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minraise blog

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/Jan/2010

[ˈbæŋkˌrəʊl]

Von: minraise @ 00:38 (CET) / 235 / Kommentar ( 9 )

Wieso heisst das virtuelle Geld, das ich in der PokerStars Kasse habe, eigentlich Bankroll? Diese Frage habe ich mir schonmal ganz zu Beginn meiner Pokerkarriere gestellt, aber bin nie wieder wirklich drauf eingegangen. War einfach ein cool klingender Begriff, und mit cool klingenden, englischen Begriffen jongliert man als Poker Noob (hust) natürlich gern herum. Dann hat man den ersten Check-Raise kassiert oder gemacht (saucool klingendes Wort), und irgendwann kam für die Fortgeschrittenen auch sowas wie Snapcall. Zurück zu "Bankroll": Die direkte Übersetzung ist nichts weiter als "Geldscheinbündel". Aber was hat man als Online Spieler mit Geldbündeln zu tun? Man sieht ja nur virtuelle Zahlen. Während meiner Live Sessions im letzten Jahr wurde mir dann zum ersten mal in meinem Pokerleben bewusst, wieso das Zeug, aus dem die feuchten Träume eines Pokerspielers sind, so genannt wird und woher der Name kommt.


Vor unserer ersten Bellagio Poker Room Session gingen, musste ich mir natürlich irgendwie Bargeld ziehen. Die Überlegung war: Fange ich zum Eingewöhnen erstmal klein klein an und spiele $1/$2 No Limit, oder gebe ich direkt Vollgas am $2/$5 NL? Das Problem war aber gar nicht so sehr die Entscheidung selbst, sondern zunächst einmal ein rein technisches. Meine "virtuelle" Bankroll gab beides her, aber die ATM im Wholefoods Supermarkt, die übrigens nur $1 Gebühr nimmt im Gegensatz zu den üblichen Casino Gebühren, wollte mir nur maximal $800 ausspucken. Der Profi Pokerspieler rechnet natürlich im Kopf bei Zahlenangaben nicht in $, sondern denkt in Stacks, oder sogar in Big Blinds. Gerade eben noch 4 Big Blinds für's Chinafood und 2 Coke ausgegeben, jetzt müssen die Stacks für die nächste Session her. Neben dem Auszahlungslimit hatte der Automat an diesem Tag aber noch weitere Zicken auf Lager und spuckte mir die $800 in $20 Scheinen aus. Auf der Autofahrt zurück zum Bellagio überlegte ich dann noch ein wenig hin und her, wie ich es denn jetzt mache: "$800 sind 4 Stacks für $1/$2, aber nur 1 Stack und ein paar Zerquetschte für $2/$5. Wenn ich also 1 Stack verbrate, kann ich mich noch nichtmal anständig nachkaufen am $2/$5. Umgekehrt, wenn ich direkt verdopple, und es gut läuft, dann bin ich voll im Rennen. Und morgen kann ich nochmal $800 zur Sicherheit im Wholefoods ziehen. Wenn ich mit $1/$2 anfange, und die andern mir dann direkt von ihren sicken Upswings oder den dicken Fischen auf $2/$5 erzählen, dann habe ich vielleicht meine Pokerzeit am ersten Tag vergeudet." Wer kennt solche Gedanken nicht? Vernunft oder Risiko? Und was war nochmal Bankroll Management? Im Prinzip habe ich das einzig vernünftige Risiko genommen. Den roten $5 Big Blind Chip gepostet.

