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/Apr/2010

Das ganze Leben ist ein Quiz - Außer Poker

Von: minraise @ 16:51 (CEST) / 1 / Kommentar ( 12 )

Als ich mit No Limit Hold 'Em angefangen hatte, war der Leitspruch, den ich überall las: "Aggressive Poker is Winning Poker". Was das tatsächlich heisst, habe ich aber erst mit zunehmender Erfahrung begriffen. Manche Poker Konzepte sind, sobald man sie begriffen hat, eigentlich ganz einfach. Ihre Einfachheit und Effektivität sind oft sogar erleuchtend.  Aber zu dem Punkt zu gelangen, an dem man wirklich mit Bestimmtheit sagen kann, dass man sie wirklich verinnerlicht hat und nun auch bis zur Perfektion anwendet, kann unter Umständen lange dauern. Man begegnet immer wieder neuen Spots, in denen man vorher noch nicht gewesen ist, und man macht auch immer wieder neue Fehler. Auch heute noch spiele ich Hände, nach denen ich erst wirklich verstehe, warum gerade dieses Konzept so wichtig oder effektiv ist. Eins davon ist mir gleich mehrfach in einer meiner letzten privaten Coaching Stunden und auch in ein paar meiner neulich gespielten Hände begegnet: Mach' Poker nicht zu einem Ratespiel.

Ratespielchen am River?

Ihr werdet mir das wahrscheinlich gut nachempfinden können, wenn ich sage, dass ich an so vielen Pokertischen am River zähneknirschend mit den sauber für den Call schon zurecht gelegten Chips saß und mir den Kopf darüber zerbrach, was mein Gegner wohl halten würde. Ist das ein Bluff? Oder hat er es mal wieder? Diese schönen Chips, die dann vor mir liegen, wären aber vielleicht einfach an einer anderen Stelle besser eingesetzt gewesen. Was das heisst, will ich nun erklären.

Durch meine eigene Erfahrung und besonders in privaten Coachings habe ich herausgefunden, dass viele "Fehler" durch einfache Unsicherheit oder ein falsches Bewusstsein über relative Handstärke entstehen. Situationen, die eine solche Unsicherheit begünstigen, sind diejenigen, bei denen man den Flop als Preflop Aggressor bettet, am Turn hinterher checkt, und am River mit einer ungünstigen Karte und einer Bet konfrontiert wird. Meist zahlt man dann die bessere Hand aus, oder man foldet die beste Hand. Der Gegner kann am River die wildesten Draws komplettiert haben, und man wird es entweder niemals wissen, oder aber man zahlt ihn aus und ärgert sich hinterher schwarz.

  • Ein Beispiel:


Potcontrol!


Werden jetzt viele schreien. Das ist doch Potcontrol. Flopbet, Turn Check, Call River. Der Gegner könnte einen König haben, warum also den Turn betten? Viele vergessen dabei aber, dass das Konzept der Pot Control eigentlich nur wirklich greift, wenn man...
  • so weit vorne liegt, dass dem Gegner kaum Equity bleibt
  • man die gegnerische Handrange auf so viele schwächere Hände setzt, die keine Turnbet mehr callen würden
  • der Gegner aggressiv genug ist, am River auch eine breite Bluff-Range (oder eine extrem dünne Valuebetting Range) zu haben
Im obigen Beispiel liegen auf dem Flop sowohl Straight- als auch Flushdraws jeglicher Art. Natürlich könnte der Gegner einen König halten. Er könnte auch ein Set haben, oder Two Pair (obwohl er die bei der drawlastigen Textur des Flops wohl eher raisen würden), aber im Grunde kann er einfach ALLES haben. Eine schlechtere , eine , Gutshots, Flushdraws, Kombinationen von beiden. Warum den Turn also betten? Die Antwort besteht aus vielen kleineren Punkten, aber man kann sie unter einem Gesichtspunkt zusammenfassen: Betten macht dir das Leben leichter!

