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/Mär/2009

6 Max Talk - Limped Pots

Von: minraise @ 17:20 (CET) / 11 / Kommentar ( 94 )

Wie versprochen gibt es diese Woche den ersten Teil der "neuen Idee". Wer in eine der letzten 6 Max Training Sessions, in denen wir Hände von Usern reviewed haben, reingschaut hat, kann schon erahnen, worum es geht. Persönlich war ich selbst sehr begeistert vom Format Interview "Trainer - Student", daher auch der Name 6 Max Talk. Die User haben mir Hände geschickt und unter Ihrer Anwesenheit in Form eines Interviews beim Training haben wir diese dann analysiert. Das tolle an diesem Format ist: Jeder profitiert. Es werden gegenseitig Fragen gestellt, und auch ich als Trainer habe nicht immer eine perfekte Antwort auf alle Fragen parat - genausowenig habe ich die perfekte Line, um eine bestimmte Hand zu spielen. Aber das Auseinandersetzen mit und das Diskutieren der Materie kann die Denkweise bzw. das Spiel aller beteiligten verbessern.

Somit entstammt der Inhalt für diese neue Blogserie aus einer privaten Diskussion mit Schüler und Intelli User AlphaFlip. Philipp aka AlphaFlip hat mit mir zusammen einige seiner kniffligen NLHE 6 Max Hände analysiert und das Ergebnis dieses Interviews möchte ich Euch gern zu Teil werden lassen. 

Kurz ein paar Worte zu AlphaFlip: Philipp kam zu mir als ein regulärer Turnierspieler, der den Spass am Cashgame gefunden hatte. Da er oft erfolgreich live in Casinos spielt, wollte er nun auch endlich den Schritt zum Online Poker Gewinner wagen und bat mich, ihn privat im 6 Max Format zu trainieren. Da er bisher online Break Even gespielt hatte, wollte er nun einen Teil seiner Live Gewinne dafür nutzen, eine Bankroll im 6 Max Format aufzubauen. Das klappt nach einer weiteren kurzen Break Even Phase zu Beginn unserer Trainings nun aber sehr gut. Philipp hat mit der Zeit und zunehmenden Sessions enorme Fortschritte gemacht. Er kann sich als Gewinner bezeichnen und ist nun im Begriff, NL50 zu schlagen. Ich bin auch erstaunt darüber, wie schnell Philipp Konzepte aufgegriffen und nun komplett in sein Spiel eingearbeitet hat. Ich freue mich auf noch viele weitere produktive und interessante Stunden mit ihm. 

***

Thema 1 -  Limped Pots ohne Position

Ein besonders häufiges Szenario sind gerade auf den Micro Stakes nach wie vor gelimpte Pötte im 6 Max. Der Grundsatz, den man immer wieder hören wird, lautet: "Never go broke without the nuts in a limped pot". Warum ist das so? Das bereits vorhandene Geld im Pot (Dead Money) ist geringfügig. Ein Pot ist schwerlich aufzubauen, es sei denn mehrfache Bets und Raises gehen in die Mitte. Ein Pot so gross wie zwei volle Stacks wird demnach nur zustande kommen, wenn mehrere Raises einfliessen. Das passiert, wenn starke Hände gegen starke Hände treffen.

Die Hand, die Philipp mir in unserer ersten Stunde dieses Thema betreffend gezeigt hat, ist folgende:

[replayer hand=110281]

  • Felix: "Hallo Philipp, du hast diese Hand ausgwählt, um dein Spiel in gelimpten Pötten zu verbessern nehme ich an. Hier füllst du mit auf, weil du gute Odds bekommst, richtig?"
  • AlphaFlip: "Ja, erstens das, und zweitens ist der Button Limper ein relativ fischiger, schwacher Spieler. Er spielt über 50% seiner Hände und gegen den rechne ich mir hier einen klaren Vorteil aus. Ich denke, dass er oft zu weit gehen wird mit seinen schwachen Händen, und wenn ich einen Flush, eine Straight, Trips oder Two Pair mache, kann ich ihn sicherlich stacken."
  • Felix:"Alles klar, das sind auf dem Papier gute Argumente. Du hast augenscheinlich gute Pot und Implied Odds. Das ist glaube ich ein grosser Trugschluss, gerade mit spekulativen Händen, die nicht zu den Nuts ziehen, und gelimpte Pötte + Action ist in der Regel nur für Nutlastige Hände profitabel. Ich würde hier viel lieber mit auffüllen, da ich mich gegen den Limper mit einem getroffenen Ass oder dem Flushdraw sehr wohl fühlen würde. während ich eine getroffene oder eine sowie einen 6-hohen Flushdraw als sehr schwach und verwundbar ansehe. Das Problem, das ich hier sehe, ist: Du wirst öfter in Dominierungs-Situationen geraten, auch wenn der Spieler sehr schwach ist. Sowohl deine Paare als auch deine Flushes können höufig dominiert werden. Wenn du postflop entsprechend vorsichtig weiterspielst, wirst du keine grossen Probleme bekommen, aber einen riesigen +EV Spot sehe ich in dieser Situation nicht. Schauen wir uns an was passiert."

