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/Okt/2010

Der Masstabling Effekt

Von: minraise @ 17:01 (CEST) / 10 / Kommentar ( 10 )

Gestern nachmittag um 17:00 rief mich ein Freund an und wir sprachen ein wenig über unser aktuelles und zukünftiges Pokerpensum. Er fragte mich, ob ich den Supernova Status schon für dieses Jahr erreicht hätte, und ich antwortete mit ja. Durch meine Grinding up through the Micros Challenge hatte ich natürlich brav jeden Monat mindestens meine 7500 VPPs gemacht, um den Month-by-Month Status zu erhalten. Da ich seit August in der Challenge auf NL100 spiele, war es auch gar kein Problem die benötigten VPPs selbst mit täglichen 500 bis maximal 1000 Hände Sessions zu erreichen. Das gehörte auch mit zu meinem Konzept: Möglichst wenig Tische gleichzeitig, viel Fokus auf die einzelnen Hände und damit die Winrate maximieren. Hat wie man anhand der bisherigen Ergebnisse sieht, gut geklappt.

Als ich dann gestern in den Cashier schaute, um meinem Kumpel meinen Status nochmals zu bestätigen, musste ich dann erschrocken feststellen, dass mir ganze 2500 VPPs fehlten, um das Jahresziel der 100.000 benötigten VPPs für Supernova zu erreichen. Uhrenvergleich: 30. September, 17:00. Aktueller Status: Supernova mit 97,500 VPPs. Da kam wohl wieder mal das Mathegenie xflixx ins Spiel: Er rechnete sinnvollerweise 7500 VPPs x 12 Monate = 100.000 VPPs für Supernova! Oh wait...




  Projekt Masstabling

Also blieben mir gestern noch genau 13 Stunden, um über 6000 Hände auf NL100 zu spielen. Gut, ich hätte hingehen können, um auf NL200+ schneller VPPs zu sammeln...Fixed Limit, SNGs, was auch immer. Aber das würde mich im Endeffekt vielleicht mehr Geld kosten, als mir Supernova nützt. Daher habe ich mich an meine Vorgaben und mein Bankrollmanagement gehalten - auch um die Challenge nicht platzen zu lassen - und mir brav das ganze Pensum in einer Nachtschicht vorgenommen. Kurzum: Ich habe es geschafft. Um 3 Uhr nachts bin ich mit einem vom Mausclicken wunden Zeigefinger ins Bett gefallen. Aber ich habe wieder einmal einige wichtige Schlüsse ziehen bzw. bestätigen können, die mir eigentlich schon aus früheren Zeiten aus meiner Pokerlaufbahn bekannt waren:

  • Masstabling ist schlecht für die Winrate
  • Grinden für ein Ziel oder einen Status erzeugt enorm viel Druck
Besonders der letzte Aspekt ist es, der bei vielen Spielern einen extremen Abfall der Winrate erzeugen kann. Es entsteht eine Art Teufelskreis: Man setzt sich an ein paar Tische, spielt erstmal wie gewohnt eine Session, merkt dann auf einmal, dass die normale Tischzahl nicht die gewünschte, schnelle Produktion von VPPs hergibt - und dann nimmt man einen weiteren Tisch dazu. An den anderen Tischen verliert man nun ein wenig den Fokus, verpasst hier mal eine dünne Valuebet, macht dort mal eine standardisierte Bet zu viel, ballert ohne Sinn und Verstand in den Fisch, weil man gerade dran ist - oder checkt auch lieber mal, weil die Timebank einen zwingt. Oftmals merkt man schon gar nicht mehr, dass man in den verschiedensten, wichtigen Spots bereits auf Autopilot geschaltet hat. Standardisierte Betsizes, Betting Lines und Muster - ob profitabel oder nicht - werden ohne weitere Reflexion angewendet. Diese "Kleinigkeiten" summieren sich aber über den gesammelten Zeitraum der Session zu einem großen Leak-Klumpen, der ein ganz großes Loch in die Winrate frisst.