Ein paar Überlegungen hierzu:
  • Wenn der Gegner einen König hält, und wir den Turn checken, der River blankt und er setzt, sind wir geneigt zu callen. Wir sagen uns: Er kann ja einige verpasste Draws halten, oder eine schwache selbst betten. Wir würden also einen König sowieso auszahlen.
  • Wenn wir checken, und der Gegner setzt am River z.B. auf eine unschuldig aussehende , die ihm aber eine Straight oder Two Pair gegeben hat, zahlen wir ihn ebenfalls aus.
  • Wenn wir den Turn betten, callt der Gegner am Flop und am Turn sowieso mit fast allen seinen Draws, und wir geben ihm keine freie Karte - ein Fehler weniger, den wir machen, und ein potentieller Fehler mehr, den unser Gegner machen kann (Call gegen seine Odds)
  • Wenn wir den Turn selbst betten, ist der Pot am River schon größer. Da wir zweimal gebetted haben, machen wir es dem Gegner schwieriger, den River zu bluffen. Er müsste mehr Geld in einen Bluff investieren, und er fühlt sich womöglich nicht so sicher, als wenn wir am Turn Schwäche gezeigt hätten. Wir bekommen also den freien Showdown für den gleichen Preis.
Es gibt sicher mannigfaltige Beispiele für Hände, bei denen das Konzept der Potcontrol fälschlich angewendet wird. Die Beispielhand, die ich Euch oben gezeigt habe, ist genau so eine aus meiner eigenen Datenbank. Sie fiel mir erst neulich wieder ein, als ich ein privates Coaching gab, in dem ich diese Thematik zum Schwerpunkte machte. Zumeist ist es ganz einfach Unsicherheit und das typische Denken "Ich halte eine mittelstarke Hand, ich muss den Pot klein halten.", die einen dazu verleiten, in vielen Spots den "easy way out" zu nehmen durch einen Check Behind. Es stellt sich dann allerdings auf der nachfolgenden Straße oft heraus, dass dieser vermeintlich einfache Weg einen in ein wahres Dilemma gebracht hat. Spätestens, wenn der Gegner nach einem Turncheck die dicke Riverbet auf den Tisch packt (und wenn es auch nur die dicken Eier waren, die ihn dazu veranlasst haben), müssen wir Ratespielchen spielen. Aber wir haben doch...

Showdown Value?

Genau wie Potcontrol ist Showdown Value in diesem Zusammenhang ein oftmals missverstandender Begriff. Nur weil eine Hand "Showdown Value" hat, ist sie nicht automatisch dazu verdonnert, den Bluffcatcher zu spielen, geschweige denn immer eine große Riverbet zu callen. Showdown Value kann sich auch erst dann entfalten, wenn man beispielsweise durch eine Turnbet oder einen Raise einen free Showdown bekommt.

  • Noch ein Beispiel:

In dieser Hand wurde der freie Showdown durch Betten erarbeitet. Mit dem zweitbesten Ace High hier den Turn zu betten, der zudem eine Scarecard darstellt für viele kleine Paare, verschafft erst die Möglichkeit, den River hinterher zu checken und die "Showdown Value" dieser Hand auch wirklich zu nutzen. Es bleiben sogar oft noch 6 Outs, falls der Gegner dennoch mit einem kleineren Paar den Turn callt oder zufälligerweise einen getroffen hat. Man könnte den Turn auch hier behind checken, um ggfs. am River einen Bluff zu catchen. Aber dann muss man sich den ganzen Fragenkatalog von neuem stellen und genau die ungewünschten Ratespielchen spielen.

Poker ist aber keine Quiz-Show. Und wenn doch, dann will ich derjenige sein, der die Fragen stellt und nicht der, der sich die Antworten ausdenken muss.

In diesem Sinne,
Euer Flix

P.S.: Über den Ausgang von Beispiel 1 könnt Ihr ja in den Kommentaren spekulieren.

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