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minraise blog

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/Mai/2010

Detachment

Von: minraise @ 10:02 (CEST) / 5 / Kommentar ( 8 )

Komischer Titel, und wie so oft im Poker ein englisches Wort für einen ganz einfachen Zustand, für den es im Deutschen zwar auch ein Wort gibt. Aber das klingt natürlich bei weitem nicht so schön und professionell, wie sein englisches Pendant. Es geht um "Ablösung", um den Zustand, "losgelöst" zu sein. Man sagt, Poker spielt derjenige am besten, der es schafft, eine Distanz aufzubauen zwischen dem Bezug zum eigentlichen Geld, um das er spielt, zu seinen Emotionen bezüglich seiner Gegner oder dem Ausgang von Händen, also typischerweise nach einem Bad Beat bzw. Cooler. Warum das so ist, liegt eigentlich auf der Hand: Poker ist das eigentliche Spiel des Lebens - oder eher: ein Spiel, das solche rein menschliche Emotionen anregt. Wer diese Emotionen kontrollieren kann, bringt zumindest schon einmal die psychologischen Grundlagen mit, um ein erfolgreicher Pokerspieler zu werden.

Jeder kennt das Gefühl, Asse durch den fröhlich reingeflogenen 2-Outer in der Luft zerfetzt zu bekommen. Emotional reagiert man manchmal vielleicht auch, wenn ein Gegner am Tisch, der womöglich auch noch einen unfassbaren Lauf hat, einem die Chips abnimmt, oder einen zum X-ten mal check/raist: "Der kann doch nicht schon wieder...". Doch, kann er. Den Spaß am Spiel wiederzufinden und seinen Frust runter zu schlucken fällt auch nicht leicht, wenn man im Live Cashgame bereits 3 Stacks im Brand ist. Da helfen womöglich nichtmal mehr die free Drinks, die es in Vegas beim Grinden an den Tischen gibt, zum Löschen. Von A-Game keine Spur, und eigentlich wird es das beste sein, die aktuelle Session zu beenden, um an einem anderen Tag wieder anzugreifen. Warum?

  • Weil der emotionale Abstand zum Spiel unterbrochen ist.

Money Detachment

Sich ganz vom Betrag des Geldes ablösen zu können sollte das Ziel eines jeden Pokerspielers sein. Natürlich nicht in der Form, dass einem jeglicher Betrag egal wird und man aus diesem Grund Unsummen verzockt, ohne mit der Wimper zu zucken. Nein, aber das Geld in der eigenen Bankroll (und die sollte eh groß genug sein!) sollte keinen Betrag mehr haben. Es sollte vielmehr den Charakter von Lebenspunkten in einem Spiel annehmen. Man muss mit ihnen haushalten, aber man sollte nicht permanent darauf achten, wie viele noch übrig sind - denn je weiter die Aufmerksamkeit vom Spiel weg und auf die Punkte gleitet, desto mehr Fehler wird man machen. Es entsteh zudem eine Form von psychologischem Hintergrunddruck, der sich ganz oft auf die Qualität des eigenen Spiels auswirkt.

Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Aufstieg auf NL200 vor 3 Jahren, nachdem ich NL100 geschlagen hatte (online).
  • Oops, die Beträge haben sich ja verdoppelt!

Ist es denn die Möglichkeit? Die Beträge verdoppeln sich, wer hätte es gedacht! So liest sich das zwar, aber letztendlich steckt eine Menge dahinter, wenn man allein die Auswirkungen dieses Umstandes betrachtet. Als ich damals anfing, meine ersten $400 Pötte zu gewinnen bzw. zu verlieren, anstelle von $200 Pötten, ging mir ein wenig mehr die Pumpe. Ich war zwar durch mein gutes Bankroll Management abgesichert, aber dennoch machte sich bei jeder Entscheidung für das Spiel um Stacks ein gewisses Unwohlsein breit. Und das nahm natürlich Einfluß auf meine Entscheidungen: In manchen Situationen foldete ich anstatt den nötigen Herocall auszupacken, in anderen verpasste ich deshalb eine dünne Valuebet oder einen guten Bluffspot.

Mit der Zeit gewöhnt man sich an alles, aber die Phasen der Umstellung sind oft die schwierigsten. Letztes Jahr hatte ich diesbezüglich einen ganz besonderen "Aha!"-Effekt, als ich zum ersten mal die $2/$5 NL Tische in Vegas spielte: Die Chips, mit denen in Vegas gespielt wird, sind sehr leicht und fühlen sich nicht wirklich wertvoll an, wenn man sie in der Hand hält. Zudem bekommt man fast immer Türme von roten $5 Chips, wenn man sich einkauft. Dadurch verliert man manchmal auch den Überblick über die aktuelle Potsize, wenn der Dealer einfach immer nur ein rotes Meer von $5 Chips ansammelt. Und bei einer Bet schiebt man quasi oft kleine Baukräne in die Mitte. Das fühlt sich lustig an, und komischerweise kam es mir dadurch von Anfang an nicht mehr wie das Bewegen von echtem Geld vor. Ein weiterer Schritt in meinem Detachment Prozess als Pokerspieler.


Der Trick ist, sich Wege und Möglichkeiten zu suchen, um sich von den absoluten Beträgen eines Spiels - ob Cashgame oder Turnier - abzulösen. Ich kann mich auch entsinnen, dass ich bei den Turnieren am erfolgreichsten abgeschnitten habe, bei denen es mir vollkommen egal war, ob ich rausfliegen würde - ja ich drängte aus Zeitgründen sogar darauf. Wenn man ständig das Buy-In im Hinterkopf hat und sich bei jeder Entscheidung denkt: "Das könnte meine letzte sein, und dann hab ich X Stunden und X Dollar sinnlos investiert.", dann fällt es nicht leicht, klare und logische Entscheidungen zu treffen.

Viewer Detachment


Ich mache ab und an gemeinsame Sweat Sessions mit einem Pokerbuddy aus meinem Homegame. Wir schauen uns gegenseitig über die Schulter, wenn wir an den Tischen grinden und beraten uns über Entscheidungen. Eine Sache kann man ganz klar festhalten:

  • Der Zuschauer hat das maximal mögliche emotionale Detachment vom Entscheidungsprozess.
  • Der Spieler hingegen ist weiterhin "gefangen" in seiner Konzentration, die richtigen Knöpfe zur richtigen Zeit zu drücken.
Manchmal nagt er noch am Bad Beat im Orbit zuvor, und ein anderes mal möchte er gerne einen Move starten gegen Spieler X. Wenn der Zuschauer hier richtig eingreift, kann er dem Spieler helfen, sich wieder an die klaren Gedanken frei von jeglichen Emotionen zu erinnern. Desweiteren entgehen dem Zuschauer meist wichtige Details nicht, die dem Spieler manchmal verborgen bleiben, weil er seine ganze Konzentration in eine wichtige Hand stecken muss. Diese Sweat-Sessions sind für mich ein sehr wertvoller Bestandteil meines aktiven Lernprozesses geworden, und ich kann so etwas nur weiterempfehlen.
 
So long - stay emotionally detached,
Euer Flix
     



 

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