[replayer hand=110282]

  • Felix: "Du floppst einen Flushdraw und spielst ihn direkt mit einem Potbet an. Weshalb wählst du hier die aggressive Variante?"
  • AlphaFlip: "Ich denke, ich habe hier auf jedenfall ein bisschen Foldequity gegen beide, und da ich einen Bet nicht zahlen möchte ohne Pot Odds zu haben, bette ich lieber selbst. Der Big Blind ist mir unbekannt, also möchte ich den Pot entweder hier aufsammeln oder einen Pot gegen den fischigen Spieler basteln, um Auszahlung von einem Ass oder sogar einer Dame zu bekommen. Meine Hand ist dann auch gut versteckt durch den Semibluff, falls er callt."
  • Felix: "Ok, das hört sich sinnvoll an. Ich denke auch, dass ich hier anspielen würde. Jetzt macht der Button einen Minraise. Was gibst du ihm hier für eine Handrange? Und wie ist dein Plan?"
  • AlphaFlip: "Ich geb ihm hier fast immer ein schwaches Ass, manchmal vielleicht auch Top Two Pair, oder sogar die gefloppte Strasse. Ich denke, meine Implied Odds sind sehr gut, und der wird mich auszahlen, wenn ich meinen Flush treffe. Pot Odds sind auch gut, denke ich."
  • Felix: "Da stimme ich nicht ganz mit dir überein. Ich glaube, dass der Spieler hier ganz oft, wie du sagst, starke Hände hält - Dazu zählen aber vielleicht auch und vor allem dich dominierende Flushdraws mit der oder dem , sowie Hände, die sich vielleicht bedroht sehen, wenn du den Flush machst. Ich schätze in dieser Situation deine Implied Odds nicht allzuhoch ein - oftmals glaube ich, dass du in Dominierungsprobleme kommst, ansonsten sehe ich eher dein Payoff gefährdet, da du 1. Out of Position bist, was es immer schwer macht, Geld in den Pot zu bringen, besonders wenn der Gegner den Turn hinterher checkt sobald der Flush oder die Strasse ankommt, und 2. liegt deine Hand relativ offen auf dem Tisch, als schwache Made Hand oder Draw. Du würdest stärkere Hände sicher nicht slowplayen auf diesem Board, nehme ich an. Deine expliziten Pot Odds sind auch nicht allzu berauschend von Flop auf Turn. Du benötigst mindestens Odds von mehr als 1:4, bekommst aber nur 1:3, musst dich also genau auf deine Implied Odds verlassen, wenn du bezahlst. Wie ist nun dein Plan?"
  • AlphaFlip: "Ich zahle, und versuche jeden Flush Turn zu check/raisen und riskiere natürlich dann auch meinen gesamten Stack. Siehst du hier den Fehler?"
  • Felix: "Ja, ich denke, der Call ist sicher nur ein marginaler Fehler, den du am Flop hier begehst. Aber dieser "kleine" Fehler kann sich zu einer kostspieligen Situation verwandeln."

[replayer hand=110284]

  • AlphaFlip: "Ich hab dann den Flush am Turn gemacht, und nochmal zu ihm gecheckt, da ich denke, dass er seine starken Hände hier nochmal ansetzt. Gehe nicht davon aus, dass er hier oft ein Full House hat. Siehst du das anders?"
  • Felix: "Teils, teils. Ich denke zum Beispiel eher nicht, dass er ein Ass nochmal anspielen wird, wenn der offensichtliche Flush ankommt. Selbst wenn er das tut, foldet er vielleicht auf den Check/Raise, den du planst. Ich würde hier lieber von vorne anspielen. Die Dame ist natürlich in zweierlei Hinsicht keine schöne Karte. Erstmal bist du im Flush über Flush Szenario drawing dead, genauso bist du es, wenn er eine Hand wie hält, oder sogar ein slow gespieltes . Auch wenn die Wahrscheinlichkeit eines Full Houses nicht allzu hoch ist, die Gefahr in dieser Situation ist schon recht hoch, gerade wenn ein fischiger Spieler viel Interesse auf einem angsteinflössenden Board zeigt. Am Turn, im Vakuum gesehen, gehe ich auch pleite, weil ich meine Hand gemacht habe. Aber wie du siehst, haben kleine Fehler vor dem Turn dafür gesorgt, dass du hier drawing dead warst."
  • AlphaFlip: "Ja, im Nachhinein habe ich mich nach seiner Action auch nicht mehr so wohl gefühlt, da war etwas im Busch. Der kritische Punkt ist also deiner Ansicht nach der Flop Call? Anspielen ja, Callen nein."
  • Felix: "Ja, ganz genau. Ich denke, anspielen hat Foldequity und den Vorteil des Semibluffs. Leider müssen wir gegen die gute Position und die Action des Buttons ganz einfach aufgeben. Unsere Hand ist nicht stark genug, hat nicht genug Implied Odds, und wir sind in einer absolut ungünstigen Position für den Restverlauf der Hand. Bei den Vorraussetzungen folde ich am Flop, wohl am ehesten sogar noch preflop. Wenn du auffüllst, musst du, so denke ich, an genau einer kritischen Stelle wie dem Flop noch aus der Hand kommen können, um nicht zu viel Geld zu verlieren auf Dauer in diesen Situationen."

Als Fazit kann man den letzten Satz wohl so festhalten. Ich glaube, die verlockenden Pot Odds, die man im Small Blind bekommt, können langfristig durch eine Vielzahl von Postflop Fehlern und die ungünstige Situation zunichte gemacht werden. Man sollte sich vorher vielleicht ein paar Gedanken machen, welche Hände sich tatsächlich gegen welchen Gegner profitabel spielen lassen, bevor man den Small Blind auffüllt.

Nächste Woche geht es mit Teil (2) und einer weiteren Hand von AlphaFlip weiter. AlphaFlip und ich würden es natürlich auch begrüßen, wenn Ihr in den Kommentaren Eure Meinung zur Hand abgebt. Ich hoffe, das "Interview" hat Euch gefallen. Das Format gibt es auch hier in diesem Thread für meine Live Training Sessions hier bei Intelli. Wer mitmachen möchte, kann sich gern per PM bei mir melden. So verbleib ich erst einmal bis nächste Woche,

Euer

Flix

 

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