Stacksize etwas Sorgen, und ich denke im Nachhinein, dass die auch der Knackpunkt war. Ich habe mich auf eine ungewöhliche Line verlassen, ohne zu beachten, dass eine andere Line mich erstens hätte günstiger aus der Hand kommen lassen, und zweitens eine ehrlichere Antwort von meinem Gegner provoziert hätte. Ich habe den Flop zu klein angespielt (in der falschen Hoffnung, dass mein Gegner mich bei diesem kleinen Bet eher mit Bluffs raisen würde), und ihm damit korrekte Odds gegeben, um zu callen. Den Flop hätte ich mit ca. 16 anspielen sollen, um dann am Turn ca. 40 zu bet/folden. Wenn er auf eine solche Turnbet All-In geht, bin ich mir sicher, dass er mich nicht bluffen wird, da es nicht aussieht, als ob ich folden würde.

Machen wir es kurz: Er hatte für die geturnte Straight. Einige Intellis haben damit richtig getippt :)

Christopher aka Gefallener hatte zu der Hand einen sehr guten Grundsatz Kommentar: "Ich spiele bei 150BB out of Position nicht für Stacks". Demnächst hör ich dann auch auf ihn. Weiter geht es nun mit 6 Max Talk.

***

In der heutigen Ausgabe haben Philipp und ich wie immer versucht, uns nicht am Ergebnis der eigentlichen Hand zu orientieren, sondern ausschliesslich mit Ranges zu arbeiten. Vorweg die Hand, um die es sich dreht:

[replayer hand=119253]