Die Liebe zum Detail

Das wichtigste im Poker sind oft aber eben "nur Kleinigkeiten" - viele Spieler schaffen es, sich durch Büffeln von Theorie einen ganz bestimmten, soliden Spielstil anzueignen. Sie wissen, wann sie Hände X und Y in Situation Z eröffnen, aber dafür Hände M und N in Situation O folden sollten, aber durch Masstabling entgehen ihnen die wirklich wichtigen Kleinigkeiten in den entscheidenen Situationen. Beispielsweise am River, wenn eine dünne Valuebet platziert werden muss, um die Winrate richtig zu pushen. Oder ein wichtiger Teil der Tischdynamik wird verpasst, der verraten hätte, dass der Kollege Schnürschuh auf Platz 4 jetzt ganz sicher blufft. Die Beobachtung der gegnerischen Tendenzen fällt fast vollständig weg und Poker wird zu einem undynamischen, technischen Spiel. So einfach kann man es sich aber nicht machen, wenn man gleichzeitig mit einer Winrate kalkulieren möchte, die nicht nur aus FPPs besteht.

Bad Beat Mania

Schlimm auch: Durch die erhöhte Zahl von Tischen sieht man natürlich auch eine erhöhte Zahl an Händen. Das wiederum bedeutet, dass Bad Beats "gefühlt" häufiger auftauchen, als man es durch die üblichen Sessions gewohnt ist. Gerade wenn hier sowieso schon eine noch so kleine Tilt-Anfälligkeit vorliegt, wird diese durch die genannten Umstände ganz sicher noch massiv amplifiziert. Die Bad Beats rattern nur so an einem vorbei. So ist es mir beispielsweise zu Beginn in meiner Session gestern passiert. Da ich sonst Sessions von maximal 500 bis 1000 Händen pro Tag spiele, fühlt sich eine Bad Beat Kette über 2500 Hände unnatürlich "groß" oder "ungerechtfertigt" an - obwohl das alles Dinge sind, die natürlich auch passieren würden, wenn ich nur eine kleine Session spiele. Nur würde ich wohl nach den ersten paar Beats den Dienst quittieren, und vielleicht später weitermachen, sodass später der Druck von vielen verschiedenen Beats nicht mehr auf mir lastet.

Die Tiltspirale

Ein weiterer Nachteil mit einem weitreichenden Effekt ist der Zwang, bei der Sache bleiben zu "müssen" - oder sich gezwungen zu fühlen. Man läuft den VPPs, den Händen oder dem Profit hinterher und merkt dabei nicht, wie man sich immer tiefer in die sich abwärts drehende Spirale in Richtung Tilt läuft:

  • Zu wenig VPPs >> Mehr Tische >> Weniger Fokus >> Weniger Profit >> Mehr Tilt

Am Ende steht man dann zwar mit der gewünschten Zahl von VPPs oder Händen, aber ohne die Substanz einer soliden Winrate. Und das stellt nun wirklich nicht zufrieden.

Ich habe mein Projekt "2500 VPPs in 13 Stunden" gestern dann zwar nach 6000 Händen um 3 Uhr nachts abschliessen können und konnte die Session auch mit ein wenig Plus verbuchen, muss aber gestehen, dass mir diese Form des "aufgezwungenen Masstablens" extremst zu wider war und ich allein deshalb schon nicht mein A-Game spielen konnte - auch wenn ich das oft gedacht habe. Man lässt unterwegs einfach viel zu viel liegen, lässt Spot A aus, nimmt dafür von Spot B einen mehr als gut wäre, und timed dann womöglich auch noch in Spot C aus, in dem es um einen dicken Pot gegangen wäre. Ab nächster Woche kehre ich zum Glück als überzeugter 4-Tabler wieder zurück zum alten Businessplan, und rechne meinen VPP Jahresplan für 2011 dafür ein wenig besser durch.

xflixx



 

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