Dier erste Tag im Bellagio verlief sehr glücklich, kann ich nicht anders sagen. Nachlesen kann man das ganze übrigens auch noch im Detail in meinem User Blog "Der Flix-Max Supernova Blog". Aber: Vernünfitg war das sicher nicht. Im Grunde habe ich riskiert, dass ich an einem doch recht profitablen Tisch sitze und aufgrund der monetären Verhältnisse in meiner aktuellen Bankroll fehlerhafte oder fehlgeleitete Entscheidungen treffe, die schlechte Konsequenzen für mich hätten: "Nee, den Call mach ich jetzt nicht. Wenn ich verliere, kann ich gleich nicht mehr weiterspielen...", oder "Ich spar mir den Bluff, wenn der nicht funktioniert...". An einem saftigen Tisch wäre das eine Katastrophe. Nicht nur schlechte Entscheidungen, sondern auch das ständig drohende Ende der Session über einem. Nicht mehr nachkaufen zu können, wenn man sieht wie rechts und links Geld durch die Gegend geschossen wird, ist in etwa die höchste Demütigung. Ich habe mich an dem Tag ein wenig frei machen können von solcherlei Ängsten, wohl beflügelt von dem Wohlgefühl, wieder in Vegas zu sein. Ich habe das Risiko in Kauf genommen, nur eine kurze Session für den Tag spielen zu können, wenn es schlecht läuft, und damit eine Art Tausch gemacht: Ich habe mein sonst sehr konservativ und optimiertes Bankrollmanagement eingetauscht gegen den Risiko "Shot" und potentiell 1.5-fachen Profit auf einem Limit, für dass ich nicht "rolled" war. Dabei bin ich all meinen Live-Poker Grundsätzen, die ich mir auferlegt habe, treu geblieben:

Einer davon ist: Eröffne so schnell wie möglich die erste spielbare Hand und prügel sie, wenn möglich durch. (Fürs Image)

  • Direkt in einer der ersten Hände raise ich im Hijack Seat nach einem Limper mit auf $25. Der Big Blind und der Limper zahlen beide. Der Flop kommt für mich mit einem Gutshot. Im Pot liegen ~$80. Beide checken zu mir, also bleibe ich meinem Grundsatz treu und repräsentiere mit einem Bet von $60 das Ass. Der Big Blind foldet, aber der Limper, ein bisher redseliger Engländer, bezahlt. Er verstummt auch ein wenig und starrt auf das Board während er in der Hand ist, was mir irgendwie bedeutet, dass er ein Ass hält. Der Turn ist die , ich bekomme Showdown Value, die aber nicht allzu viel wert sein sollte mit meinem Read. Er checkt mir schnell den Turn zu. Seine Blicke und Gesten verraten mir, dass er bezahlen wird, egal was ich setze, und zum Showdown möchte. Zudem möchte ich ausschliessen, dass er am Turn noch einmal mit einem einzelnen Herzen durchcallt. Ich habe gegen ein Ass noch eine Hand voll Outs, aber bin nicht sehr zuversichtlich, dass ich den Pot nach Hause hole. Der River ist die , und keine Hilfe für mich. Oder doch? Hier müsste mir eigentlich der A**** auf Grundeis gehen. Er checkt, lässt aber keine Reads heraus. Ich meinerseits schaue in den $200 Pot und auf meinen Reststack. Das ist meine "Roll" für heute. $300 extra hab ich noch in der Tasche. Den Pot kann ich nur mit betten gewinnen, und das nicht zu knapp, damit ich nicht von sowas wie bezahlt werde. Ich bette $155, und er foldet sehr schnell offen . Puh.

     

Eine solche, typische Situation habe ich mir durch meinen Bad Bankrollmanagement vs Good potential Profit Tausch selbst eingebrockt. Ich muss aber auch mit den Konsequenzen leben, und aufs Gaspedal drücken, wenn das Rennen losgeht. Der Crash ist natürlich schon miteinberechnet, und den Aufenthalt im Krankenhaus für den Rest des Tages (aka Hotelzimmer in diesem Fall) nehme ich eben in Kauf. Das Ding hätte in die Hose gehen können, oder aber ich hätte gar nicht erst die Eier gefunden, nochmal zu feuern, weil ich knapp bei Kasse bin. Hier passt dann ein anderer Poker Grundsatz: Lasse niemals den Faktor Geld eine Rolle bei deinen Poker Entscheidungen spielen. Die restlichen Hände von dieser Session könnt ihr im User-Blog nachlesen, es war eine relativ erfolgreiche und natürlich auch glückliche Session. Am Ende des Crashkurses liess ich mir $1500 auszahlen. Die $20er vom Wholefoods war ich schon los, und im Bellagio gibt es an der Kasse zwei Töpfe mit Gummis für die Bankroll. Ich machte eins um meine 15 Scheine, und das Bündel packte ich in meine Hosentasche. Jetzt weiss ich auch, warum das Ding Bankroll heisst.

In diesem Sinne: Passt gut auf Eure Roll auf und bleibt immer schön konsequent.

Euer Flix

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