  • Flix: Hi Philipp, heute hast du eine Hand ausgepackt, die ein bisschen schwer zu spielen gewesen schien, gerade weil du out of Position agieren musstest. Du hast an dem Tisch hier in MP mit eröffnet. Ist die Eröffnung für dich Standard?
  • (Coaching)Philipp: Hallo Felix, nein die Eröffnung ist nicht Standard, aber die 2 Spieler im CU und BU waren sehr tight also kann ich hier meist in Position spielen wenn ich eröffne
  • Flix: Alles klar, ich denke auch, dass das auf jedenfall ein notwendiges Kriterium dafür ist, dass du hier eröffnen kannst. Die Spieler hinter dir und in den Blinds sind alle fullstacked. Was hälst du generell von QJo bei 100 BB?
  • (Coaching)Philipp: Außerdem ist der BB sehr tight und verteidigt nie seinen Blind - im Grund ist der Spielzug ähnlich eines Button raises zu sehen um die Blinds zu stehlen. Ich denke QJo ist eine sehr anfällige Hand und schwer zu spielen, da man bei viel Aktion meist dominiert ist. Man muss hier schon eine Straße oder mindestens 2 Pair treffen um für Stacks zu spielen
  • Flix: Ja, das sind wichtige Punkte. Deine reverse Implied Odds sind sehr hoch, daher ist es super wichtig, dass wir Position haben, besonders, wenn wir Top Pair Hand Typen floppen. Klar, Two Pair oder besser lassen sich dann einfacher spielen...aber auch QJ auf einem QJX Board ist extrem anfällig, und wir zahlen eventuell Hände wie KT oder T9 aus, die eine Two Card Straight machen. Das sind echte Minuspunkte für diese Hand. Jetzt sehen wir aber erstmal den Flop. Hattest du Reads auf den Spieler im Big Blind?
  • (Coaching)Philipp: Der Big Blind war sehr tight und spielte kaum Hände, der SB spielte da schon mehr Hände und bezahlte zu 50% eine Contibet und foldete meist auf die Turn Bet
  • [replayer hand=119254]
  • Flix: Also ein schöner Flop zum C-betten?
  • (Coaching)Philipp: ja auf jedenfall, da keine Draws möglich sind und ich gut den K repräsentieren kann; ich denke auch der SB würde oft versuchen zu floaten, wenn ich am Turn checke und somit keinen K präsentiere um mich vom board zu bringen.
  • Flix: Ok, also planst du schon einen zweiten Barrel am Turn. Das finde ich ganz gut. Zudem hast du Backdoor Straight Draws, und auf viele Turn Karten kannst du die Aggression dann mit extra Outs aufrecht erhalten. Eine oder ein etc. Auf was für eine Range setzt du den SB denn nachdem er deinen CBet gecallt hat?
  • (Coaching)Philipp: Nachdem er sehr viele Contibets bezahlt ist seine Range hier sehr groß. Von Luft bis A hoch, über TP mit mitelmässigen Kicker oder auch ein Set wäre möglich... Obwohl AA, KK und AK schließe ich fast aus, da  er mit diesen Händen preflop wahrscheinlich eine 3 bet gemacht hätte
  • Flix: Ja, ich denke auch, dass auf diesem trockenen Board viele One Pairs dabei sind, und ein paar Connectors mit Gutshots, 6x, . Wichtig ist glaube ich, dass nicht nur dein Backdoor Straightdraw kommen könnte am Turn, sondern dass du in Position hier auch den Showdown gewinnen kannst wenn der Turn eine oder ein ist. Flix: Nun zum Turn Flix: Ich finde dein Betsizing interessant. Es ist recht klein. Was sagst du dazu?
  • [replayer hand=119255]
  • (Coaching)Philipp: Die Bet ist deshalb so klein, da er fast immer die Cbet bezahlt. Da meine Hand aber noch keinen Showdown Value hat brauch ich noch keinen großen Pot aufbauen und will nicht zu viel riskieren
  • Flix: Vielleicht war dir das gar nicht so bewusst, aber vor dem Hintergrund, dass du eh vor hast, viele Turns zu betten, ist das ein gutes Cost Magement. Du hälst deine Bluffkosten gering und erzielst den selben Effekt. Zunächst war ich von der kleinen Bet nicht so begeistert, je länger ich aber drüber nachgedacht habe umso besser finde ich sie, weil ja automatisch deine Turnbet günstiger wird. Dann solltest du nur schauen, dass du generell auf trockenen Boards auch kleiner bettest, um dein Spiel auszubalancieren. Oder zumindest ein solches Play nicht gegen Spieler machst, die gut mitdenken :). Nun kommt der Turn, und du bekommst einen Backdoor Gutshot dazu. Auf einmal setzt der SB aber von vorn 5$. Was dachtest du dir nun?
  • (Coaching)Philipp: Die Befürchtung hatte ich bei dem Spieler nicht, da ich ihn schon alle möglichen Bets callen gesehen habe. Von 1/3 Pot bis Overbet - ich glaub dem Gegner war nur wichtig dass gebettet wird. Mit so einer Bet oder mit einem Check Raise meiner Turn bet hatte ich schon gerechnet, wie gesagt versucht er oft am flop zu floaten und den Pot am Turn mitzunehmen, da er ja auch davon ausgehen kann dass mir der Flop in 60% der Fälle nicht geholfen haben kann und er mich eher auf ein A setzt. Oder er versucht hier billig zu drawn
  • Flix: Letztendlich hast du seinen Bet nur gecallt. Rein Pot Odds und Implied Odds technisch glaube ich, ist das eher inkorrekt. Er müsste hier schon eine extrem starke Hand halte, damit wir ihn am River auch definitiv stacken, wenn wir treffen. Wichtig ist jetzt, dass wir seine Range ein bisschen besser einordnen können, um das beste Play herauszufinden. Am besten schätzt du ein paar Prozentzahlen.
  • [replayer hand=119256]
  • (Coaching)Philipp: Die Bet habe ich nicht des Bauschusses wegen gezahlt - da wie du sagst dies falsch wäre. Ich bin mir eben nicht ganz sicher was er mit der Bet bezwecken will, daher calle ich seine Bet und schau was er am River macht. Wenn er wieder Stärke zeigt werde ich die Hand aufgeben. Sollte aber eine gefährliche Karte kommen, würde ich am River versuchen den Pot zu stehlen. Seine Bet könnte ein totaler Bluff sein, aber er könnte genauso gut einen Flushdraw haben und One Pair das er von einem Draw verteidigen will (wobei diese Bet dafür zu gering wäre und ich deshalb eher ausschließe). Ich würde sagen 40% Bluff, 40% Draw und 20% One or Two Pair
  • Flix: Glaubst du, dass er bei einem Raise deinerseits oft callen wird? Sprich, mit seinen donkenden Draws?
  • (Coaching)Philipp: Wenn der Raise sehr hoch wäre nicht - aber ich wollte hier nicht zu viel Geld in ein Rais investieren falls er doch keinen Draw hat was meiner Meinung nach ja bei 60% wäre. Ich wollte ihn hier definitiv auf dem River bei einer gefährlichen Karte ausspielen und müsste weniger Geld investieren.
  • Flix: OK, verstehe. Ich denke, gegen einen solchen Spieler ist das Problem, dass er oft nicht folden wird. Vor allem sehen wir ja, dass wir seine Range schwerlich einordnen können aufgrund seines seltsamen Setzverhaltens. In diesen Fällen würde ich defintiv zu einem Fold raten. Wann immer eine Line keinen Sinn macht, bin ich mir oft über eines sehr sicher: Die Leute folden nicht, wenn sie komische Lines wählen. Zudem weisst du selten, welche Riverkarte eine gute und welche eine schlechte zum Bluffen sein könnte. Jedes A könnte ihm, sofern er den Backdoor Nutflushdraw hat z.B., Top Pair geben, das nur als Beispiel um zu zeigen, was ich meine. Im Grunde hast du nur deinen Gutshot, auf den du dich verlassen kannst. Ich denke, man sollte hier defintiv folden. Deine Range Einschätzung finde ich ganz gut, und ich denke, dass er oft einen Raise mit den irrtürmlichsten Händen und Draws callen wird, so dass dieser unprofitabel wird. Gut, nun zum River. Du triffst tatsäschlich, und er leadet erneut für 4$. Der Pot liegt nun schon bei 27$. Zeit für Valuetown. Warum ein so kleiner Raise?
  • [replayer hand=119257]
  • (Coaching)Philipp: Weil die Bets am Flop und Turn immer weniger als halber Pot waren und ich ihn jetzt nicht verschrecken will. Eigentlich wollte ich Ihn ja aus der Hand drängen bei einer gefährlichen Karte. Aber nachdem ich die Nuts gerivert habe, will ich keinen Fold von ihm sondern noch eine Auszahlung von One Pair Händen.
  • Flix: Wie schätzt du seine Range nun ein, nachdem er nur 4$ donkt?
  • (Coaching)Philipp: eigentlich sehr schwach. Das sieht so aus wie: Ich will noch 4 investieren um einen Showdown zu sehen - also eine reine blocking bet. Von daher ist es schwer abzuschätzen wie viel man noch von einer so schwachen Hand und einer so änglichen Bet raus holen kann. Ich denke meine Bet war das maximum was er bezahlen würde
  • Flix: Da du am Turn 5$ in einen 18$ Pot gecallt hast und nur ca. jedes 10te mal deinen Gutshot machst, müsstest du am River eigentlich noch mindestens  das 7-fache der investierten 5$ machen, also 35$, um deinen Call zu rechtfertigen. Ich glaube, dass der Gegner nach dem Turn definitiv eine Showdown-fähige Hand hält. Das Board gibt dir die Nuts. Hast du mal drüber nachgedacht All-in zu raisen?
  • (Coaching)Philipp: Ja darüber hab ich auch nachgedacht um es als Bluff aussehn zu lassen, aber nachdem die 4$ bet so extrem schwach ausgeschaut hat war ich mir ziemlich sicher dass er das All in nicht bezahlt hätte
  • Flix: Ich glaube, dass Moving In hier einen sehr guten EV hat. Das ist einer der Spots, in denen zwei second-best Straights möglich sind, 76 und J7. Die callen deinen Shove. Genauso ist es möglich, dass er am Turn tatsächlich Two Pair oder ein Set gemacht hat und nun kleine Bets aus genau demselben Grund macht, aus dem du deinen kleinen Raise machst. Ich denke, nachdem du den Turn gecallt hast, ist Shoven hier das beste Play. Er muss den Shove hier nur in mehr als 36% der Fälle [Anm.: Wen die exakte Rechnung interessiert, sollte mich kurz kontaktieren per PM, oder Korrekturen an mich schicken!] callen, damit der EV grösser ist, als der deines Raises. Und ich denke, dass es eine Menge Combos gibt, die hier eine second-best Hand gemacht haben, die uns auszahlt. Der grösste Wert deiner Hand kommt nun daher, dass du gegen starke Hände das Maximum rausholst, da du am Turn nur mit dem Gutshot gecallt hast. Du bekommst in der Regel einen Shove sicherlich nicht seltener bezahlt als einen 35$ Raise, und die 35$ sind ja, wie wir oben festgehalten haben, das Minimum, was du am River gewinnen musst.
  • (Coaching)Philipp: Interessant, soweit hab ich gar nicht gedacht, werde ich mir aber für die Zukunft merken :)
  • Flix: Ich denke auch, dass er hier sehr gut 76 halten kann: Callt den Flop mit einem Gutshot, der verwandelt sich in einen Open Ender, und er donkt von vorn in der Hoffnung auf Foldequity. Besser noch, wenn er am Turn Two Pair mit 89, K8, K9 oder sogar ein Set 9er gemacht hat. Das sind alles plausible Hände, die uns locker bezahlen würden, wenn wir shoven. Es gibt darüber einen Abschnitt in Sklanskys No Limit Holdem Theory and Practice Buch, in dem er das ebenso vorrechnet, warum in manchen Spots Moving In with the Nuts tatsächlich das Play mit dem höchsten EV sein kann. Es müssen nur genügend Combos draussen sein, die uns callen werden. Und ich denke, dass dies hier
  • (Coaching)Philipp: Auf diese Hände hab ich ihn gar nicht gesetzt und daher auch nicht drüber nachgedacht...Ok. Werde ich berücksichtigen in Zukunft :), leider hat man ja nicht so oft die tatsächlichen Nuts ;)
  • Flix: Ja genau, daher ist es wichtig, sich auch mal zu überlegen, wie man die Nuts am profitabelsten spielen kann, wenn man sie denn mal hat :). Auf jedenfall eine interessante Hand! Halten wir am besten nochmal kurz fest: Ich würde den Turn folden, da seine Range zu undurchsichtig ist, und er selten folden wird bzw. du nicht weisst, welche Riverkarten gut sein könnten, um gegen seine sehr weite Range zu bluffen. Willst du zum Schluss noch etwas hinzufügen?
  • (Coaching)Philipp: Nein, ich denke, es ist alles gesagt.

Wie immer sind Fragen, Anregungen und Kritiken zu jedem der Punkte, die Philipp und ich in der Session angesprochen haben, erwünscht! Also feuert los in den Kommentaren :) Bis zur nächsten Woche,

Euer Flix

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